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Calcit

Pseudomorphosen

Calcit pseudomorph nach Glauberit
Calcit pseudomorph nach Glauberit

Camp Verde, Yavapai Co., Arizona, USA; 8 x 6 cm

Rob Lavinsky


Quarz pseudomorph nach Calcit
Quarz pseudomorph nach Calcit

Alston Moor, Cumbria, England; 6,5 x 4 cm

Rob Lavinsky

Was sind Pseudomorphosen ?

Als Pseudomorphose (griech. pseudo = falsch, pseudos = Lüge, Schein; morphe = Gestalt) wird das Auftreten eines Minerals in Gestalt eines anderen Minerals bezeichnet. Eine Pseudomorphose liegt immer dann vor, wenn ein Mineral unter Beibehaltung seiner äußeren Form durch ein anderes Mineral ersetzt oder in ein anderes Mineral umgewandelt wird. Dann entstehen Truggestalten bzw. Pseudomorphosen. Die Substanz, die die Form ausfüllt würde für sich in einer ganz anderen Form kristallisieren, sie hat die jetztige Form von der früheren Substanz übernommen.

Der Begriff Pseudomorphose ist ein Überbegriff für:

  • Paramorphosen (Umlagerungs- oder Transformations-Pseudomorphosen)
  • Entmischung- und Zerfalls-Pseudomorphosen
  • Verdrängungs-Pseudomorphosen (inklusive Ausfüllungs-Pseudomorphosen)
  • Perimorphosen (Umhüllungspseudomorphosen, diese Einordnung ist strittig)

Obwohl Entmischungspseudomorphosen und Paramorphosen im Mineralreich recht häufig vorkommen, versteht man unter dem allgemeinen Begriff Pseudomorphose in erster Linie Verdrängungs-Pseudomorphosen. Diese entstehen im Raum des Ursprungs-Kristalls durch Abgabe von Stoffen, Aufnahme von Stoffen und / oder teilweisen oder kompletten Stoffaustausch.

Die (vorwiegend) chemischen und physikalischen Bedingungen die zur Bildung von Pseudomorphosen führen sind sehr vielfältig. Allgemein sind zeitlich mehr oder weniger ineinandergreifende Auflösungs-, Umwandlungs- und Neukristallisationsvorgänge in wässriger, hydrothermaler oder pneumatolytischer Umgebung, manchmal begleitet von Hydration, Oxydation, Reduktion, Carbonatisierung, Silifizierung, Phosphatisierung usw. für die Entstehung von (Verdrängungs-) Pseudomorphosen verantwortlich. Selbst chemisch recht stabile Mineralien, wie etwa Quarz können pseudomorph umgewandelt werden (z.B. Pseudomorphose von Speckstein nach Quarz). Pseudomorphosen sind ein Produkt der Verwitterung von Mineralien.

Calcit ist eines der Mineralien, welches nicht selten von anderen Mineralien pseudomorphisiert wird, d.h., dass diese Mineralien die Form von Calcit annehmen. Bekannt sind Verdrängungspseudomorphosen von Eisen- und Manganoxiden nach Calcit sowie Perimorphosen von Quarz, Fluorit, Dolomit, Baryt, Prehnit, Malachit, Siderit, Andradit u.v.a. nach Calcit. Pseudomorphosen von Calcit nach irgendwelchen Mineralien sind im Gegenteil nicht häufig; bekannt sind die gut ausgebildeten Formen von Calcit nach Glauberit, Gaylussit und Shortit.

Es sind auch Bildungen bekannt, bei welchen mehr als ein Mineral ein anderes verdrängen, bzw. ersetzen kann. Diese Bildungsprozesse können nebeneinander oder nacheinander stattfinden; zum Beispiel Quarz und Fluorit nach Calcit, Dioptas und Plancheit nach Calcit.



