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Autor Thema: Oberösterreich, Oligozän: Kieselholz aus dem Mühlviertel  (Gelesen 9430 mal)

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Oligozänes Kieselholz aus dem Mühlviertel und zeitgleiche Blätterfloren aus der Paratethys

Das Mühlviertel ist der nördlich der Donau gelegene oberösterreichische Anteil des Granit- und Gneishochlandes der böhmischen Masse. Außer dem Kristallin des Grundgebirges gibt es hier aber auch einen Nord-Süd verlaufenden, mehr oder weniger breiten Streifen mit Schottern, Sanden und Peliten aus dem Tertiär (oft als nur kleinflächig erhalten gebliebene Erosionsreste). Aus diesen Schottern sind schon seit beinahe 200 Jahren verkieselte Hölzer bekannt. Dabei handelt es sich um die geologisch ältesten mir bekannten Kieselhölzer aus OÖ. Es gibt in OÖ zwar auch noch ältere (obereozäne) Schotter, mir aber nicht bekannt, ob es aus diesen fossile Hölzer gibt.
     Diese Schotter sind bekannt als „Sedimente von Freistadt-Kefermarkt“ oder als „Freistädter Tertiär“. Sie folgen annähern dem Verlauf der Kaplitzer Störung (Rodlstörung), der Freistädter und Kefermarkter Senke und der Kettenbach-Senke, und kommen von dem Gebiet nördlich von Freistadt bis beinahe an die Donau im Süden vor. Es handelt sich dabei um limnisch-fluviatile Ablagerungen einer „Paläo-Moldau“: diese entwässerte damals von Norden her kommend nach Süden ins Meer.
     Die Datierung der Schotter und damit der Hölzer war lange Zeit unklar, heute besteht weitgehend Übereinstimmung darüber, dass sie großteils dem Oligozän angehören, aber anscheinend bis ins tiefste Untermiozän (oberstes Egerium) reichen dürften (vgl. Reiter und Berning 2012, Abb. 1). Die Sedimente sind somit annähernd zeitgleich zu den marinen „Linzer Sanden“ bzw. zur Linz-Fm (und deren Äquivalent im Osten, den „Melker Sanden“ bzw. der Melk-Fm, daher auch als Linz-Melk-Fm bezeichnet).
Damit ergibt sich für die Mühlviertler Hölzer im Westen eine vergleichbare Situation wie für jene der St. Marein-Freischling-Fm im Osten. Beide stammen aus überwiegend aus Quarzen zusammengesetzten Schottern zweier in etwa parallel verlaufender, von Norden nach Süden entwässernder Flusssysteme auf dem Gebiet der böhmischen Masse (und hatten daher also – generell gesehen – vergleichbare Ablagerungsbedingungen), und beide wurden im selben – und zwar sehr langen – Zeitraum abgelagert.
Auch der Erhaltungszustand, die Art der Verkieselung (Struktur) und die Kompaktion spricht – zumindest bei dem unten gezeigten Stück – dafür, die beiden Vorkommen parallel zu setzen – das Holz am Foto (aus Kefermarkt, nur ein 0815-Belegstück; ca. 22 x 9,5 x 3,5 cm) wäre unter den SMFF-Funden aus dem niederösterreichischen Waldviertel nicht herauszukennen.
Allerdings weisen Reiter und Kofler (2011) auf sehr unterschiedliche Verkieselungen an den einzelnen Fundpunkten hin – dies könnte eventuell als Hinweis auf unterschiedliche feinchronologische Datierungen innerhalb des enorm langen Ablagerungszeitraumes (vom Beginn des Oligozäns bis ins oberste Egerium) gewertet werden, aber auch als Anzeichen für wechselnde Ablagerungsmillieus.
Als Besonderheit für das Mühlviertel ist jedoch anzuführen, dass hier früher selten auch komplette Querschnitte gefunden wurden (vgl. Châbera und Huber 2000, Foto-Abb. 6).

Weitere schöne Stücke sind auf der Website von Wolfgang Putz zu bewundern,
und auch hier gibt’s einige Fotos von Mühlviertler Kieselhölzern:
http://webs.eduhi.at/bio/mineralien_fossilien.htm
http://members.aon.at/lukashp/Fossilien_Mineralien.htm

Aus zeitgleichen küstennahen marinen Ablagerungen wurden artenreiche Blätterfloren, aber auch Zapfen bekannt – nach den geografischen Gegebenheiten offenbar aus der Nähe der Mündung jenes Flusses, der die Mühlviertler Schotter hinterlassen hat. Zu erwähnen sind in diesem Zusammenhang etwa die Fundstellen Unterrudling bei Eferding, Linz-Weikerlsee und Ebelsberg (Kovar 1982; Kovar-Eder und Berger 1987).

