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Beulungszentren

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smoeller:
Hallo berthold,

Hast du genauere Angaben zu den im fraglichen Bereich vorkommenden Gesteinstypen? Die Bezeichnung Basalt ist nämlich durchaus nicht immer richtig. Im petrologischen Sinne ( z.B. TAS-Diagramm) ist Basalt ein Gestein mit einer definierten chem. Zusammensetzung. Viele der früher "Basalt" genannten Gesteine des Erzgebirges und anderer Gebiete sind nämlich nach heutiger Definition samt und sonders Nephelinite, Basanite und Tephrite. Sie unterscheiden sich von Basalt durch eine starke Untersättigung an SiO2 und einem höheren Gehalt an Alkalien (Na2O + K2O). Aus Kaiserstuhl und Eifel ist mir jedenfalls kein echter Basalt bekannt, ebenso aus dem Erzgebirge.

Ich stelle mir hier -weiß aber auch nicht, ob das richtig ist- eher Aufwölbungen in der Tiefe vor.

Das mit den phreatomagmatischen Erscheinungen stelle ich mir dann auch einfacher vor, als wenns oben auf dem Berg wäre. Magma durchdringt wasserführende Schichten und rums-das Wasser verdampft schlagartig und reißt die Lava mit.

Suche das Heft Montag mal in der Uni. Dann kann ich eventuell mal einen Scan von dem Artikel machen. Wäre sicher aufschlussreicher, als wenn wir weiter alle über den Abstract rätseln.

Übrigens: Die Aussagen der deutschen und der englischen Fassung des Abstracts sind irgendwie nicht ganz konform, der englische Text ist in meinen Augen schlüssiger, aber da der Verfasser deutschsprachig ist, wird wohl dem deutschen Text der größere Informationsgehalt zukommen.

Glück Auf!
Smoeller

berthold:
Hallo smoeller,

was den Gesteinstyp angeht hast Du Recht: Alle schreiben zwar von "Basalt" oder "Nephelinbasalt" genaugenommen (nach H.G. Huckenholz) haldelt es sich aber (nach chemischen Gesichtspunkten TAS) - und deswegen muss ich meine Aussage berichtigen - um einen Nephelinbasanit. Das ist wohl eine Untergruppe der Basanite (dem Limburgit nahestehend ?).

Gruß

Berthold

smoeller:
Hallo,

OK. Dachte ich mirs doch. Limburgit ist aber ein Olivin-Basanit bzw. Tephrit. Eher Tephrit als Basanit, wegen des Olivingehaltes. Nephelin kommt in den Limburgiten meines wissens nicht vor, was aber nicht heißen soll, dass nicht zumindest modal Nephelin vorhanden sein kann, da die Limburgite des Kaiserstuhles bis zu 60 % Glas enthalten.

Kontinentale Intraplattenvulkanite sind in ihrer Zusammensetzung immer eher basanitisch oder nephelinitisch bis karbonatitisch. Dies liegt an den geringen Aufschmelzgraden. Solche Schmelze ist immer SiO2-untersättigt. Phonolitische oder trachytische Zusammensetzungen entstehen erst in der Magmakammer durch Differentiation. Die schwereren Frühkristallisate (Magnetit, Olivin, Augit) sinken ab und bilden die unteren Bereiche der Magmenkammer. Die leichteren Sanidin, Nephelin und Sodalith hingegen bilden den oberen Teil der Kammer.

Im Kaiserstuhl kann man dieses Verhalten studieren. Im älteren östlichen Teil kommen vor allem Phonolithe vor. Sie füllten den oberen Teil der Magmenkammer und sind höher differenzierte Produkte des olivin-nephelinitischen Stammmagmas. Den mittleren Teil machen ebenso Phonolithe, Foidite und Karbonatite aus. Erst im jüngeren westlichen Teil bei Sasbach findet man die Tephrite (Limburgite) als Teil der unteren Magmenkammer. Sie sind weniger stark differenziert. Nur am Lützelberg (jüngster Teil) kommen dann auch undifferenzierte Nephelinite und sogar Peridotitknollen vor.