Amethyst pseudomorph nach Calcit
Amethyst pseudomorph nach Calcit

Eine ganz außergewöhnliche Pseudomorphose, der Calcit ist weggelöst und verblieben sind Hohlräume mit dünnen Amethystwänden; Größe: 10,8 x 17,2 cm; Mina La Limera, Artigas, Uruguay

Kevin Ward

Kutnahorit ps. nach Calcit
Kutnahorit ps. nach Calcit

Boldut-Grube, Cavnik, Rumänien. 8 x 5 cm

loparit

Calcit ps. nach Aragonit
Calcit ps. nach Aragonit

Holzen, Arnsberg, Sauerland. 4,5 x 4,7 cm

kraukl

Quarz ps. nach Calcit
Quarz ps. nach Calcit

Geoda del Reguerin, La Viesca, La Collada, Asturias, Spanien. 11,5 x 9,5 cm

Fabre Minerals

Calcit pseudo Glauberit
Calcit pseudo Glauberit

Camp Verde, Yavapi Co. Arizona, USA; 4,5 x 3,8 cm

Rob Lavinsky

Calcit pseudo Shortit
Calcit pseudo Shortit

Mont Saint Hilaire, Quebec, Canada; 3,5 x 2,2 cm

John Veevaert

Prehnit pseudo Calcit
Prehnit pseudo Calcit

Aurangabad, Maharashtra, Indien; 6,7 x 6,2 cm

Dan Weinrich

Quarz pseudo Calcit
Quarz pseudo Calcit

Ouray County, Colorado, USA. 5 x 7 cm,

Dan Weinrich

Siderit pseudo Calcit
Siderit pseudo Calcit

Mina La Serena, Guanajuato, Mexico. 6 x 5 cm

Dan Weinrich

Calcit pseudo Wulfenit
Calcit pseudo Wulfenit

Mexico; 8 x 5,6 cm

Dan Weinrich

Hemimorphit pseudo Calcit
Hemimorphit pseudo Calcit

Granby, Missouri, USA; 4,5 x 5 cm

Dan Weinrich

Malachit pseudo Calcit
Malachit pseudo Calcit

Whim Creek, Northern Territory, Australia; 5,8 x 3,4 cm

John Veevaert

Dolomit pseudomorph nach Calcit
Dolomit pseudomorph nach Calcit

Maramures, Herja, Rumänien; 9,4 x 6 cm

Rob Lavinsky

Dolomit pseudo nach Calcit
Dolomit pseudo nach Calcit

Grube Doujba, Laki Distrikt, Rhodopen, Bulgarien; 18, x 16,5 cm

Rob Lavinsky

Siderit pseudomorph nach Calcit
Siderit pseudomorph nach Calcit

Aggeneys, North Cape Province, Südafrika. 9 x 9 cm

Dan Weinrich

Glendonite
Glendonite

oben aus Sangershausen (Thüringen), unten von Mono Lake (Kalifornien); Dana 1884 Public Domain

Public Domain

Glendonite - Pseudomorphosen von Calcit nach Ikait

Glendonit ist eine Pseudomorphose von Calcit nach Ikait; chemisch Calciumcarbonat CaCO3, benannt nach dem Erstfundort Glendon in New South Wales in Australien. In der älteren mineralogischen Literatur werden Glendonite noch als Pseudomorphosen von Ikait nach Glauberit beschrieben, was jedoch seit 2001 widerlegt wurde. (Swainson, I.P., Hammond, R.P., 2001)

Den Autoren Kemper, E., und Schmitz, H.H., 1981, zufolge sind Glendonite Pseudomorphosen von überwiegend Calcit (in mehreren Generationen) nach Thenardit (Na2SO4), welche sich im unterkühlten Meereswasser (cold salinity currents) in oder auf der oberen Lage des Meeresbodens bilden.

Nach Greinert, J., und Derkachev, A., 2004, welche Glendonite und bernsteinfarbene Konkretionen aus 380 m Wassertiefe von Methan-dominierten kalten Schloten vom Sachalin-Hang im Ochotskischen Meer beschreiben, setzen sich beide aus unterschiedlichen Anteilen von Calcit sowie Magnesium-Calcit zusammen; als Quelle des Kohlenstoffs wird zersetztes organisches Material, resp. dessen anaerobes Oxidationsprodukt Methan angenommen. Die gleichzeitig auftretenden bernsteinfarbenen Konkretionen mit gleicher Struktur sowie gleicher chemischer und Isotopen-Zusammensetzung wie Glendonite werden ebenfalls als Calcite angenommen, welche sich aus Ikait gebildet haben. Man kann - beiden o.a. Autoren zufolge - davon ausgehen, dass Glendonite typische Manifestationen an fossilen und rezenten kalten Schloten in hohen Breitengraden sind.

