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Karst

(slowenischer Name: Kras)

Inhaltsverzeichnis

Karstgebirge
Karstgebirge

Torcal-Massiv, Antequera, Provinz Malaga, Spanien

Collector

Der Begriff Karst steht für die Gesamtheit der Formen von durchlässigen, wasserlöslichen Gesteinen (z.B. Kalkstein, Gips, Salze), die durch Oberflächen- und Grundwasser ausgelaugt werden. Durch Lösungsvorgänge kommt es zu charakteristischen Karsterscheinungen. An der Oberfläche sind dies z.B. Karren (Schratten), Dolinen, Uvalas, Poljen, Schlotten, Erdorgeln. Zu den unterirdischen Karsterscheinungen gehören oft weit verzweigte Höhlen und die typischen Erscheinungen der Karsthydrographie: unterirdische Flussläufe und Karstseen, Karstquellen, die unter Druck austreten, Ponore (Katavothre) oder Flussschwinden.

Eine Sonderform der Karste ist der Kegelkarst oder Turmkarst der wechselfeuchten Tropen.

Von nacktem Karst spricht man, wenn die Bodenkrume abgetragen ist und der bloße Fels zu Tage tritt. Ist eine Vegetationsdecke vorhanden, spricht man von bedecktem Karst.

Karste aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit heißen fossiler Karst oder Paläokarst.



Namensursprung

Der Name Karst stammt von der Landschaft Kras in Slowenien, die sich über das Hinterland der Triester Bucht bis zu den Dinarischen Alpen erstreckt, einem ausgedehntem Karstgebiet mit dem typischen Erscheinungsbild. Der deutsche Name Karst für diese Region hat sich als allgemeine Bezeichnung für solche Landschaftsformen international etabliert. Für die besonderen Merkmale des Karst haben sich jedoch die slowenischen Bezeichnungen durchgesetzt (dolina, polje, ponor).



Entstehung

Karstbildung
Karstbildung

Von der Witterung angegriffener Kalkstein. Auswaschungen, Rinnen und Furchen. Kalkfelsen im Karst des Felsenmeeres Hemer, Sauerland, Nordrhein-Westfalen, Deutschland

der Sauerländer

Die zumeist aus Karbonatgesteinen(zum Teil auch in Sulfat- und Salzgesteinen) aufgebauten Karstgesteine sind vorwiegend durch Lösungs- und Kohlensäureverwitterung sowie Ausfällung von biogenen Kalksteinen und ähnlichen Sedimenten mit hohen Gehalten an Calciumcarbonat (CaCO3)entstanden. Die Gesteine werden durch Kohlensäure gelöst (siehe auch Tropfsteine).

Regenwasser mit einem pH-Wert unter 7 gilt als sauer. Dies geschieht durch Aufnahme von Kohlenstoffdioxid CO2. Chemisch ausgedrückt reagiert das CO2 der Luft mit dem Wasser und bildet teilweise Kohlensäure (H2CO3). Die Kohlensäure dissoziiert nun in HCO3- und H+ und ist so in der Lage, den Kalk (CaCO3) zu lösen. Durch in das Gestein eindringendes, kohlensäurehaltiges Wasser entstehen Gänge und Hohlräume, die sich im Laufe von Jahrmillionen zu riesigen Gangsystemen entwickeln können. Oft bilden sich in diesen Hohlräumen durch eintropfenes saures Oberflächenwasser, welches gelösten Kalk enthält, Tropfsteine. Brechen die Hohlräume ein, so können trichterförmige Senken (Doline) entstehen.

Größere Senken von einigen Quadratkilometern Grundfläche werden Polje genannt. Sie entstehen durch Einschwemmung feinkörniger Sedimente, die den Boden der Polje abdichten und vor der weiteren Verwitterung schützen. Abfließendes Wasser verschwindet oft an den Rändern der Polje in einem Schluckloch (Ponor), um unterirdisch weiterzufließen und an einer anderen Stelle wieder zu Tage zu treten.

An der Oberfläche des Gesteins entstehen Auswaschungen, Rinnen und Furchen, die sogenannten Karren.

Landschaften, die überwiegend von Karbonaten aufgebaut werden, sind als Karstlandschaften ausgebildet. Große Kartslandschaften finden sich diese um das Mittelmeer (Balkan, Spanien, Italien), sowie in Südostasien (Thailand, Burma, Malaysia) und Südchina, den Großen Antillen und im Indoaustralischen Archipel. Kartslandschaften von geringerem Ausmaß finden sich in deutschen Mittelgebirgen (Schwäbische Alb, Fränkische Alb), im Schweizer Jura sowie allgemein in Westeuropas sowie den Nord- wie Südalpen.



Karstgebiete in Deutschland

Das bedeutendste Gipskarstgebiet Deutschlands zieht sich von Osterode im Westen bis hin in die Mansfelder Mulde, im Osten entlang der Kyffhäuserumrandung. Hier treten großflächig Ausstriche des verkarsteten Gipsgesteins in Form von Steilhängen, Hochflächen, Gipskuppen, Uvalas (Dolinenfelder), Höhlen und Dolinen sowie Ponore (Wasserschwinden) und Springen (Karstquellen) auf. Alle genannten Erscheinungen betreffen den Oberflächenkarst. Dem gegenüber steht der Tiefenkarst, der sich durch tiefreichende Erdfälle oder Solequellen auszeichnet.

Während in der internationalen speläologischen Literatur Karst in salinaren Abfolgen aus Kalk, Dolomit, Anhydrit, Gips sowie Kali- und Steinsalz unter dem Begriff Evaporitkarst geführt wird, hat sich für das angesprochene Gebiet eine eigene Terminologie, wie Salzspiegel, Erdfall, Orgel, Gipskuppe oder Schlotte als Ergebnis des Jahrhunderte alten Kupferschiefer- und Salzbergbaues herausgebildet.

