Aggregat / Aggregate
Allgemein
Ein Aggregat ist ein Gebilde, das sich aus mehreren Teilen zusammensetzt.
In der Chemie
In der Chemie ein lockerer (schwach gebundener) Zusammenhang von Ionen, Molekülen oder anderen Teilchen.
Mineralogisch
Aggregate sind zusammengefügte Mineralgemenge oder Mischungen miteinander verwachsener Kristallkörner, welche sich durch Kristallisation aus einer Lösung oder auch beim Erstarren einer Schmelze bilden.
Speläologisch
In der Höhlenkunde werden Aggregatgesellschaften (Gemenge, Verwachsungen etc.) als Kora bezeichnet.
Die beiden wichtigsten Aggregate sind die kristallinen und die kolloiden Aggregate.
Haupttypen der Mineralaggregate
(bei Aggregaten aus isometrischen, planaren (tafeligen) und prismatischen (nadeligen) Kristallen nach deren Habitus)
I. Körnig-kristalline Aggregate
Wenn einzelne Bestandteile eines kristallinen Aggregates keine sichtbare Kristallform haben, bzw. equidimensional sind, bezeichnet man ein Mineral als körnig. Es werden grob-, mittel- und feinkörnige Aggregate unterschieden.
Sind die Körner mit bloßem Auge nicht erkennbar, wird das Mineral als derb oder kompakt bezeichnet. Wenn einzelne Körner mit dem Mikroskop erkennbar sind, ist das Mineral mikrokristallin; sind die einzelnen Körner noch kleiner, bezeichnet man das Mineral als kryptokristallin.
Grundsätzlich ist die Form der Körner ausschlaggebend für die morphologischen Besonderheiten der Aggregate.
Diese bestehen aus Kristallkörnern, zwischen denen manchmal gut ausgebildete Kristalle irgendwelcher Minerale liegen.
Die am häufigsten in der Erdkruste vorkommenden Aggregate sind kristalline magmatische Gesteine sowie die meisten metallischen und nichtmetallischen Erze.
Wenn die Körner plattenförmige (laminae) Gestalt haben, so bezeichnet man diese Aggregate, je nach Größe, als schuppig oder blättrig (lamellar). Die individuellen Platten sind im Allgemeinen parallel, können aber auch um ein gemeinsames Zentrum gebogen sein und konzentrische Formen bilden. Wenn die Platten dünn und trennbar sind, bezeichnet man die Aggregate als blättrig oder schieferig. Wenn ein Mineral aus kleinen Schuppen besteht, wird es als glimmerartig bezeichnet.
Beispiele: Calcit und Gips (rosettenartig), Glimmer (charakteristisch glimmerartig),Talk und manche Hämatitaggregate (schuppig),
Aggregate mit einer in eine Richtung gestreckten Form bezeichnet man als nadelförmig (nadelig), leistenförmig, säulenförmig, stenglig, faserig; in Gruppen auftretende länglich angeordnete Kristalle sind radialstrahlig, Büschel oder Garben (acicular).
Beispiele: Natrolith (nadlig), Erythrin (leistenförmig, keilförmig), Turmalin (säulenförmig), Stibnit, Gips, Pektolith, Pyrit, Wavellit (radialstrahlig).
Radialstrahlig
Blättrig
Stengelig
Nadelig
Säulig
Faserig
II Stufen und Drusen
Verwachsungen gut ausgebildeter Kristalle, bzw. mehrere einzelne freie Kristalle, welche sich an den Wänden von Hohlräumen oder Drusen/Geoden gebildet haben, nennt man Stufen. Dazu gehören besonders Quarze, sowie alle gut ausgebildeten Kristalle, welche sich in einem freien Raum bilden konnten.
Mineralbildungen, in denen die Kristalle bei enger gegenseitiger Berührung mehr oder weniger parallel zueinander gestreckt sind, nennt man kammartig oder bürstenförmige Aggregate. Kristalle, welche in zwei Richtungen unbehindert wachsen konnten, in der dritten Richtung jedoch keinen Raum zur Ausbildung hatten, können taflige Aggregate bilden.
Kristallkrusten, Kristallrasen und Kristalltapeten bilden sich durch kleine, meist eng und dicht verwachsene Kristalle, welche sich unter beschränkten Raumverhältnissen entwickelt haben.
Die Begriffe Druse und Geode werden nicht selten synonym angewandt.
Stufe
Tafelige Aggregate
III. Sekretionen
bilden sich durch Ausfüllung unregelmäßiger Hohlräume mit kristallinem oder kolloidem Material ( Wanderung konzentrierter kolloider Kieselsäurelösungen im letzten Abschnitt der hydrothermalen Tätigkeit ). Sekretionen sind oft konzentrische oder schalige, lagenförmige (lagige) Schichten, welche sich in Farbe und Zusammensetzung unterscheiden können.
Kleine Sekretionen bezeichnet man als Geoden oder Mandeln.
Ein typisches Sekretionsmineral ist Achat; seltener Rhodochrosit, Wurtzit, Smithsonit.
