Mineralienatlas
(slowenischer Name: Kras)
Der Begriff Karst steht für die Gesamtheit der Formen von durchlässigen, wasserlöslichen Gesteinen (z.B. Kalkstein, Gips, Salze), die durch Oberflächen- und Grundwasser ausgelaugt werden. Durch Lösungsvorgänge kommt es zu charakteristischen Karsterscheinungen. An der Oberfläche sind dies z.B. Karren (Schratten), Dolinen, Uvalas, Poljen, Schlotten, Erdorgeln. Zu den unterirdischen Karsterscheinungen gehören oft weit verzweigte Höhlen und die typischen Erscheinungen der Karsthydrographie: unterirdische Flussläufe und Karstseen, Karstquellen, die unter Druck austreten, Ponore (Katavothre) oder Flussschwinden.
Eine Sonderform der Karste ist der Kegelkarst oder Turmkarst der wechselfeuchten Tropen.
Von nacktem Karst spricht man, wenn die Bodenkrume abgetragen ist und der bloße Fels zu Tage tritt. Ist eine Vegetationsdecke vorhanden, spricht man von bedecktem Karst.
Karste aus der erdgeschichtlichen Vergangenheit heißen fossiler Karst oder Paläokarst.
Der Name Karst stammt von der Landschaft Kras in Slowenien, die sich über das Hinterland der Triester Bucht bis zu den Dinarischen Alpen erstreckt, einem ausgedehntem Karstgebiet mit dem typischen Erscheinungsbild. Der deutsche Name Karst für diese Region hat sich als allgemeine Bezeichnung für solche Landschaftsformen international etabliert. Für die besonderen Merkmale des Karst haben sich jedoch die slowenischen Bezeichnungen durchgesetzt (dolina, polje, ponor).
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Die zumeist aus Karbonatgesteinen(zum Teil auch in Sulfat- und Salzgesteinen) aufgebauten Karstgesteine sind vorwiegend durch Lösungs- und Kohlensäureverwitterung sowie Ausfällung von biogenen Kalksteinen und ähnlichen Sedimenten mit hohen Gehalten an Calciumcarbonat (CaCO3)entstanden. Die Gesteine werden durch Kohlensäure gelöst (siehe auch Tropfsteine).
Regenwasser mit einem pH-Wert unter 7 gilt als sauer. Dies geschieht durch Aufnahme von Kohlenstoffdioxid CO2. Chemisch ausgedrückt reagiert das CO2 der Luft mit dem Wasser und bildet teilweise Kohlensäure (H2CO3). Die Kohlensäure dissoziiert nun in HCO3- und H+ und ist so in der Lage, den Kalk (CaCO3) zu lösen. Durch in das Gestein eindringendes, kohlensäurehaltiges Wasser entstehen Gänge und Hohlräume, die sich im Laufe von Jahrmillionen zu riesigen Gangsystemen entwickeln können. Oft bilden sich in diesen Hohlräumen durch eintropfenes saures Oberflächenwasser, welches gelösten Kalk enthält, Tropfsteine. Brechen die Hohlräume ein, so können trichterförmige Senken (Doline) entstehen.
Größere Senken von einigen Quadratkilometern Grundfläche werden Polje genannt. Sie entstehen durch Einschwemmung feinkörniger Sedimente, die den Boden der Polje abdichten und vor der weiteren Verwitterung schützen. Abfließendes Wasser verschwindet oft an den Rändern der Polje in einem Schluckloch (Ponor), um unterirdisch weiterzufließen und an einer anderen Stelle wieder zu Tage zu treten.
An der Oberfläche des Gesteins entstehen Auswaschungen, Rinnen und Furchen, die sogenannten Karren.
Landschaften, die überwiegend von Karbonaten aufgebaut werden, sind als Karstlandschaften ausgebildet. Große Kartslandschaften finden sich diese um das Mittelmeer (Balkan, Spanien, Italien), sowie in Südostasien (Thailand, Burma, Malaysia) und Südchina, den Großen Antillen und im Indoaustralischen Archipel. Kartslandschaften von geringerem Ausmaß finden sich in deutschen Mittelgebirgen (Schwäbische Alb, Fränkische Alb), im Schweizer Jura sowie allgemein in Westeuropas sowie den Nord- wie Südalpen.
Das bedeutendste Gipskarstgebiet Deutschlands zieht sich von Osterode im Westen bis hin in die Mansfelder Mulde, im Osten entlang der Kyffhäuserumrandung. Hier treten großflächig Ausstriche des verkarsteten Gipsgesteins in Form von Steilhängen, Hochflächen, Gipskuppen, Uvalas (Dolinenfelder), Höhlen und Dolinen sowie Ponore (Wasserschwinden) und Springen (Karstquellen) auf. Alle genannten Erscheinungen betreffen den Oberflächenkarst. Dem gegenüber steht der Tiefenkarst, der sich durch tiefreichende Erdfälle oder Solequellen auszeichnet.
Während in der internationalen speläologischen Literatur Karst in salinaren Abfolgen aus Kalk, Dolomit, Anhydrit, Gips sowie Kali- und Steinsalz unter dem Begriff Evaporitkarst geführt wird, hat sich für das angesprochene Gebiet eine eigene Terminologie, wie Salzspiegel, Erdfall, Orgel, Gipskuppe oder Schlotte als Ergebnis des Jahrhunderte alten Kupferschiefer- und Salzbergbaues herausgebildet.
Nicht öffentlich, aber zugängliche Höhlen
Dolinenfelder
Ponore
Springen
Gipskuppen
Solequellen
Erdfälle
Schlotten, nicht öffentlich bzw. prinzipiell nicht zugänglich
Die Schlotten (Höhlen) wurden ausschließlich durch den Kupferschieferbergbau beabsichtigt, teilweise auch unbeabsichtigt angefahren sowie ferner für Abraummaterial genutzt und haben keinen natürlichen Zugang.
(am Aufschlußpunkt 2)
Im Aufschluss sieht man typische Karsterscheinungen an der Oberfläche der fossilfreien Gipse (Salinarrötfolge). Diese spaltenartigen Auswaschungen der leicht wasserlöslichen Gipsfelsen (Schlotten) wurden im Jahre 1908 im ehemaligen Brauckmannschen Grundstück bei Bauarbeiten zufällig entdeckt. Unterhalb des Aufschlusses ist die bis 20 m mächtige Folge der fossilfreien Gipse als Fasergips, Alabastergips und Gipsspat in zahlreichen kleinen Felsen aufgeschlossen. In den Jahren 2005 und 2006 wurden im Bereich des Aufschlusses neue Schlotten freigelegt bzw. von Vegetation befreit.
Typische, teilweise stark zerklüftete Kalkkarstgebiete in Europa sind die Schwäbische Alb, Dalmatien, Unterkrain in Slowenien, Orjen und die Bucht von Kotor in Montenegro, das Apuseni-Gebirge (West-Karpaten) in Rumänien, The Burren in Irland, weite Teile des Schweizer und französischen Jura, sowie das Torcal- und andere Massive der Cordillera Bética in Andalusien. Eine der größten Karsthöhlen findet sich in Frankreich die Gouffre de Padirac.
Zu den bekanntesten weltweiten Karstregionen gehören große Teile im Süden von China (Guanxi, Guilin), in Nord-Vietnams und Thailand (spektakulär die Bucht von Phang Nga), sowie Karste in den Philippinen, Myanmar und Kuba.
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