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Autor Thema: Sagenit nach Ilmenit?  (Gelesen 7242 mal)

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Offline Jochem

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Sagenit nach Ilmenit?
« am: 15 Feb 07, 00:36 »
Hallo Freunde,

nachdem ich nun das ganze Web nach Ilmenitphotos durchsucht habe, glaube ich auch in folgenden Bildern Ilmenit zu erkennen. Wiederum sind es dünne Plättchen, diesmal aber ganz schwarz und stark glänzend. Ähnlich wie Harjos Ilmenite aus dem Habachtal  http://www.mindat.org/photo-75966.html.

Und diese Plättchen scheinen sich mehr oder weniger in Sagenit umgewandelt zu haben. Das es so etwas gibt, entnehme ich folgendem Foto: http://www.mindat.org/photo-1739.html. (Oder was heißt epimorphic?)

Wie seht ihr das?

Es folgen zunächst 2 Bilder eines zerbrochenen Plättchens

Gute Nacht,
Jochem

Offline Jochem

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #1 am: 15 Feb 07, 00:38 »
noch ein zerbrochenes und ein ziemlich umgewandeltes mit den Konturen des Originals

Offline Jochem

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #2 am: 15 Feb 07, 00:41 »
und noch zwei fast ganz aus Sagenit bestehende (ganz rechts ist noch die letzte schwarze Stelle)
fast hätt ich´s vergessen: die Stufe stammt wiederum aus dem Tessin: Val Chironico

Offline Ralf

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #3 am: 15 Feb 07, 08:51 »
Sagenit nach Ilmenit ist auch aus der Eifel bekannt. Z.B. vom Nickenicher Sattel. Geben tut´s das also schon.

Gruß
Ralf

Offline smoeller

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #4 am: 15 Feb 07, 11:44 »
Hallo,

Hier aber scheinen eher Epitaxien, also orientierte Aufwachsungen von Rutil auf dem schwarzen Mineral (Ilmenit oder Ti-haltiger Hämatit) vorzuliegen. Die schwarzen Kristalle sehen ja noch frisch aus. Aus der Cavradi-Schlucht sind solche Epitaxien ja schon seit Jahrhunderten bekannt, weshalb sollte es sie nicht auch anderswo in der Schweiz geben?

Glück Auf!
Smoeller

Offline raritätenjäger

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #5 am: 15 Feb 07, 12:29 »
Jawoll, das sind alles Epitaxien. Ist nicht zu erkennen, dass der Rutil den Ilmenit irgendwie verdrängt. Die Nadeln sind einfach nur orientiert aufgewachsen.

Glückauf
Andreas

Offline Ralf

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #6 am: 15 Feb 07, 18:59 »
In der Eifel findet man alle Stadien, angefangen von epitaktisch aufgewachsenen Sageniten bis hin zu Stücken, wo vom Ilmenit nix mehr zu sehen ist.
Ob es eine echte Pseudomorphose ist vermag ich so nicht zu sagen.Manchmal ist der Ilmenit halt vollkommen weg.

Ralf

Offline Jochem

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #7 am: 16 Feb 07, 00:25 »
OK, so scheint es auch hier zu sein,
hab sie grad nochmal verschärft durchs Bino gemustert:
teilweise sieht es aufgewachsen aus, teilweise ist aber einfach nix schwarzes mehr da. Z. B. gibt es viele Bruchflächen, wo man nur Sagenit sieht.
Immerhin weiß ich jetzt, was Epitaxien sind.

So far und Dank,
Jochem

Offline Krizu

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #8 am: 16 Feb 07, 06:47 »
In der Eifel findet man alle Stadien, angefangen von epitaktisch aufgewachsenen Sageniten bis hin zu Stücken, wo vom Ilmenit nix mehr zu sehen ist.
Ob es eine echte Pseudomorphose ist vermag ich so nicht zu sagen.Manchmal ist der Ilmenit halt vollkommen weg.

Hallo,

Ilmenit bildet meines Wissens eine Reihe an Mischungen bei hohen Temperaturen zum Hämatit und zum Rutil. Bei tiefen Temperaturen und langen Zeiträumen scheidet sich das "zusätzliche" Mineral in Form von orientierten Lamellen aus.  Und Ilmenit ist nicht unbedingt das stabilste Mineral. Es wird schon durch Schwefelsäure angegriffen.

Vielelicht sind das Überreste solcher Ausscheidungen?

MfG

Frank


Offline Günter Blaß

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #9 am: 16 Feb 07, 11:20 »
Hallo an alle Interessierten:
Nachfolgend ein Ausschnitt aus unserer CD über die Minerale der Vulkaneifel zum Thema Epitaxien/Pseudomorphosen von Rutil nach Ti-haltigem Hämatit bzw. Ilmenit.

Viel Spaß beim Karnevalssammeln

Günter Blaß


Rutil nach Hämatit/Ilmenit

Epitaxien bzw. Pseudomorphosen von Rutil nach Ilmenit/Hämatit/Titanohämatit sind aus der Vulkaneifel vom Bellerberg, Emmelberg, Nickenicher Sattel, Herchenberg, Rothenberg sowie aus „Kristallinen Schiefern“ des Laacher-See-Vulkans bekannt.

