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Glimmer
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(Weitergeleitet von Mineralgruppe/Glimmer)

Glimmer (engl. Mica)

Allgemeine Definition

Mineralgruppe monokliner bzw. pseudohexagonaler, komplexer Silikate, welche sich durch eine perfekte basale Spaltbarkeit auszeichnen (Glimmer lassen sich sehr gut in dünne, biegsame und elastische Blättchen spalten). Glimmer sind nach Strunz in den Klassen VIII/H.10 bis inkl. VIII/H.13 systematisiert .


Neue IMA-Nomenklatur

Für die Mineralgruppe Glimmer wurde von der IMA-CNMMN (Mica subcommittee) eine neue verbindliche Nomenklatur eingeführt. Endglieder und Spezies mit erlaubbaren Intervallen in ihrer Zusammensetzung wurden für echte Glimmer, brüchige Glimmer und Glimmer mit einem Mangel an Zwischenlagen-Kationen (interlayer deficient micas; in der Folge als IDM bezeichnet) festgelegt. Die Bestimmung der kristallochemischen Formel für verschiedene chemische Daten ist überholt und wird von einem System von Modifikanten und Vorsilben ersetzt, um ungewöhnliche chemische Substitutionen oder polytype Anordnungen auszudrücken. Mit der neuen Nomenklatur entfällt die bisherige Systematisierung der Glimmergruppe, da die neue Nomenklatur zwischen Endgliedern / Spezies und Serienamen differenziert.


Definition der Glimmer nach IMA

Glimmer sind Phyllosilikate, in welchen die Einheitsstruktur aus einem oktaedrischen Blatt (octaedral sheet, Os)zwischen zwei gegenübergesetzten tetraedrischen Blättern (tetrahedral sheets, Ts) bestehen. Diese Blätter ( sheets) bilden eine Schicht, welche von benachbarten Schichten durch Flächen nicht-hydratierter Zwischenlagen-Kationen (interlayer cations (I) getrennt sind. Die Sequenz ist : .... I Ts Os Ts I Ts Os Ts ...... Die Ts haben die Zusammensetzung T2O5. Die koordinierenden Anionen um die oktaedrisch koordinierten Kationen (M) bestehen aus Sauerstoffatomen benachbarter Ts und Anionen A. The Koordination der Zwischenlagen-Kationen ist nominal 12-fach, mit einer vereinfachten Formel, welche wie folgt geschrieben werden kann:

wobei

Die am häufigsten vorkommenden Elemente sind fett geschrieben; (andere Substitutionen sind natürlich auch möglich)


Unterteilung nach IMA

Abhängig vom Zwischenlagen-Kation, werden die Glimmer in

Ungeachtet der jeweiligen Glimmer-Untergruppe ist diese Bi-Oktaedrisch, wenn sie weniger als 2,5 oktaedrische Kationen enthält; Glimmer mit . 2,5 oktaedrischen Kationen sind Tri-oktaedrisch.


Echte Glimmer: Endglieder (mit Ausnahmen)

(1) Spezies, welche keine Endglieder, jedoch echte Glimmer sind.

Brüchige Glimmer: Endglieder


Glimmer mit einem Mangel an Zwischenlagen (IDM)


Hydroglimmer

Die IMA-CNMMN hat entschieden, daß der frühere Untergruppen-Name Hydroglimmer nicht mehr gültig ist und durch IDM ersetzt wird.


Seriennamen, welche in der Glimmer-Nomenklatur verwendet werden

Nachfolgend werden Serien-Namen von Glimmern gelistet, welche bisher unvollständig untersucht worden sind, jedoch aus praktischen Gründen von Geologen und Petrographen benutzt werden können. Hiermit wird ein Kompromiß geschlossen, um althergebrachte, traditionelle Begriffe zu sanktionieren, wenngleich eine Zuordnung eines Namens zu einem nicht vollständig bestimmten Schichtsilikat ein Risiko darstellt. Im Klartext heißt dies, daß die u.a. bisher noch geläufigen Namen weder gültige Endglieder noch Spezies sind.

