Grüezi mitenand,
Ist Mineraliensammeln nicht ein Geschäft geworden? Ein hart umkämpftes Geschäft, geführt von eisernen, verschwiegenen Gestalten, die einander nichts gönnen? Es scheint mir manchmal so. Dabei kann es durchaus lustig sein. Was erlebt man nicht alles für groteske Geschichten im Laufe der Zeit. Ich finde, es ist an der Zeit, in die bierernste Seriosität mal wieder ein kleines Schmunzeln zu zaubern. Her mit Euren Anekdoten! Ich weiß, dass jeder von Euch etwas komisches erlebt hat, dass mit seinem Hobby zu tun hat. Lasst uns zusammen drüber lachen. Ich fang dann mal an...
Meine beiden Erlebnisse fanden beide im Harz statt. Ich war so neun oder zehn Jahre alt und das erste mal im Harz so richtig sammeln. Ja, und da darf natürlich eins nicht fehlen: der Besuch der Sammlung in Clausthal. Mit großen Augen wandert der kleine Steppke mit seinem Vater durch die Vitrinenreihen. Vor einem Stück bleibt er stehen und schaut kritisch. "Das ist aber kein Baryt, das ist Siderit!", schallt es durch den Ausstellungsraum. Mein Vater zischte mir zu, ich solle gefälligst still sein. Das wäre hier eine Universitätssammlung, die Leute wüssten schon, was sie da hin schrieben. Nun hatte der ältere Mann, der in der Ausstellung Wache schob, sich hinzugesellt. Es stellte sich heraus, dass er einst im Harz ein Bergmann gewesen war. "Nein, nein. Ihr Sohn hat schon recht. Ich hab denen schon lange gesagt, dass sie das Etikett endlich austauschen sollen!"...
Die andere Geschichte ereignete sich Luftlinie nur ein paar Hundert Meter entfernt in einem Mineraliengeschäft in Zellerfeld. Ich durfte mir ein paar Stücke aussuchen und wählte ein paar Bad Grunder Stufen. Eine weiteres Mineral fand mein Gefallen, aber da ich schon etliche andere Stücke gekauft bekommen hatte, war dieses Stück nun nicht mehr erschwinglich. Da dachte sich die Verkäuferin wohl, ich erlaube mir mal einen kleinen Scherz. "Wenn Du mir sagen kannst, was das ist", meinte sie, "dann darfst Du das Stück behalten". Sie hatte nicht damit gerechnet, dass der kleine Junge schon seit vier Jahren eifrig damit beschäftigt war, bunt bebilderte Mineralienbücher durchzuforsten und seine Schlüsse daraus zu machen. "Das ist ein Vanadinit!!!". Die Feststellung stand unwiderruflich und korrekt im Raum. Das Stüfchen habe ich heute noch und es bringt mich immer noch zum Grinsen, wenn ich es sehe. Den Laden habe ich zehn Jahre später wieder betreten. Er wird immer noch von den selben Leuten geführt. Ich kam mit ihnen ins Gespräch und erwähnte, dass ich bereits seit dem sechsten Lebensjahr Mineralien sammelte. Die Frau muss ein unglaubliches Gedächtnis haben. Sie meinte, dass vor vielen Jahren mal ein Junge mit seinen Eltern dort gewesen wäre, der mir irgendwie ähnlich gesehen hätte. Man kann sich die Erheiterung vorstellen, als ich die Situation auflöste!
Glückauf
Andreas