LITERATUR:
• Châbera und Huber 2000: Stanislav CHÂBERA & Karl Heinrich HUBER, Ein Beitrag zur Frage der oberen Moldau im Tertiär. JbOÖMV 145/1, 2000, 339 ff.
• Kovar 1982: J. KOVAR, Eine Blätter-Flora des Egerien (Ober-Oligozän) aus marinen Sedimenten der Zentralen Paratethys im Linzer Raum (Österreich). Beitr. Paläont. Österr., 9: 1-209, Wien 1982.
• Kovar-Eder und Berger 1987: Johanna KOVAR-EDER und Jean-Pierre BERGER, Die oberoligozäne Flora von Unter-Rudling bei Eferding in Oberösterreich. Ann. Naturhist. Mus. Wien, A 89, 1987, 57 ff.
• Reiter und Berning 2012: Erich REITER & Björn BERNING, Kleiner Exkursionsführer zu ausgewählten Aufschlüssen in der Molassezone Oberösterreichs. In: 18. Jahrestagung ÖPG Linz, Berichte Geol.B.-A., 94, 2012, 25 ff.
• Reiter und Kofler 2011: Erich Reiter & Christian Kofler, Neufunde verkieselter Hölzer aus den Umgebungen von Pregarten und Obergaisbach, Oberösterreich. OÖ. Geonachrichten 26, 2011, 3 ff.
« Letzte Änderung: 17 Jun 13, 14:48 von oliverOliver »

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Re: Oberösterreich, Oligozän
« Antwort #1 am: 19 Jan 13, 19:15 »
Ergänzung zu den oligozänen (bis tiefst-untermiozänen) Florenresten Oberösterreichs:
In den Linzer Sanden wurden – wie in den zeitgleichen niederösterreichischen Melker Sanden (Linz-Melk-Fm) – auch öfters limonitisierte Holzreste gefunden, häufig mit Teredo-Bohrgängen. Angeblich kamen auch limonitisierte Koniferenzapfen vor (sh. Steininger 1969, 41).

• Steininger 1969: F. STEININGER, Das Tertiär des Linzer Raumes. – In: Katalog Geolog. & Paläont. Linzer Raumes, 35 ff., Taf. 1-4, 1 Tab., Linz 1969.
« Letzte Änderung: 12 Mar 13, 11:36 von oliverOliver »

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Re: Blätter aus der Paratethys
« Antwort #2 am: 15 Mar 13, 18:27 »
Aber auch an vielen weiteren Punkten (außer den am Ende des ersten Beitrags genannten) wurden im - in Oberösterreich weit verbreiteten - „Älteren Schlier“ ebenfalls pflanzliche Fossilien gefunden.

Der „Ältere Schlier“ (u. a. Eferding-Fm und Ebelsberg-Fm) wurde im Egerium (Ober-Oligozän bis tiefstes Untermiozän) abgelagert, er dürfte teils mit den „Linzer Sanden“ verzahnt sein (zugehörige Beckenfazies), andererseits (und vor allem) aber auch einer Transgeression nach der Ablagerung der Linz-Melk-Fm entstammen. So liegt etwa im Aufschluss Unterrudling ein mächtiger „Älterer Schlier“ – Schichtkomplex über den Linzer Sanden, vergleichbar ist die Situation im westlichen Niederösterreich (Älterer-Schlier-Fm überlagert die Melk-Fm, Roetzel 1983, sh. http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,30219.0.html ).
Es handelt sich beim „Älteren Schlier“ um geschichtete Pelite („Schieferton“).

Einige Aufschlüsse sind bzw. waren für das teils häufige Auftreten von Fischen, Vogelresten, Mollusken, Nautiloiden und marinen Säugern (Zahnwale / Delphine) bekannt, so z.B. Pucking bei Traun (z.B. Gruber 1981; Milíkovský 1987) und Enns / Ennsdorf (Brandstätter und Kostersitz 2001).
Sh. auch:
http://www.palmuc.de/bspg/index.php?option=com_content&view=article&id=239&Itemid=331
http://files.spoe-feldkirchen.com/200000598-7248d7342b/Urzeit.pdf.
http://www.kleinezeitung.at/nachrichten/chronik/2898590/seepocken-aeltesten-blinden-passagiere.story

Aber auch Pflanzenreste wurden dort öfters gefunden, z. B. Zweige von "Sequoia" (siehe Brandstätter und Kostersitz 2001, Abb. S. 31 rechts unten) sowie Blätter von Laubbäumen (Kovar 1982; sh. auch http://mininfo.am-web.com/galerie/enns/index.html ).