Biotit

Tri-okatedrische Glimmer zwischen oder nahe an Annit-Phlogopit und Siderophyllit-Eastonit; e.g. dunkle Glimmer ohne Li. Diskreditiert als Mineral!

Glaukonit

Bi-oktaedrische IDM-Glimmer lt. o.a. IDM-Systematik; keine Spezies, wird zukünftig evtl. durch 2 oder mehr Spezies ersetzt werden.

Illit

Bi-oktaedrische IDM-Glimmer ohne Endglieder lt. o.a. IDM-Systematik.

Lepidolith

Tri-oktaedrische Glimmer nahe an Trilithionit-Polylithionit; e.g. helle Glimmer mit substantiellem Li.

Phengit

Kalium bi-oktaedrische Glimmer zwischen oder nahe an Muskovit-Aluminoseladonit und Muskovit-Seladonit

Zinnwaldit

Tri-oktaedrische Glimmer nahe an Siderophyllit-Polylithionit; e.g. dunkle Glimmer mit Li.

Voraussehbare Änderungen

Die Glimmer Hendricksit, Chernykhit, Montdorit und Masutomilith sollten zukünftig auch Serien-Namen werden, wenn weitere Untersuchungen die Existenz von festen Lösungen mit zwei Endgliedern nachweisen; wie z.Bsp.: KZn3AlSi3O10(OH)2 und KMn2+3AlSi3O10(OH)[2]. Der erstgenannte Glimmer, aktuell noch als Hendricksit gelistet, wird dann voraussichtlich in Zincohendricksit, der zweite in Manganohendricksit umbenannt werden. Das gleiche Muster wird auch dann bei den anderen o.a. Glimmern angewandt.


Petrographisch

Gruppe wichtiger und verbreiteter gesteinsbildender Mineralien, vor allem in Magmatiten, Metamorphitenund einigen Sedimenten. Bei der Gesteinsmetamorphose regeln sich Glimmerminerale unter einseitigem Druck mit ihrer Fläche senkrecht zur Druckrichtung ein und bewirken so die Schieferung in metamorphen Gesteinen wie Gneis, Glimmerschiefer, Phyllit oder Tonschiefer.


Technische Anwendung

Glimmer wird in großen Mengen in der Elektroindustrie als Isoliermaterial verwendet; früher dienten große Glimmerplatten als Fensterglasersatz (u.a. Muskovit; e.g. "Moskauer Glas", woher es auch seinen Namen hat). Der weltweit größte Phlogopitabbau befindet sich bei Kovdor (Russland).


Synonyme (s) und Varietäten (v)

(Quelle: Heinrich et.al., 1953 und Hey (1962, 1963))


Ungenügend definierte Materialien und Mischungen

Es wird empfohlen, diese nachfolgenden Namen nicht zu benutzen, solange diese Glimmer nicht hinreichend untersucht worden sind


Alte oder falsch benutzte Namen

(Achtung: Einige der aufgeführten MIneralien sind gültige Spezies und nicht diskreditiert!)


Diskreditierungen, Unstimmigkeiten, Abweichungen, Ungereimtheiten

Diskreditiert oder gültig? Abweichungen in den bekanntesten Online Datenbanken mindat.org und webmineral.com am 31.12.2005

Biotit

Brammallit

Illit

Lepidolith

Phengit

Zinnwaldit

Anmerkung: webmineral.com verwendet als Referenz Dana`s New Mineralogy (1997); die neue IMA-Nomenklatur wurde jedoch erst 1998 von der IMA-CNMMN beschlossen. Abweichungen in den Mineraldaten sind möglich, da u.a. auch Varietäten und veraltete, diskreditierte Namen mit Dana-Klassifizierung versehen sind.


Literatur


Quellangaben


Einordnung