Mineralienatlas
Begriff für aus Verwitterungsvorgängen entstandene bohnenförmige, häufig konzentrisch aufgebaute Konkretionen aus Limonit (Brauneisenstein), die zusammen mit braunen oder roten Lehmen in Spalten oder Höhlen von Kalkgesteinen auftreten.
Die Bohnen bestehen im wesentlichen aus Limonit. Im Inneren sind sie häufig aus hellgelbem feinkörnigem Limonit aufgebaut, außen folgt dann fester dunkelbrauner Goethit, oft mit Tonmineralen (Kaolinit) gemischt. Untergeordnet kommt Hämatit vor, der im Klettgau selten auch ganze Bohnen bildet.
Der Eisengehalt schwankt zwischen 33 und 50 %.
Der gelblichbraune Lehm, der die Bohnerze umgibt, enthält nur sehr wenig Eisen (5-10%) und ist daher nicht als Erz zu gebrauchen. Es gibt zähplastische Lehme (Bolus) und bröcklige Lehme (Lett).
Begleitet werden die Bohnerze von bis zu eigroßen Knollen aus Chalcedon, der durch Hämatit und Limonit gelb bis rot gefärbt ist. Diese Knollen nennt man Bohnerzjaspis.
Bohnerze entstanden während des Eozäns in feuchtwarmem (subtropischen) kontinentalem Klima. Dabei kam es zu einer tiefgründigen Verkarstung der Oberfläche des Jura (meist Kalke des Malm). Die weißen Kalke des Malm (In Baden oft Oolithkalke) wurden dabei durch kohlensäurehaltige Sickerwässer chemisch gelöst. Geringe Anteile an Ton und Mergeln blieben zurück (Residuallagertätte) und bildeten den Bohnerzton. Die Konkretionen entstanden aus den geringen Eisengehalten der Kalke, der geringe Gehalt an SiO2 führte zur Bildung des Jaspis. Die Erze treten bevorzugt an der Grenze Ton-unterlagernder Malmkalk auf.
Bohnerze wurden im 17.-19. Jahrhundert im Gebiet des heutigen Baden-Württemberg als wichtiger Rohstoff zur Eisengewinnung abgebaut. Blütezeiten waren zwischen 1670 und 1770 und von 1820-50. Damals waren die Erze, die arm an Phosphor und Schwefel sind, gefragt. Sie ergeben bei Verwendung von Holzkohle im Hochofen statt dem damals noch sehr teuren und wenig verbreiteten Koks sehr gut schmiedbares Eisen, das zu Drähten und Blech, sogar zu Uhrfedern verarbeitet werden konnte.
Bohnerzreviere waren im Klettgau (NW Schaffhausen), im Markgräfler Land (S Müllheim, 30 km südlich Freiburg im Breisgau, hier insbesondere Auggen, Liel und Schliengen) sowie bei Fluorn und Winzeln NW Rottweil. Weitere Lagerstätten sind bei Sigmaringen an der oberen Donau (ehemaliger Hochofen im Huettenwerk Laucherthal, gegründet 1708).
Im Bereich des Ober- und Hochrheins wurden zeitweise hunderte (allein im Klettgau bei Schaffhausen 700) Gruben betrieben. In den schüsselförmigen Karstnischen wurden trichterförmige Tagebaue angelegt, die bis zur Juraoberfläche reichten. Die Bohnerzkonkretionen wurden in Weidenkörben zunächst geschüttelt, dann luftgetrocknet und schließlich am Rhein gewaschen. Dabei ging der Ton ab. Nur die Konkretionen fanden den Weg in die Hochöfen entlang des Rheins.
Bohnerzjaspis aus dem Markgräfler Land wurde in Karlsruhe früher verschliffen und zu Schmuck verarbeitet.
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