Weitere Hinweise zu Funden/Fundstellen im „älteren Schlier“ siehe Brandstätter 2000, 17.

Literatur:
• Brandstätter 2000: G. Brandstetter, Mineralogische und paläontologische Notizen aus Oberösterreich, OÖ. Geonachrichten 15, 2000, 16 ff.
• Brandstetter und Kostersitz 2001: G. Brandstetter und R. Kostersitz, Fossilfunde aus dem Bereich Enns/Ennsdorf, OÖ. Geonachrichten 16, 2001, 29 ff.
• Gruber et. al. 1981: B. Gruber et. al., Die Flora und Fauna des älteren Schliers im Bereich der OKA-Kraftwerksbaustelle Traun-Pucking bei Linz. Mayreder, 26. Jg., Heft 5, 1981.
(hab ich selber noch nicht gefunden - war anscheinend die Info-Broschüre der ehemaligen Mayreder Bau GesmbH, seit 1996 ALPINE-Mayreder)
• Milíkovský 1987: J. Milíkovský (mit einem Beitrag von J. Kovar), Eine neue Alkenart (Aves: Alcidae) aus dem Ober-Oligozän Österreichs. Ann. NHM Wien 88 A, 1987, 131 ff.
« Letzte Änderung: 02 Jun 13, 15:27 von oliverOliver »

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Re: Oberösterreich, Oligozän: Zapfen
« Antwort #3 am: 16 Mar 13, 01:12 »
Pyritisierte Zapfen aus dem Schlier

In der Literatur wird auch über pyritisierte Koniferenzapfen berichtet, die beim Bau des Donaukraftwerks Wilhering-Ottensheim (bei Linz) in den frühen 1970er-Jahren zusammen mit Lignit im Schlier gefunden worden sein sollen (Huber und Huber 1977, 49).
Die Zuordnung zum Oligozän erfolgt bei Meixner mit Fragezeichen (Meixner 1973, 128), es handelt sich aber wohl um den „Älteren Schlier“, der für das häufige Auftreten von Pyrit bekannt ist.

Hat da vielleicht jemand von euch Fotobelege davon ??

Noch was zur Pyriterhaltung:
In Unterrudling (sh. Beiträge oben) gabs im Älteren Schlier (Oberoligozän / Egerium) angeblich auch verkiestes Holz (Steininger 1969, 45).
Ob es sich dabei um reinen, also erhaltungsfähigen Pyrit handelte (wie angeblich bei den Zapfen aus Ottensheim), oder ob – wie so oft – Markasit dabei war, ist mir leider nicht bekannt.
Weiß wer mehr ?

Literatur:
• S. und P. Huber, Mineralfundstellen (Band 8 ). Oberösterreich, Niederösterreich und Burgenland. München-Innsbruck 1977.
• H. Meixner, Neue Mineralfunde in den österreichischen Ostalpen, XXIV. Nummer 305: Zwei oberösterreichische Pyritvorkommen (Mauthausen und Ottensheim). Carinthia II, Mitteilungen des Naturwissenschaftlichen Vereines für Kärnten, 163 / 83, Klagenfurt 1973, 101 – 139 (127 -128).
« Letzte Änderung: 24 Apr 13, 08:42 von oliverOliver »

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So, wieder einmal ein paar Belegstücke aus dem Mühlviertel – auch nichts Großartiges, aber zumindest Eigenfunde  :).
Sie sind alle eher nicht so gut verkieselt und daher verwitterungsanfällig, zeigen aber schön die Charakteristika und Variationsbreite dessen, was man hier so als „übliche Funde“ erwarten kann.
Die ersten beiden aus der direkten Umgebung von Freistadt (Fotos 1+2) zeigen zum Teil eine nette Maserung und auf den leider relativ frischen, aber dafür wenig abgerollten Bruchflächen einen „seidigen“ Glanz (kommt auf den Fotos jedoch nicht so gut rüber, wie ich hoffte). Das größere davon misst ca. 16 x 5 x max. (großteils dünner) 4 cm, das zweite ist nur etwa halb so lang.
Das dritte (Fotos 3+4) stammt aus dem Fundbereich zwischen Freistadt und Kefermarkt und lag anscheinend schon länger an der Oberfläche, es ist ein wenig massiver (19 x 12 x 5,5 cm), hat aber leider einen ebenfalls frischen Querbruch. In manchen Spalten glitzern hier wieder winzigste Quarz-xx (am Foto nicht erkennbar), wie ich das mittlerweile ohnehin von Hölzern aus (fast) allen mir bekannten tertiären Kieselholz-Fundgebieten Österreichs kenne.

