Mineralien / Minerals / Minerales > Allg. Diskussionen Mineralien / General discussions minerals
"Milchquarz": Bergkristallvarietät oder eigene Quarzvarietät?
berthold:
Hallo,
ja, im streng mineralogischen ist alles Quarz, abgesehen von den anderen Modifikationen natürlich. Aber: da es weltweit immer wiederkehrende Mechanismen zur typischen Färbing gibt haben sich seit Jahrhunderten Namen für diese Farbvarietäten eingebürgert. Diese haben nicht nur als Handelsnamen z.B. in der Gemmologie sondern auch in der Mineralogie durchaus Bedeutung und Einzug gehalten.
Bergkristall (nach Strunz grobkristalline Quarz-Varietät): Idiomorphe, farblose, klar durchsichtige Kristalle. Schaumburger und Herkimer Diamanten sind Bergkristalle, nur eben aus einem bestimmten Fundgebiet.
Rauchquarz (smoky quartz): Idiomorph, rauchbraun bis braunschwarz, Bestrahlungsverfärbung. Morion ist ebenfalls ein Rauchquarz, nur eben ein besonders dunkler.
Milchquarz ist wie Gangquarz und oft auch "Gemeiner Quarz" durch Flüssigkeitseinschlüsse milchig-trüb. Milchquarz zeichnet sich durch seine weiße Farbe aus, seltener idiomorph (z.B. bei pegmatitischem Milchquarz).
Gruß
Berthold
PS: Milchquarz wird im Klockmann als als Varietät bezeichnet. Das Lapis-Mineralienverzeichnis schreibt "Milchquarz=trüber milchigweißer Quarz mit winzigen Flüssigkeits-Einschlüssen, Varietät". Strunz (Mineralogische Tabellen) nennt Milchquarz unter den Varietäten.
Bergmeister:
@berthold
Glückwunsch, Du bringst es 1a auf den Punkt!
Stefan:
Für mich stellt sich die Frage was zeichnet eine Varietät aus?
Lt. Definition:
Unter Varietät versteht man in der Mineralogie die unterschiedliche Ausbildung eines Minerals in Farbe, Transparenz, Tracht oder Kristallgröße. Der Gitterbau des Kristalls ist aber jeweils identisch.
Ich denke nach dieser Definition sind es eindeutig Varietäten.
Die Frage an die jenigen die anderer Meinung sind: Wie würde eure eindeutige Definition einer Varietät aussehen?
Gruß Stefan
Collector:
Hallo Stefan
dieser Satz, so wie Du ihn schreibst, dürfte wohl der Standardsatz im Internet sein, den man bei wikipedia und auf den unterschiedlichsten Seiten immer wieder gleich liest, bzw. wo einer vom anderen abschreibt. Ginge man dem Ursprung dieses Satzes, resp. dieser Definition nach, fände man bestimmt, dass dies die Meinung von einem ganz bestimmten Autor ist, aber nicht einer haltbaren wissenschaftlichen, bzw. nicht mal allgemeinen Definition entspricht.
Diese Definition ist nicht immer haltbar, denn wenn dem so wäre,
FARBE........dann wären nicht wenige Farbvarianten bei Mineralien jeweils eine Varietät, was aber nicht immer der Fall ist. (Ist grüne Zinkblende eine Varietät von der roten Zinkblende - oder ist die rote etwa eine Varietät von der grünen ? Oder sind dies gar keine Varietäten ??). Gut, es gibt natürlich auch Farbvarietäten (wie von berthold beschrieben; aber hier sind auch oft die Begriffe sehr individuell ausgelegt. Sind Paraiba-Fluorite oder neongrüne Apatite Varietäten ? ).
TRANSPARENZ.......dann wäre ein komplett matter, bzw. undurchsichtiger Rhodochrositkristall eine Varietät eines völlig transparenten Rhodochrositkristalls ? Oder umgekehrt ? Oder gar keine Varietät ?
TRACHT........ dann wäre, wenn die Tracht ein Kriterium darstellt, eine Kugelform eine Varietät eines idiomorphen Kristalls - oder umgekehrt ? Oder - ist ein stalaktitischer Calcit eine Varietät eines perfekten Skalenoeders ? ) könnte man endlos fortsetzen)
GRÖSSE........dann wäre ein Pyrit mit 50 cm Kantenlänge eine Varietät eines Pyrit-Mikrokristalls von 2 mm - oder umgekehrt ?
