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Kupferfund in der Lausitz!

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joachimotto:
Naja. 1,5 millionen Tonnen Erz sind dann ja auch nicht so gigantisch viel. Im Rammelsberg bei Goslar waren es ca 30 Millionen, nur nicht über 5 Bundesländer verteilt. Das dürfte ne ziemlich dünne Lage sein. Aber vielleicht sind ja ausser Kupfer noch andere interressante Elemente vertreten, so das sich ein Abbau möglicherweise tatsächlich rentiert.

smoeller:
Hallo,

Das Kupferschieferflöz ist in Lage und Ausdehnung doch nun wirklich ein alter Hut.

Das gesamte Flöz ist nur ca. 30-40 cm mächtig und der Cu-Gehalt nur ca. 0,3 % wenns hochkommt. Auch ist das Erz unregelmäßig im Flöz verteilt.

Interessant ist der Gehalt des Kupferschiefers an Ag, Mo, In, Tl, vielleicht auch Cd, U. Aber das herausragend ist das Rhenium. Es dürfte die größte Rheniumlagerstätte der Welt sein.

Glück Auf!
Smoeller

Schluchti:
naja, das Kupfer allein wird so wichtig gar nicht sein. Wenn ich die polnische Seite oben lese, waren die dort nebenbei 2004 zweitgrößter Silberproduzent der Welt.  gestern las ich auch von Inforamtionemn, daß der Flöz "schon" ab 700m Teufe anstehe.

raritätenjäger:
Toll, habe schon lange nix mehr über Spremberg-Graustein gehört. Wär ja ne Geschichte, wenn die da anfangen zu fördern. Hätte die DDR nur ein paar Jahre weiter existiert, hätten wir da jetzt vielleicht ein zweites Mansfeld :)

Glückauf
Andreas

hoe:
Nachdem durch die Medien allerlei widersprüchliche, teils unsinnige Angaben verbreitet wurden, das schließt das Interview bei Spiegel-Online mit ein, habe ich mich mal schlau gemacht, was da nun wirklich liegt. Die Fehler in dem Interview stammen dabei sicherlich von dem wenig professionellen Interviewer, der Präsident des Landesamtes für Bergbau, Geologie und Rohstoffe Brandenburg (LBGR) sollte eigentlich genauer bescheid wissen.

Das Kupferschiefervorkommen von Spremberg ist seit Anfang der 60er Jahre bekannt und wurde in den 70er Jahren detailiert erkundet. Die Erkundung gipfelte in einem 1976/77 fertig gestellten Ergebnisbericht, der immerhin vier dicke Aktenordner umfaßte. Die Lagerstätte um die es hier geht, ist 17,4 km2 groß, enthält 98,6 Mio Tonnen Erz mit einem Kupfergehalt von 1,49 Mio Tonnen. Im Gegensatz zu den Flözen von Mansfeld und Sangerhausen hat das Flöz hier eine mittlere Mächtigkeit von 2,8m. Die Ausrichtung war mit einer Doppelschachtanlage geplant (Teufe ca. 1000m, Schachtdurchmesser 8m).

Im Profil kommen als erstes ca. 250m Quartär und Tertiär (Sande, Kiese, Braunkohle und natürlich viel Wasser), darunter liegt Muschelkalk mit Karsterscheinungen... also alles Sachen, die beim Teufen richtig Freude aufkommen lassen. Deshalb war für den oberen Teil auch Teufen im Gefrierverfahren vorgesehen. Der Muschelkalk sollte durch Zementinjektionen im Vorfeld stabilisiert werden. Insgesamt war durch die schwierige Geologie bis 800m Teufe Tübbingausbau vorgesehen.

1978 wurde ein neues Konzept beschlossen, das sowohl die Gewinnung des Kupferschiefers, als auch der darüberliegenden Braunkohle beinhaltete. Dadurch mußten die vorgesehenen Schachtansatzpunkte noch einmal umgeplant werden. In den Jahren 1979/81 wurde die Erkundung den neuen Schachtansatzpunkten noch einmal angepaßt, was zu einem neuen Ergebnisbericht mit nun bereits 7 Aktenordnern Beschreibung, Rissen und Profilen führte. Die Vorbereitungen für die Teufe der Schächte war im Prinzip abgeschlossen, detailierte Pläne und Berechnungen für die Baustelleneinrichtung, Fördertürme, Tübbingausbaue etc. lagen vor. Baubeginn sollte 1984 sein, die Inbetriebnahme sollte 1998 erfolgen. Vor Ort hatten das Einrichten der Baustelle bereits begonnen, als der Minister für Erzbergbau Metallurgie und Kali (EMK) im August 1980 festlegte, daß alle weiteren Vorbereitungen einzustellen sind. Hintergrund war die Wirtschaftlichkeit - steigende Kosten und sinkende Effektivität führten schließlich zur vollständigen Stillegung des Kupferschieferbergbaus in Ostdeutschland. Bis zu diesem Zeitpunkt waren für das Projekt Spremberg bereits 90,7 Mio Mark ausgegeben worden.

Was nun den Antrag auf Erkundung durch Anglo American plc angeht, ist das wohl eher als langfristige Sicherung von Zugriff auf Lagerstätten, anstatt von baldigem Beginn von Kupferbergbau in der Lausitz zu werten. Eine Firma, die sich selbst als globaler low-cost Kupferproduzent sieht, wird da erst Geld reinstecken, wenn es der Kupferpreis auch wirklich hergibt. Übrigens, das "American" im Firmennamen stammt noch aus der Gründerzeit der Firma in den 20er Jahren, als die Hauptivestoren tatsächlich aus Amerika kamen. Heute ist es im wesentlichen ein südafrikanisches/luxemburgisches Unternehmen, wobei die größten Aktienanteile von britischen Investoren gehalten werden.

Übrigens, wer sich für vergangene und aktuelle Projekte im Untertagebau interessiert +++ Achtung Werbung ;-) +++, der sollte mal einen Blick in die seit August 2006 verfügbare Firmenchronik der Schachtbau Nordhausen werfen (Band 2, Teil 1-3, insgesamt ca. 1000 Seiten). Es wurde allerdings nur eine Auflage von 1000 Exemplaren gedruckt, also nicht zu lange warten.

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