Wolfgang hat natürlich weitaus bessere Stücke auf seiner homepage:
http://www.yamadori-bonsai.info/Pu_VerstHolz1298.html
http://www.yamadori-bonsai.info/Pu_VerstHolz16.html
http://www.yamadori-bonsai.info/Pu_VerstHolz19.html
http://www.yamadori-bonsai.info/Pu_VerstHolz31.html
« Letzte Änderung: 17 Jun 13, 16:09 von oliverOliver »

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Re: Oberösterreich, Treibholz mit Seepocken
« Antwort #5 am: 06 Nov 13, 09:40 »
Treibholz mit Seepocken aus der Ebelsberg-Fm (oberes Egerium / tiefstes Untermiozän) des „Älteren Schlier“:
Vor einiger Zeit hat „Chlamys“ im „bescheidene Hölzer“-Thread ein fossiles Holz mit Balanidenaufwuchs aus dem Ottnangium vorgestellt ( http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg236996.html#msg236996 ).
Ähnliche Vergesellschaftungen wurden auch im oberoligozänen bis untermiozänen „Älteren Schlier“ gefunden, allerdings sind hier die Hölzer bei weitem nicht so prächtig erhalten. Anzuführen sind etwa Stücke mit Cirripedia-Kolonien aus der Ebelsberg-Fm von Pucking, siehe: Harzhauser und Schlögl 2012, Fig. 6 B+C.
Auch in der Sammlung von A. Aichinger gibt es Vergleichbares von der Fundstelle Enns/Ennsdorf: http://mininfo.am-web.com/galerie/enns/index.html 
Das Bild ganz rechts in der obersten Reihe  (http://mininfo.am-web.com/galerie/enns/IMG_0033.html ) – Das Fossil ist dort zwar als „Fisch“ bezeichnet, es scheint sich aber – soweit rein nach dem Foto zu beurteilen – ebenfalls um einen Holzrest mit Balanidenaufwuchs zu handeln.

Literatur:
• Harzhauser und Schlögl 2012: MATHIAS HARZHAUSER and JAN SCHLÖGL, LEPADIFORM AND SCALPELLIFORM BARNACLES FROM THE OLIGOCENE AND MIOCENE OF THE PARATETHYS SEA. Palaeontology, 2012, pp. 1–14.
http://www.nhm-wien.ac.at/jart/prj3/nhm/data/uploads/mitarbeiter_dokumente/harzhauser/Harzhauser-Scalpell-2012.pdf

Als Ergänzung noch etwas neuere Literatur zur Ebelsberg-Fm und ihren Fossilien allgemein:
• Gregorova et al. 2009: Gregorova, R., Schultz, O., Harzhauser, M., Kroh, A. & Ćorić, S. (2009): A giant Early Miocene sunfish from the North Alpine Foreland Basin (Austria) and its implication for molid phylogeny. – J. Vertebrate Paleont., 29, 359–371, Lincoln.
• Grunert et al. 2010: Grunert, P., Harzhauser, M., Rögl, F., Sachsenhofer, R., Gratzer, R., Soliman, A. & Piller, W.E. 2010: Oceanographic conditions as a trigger for the formation of an Early Miocene (Aquitanian) Konservat-Lagerstätte in the Central Paratethys Sea. – Palaeogeography, Palaeoclimatology, Palaeoecology, 292, 425–442, Amsterdam (Elsevier).
• Harzhauser et al. 2011: Mathias Harzhauser, William A. Newman and Patrick Grunert, A new Early Miocene barnacle lineage and the roots of sea-turtle fouling Chelonibiidae (Cirripedia, Balanomorpha). Journal of Systematic Palaeontology, Vol. 9, Issue 4, December 2011, 473–480.
• Rupp und Ćoric 2012: Ch. Rupp und St. Ćoric, Zur Ebelsberg-Formation, Jb.Geol.BA 152, 2012, 67-100.
« Letzte Änderung: 06 Nov 13, 19:43 von oliverOliver »

 

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