Ich denke, dass nach den Kriterien dieser Definition (Farbe, Transparenz, Tracht, Kristallgröße) bei wikipedia eindeutig keine Varietäten abgeleitet werden können. Es sind schlichtweg die falschen Kriterien.
Schwache Versuche, eine Varietät zu definieren, sind zum Beispiel die Unterscheidung eines gleichen Minerals nach der Verschiedenheit des Gefüges einzelner Glieder der Mineralgruppe ( im Falle von Quarz zwei Varietäten: Phanero- oder Makrokristallin sowie kryprokristallin).
Der Begriff Varietät wird je nach wissenschaftlicher Disziplin, aber auch je nach Autor, Sammler, Händler, etc. unterschiedlich definiert. Die schärfste Definition dürfte von Linné stammen, der - wohl weil er die Problematik erkannte - schlichtweg Varietäten in der Biologie ablehnte.
Die Mineralogen sind ein kurioses Völkchen; auf der einen Seite suchen sie als Puristen ständig nach neuen Unterscheidungsmerkmalen, um neue Mineralien zu entdecken ( aus Whiteit wurde Witheit-(CaFeMg), (Whiteit -(CaMnMg), Whiteit-(MnFeMg) ... usw ; aber bei einfach verschieden gefärbten Quarzkristallen spricht man locker und oft gedankenlos von Varietäten - wenngleich es alles nur Quarz ist ( Quarz ist Quarz ist Quarz ......). Soweit nachvollziehbar, ist der Begriff "Varietät" in der Mineralogie weder ein Kriterium noch bezieht er sich auf eine wissenschaftlich definierte Eigenschaft.
Nicht wenige Varietäts-Bezeichnungen stammen von Schmuckhändlern und beziehen sich auf die Farbe ( Beryll kann je nach Farbe Smaragd, Heliodor, Morganit oder Aquamarin sein , ist letztlich aber ein grüner, gelber, rosa oder blauer Beryll. Nichts anderes).
Manche als Varietätsnamen benutzte Bezeichnungen sind in Wirklichkeit aber auch ganz einfach Synonyme, resp. Lokalitäts- und/oder Bergmannsbezeichnungen. Dazu gehören die Herkimer Diamanten und die Japaner Zwillinge (Quarze), der Schwefelkies und Kobaltglanz.
Ganz schlimme "Varietätsbezeichnungen" kommen von den Eosterikern und den Steinheilern (bei den US-amerikanischen Esoterikern gibt es ca. 30-40 neue Wortschöpfungen für "Quarzvarietäten" von "Elestial" über "Gorgonian" bis hin zu "cathedral quartz".
Angesichts dieses Wirrwars , angesichts der babylonischen Sprachenvielfalt und angesichts der unermesslichen Freiheit der Wortschöpfungen hat der Begriff einer "Varietät" jeglichen Sinn verloren. Jeder nennt sein Mineral halt so, wie er es für richtig hält: Hahnenkamm-Markasit, Feueropal, Rosenquarz und Rosaquarz, Kugelpyrit oder Kappenquarz, elestial oder Schaumburger Diamant.
gruß
collector
Stefan:
Hallo Peter, schön ausgeführt :D
das ist genau das was ich meine, wo liegt die Grenze. Für mich ist Rosenquarz eine Quarz-"Varietät" die zudem fast nie in anschaulichen Kristallen vorkommt entgegen der meisten anderen Quarzen.
Aber was macht z.B. Smaragd, Aquamarin, Heliodor zu einer Varietät von Beryll? - auch alles nur Farbe.
Das ist es was mich daran stört. Auf der einen Seite wird gesagt das ist keine Varietät und auf der anderen Seite gibt es keine eindeutigen Kriterien die eine Definition erlauben.
Synonyme ist für mich soweit klar. Bergmannsbegriffe wie Zinkblende etc. sind Synonyme für ein Mineral oder auch Mineralgruppe und stellen keine Charakteristiken heraus.
Bei der möglichen Vielzahl von Varietäten, was ist dann das eigentliche Mineral?
Oder muss man sagen ein Mineral ist die Summe seiner Varietäten?
Gruß Stefan
Navigation
[0] Themen-Index
[#] Nächste Seite
[*] Vorherige Sete
Zur normalen Ansicht wechseln