|
Gelblich-grünes Wüstenglas (Tektit-Impaktit); Größe 7 x 10 cm
|
Neu definiert als metamorphes, klastitfreies, glasiges Impakt-Schmelzgestein (IUGS-SCMR, 2004).
Auf der Welt einzigartig ist Wüstenglas aus der Libyschen Wüste in Ägypten (im Grenzgebiet zu Libyen, nicht in Libyen!). Das Vorkommen liegt in einem ca. 50x80 km großen Gebiet (Wüstenglasgebiet, 25°30' Ost; 25°30' Nord) der östlichen Sahara, nahe der Oase Koufra, im Bereich des N'Giffel Khabir (Gilf Khebir) (arab.: Großes Sandmeer), einem der trockensten Gebiete der Welt im SW von Ägypten. Wüstenglas ist je nach Auffassung verschiedener Autoren ein Tektit oder ein Impaktit, bzw. ein Produkt als Folge eines Meteoriten- oder Asteroideneinschlages (Impakt) vor ca. 28-30 Mio Jahren auf der Erdoberfläche.
Nachdem im Jahr 2006 Mitarbeiter der Boston University den Doppelring-Einschlagkrater mit einem Durchmesser von 31 km entdeckten, wird angenommen, dass dieses Glas bei diesem Impakt entstanden ist. In Anlehnung an das Gebiet "Gilf Khebir", in welchem der Krater liegt, wird er als Khebir-Krater bezeichnet. Das Terrain, in welchem der Khebir-Krater entstand, ist ein mehr als 100 mio Jahre alter Sandstein. Das Alter des Kraters wurde bis heute (2009) noch nicht bestimmt.
Das libysche Wüstenglas ist farblos, honig-, hell-mittelgelb (tw. leicht grünlich), transparent bis semitransparent, auch milchig-weiß bis schwarzgrau, nichtkristallin, mit muscheligem Bruch. Es gehört zu den natürlichen Quarz-Gläsern.
Nasschemische und Fission-Track-Analysen ergaben eine Zusammensetzung aus
Die Zusammensetzung entspricht etwa der von Chondriten
Der Schmelzpunkt liegt bei 1.700°C
Nicht selten sind bis zu 4 mm große Einschlüsse von Gasblasen. Die gefundenen Stücke wiegen zwischen wenigen Gramm bis 25 kg. Die im Wüstenboden steckenden Stücke sind oft mit Sand verbacken und wirken wie zerfressen; die vom Wind freigelegten Stücke sind glattgeschliffen, aber tw. erodiert.
Libysche Wüstengläser wurden bereits im Neolithikum zu Artefakten bearbeitet (Pfeilspitzen, Keile); auch als Schmuckstein verschliffen. Das berühmteste Beispiel ist der grünliche Skarabäus des Mondpektorals des Pharaos Tut-anch-Amun (welches ursprünglich als Chalcedon bezeichnet wurde, 1998 jedoch als Wüstenglas analysiert werden konnte).
Erste Fundberichte 1850 von Fresnel.
Zwischen den Jahren 1934 bis 2005 wurden verschiedene Expeditionen in das Fundgebiet durchgeführt. Mittlerweile wird libysches Wüstenglas recht häufig auf dem Markt zu relativ hohen Preisen (meist nach Gewicht) angeboten. In manchen Vermarktungsangeboten wird libysches Wüstenglas als "seltener als Diamant" bezeichnet.
|
|||||||||||||