IV. Konkretionen
sind meist kugelige, bzw. botryoidale, grobblättrige bis rosenförmige Gebilde von nicht ganz regelmäßiger Form, welche sich in Sedimenten bilden (Tone, Sande, etc.). Hierzu gehören, im weitläufigen Sinn, auch die Sand- und Barytrosen sowie die Sandkugeln, welche sich in der Wüste bilden.
Beispiele: Phosphorit, Sandrosen, Barytrosen, Sandkugeln, Chalcedon in Form von Knollen in Kalksteinen und in Gestalt von Konkretionen in der Verwitterungskruste. Besondere Aggregate sind Schmelzkonretionen, wie z.B. die Fulgurite oder Blitzröhren, welche durch Blitzeinschlag in Sand enstehen, diesen aufschmelzen und meist mit Sandkörnern verbacken sind.
Kugelförmige Konkretionen
Schmelzkonkretionen
V. Oolithe - Sphärolithe
Sind ähnlich wie Konkretionen (kugelig, nierig, botryoidal, rogenartig, opalähnlich, aber auch schalig), aber meist von geringer Größe, welche in wässrigen Medien um aufgewirbelte Fremdkörper entstehen. Botryoidale Massen können oft fasrig sein, bzw. haben meist einen schalenförmigen, metakolloiden bis gebänderten Aufbau und eine regelmäßige konzentrische Schichtung. Größere Oolithe bezeichnet man als pisolitisch.
Beispiel: Calcit, Aragonit (Erbsensteine von Karlsbad), Bauxit), Prehnit, Hämatit als Glaskopf, Schalenblende, selten Fluorit. Sphäroidalite sind Sphärolithe mit asymmetrischer Struktur; Diskosphärulite sind Sphärulite, deren Kristallwachstum bevorzugt in zwei anstelle drei Dimensionen geht.
Botryoidal
VI. Fließformen
entstehen aus Kolloiden (Gelen), finden sich analog zu den Kristallstufen in Hohlräumen und bilden stalaktitische, trauben- oder knospenförmige, knollige, warzige, wulstige, blasige, glaskopfartige Aggregate. (Kollomorphe Aggregate)
Beispiele: Stalaktiten von Chalcedon, Chrysokoll, Calcit und Aragonit, Limonit, Hämatit als Glaskopf, Psilomelan, Coronadit, Opal, Malachit, Gips, Fluorit, versch. Metallsulfide etc. Manche Stalaktiten sind gekrümmt, gedreht und gebogen. Solche Aggregate bezeichnet man als heliktitisch oder koralloid (vermikular) und perlschnurartigen Aggregate
VII. Kapillaraggregate, Röhren, zylindrische Aggregate, koralloide Aggregate
Kapilaraggregate sind seltene Aggregatformen, bei der das Kristallwachstum dadurch bedingt ist, dass die übersättigte Lösung die Versorgung des Kristalls mit Nährsubstanz durch Kapillarkanäle vollzieht. Nach Abschluss der Aggregatbildung (bedingt durch Störung bei der Zufuhr von Nährlösung, bzw. durch einschränkende Verhältnisse (Mineralinfarkt)) bleiben die Kapillaren (Röhren) erhalten.
Beispiel: Seltene Kapillarfluorite aus Mexico und China sowie Halit; Speleotheme und/oder koralloide Aggregate wie Aragonit, Calcit, Cölestin.
Auch die konzentrisch-zylindrischen Kylindrite sind im Prinzip röhrenförmige Bildungen.
VIII. Skelette (Hopper) und Dendriten
Skelette selbst sind keine eigentlichen Aggregate, sondern Kristalle, welche sich infolge schnellen Kanten- und Eckenwachstums bilden, wobei die Flächen nicht vollständig ausgebildet, resp. ausgespart sind. Die bekanntesten skelettartigen Aggregate sind Skelettgerüste, Nadeln, hohle Kristalle und Skelettkristalle, welche manchmal Dendriten bilden können.
Dendriten bilden sich aus mineralhaltigen Lösungen und Gasen, welche durch Kapillarwirkung in Gesteinsspalten eindringen, bzw. sich auf Flächen ablagern. Sie können auch durch Ausscheidung im festen Zustand entstehen. Im weiteren Sinne gehören hierzu auch die Liesegang'schen Ringe.
Beispiele: Fluorit, Pyrit (Skelette), Mn-oxide, Fe-Hydroxide in und auf Kalk- und Sandsteinen, Silber, Kupfer, Gold (Dendriten).
Skelette
Dendriten
IX. Krusten, Anflüge, Beläge und Beschläge
sind dünne Überdeckungen eines anderen Aggregates oder einer massiven / amorphen Gesteins- oder Mineralmatrix sowie Rinden, die bei Verwitterung entstehen, e.g. Ni-Silikate, Mn- und Fe-Hydroxide)
X. Weitere Aggregatformen
Ausblühungen
(Flaumartig-blütenähnlich (Chalkanthit), samtig-pelzig, filzig , Malachit), oft hauchdünn)
Haarig und Filzig
Typische MIneralien: Byssolith, Boulangerit-Var. Plumosit)
Drähte, Gespinste und Geflechte
Draht-, faden-, wollartige Aggregate)(Gips)
Massiv, Amorph und Erdig
Links
s.a. > Ontogenese, Speleothem, Kora, Habitus, kristallin, Konkretion
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