Um aber beim Thema zu bleiben: Werde demnächst mal versuchen, die Arbeit zu krigen. Müsste man eigentlich übers Uninetz bekommen oder zumindest in der Bibliothek. Einscannen ist nicht so das Problem.

Hier dürfte es sich um relativ kleine Herde gehandelt haben, da die Magmen kaum differenziert sind. Nephelin-Basanit nenne ich noch fast undifferenziert. Ist im TAS-Diagramm ganz rechts oben im Basanitfeld. Nur aus dem Erzgebirge kenne ich vom Egergrabenvulkanismus auch differenziertere SWchmelzen, die Phonolitisch sind (Hammerunterwiesenthal, Loucna).

Glück Auf!
Smoeller

berthold:
Hallo,

vielen Dank schon mal, die komplette Arbeit würde mir wirklich weiterhelfen. Ja sicher, es handelt sich um sehr kleine Herde, von der Größe mit dem Kaiserstuhl in keinster Weise zu vergleichen. Ich mach mir im Moment da Gedanken zu den pyroklastischen "Megaklasten", die sicher phreatomagmatischen Ursprung haben, aber nicht auf, sondern unter/neben dem Nephelinbasanit liegen. Und, wie gesagt, da passt mir eine vorbasaltische kleintektonische Beule absolut nicht ins Bild.

Zwar etwas OT aber trotzdem:

Ich bin ja wirklich keine "petrologische Leuchte" unter Gottes Sonne (wie ich mit meinem Posting ja schon bewiesen habe), aber das mit dem Limburgit hab ich anders gelesen (wobei ich die Quelle meiner Weisheit nicht mehr finde...).

Nach www.fu-berlin.de/mineralogie/pdf/Kurs_Fichtelgebirge/MagEinf2005-Teil2.pdf

--- Zitat --- “Limburgit” Hyalo-Nephelinbasanit mit Einsprenglingen von Ti-Augit, Olivin und Titanomagnetit
--- Ende Zitat ---
und nach http://omnibus.uni-freiburg.de/~weisenbt/9Kaiserstuhl/Excursion.html

--- Zitat ---Chemische Analysen definieren den Limburgit als Basanit.
--- Ende Zitat ---

Dass im Limburgit das Glas dominant ist steht für mich ausser Frage.

Wobei: Die petrologische +/- chemische Differenzierung und Namensgebungen dieser Gesteinstypen scheint ja wirklich uferlos zu sein...  :P

Gruß
Berthold

smoeller:
Hallo,

Suche den Artikel mal raus, sobald ich wieder in Kiel bin (spätestens Montag).

Tephrit und Basanit plotten chemisch in dasselbe Feld im TAS-Diagramm. Man unterscheidfet beide Gesteine nur nach dem Anteil an Olivin (Tephrit >10% Olivin, Basanit < 10% Olivin). Bei den Mikroskopiekursen in Kiel wurde das Gestein Limburgit mal als Tephrit, das nächste Mal dann als Basanit eingestuft. Mit der Bezeichnung Basanit lässt sich leben, auch wenn in nahezu der gesamten Kaisérstuhl-Literatur durchgängig von Tephrit die Rede ist.

Was die Pyroklastite anbelangt, so dürfte der Nephelinbasanit-Strom einfach später drübergeflossen sein. An den Vulkanen der Eifel lassen sich solche mehrfachen Wechsel von Tuffen, Aschen und Pyroklastika auf der einen und Laven auf der anderen Seite studieren. Sieht meist im Anschnitt aus wie eine Schwarzwälder Kirschtorte.

Wenn ich den Artikel gelesen habe, kann ich dir da sicher weiterhelfen.

Glück Auf!
Smoeller

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