Als hauptberuflicher Händler finde ich diese Diskussion sehr interessant, sofern sie dann weiter sachlich bleibt. Warum soll man sich als Käufer nicht über vermeintlich oder tatsächlich hohe Preise aufregen ? Tun wir das im täglichen Leben nicht alle ?
Natürlich muss man dabei bedenken, dass wir hier nicht über die Kosten für das tägliche Leben diskutieren. Schließlich ist niemand gezwungen, sich Mineralien zu kaufen. Im Gegensatz zu Benzin, Kleidung oder Nahrungsmitteln.
Wir diskutieren hier über Steine, die keiner von uns wirklich zum Leben braucht. Wenn sich also jemand über zu hohe Preise aufregt ist der Ausgangspunkt das " habenwollen " , was nicht immer mit dem " kaufenkönnen " im Einklang steht.
Das ist bei Mineralien nicht anders als bei Autos, Häusern, Klamotten usw.
Nun kann man ja unbedarft eine Form von Neid unterstellen. Neid auf denjenigen, der sich ein teures Stück kaufen kann, weil er halt besser verdient. Projeziert wird dieser Neid dann auf den Händler. Ihm unterstellt man unlauteres Handeln. Schließlich könnte man sich ein bestimmtes Stück ja auch leisten, wenn der Händler nicht so unverschämt viel Geld verdienen wollte. Bleiben wir mal bei Loparits 12.000€ Beispiel. Eingekauft für 12.000 €, verkauft für 160.000 €.
Nur mal angenommen, besagter Händler hätte das Stück für 13.000€ angeboten, um wie viel größer wäre die potentielle Käuferschicht geworden ? Oder anders gefragt, wer von uns hätte sich diese Stufe für 13.000 € gekauft ?
Eine andere Frage, die sich mir aufdrängt ist folgende.
In vielen Branchen liegt die Gewinnspanne unter 10 %. Nehmen wir einfach an, die hier diskutierten Gewinnspannen von mehreren 100% wären realistisch. Dann verstehe ich wirklich nicht, warum einige von Euch nicht sofort Ihren Job an den Nagel hängen und sich im Mineralienhandel selbstständig machen. Wenn Ihr dann Eure Stücke " nur " mit 100% Aufschlag verkauft, habt Ihr einen sagenhaften Preisvorteil und in kürzester Zeit riesige Marktanteile gewonnen. Dann tut Euch nix mehr weh. Immer vorausgesetzt, die angenommenen Spannen sind real.
Irgendwo muss da doch ein Haken sein. Die Menschen sind doch nicht blöd. Wo immer es heute was zu verdienen gibt, finden sich in kürzester Zeit jede Menge Leute, die etwas von dem Kuchen abhaben wollen. Die Zahl der Händler müsste eigentlich steigen, das Angebot größer werden und somit die Preise drücken. Schließlich unterliegt der Handel mit Mineralien den gleichen Marktgesetzten wie jede andere Branche. Seltsamerweise ist die Tendenz genau andersrum.
Oder nehmt die großen Börsen in München oder Hamburg. Alles stöhnt über die hohen Preise. Schaut man aber z.B. die Stände der Chinesen an, so findet man oft diese Grabbeltabletts. Jedes Stück 5.-€ oder so. Da sind manchmal echte Kleinode dabei. Nur kaufen tut sie keiner. Man muss sich die Stücke halt genau ansehen und auch mal aufnehmen und rumdrehen. Was ist aber, alles starrt wie das Kaninchen auf die Schlange auf die völlig überteuerten Stufen auf dem Tisch.
Der " alles ist zu teuer " Mentalität steht die " was nix kostet ist auch nix " direkt gegenüber.
Aber egal, betrachten wir doch auch einmal andere Kriterien die die Preise beeinflussen. Das eine Stufe, die früher 10 DM gekostet hat, heute 10 € kostet ist wohl keinem entgangen. Eine simple Verdopplung des Preises nur durch eine Währungsumstellung. Das fließt natürlich dem Händler in die Tasche. Tut es das ? Schön wär´s, denn so wie die Endpreise haben sich auch die Kosten entwickelt. Oder der Einkauf an sich. Vor 5 oder 6 Jahren konnte man als Händler einem Marokkaner seinen ganzen Bestand einer bestimmten Sorte abkaufen und bekam dafür einen sehr guten Preis. Der fuhr dann nach Marokko und holte neue Ware. Und heute ? Heute haben die meissten ein Lager in Deutschland oder Frankreich. Sie verkaufen lieber einzeln an Endkäufer als im Lot an Händler. Die Preisnachlässe an Händler sind oft so gering, dass man mit der Ware nichts mehr verdienen kann. Es sei denn, man schafft es sie wesentlich teurer zu verkaufen als die Marokkaner selbst. Das wird jedoch kaum gelingen.
Bei den Chinesen ist´s das Gleiche. Also fährt man halt selbst in diese Länder und kauft direkt beim Miner oder Finder. Leider sind auch die nicht mehr völlig unbedarft und auch hier sind die Preise in den letzten Jahren gewaltig angestiegen. In manchen Gegenden ist inzwischen eine richtige Mafia entstanden und man kann gar nicht mehr direkt beim Finder kaufen, sondern nur noch beim " Zwischenhändler ". Hinzu kommen Reisekosten., Transportkosten, ein hohes Risiko, dass die Ware überhaupt, bzw.die, die man gekauft hat, bzw. diese unbeschädigt nach Hause kommt.
Weiter muss man, um einen guten Preis zu bekommen, in der Regel größere Mengen abnehmen. Diese setzt sich aus den unterschiedlichsten Qualitäten zusammen. Eine echte Superstufe wird selten dabei sein, denn die Jungs sind auch nicht blöd und haben vorher schon selektiert. Also kauft man zwangsweise auch Ramsch mit, der quasi unverkäuflich ist.
( @ Loparit, kannst Du mir bitte die Adresse geben, wo ich verkaufbare15.-€ Stufen für 1-2 € kaufen kann. Ich beteilige Dich mit 50 % am Gewinn )

Das Mineralien heute wesentlich teurer sind als noch vor einigen Jahren ist absolut unstrittig. Das gilt für den Einkauf genauso wie für den Verkauf. Das manche Händler mit Horrorpreisen auf einen Käufer warten auch. Aber auch das war schon immer so.
Nun möchte ich hier nicht den Eindruck erwecken, das alle Händler am Hungertuch zu nagen. Es ist aber auch bei weitem nicht so, dass die Mehrheit Händler das Geld mit bloßen Händen scheffeln. Man muss heute ganz schön strampeln um sein Geschäft so zu führen, dass am Monatsende was übrig bleibt.
Überleben kann man langfristig nur, wenn Qualität, Service und Preis in einem akzeptablen Gleichgewicht sind. Man ist darauf angewiesen, dass ausreichend Kunden zufrieden sind und wiederkommen. Und man kann es natürlich nicht allen recht machen.
In so fern ist die Diskussion, dass alles teurer wird bzw. manches für manchen zu teuer ist durchaus berechtigt. Aber das liegt in der Regel nicht am Händler, sondern ist Bestandteil der allgemeinen Entwicklung.
Ralf