Glendonit
Glendonit

Dana 1884; Public Domain

Public Domain

Für Glendonit wurden verschiedene Synonyme benutzt; u.a. Fundylit (nach der Bay of Fundy in Canada), Gerstenkörner (von Sangershausen in Thüringen), Jarrowite (nach Jarrow Slake am River Tyne in Northumberland in England), Thinolit (vom Mono Lake in Kalifornien), Gennoishi (korrekt: Gennou-seki; deutsch: Hammerstein, Niigata und Yamagata, Japan) und Pseudogaylussit.

Rezente (jüngere) Glendonite sind aus den kalten Klimazonen, d.h. den arktischen Meeren und deren Nebenmeeren (Weißes Meer, Ochotskisches Meer) bekannt; fossile Glendonite stammen aus dem Perm und der Kreide im permischen Vereisungsgebiet von Australien (> Glendon), sowie von den hohen nördlichen Breitengraden (Domerium, Jura, Valangin, Ober- und Unteralb, Oligozän/Miozän sowie Pleistozän/Holozän, insgesamt Zeiten mit merklicher Abkühlung.

Sehr gut ausgebildete Glendonite mit teilweise über einem Meter Länge wurden in Moler, Hesselbjerg, Nyköbing, Insel Mors in Dänemark gefunden; seit den 1990er Jahren kamen große Mengen scharfer, orangebrauner Glendonite bis 10 cm Länge von Olenitsa am Weißen Meer in Russland auf den Sammlermarkt. Thinolith war der ursprüngliche Name für Calcit nach Ikait vom Mono Lake in Kalifornien, ist nach aktueller Auffassung aber eine Pseudomorphose von Calcit nach spitzpyramidalen Kristallen von Gaylussit. Das Mineral tritt u.a. in mächtigen Ablagerungen an mehreren Seen in Nevada, USA auf.

Entstehung von Glendonit
Entstehung von Glendonit

aus einem Prisma mit quadratischer Grundfläche und einer Dopelpyramide; Dana 1884

Archiv: Peter Seroka (Collector)

Das monokline Mineral Ikait ist ein Kaltwassercarbonat, chemisch CaCO3 * 6H2O (Calciumcarbonat-Hexahydrat), welches bei Temperaturen um den Gefrierpunkt in Wasser gebildet wird, aber nur zwischen -1,9 oC bis +7 oC stabil bis metastabil ist. Aufgrund dieser Instabilität ist die Bergung von Ikaitkristallen und deren Aufbewahrung unter gewöhnlichen Temperaturbedingungen nur in seltenen Fällen möglich. Das Mineral wurde 1963 von H. Pauly entdeckt, die Typlokalität ist der Ika-Fjord in Grönland, wo in einem ca. 2 km2 großen Bereich hunderte von bis zu 18 m hohen Ikait-Säulen mit einer Geschwindigkeit von 25-50 cm pro Jahr vertikal vom Meeresboden zur Wasseroberfläche wachsen.

Die Umwandlung des in- oder metastabilen Ikaits zum Calcit (bzw. Glendonit) verläuft in einem sehr langsamen Prozess bei Temperaturen zwischen 5-10 °C, wobei das im Kristallgitter enthaltene Wasser entfernt wird. Hierbei verliert der Ikait bis zu 30 % seines Volumens, ohne dass der ursprüngliche Habitus zerstört wird. Die gebildeten Kristall(aggregate) sind infolge der Langsamkeit des Bildungsprozesses meist sehr gut ausgebildet.



Glendonit (Igel)
Glendonit (Igel)

Calcit-Pseudomorphose nach Ikait. Taimyr-Halbinsel, Krasnojarsk, N-Sibirien, Russland; B: 5 cm; Fundstelle soll am Meeresstrand sein.

