Oligozänes Kieselholz aus dem Mühlviertel und zeitgleiche Blätterfloren aus der ParatethysDas Mühlviertel ist der nördlich der Donau gelegene oberösterreichische Anteil des Granit- und Gneishochlandes der böhmischen Masse. Außer dem Kristallin des Grundgebirges gibt es hier aber auch einen Nord-Süd verlaufenden, mehr oder weniger breiten Streifen mit Schottern, Sanden und Peliten aus dem Tertiär (oft als nur kleinflächig erhalten gebliebene Erosionsreste). Aus diesen Schottern sind schon seit beinahe 200 Jahren verkieselte Hölzer bekannt. Dabei handelt es sich um die geologisch ältesten mir bekannten Kieselhölzer aus OÖ. Es gibt in OÖ zwar auch noch ältere (obereozäne) Schotter, mir aber nicht bekannt, ob es aus diesen fossile Hölzer gibt.
Diese Schotter sind bekannt als Sedimente von Freistadt-Kefermarkt oder als Freistädter Tertiär. Sie folgen annähern dem Verlauf der Kaplitzer Störung (Rodlstörung), der Freistädter und Kefermarkter Senke und der Kettenbach-Senke, und kommen von dem Gebiet nördlich von Freistadt bis beinahe an die Donau im Süden vor. Es handelt sich dabei um limnisch-fluviatile Ablagerungen einer Paläo-Moldau: diese entwässerte damals von Norden her kommend nach Süden ins Meer.
Die Datierung der Schotter und damit der Hölzer war lange Zeit unklar, heute besteht weitgehend Übereinstimmung darüber, dass sie großteils dem Oligozän angehören, aber anscheinend bis ins tiefste Untermiozän (oberstes Egerium) reichen dürften (
vgl. Reiter und Berning 2012, Abb. 1). Die Sedimente sind somit annähernd zeitgleich zu den marinen Linzer Sanden bzw. zur Linz-Fm (und deren Äquivalent im Osten, den Melker Sanden bzw. der Melk-Fm, daher auch als Linz-Melk-Fm bezeichnet).
Damit ergibt sich für die Mühlviertler Hölzer im Westen eine vergleichbare Situation wie für jene der St. Marein-Freischling-Fm im Osten. Beide stammen aus überwiegend aus Quarzen zusammengesetzten Schottern zweier in etwa parallel verlaufender, von Norden nach Süden entwässernder Flusssysteme auf dem Gebiet der böhmischen Masse (und hatten daher also generell gesehen vergleichbare Ablagerungsbedingungen), und beide wurden im selben und zwar sehr langen Zeitraum abgelagert.
Auch der Erhaltungszustand, die Art der Verkieselung (Struktur) und die Kompaktion spricht zumindest bei dem unten gezeigten Stück dafür, die beiden Vorkommen parallel zu setzen das Holz am Foto (aus Kefermarkt, nur ein 0815-Belegstück; ca. 22 x 9,5 x 3,5 cm) wäre unter den SMFF-Funden aus dem niederösterreichischen Waldviertel nicht herauszukennen.
Allerdings weisen
Reiter und Kofler (2011) auf sehr unterschiedliche Verkieselungen an den einzelnen Fundpunkten hin dies könnte eventuell als Hinweis auf unterschiedliche feinchronologische Datierungen innerhalb des enorm langen Ablagerungszeitraumes (vom Beginn des Oligozäns bis ins oberste Egerium) gewertet werden, aber auch als Anzeichen für wechselnde Ablagerungsmillieus.
Als Besonderheit für das Mühlviertel ist jedoch anzuführen, dass hier früher selten auch komplette Querschnitte gefunden wurden (
vgl. Châbera und Huber 2000, Foto-Abb. 6).
Weitere schöne Stücke sind auf der Website von
Wolfgang Putz zu bewundern,
und auch hier gibts einige Fotos von Mühlviertler Kieselhölzern:
http://webs.eduhi.at/bio/mineralien_fossilien.htm http://members.aon.at/lukashp/Fossilien_Mineralien.htm Aus zeitgleichen küstennahen marinen Ablagerungen wurden artenreiche Blätterfloren, aber auch Zapfen bekannt nach den geografischen Gegebenheiten offenbar aus der Nähe der Mündung jenes Flusses, der die Mühlviertler Schotter hinterlassen hat. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang etwa die Fundstellen Unterrudling bei Eferding, Linz-Weikerlsee und Ebelsberg (
Kovar 1982; Kovar-Eder und Berger 1987).
LITERATUR: Châbera und Huber 2000: Stanislav CHÂBERA & Karl Heinrich HUBER, Ein Beitrag zur Frage der oberen Moldau im Tertiär. JbOÖMV 145/1, 2000, 339 ff.
Kovar 1982: J. KOVAR, Eine Blätter-Flora des Egerien (Ober-Oligozän) aus marinen Sedimenten der Zentralen Paratethys im Linzer Raum (Österreich). Beitr. Paläont. Österr., 9: 1-209, Wien 1982.
Kovar-Eder und Berger 1987: Johanna KOVAR-EDER und Jean-Pierre BERGER, Die oberoligozäne Flora von Unter-Rudling bei Eferding in Oberösterreich. Ann. Naturhist. Mus. Wien, A 89, 1987, 57 ff.
Reiter und Berning 2012: Erich REITER & Björn BERNING, Kleiner Exkursionsführer zu ausgewählten Aufschlüssen in der Molassezone Oberösterreichs. In: 18. Jahrestagung ÖPG Linz, Berichte Geol.B.-A., 94, 2012, 25 ff.
Reiter und Kofler 2011: Erich Reiter & Christian Kofler, Neufunde verkieselter Hölzer aus den Umgebungen von Pregarten und Obergaisbach, Oberösterreich. OÖ. Geonachrichten 26, 2011, 3 ff.