Beispiele für Oberflächenkarst

Nicht öffentlich, aber zugängliche Höhlen

  • Jettenhöhle (sowie viele andere) im Hainholz bei Osterode
  • Prinzenhöhle bei Rottleben am Kyffhäuser
  • Questenhöhle bei Questenberg

Dolinenfelder

  • Mooskammer bei Mohrungen

Ponore

  • Pfannenspring westl. Babarossahöhle
  • Bauerngraben westl. Agnesdorf
  • Dinsterbachschwinde östl. Questenberg

Springen

  • Pfannenspring

Gipskuppen

  • Quellungshöhlen am Sachsenstein bei Walkenried
  • Waldschmiede am Sachsenstein bei Walkenried

Beispiele für Tiefenkarst

Solequellen

  • Solequelle in Artern
  • Solequelle west. der Nymburghöhle westl. des Kelbraer Stausees

Erdfälle

  • Erdfall an der Nymburghöhle
  • Erdfall an der B80 zwischen Bischofferode und Eisleben (ständiger Nachbruch, so daß die Straße für den Verkehr nicht mehr freigegeben wird)
  • historischer Erdfall aus 14./15. Jahrhundert: Abtissengrube west. Bad Frankenhausen
  • historischer Erdfall: Pfannenspring

Schlotten, nicht öffentlich bzw. prinzipiell nicht zugänglich

  • Wimmelburger Schlotte in Wimmelburg (nach Einstellung des Bergbaues geflutet)
  • Elisabethschächter Schlotte (Befahrung über Röhringschacht bei Wettelrode möglich)
  • Segen-Gottes-Schlotte (Befahrung über Röhringschacht bei Wettelrode möglich)

Die Schlotten (Höhlen) wurden ausschließlich durch den Kupferschieferbergbau beabsichtigt, teilweise auch unbeabsichtigt angefahren sowie ferner für Abraummaterial genutzt und haben keinen natürlichen Zugang.

Erster Geologischer Lehrpfad Jena

(am Aufschlußpunkt 2)

Im Aufschluss sieht man typische Karsterscheinungen an der Oberfläche der fossilfreien Gipse (Salinarrötfolge). Diese spaltenartigen Auswaschungen der leicht wasserlöslichen Gipsfelsen (Schlotten) wurden im Jahre 1908 im ehemaligen Brauckmannschen Grundstück bei Bauarbeiten zufällig entdeckt. Unterhalb des Aufschlusses ist die bis 20 m mächtige Folge der fossilfreien Gipse als Fasergips, Alabastergips und Gipsspat in zahlreichen kleinen Felsen aufgeschlossen. In den Jahren 2005 und 2006 wurden im Bereich des Aufschlusses neue Schlotten freigelegt bzw. von Vegetation befreit.

Gipsschlotten
Gipsschlotten

Aufschluss Gipsschlotten Zustand 1908 (Aufnahme E. Naumann aus Erl. Blatt Jena)

E. Naumann

Schlotten
Schlotten

Zustand 1995

Conny3

Neue Schlotte
Neue Schlotte

Eine bisher mit Erde bedeckte Schlotte wurde Mitte November 2005 freigelegt.

Conny3

Kalkkarstgebiete in Europa und weltweit

Verkarstung mit Sinterbildung
Verkarstung mit Sinterbildung

Cuevas del Arte, Mallorca

giantcrystal

Typische, teilweise stark zerklüftete Kalkkarstgebiete in Europa sind die Schwäbische Alb, Dalmatien, Unterkrain in Slowenien, Orjen und die Bucht von Kotor in Montenegro, das Apuseni-Gebirge (West-Karpaten) in Rumänien, The Burren in Irland, weite Teile des Schweizer und französischen Jura, sowie das Torcal- und andere Massive der Cordillera Bética in Andalusien. Eine der größten Karsthöhlen findet sich in Frankreich die Gouffre de Padirac.

Zu den bekanntesten weltweiten Karstregionen gehören große Teile im Süden von China (Guanxi, Guilin), in Nord-Vietnams und Thailand (spektakulär die Bucht von Phang Nga), sowie Karste in den Philippinen, Myanmar und Kuba.



Bilder von Kalkkarstgebieten

Kalkkarst
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Kalkkarst

Eine der charakteristischen Kalkkarst-Insellandschaften; Bucht von Phang Nga, Süd-Thailand

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Beitrag: Collector 2006-03-18
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Karstgebirge
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Karstgebirge

Torcal-Massiv, Antequera, Provinz Malaga, Spanien

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Beitrag: Collector 2005-10-16
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Karstgebirge

Torcal-Massiv, Antequera, Provinz Malaga, Spanien; jurassische, tw. lkohlensäure- und lösungsverwitterte Kalksteine mit horizontalen Klüften, tw. stark verformt mit beginnender Wollsackverwitterung

Copyright: Collector
Beitrag: Collector 2005-10-16
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Weblinks


Quellangaben

  • Karstgebiete in Deutschland: Monika Storz: Moni
  • Erster Geologischer Lehrpfad von Jena Aufschluss 2: Conny3
  • Karstgebiete Europa und weltweit: Collector
  • Texterweiterung: der Sauerländer
  • Carbonates and Evaporites Volume 26, Number 1 (2011) S.1-94, Titel der Ausgabe: "Karst Research and Resources: International Symposium on Karst, Malaga, Spain, 2010" (enthält 10 Arbeiten)

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