Doc Diether

Calcit ps. nach Ikait (Glendonit)
Calcit ps. nach Ikait (Glendonit)

Olenitsa, Weißes Meer, Kola Halbinsel, Russland. 3,2 x 2,1 cm

Jasun McAvoy

Calcit ps. nach Ikait (Glendonit)
Calcit ps. nach Ikait (Glendonit)

Olenitsa, Weißes Meer, Kola Halbinsel, Russland. 3 x 2,7 cm

Russell Rizzo

Glendonite an der A 39
Glendonite an der A 39

Glendonit an der A9 zwischen Berlin und München. Jura-Schichten

BGR Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe
Im Jahr 2005 wurde die Autobahn A39 zwischen Wolfsburg und Braunschweig weiter ausgebaut und im Rahmen der Geologischen Landesaufnahme Aufschlüsse entlang der Trasse beprobt. Hierbei wurden Schichtenfolgen vom Dogger (Mittlerer Jura, 175-161 mya) bis zur Unteren Kreide (ca. 150-145 mya) identifiziert. Im Winter 2005 bis zum Sommer 2006 konnten bei Cremlingen aus dem Unteren Jura (Oberen Pliensbachium ; 189-183 mya) Glendonite geborgen werden. Glendonite aus derselben geologischen Stufe sind bisher nur noch aus dem Nordosten Sibiriens bekannt.

(Quellen: 1. BGR Bundesanstalt für Geowissenschaften und Rohstoffe, Geozentrum Hannover; 2. Luppold, F. W., 2006. Glendonite als Klimaindikatoren im Jura (Lias, Oberes Pliensbachium) Nordwestdeutschlands.- GEOBerlin 2006 - 158. Jahrestagung der DGG, Schriftenreihe der Deutschen Gesellschaft für Geowissenschaften, Vortragsabstract: 93, Hannover)



Glendonit
Glendonit

Olenitsa, Weißes Meer, Kola Halbinsel, Russland; 10,1 x 7,7 cm

Rob Lavinsky
Calcit ps. nach Ikait (Glendonit)
Calcit ps. nach Ikait (Glendonit)

Olenitsa, Belo More (Weißes Meer), Kola-Halbinsel, Russland; 10,3 x 7,7 cm

Rob Lavinsky

Glendonit vom Weißen Meer in Russland


Als etwa Anfang der 1990er Jahre die ersten russischen Glendonite auf den internationalen Sammlermarkt gelangten, gab es bezüglich der Eigenschaften und der Benennung dieses Minerals Meinungsverschiedenheiten und Konfusion. Die Namensgebung reichte von Calcit nach Ikait, Glendonit nach Ikait sowie Calcit pseudomorph nach irgend etwas.

Olenitsa ist ein kleines Dorf ca. 170 km südöstlich von Kandalakhsha, am linken Ufer des gleichnamigen Flusses Olenitsa an der Küste des Weißen Meeres (Belo More) auf der Halbinsel Kola im Rayon Terskiy, Oblast Murmansk in Russland. Nahe des Dorfes gelangt man an einen breiten Strand, welcher mit Glendoniten übersät ist. Einige der Kristalle treten matrixfrei auf, die meisten jedoch sind entweder umkrustet oder stecken in hartgesintertem Tonmergel. Das Mineral bildet eigenartige scharfe, orangefarbene bis hellbraune, seltener grauweiße Kristalle bis ca. 10 cm Länge.

Das Sammeln der Glendonite ist offiziell verboten.

Calcit pseudomorph nach organischen Substanzen

Calcit ps. nach Banane
Calcit ps. nach Banane

San Francisco, California; Gefunden 1906. Gustavson Family Collection; Ausgestellt Tucson 2008

Fabre Minerals

Kalksinter ps. nach Wurzeln
Kalksinter ps. nach Wurzeln

Kalksinter auf rezenten Wurzeln und Buntsandstein, Stufenbreite ca. 12 cm; Kollesleuken, Saarburg, RLP, Deutschland

Erik

Calcit ps. nach einer Pflanze
Calcit ps. nach einer Pflanze

Chihuahua, Mexico.

Jasun McAvoy


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