Geh doch mal raus und sucht schone steine anstatt hier uber so ein unsinniges Thema herum zu treiben
Moin,
bewahre, Nein, das ist kein unsinniges Thema: Was UlrichW so "blumig" darstellt, ist für unser Hobby elementar geworden - leider. Die Abzocke im Mineralienhandel ist nur ein Aspekt, an welchem Du die derzeitige Lage im Gelände und in den Köpfen vieler Sammler festmachen kannst.
MM-Bär (der sich seinem neuen "Arbeitsgebiet" widmen möchte)
Hi MM-Bär,
gut ausgedrückt, dafür habe ich ein paar hundert Zeilen benötigt.
Wie schon von Harjo behauptet: "Da lässt ja doch nichts dran ändern" erinnert mich fatal an die Geschichten um die Mitte des vorigen Jahrunderts. Da haben auch Millionen gesagt: Da lässt sich ja nichts dran ändern..und viele Millionen mussten Leiden. Dummerweise hat aber auch fast niemend aus solch einem Verhalten gelernt, am wenigsten die, die Leiden mussten!
Man kann vortrefflich über den Weg streiten, aber man darf, nach meiner Meinung, Grundbegriffe unserer Zivilisation niemals vergessen: Dazu gehören Rücksichtnahme, massvolle Bescheidenheit genauso wie daß man anderen zuhört und versucht seinen Standpunkt zu verstehen. Das ist heute leider komplett reziprok zum Mainstream.
Das fatale an der Sache ist, daß wenn man gegen den Mainstream argumentiert, sich viele Leute massiv auf den Schlips getreten fühlen. Das scheint daran zu liegen, daß es genau diesen Menschen schwer fällt ihr gewohntes Verhalten zu ändern und sogar Verzichtzu üben. Als Beispiel sei mal die Umweltdikussion zu nennen. Nach heutigen Umfragen ist für 70% der Bevölkerung der Umweltschutz eines der wichtigsten politischen Themen, incl. Energie sparen. 25 Jahre zurück, haben wir alle Dinge getan ohne über die Folgen nachzudenken. Erst die aufkommende Bewegung der heutigen Grünen, hat durch lange angefeindete Arbeit das Bewusstsein geändert. Im Punkte Energie sparen beispielsweise, zeigt sich der überhebliche Mainstream sehr deutlich. Sparen ist wichtig, aber das sollen mal die anderen tun, und es darf nichts kosten und muss bequem sein. Ende vom Lied: In jedem Vorgarten sind hunderte Watt an Beleuchtung und Lichtspielen installiert. Man kanns sich ja leisten! Das schlimme daran ist die Diskrepanz zwischen geäußerter Überzeugung (Energie sparen udn Umweltschutz ist wichtig) und der Handlungsweise (was solls, ich kanns mir ja leisten!).
Mineralogisch sind wir heute in den Anfangsjahren der "Grünen". So langsam wird begriffen, daß die
masslose Kommerzialisierung unseres Hobbies und mehr schadet als nutzt. Erweitert man den Begriff Kommerzialisierung auf unser Hobby mit Begriffen wie Sammeln im Feld, Materialbeschaffung usw. so wird das Problem schnell klar.
Ein "blumiges" Beispiel, teilweise etwas subjektiv empfunden aber im Sinn der Wahrheit angelehnt.
Tauern, Pinzgau, vor 25 Jahren: trafen sich Sammler gab es immer ein "Berg heil" und "hast dus schon was gefunden" und "zeig mal her". Das waren noch Zeiten, obwohl gefunden hat man auch nicht wirklich mehr, jedenfalls nicht Unsereiner. Aber wir haben auf der Hütte gesessen und die Tische waren voll mit Steinen. Ein Haufen Neid, noch mehr Freude und ein gutes Dutzend Bierchen/Kehle machten viele Abende zu einem Erlebnis. Jeder sammler hat sich mit dem anderen ausgetauscht.