Makroskopisch handelt es sich um gelbe, beigegelbe bis leicht rötliche, dünntafelige Kristallagregate. Im Anfangsstadium der Pseudomorphisierung ist nur der Randbereich der “Ilmenit-Kristalle” in Rutil umgewandelt (dieser Umwandlungsbeginn entspricht in seinem Wesen einer Epitaxie). Visuell ist dies schön daran zu erkennen, dass der schwarze “Ilmenit” einen mehr oder weniger breiten, gelblichen Rahmen aus Rutil aufweist. Im Endstadium ist der gesamte Kristall unter Erhaltung seiner Umrisse vollständig umgewandelt und dementsprechend komplett gelb bis gelbrot gefärbt (Bild).

Die Umwandlung von Ilmenit zu Rutil verläuft nach allgemeiner und übereinstimmender Ansicht in drei aufeinanderfolgenden Schritten ab (381, 382) wobei man den ersten und zweiten auch als einen Schritt auffassen könnte.

Zunächst findet Hydration von TiO2 und gleichzeitige Oxidation von Eisen sowie anschließende Auslaugung und Wegführung des dreiwertigen Eisens statt.
Als zweite Stufe des Prozesses folgt die Bildung von Pseudorutil infolge der im ersten Schritt erfolgten Eisenoxidation und der Auslaugung von einem Drittel des ursprünglichen Eisengehaltes nach folgender Reaktionsgleichung:
3Fe2+TiO3 ® Fe2Ti3O9 + Fe
In einem dritten Schritt, der schließlich zur Bildung von Rutil führt, läuft eine Reaktion nach folgendem Schema ab:
Fe2Ti3O9 ® 3TiO2 + Fe2O3
Auch in diesem letzten Schritt wird das gebildete Eisenoxid aufgrund seiner Mobilität weggeführt, während der Rutil an Ort und Stelle, d.h. auf den Relikten des Hämatit-Kristall, kristallisiert.

In der Zusammenschau unserer Untersuchungen an Pseudomorphosen und Teilpseudomorphosen nach Ilmenit/Hämatit lässt sich festhalten, dass die zweite Stufe mit der Bildung von Pseudorutil anhand von röntgendiffraktometrischen Daten nicht eindeutig nachvollziehbar war. Es waren immer lediglich Ilmenit/Hämatit und Rutil nachweisbar.

Wie schon gesagt, kristallisiert der Rutil an der Stelle seiner Entstehung und richtet sich dabei gesetzmäßig auf dem “Ilmenit” aus. Dabei liegen die {100}- Flächen auf der Basis {00.1} des „Ilmenits“ und die c-Achse von Rutil liegt parallel zu der Richtung [12.0] von „Ilmenit“. Das heißt, die Rutil-Kristalle gehen in der Verlängerung durch den Schnittpunkt von zwei (110)-Flächen und liegen parallel zu den zugehörenden Äquatorkanten des Hämatit (Abb.9+10). Besonders deutlich ist diese Anordnung im Rastermikroskop zu erkennen (415).

Offline raritätenjäger

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #10 am: 16 Feb 07, 11:26 »
War es nicht so, dass an den Ilmenitpseudomorphosen vom Bellerberg teilweise auch Narsarsukit beteiligt war oder hat sich das mittlerweile als Irrtum erwisen?

Glückauf
Andreas

Offline Günter Blaß

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Re: Sagenit nach Ilmenit?
« Antwort #11 am: 16 Feb 07, 12:39 »
Hallo Andreas,

Es gab nur eine Stufe (sammlung Schäfer) welche von Hentschel als Narsasukit beschrieben wurde. Eine Nachuntersuchung dieser Stufe konnte den Narsarsukit jedoch nicht eindeutig bestätigen. Es gibt jedoch vom Bellerberg und anderen FOs der Eifel Pseudomorphosen von Lorenzenit nach Hämatit/Ilmenit? (Lorenzenit ist wie der Narsarsukit ein Na-Ti-Silikat)

 Hier ein weiterer Auszug aus unserer CD:
Narsarsukit
Als Einzelfund in einem silikatischen Einschluss aus den Schlacken des Bellerberges  wird das seltene, bisher nur aus wenigen Pegmatit-Vorkommen bekannte Mineral Narsarsukit beschrieben (342). Es bildet gelbliche Pseudomorphosen nach einem, von der trigonal tafeligen Form her zu vermutenden, ehemaligen Mineral der Hämatit/Ilmenit-Reihe. Diese Pseudomorphosen sitzen in Hohlräumen und werden von Tridymit, Quarz, Pyroxen, Amphibol und Sanidin begleitet. Die XRD-Analyse ergab ein Gemenge von Rutil und Narsarsukit (342).

Es dürfte sehr schwierig sein, diese Narsarsukit Pseudomorphosen von den gleich aussehenden Pseudomorphosen von Rutil nach Hämatit/Ilmenit zu unterscheiden. Allerdings haben sich solche Bildungen bei allen nachfolgend untersuchten Proben vom Bellerberg und anderen Eifelfundstellen, als Pseudomorphosen von Rutil nach Hämatit/Ilmenit erwiesen.

Weitere Verwechslungsmöglichkeiten bestehen mit den Pseudomorphosen von Lorenzenit nach Hämatit/Ilmenit (Lorenzenit weist fast identische chemische Zusammensetzung auf wie Narsarsukit) sowie Pseudomorphosen von Ti-haltigem Ägirin nach Hämatit/Ilmenit. Sie können fast identische Färbung und Ausbildung zeigen (415).


MfG und GA
Günter Blaß

 

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