Wir haben auch Mineralien gekauft, aber auch dem Strahler gesagt, das die Stücke zu teuer seien. Das ging viele Jahre gut. Dann kamen immer mehr Menschen in die Tauern, auch viele, die jeden Preis beim Strahler bezahlten. Die Preise stiegen unaufhörlich, was nur zu gut zu verstehen ist. Ein großer Teil der Privatsammler haben aber auch weiterhin Mineralien gesucht. Dann kam der Nationalpark: Sammeln praktisch verboten.
Punkt a) einige auserwählte Einheimische bekamen Sondergenehmigungen, je nach Rang der Person im Ort. Viele Einheimische waren sowas von sauer, das glaubt kein Mensch.
Punkt b) es gab nun nur noch etwas von den Sondergenehmigungsstrahlern zu kaufen, alle anderen hielten ihre Funde unter der Decke.
Jetzt sassen wir wieder auf der Hütte, und alle ehemaligen Steinbegeisterten mutierten zu Blumenfreuden und Wellnesstigern. Konnte man früher durch die Ortschaften wandern und sich Sammlungen anschauen und das eine oder andere Stück kaufen, verschwanden alle "Mineralien"-Schilder von den Gartentüren.
Was war passiert?
Bei der Gründung des Nationalparks gab es drei Argumente, die seitens der Behörden immer wieder in die Diskussion geworfen wurden:
a) Die Goldgräber rauben Schätze aus unserer Natur , dem muss Einhalt geboten werden. Es kann nicht angehen, daß Touristen wertvolle Kulturgüter aus dem Land schleppen.
Anmerk: Das diese Touristen deutsches Kulturgut in Millionenhöhe, nämlich die DM, ins Land schleppten wurde schon als naturgegeben angenommen. Umgekehrt war dem Laien die Preissteigerung bei Mineralien aufgefallen, und wenn eine Rauchwuarzspitze schon 150 Euro wert war, wie reich sind dann die Sammler geworden.
b) Ein paar Auserwählte sollen für die Konservierung der Kulturgüter sorgen dürfen. Das diese Auserwählten zu den größten Profiteuren im Mineraliengeschäft gehörten, interessierte keinen.
Anmerk: Das nenne ich einen Claim abstecken und noch dazu steuerfinanziert schützen lassen.
c) Die Sammler zerschlagen Quarzbrocken auf Kuhweiden, lösen Berstürze aus und verwüsten die Landschaft.
Anmerk: Wie albern und an den Haaren hebeigezogen solch ein Argument ist, versteht jeder der einaml alpin Mineralien gesammelt hat, mit Verstand! Aber es war ein gefundenes Fressen für die Presse zur Bildung eines Mainstreams. Kärnten: Totales Sammelverbot ist eine weitere Folge. Nicht Sammelverbot am Hocharn, nein, in ganz Kärnten!
Das Resultat war, daß aus einer ehemals blühenden Mineralienregion ein Wellnessparadies mit hohem Geheimniskrämer-Faktor geworden ist. Alleine die Funde der letzten 15 Jahre hätten früher ganze Lapisjahrgänge gefüllt. Wegen Nationalpark kam darüber fast nichts in den mineralogischen Printmedien. Die Preise sind durch die Decke geschossen, da die Konkurrenz ausgeschaltet war. Trifft man heute jemand in den Bergen, versucht man das besser zu vermeiden. Ein "Berg heil" gebietet die Höflichkeit, aber Mineraliensammeln, danach fragt man lieber nicht. Mineralien sammeln ist verkommen zu einer Underground-Tätigkeit und vieles von seinem Reiz verloren. Man fühlt sich als Sammler geradezu als Aussätziger, so stark ist der Mainstream und der neid geworden. Da fühle ich mich nicht mehr wohl. Resultat: Jeder sammelt im Verborgenen und hat, etwas übertrieben gesagt, panische Ängste: Ja nicht als Sammler angesehen zu werden, das gibt Ärger!
Das sind die Auswirkungen von Verständnislosigkeit, Rücksichtslosigkeit, Raffgier, Ungeduld usw., wie auch immer und in welcher Stärke sie auftreten. Jeder von uns macht diese Fehler, aber einige versuchen sich auchj immer wieder einmal zu korrigieren. Das sind die "Grünen" unter den Sammlern!
Viele Grüße
Ulrich