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Autor Thema: Ein paar Fragen zu einem Fund... / Trias  (Gelesen 9770 mal)

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Offline Helicat135

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Ein paar Fragen zu einem Fund... / Trias
« am: 07 Mar 08, 14:58 »
Hey!

Habe auf meiner gestrigen Steinbruchtour eine interessante Stufe mit Wurmgängen gefunden.

Frage 1: wie kann sowas entstehen? Also, warum sind die Löcher noch völlig frei von Sediment und Mineralien? Ich dachte immer, dass Fossilien nur entstehen, wenn sich darüber anderes Sediment ablagert?
Frage2: von was für Würmchen stammen die Löcher wohl? Kennt sich da jemand aus?
Frage 3: Kann mir einer eine ungefähre Epoche geben, wann das ganze entstanden sein mag?
 (andere Funde vom gleichen Ort siehe Beitrag "Schleifen?...")

Danke :-*

Offline Helicat135

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #1 am: 07 Mar 08, 14:59 »
Noch ein Bild...

Offline Geomaxx

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #2 am: 07 Mar 08, 15:38 »
Hi Caterina,
die Hohlräume in den Mergeln waren ursprünglich wohl mit Pyrit- oder Toneisenstein-Konkretionen ausgefüllt, sind jedoch im Laufe der Zeit der Verwitterung und Herauslösung zum Opfer gefallen. Zurück bleiben die Löcher. Sie stammen also nicht von Würmern. Es gibt allerdings auch fossile Wurmbauten z.B. in Tonsteinen, dort haben sich die Wurmlöcher (Fressgänge) dann mit feinem Sand zugesetzt (Sand aus der Wurmkacke und eingespültes Sediment). Rezente Beispiele für solche Wurmbauten kannst Du am Wattenmeer beobachten. Ähnliche Löcher stellen bestimmte Krabben- und Krebsarten her, auch hiervon gibt es fossile Beispiele.
Glück Auf!
GEOMAXX

Offline Helicat135

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #3 am: 07 Mar 08, 17:38 »
Hi und danke für die Antwort. Bist Du sicher, dass es keine Gänge sein können? Von der Lage her sehen die halt danach aus. Gehen teilweise auch waagerecht durch den Stein und sind obenauf erhaben, wie kleine Vulkane.

Offline triassammler

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #4 am: 12 Mar 08, 01:39 »
Pforzheim... Muschelkalk! Da gibt es auch Hartgründe mit Bohrspuren und Grabgänge in ehemals semiplastischen Sedimenten. Oft wurde das ganze mit feinem Tonschlamm überdeckt und die Gänge damit verfüllt, der dann während der Diagenese zu weichem Tonstein wurde und im Aufschluss ziemlich zügig wieder abwittert, so dass die ursprünglichen Löcher wieder zu sehen sind. Es gibt diverse Typen von Bauten und Grabgängen, Wohnröhren etc., von den verschiedensten Verursachern. Dazu kommt, dass auch noch die Konsistenz des Sediments den Verursacher dazu zwingen kann, sein Grundmuster beim Graben zu modifizieren. Im Ergebnis gibt es ein Dickicht von Spurengattungen und -arten, zu denen man fast immer den Verursacher nicht kennt (gerade weiche Würmchen und andere völlig Panzerlose mussten sich ja im Sediment verstecken, und von denen bleibt fossil so gut wie nie etwas übrig). Ein mehr als umfassendes Selbststudium ermöglicht Schlirf, H. (2005): Revision and description of Keuper (Middle Ladinian to Rhaetian) invertebrate trace fossils from the southern part of the Germanic Basin and studies of related material. - 300 p., 135 fig., 5 tab.; Diss. Julius-Maximilians-Universität Würzburg. Kann Dir gerne ne Kopie davon zukommen lassen.
Kollege "Loddah" hier im Forum ist absoluter Crack auf dem Gebiet der Spurenfossilien. Mach ihn doch mal auf Dein Stück aufmerksam.

Offline Helicat135

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #5 am: 12 Mar 08, 21:20 »
Danke für die ausführliche Antwort  :o.

Hast Du mir auch einen Tipp, was man im Muschelkalk noch so finden kann? Über die Muscheln selbst bin ich schon gestolpert aber das war nix bewegendes. Ich habe aber auch nicht wirklich gesucht da Wochentag, Halligalli im Bruch nebenan und Steinschlag und keinen Helm :(.

Übrigens, wer mal Lust hat mit zur A-8 Baustelle zu fahren, da werden gerade massen an fossilem Material geschreddert.... ::)

Offline smoeller

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #6 am: 12 Mar 08, 22:25 »
Hallo,

Einiges an Mineralien gibts auch im Muschelkalk. Teilweise Calcit-xx (hatte mal in Wittendorf bei Freudenstadt welche gefunden), dann Galenit, Gips. Im mittleren Muschelkalk auch authigene Quarze (bei Pforzheim sog. Stinkquarze mit Bitumeneinschlüssen) und teilweise Quarzkonkretionen.

An Fossilien gibt es neben Muscheln und Brachiopoden sowie Grabspuren auch Wirbeltierreste, vor allem Nothosaurus, im unteren Muschelkalk. Im oberen Muschelkalk gibt es Ceratiten (ähnlich Ammoniten).

Glück Auf!
Smoeller

Offline Helicat135

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #7 am: 13 Mar 08, 20:49 »
Echt? Wow, dann muss ich da nochmal hin.

Mit Hammer und Helm. ;).

Kennst Du denn einen enstprechenden Bruch bei Pforzheim. Mir ist gerade nur der eine bekannt - und eben: ich war nur um stillgelegten Teil. Vielleicht muss ich mal fragen ob ich in den eigentlichen Bruch darf. Angeblich ist das kein Thema.

Offline smoeller

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #8 am: 13 Mar 08, 23:14 »
Hallo,

Die Pforzheimer Quarze sind nicht aus Brüchen, sondern von Feldern und Weingärten. Die besten Stellen waren wohl in der Gemeinde Keltern westlich Pforzheim, insbesondere bei Ellmendingen. Habe aber dort nur wenig gesammelt bisher.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Helicat135

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #9 am: 14 Mar 08, 13:09 »
Das ist komisch - eben, ich habe mal ein jahr dort gewohnt und war jeden Tag mit dem Hund unterwegs. Ich habe in den Feldern sogar Muschel gefunden aber Quarz?

Aber ich besinne mich gerade an einen Interessanten Lesesteinhaufen. Kann schon sein. ???

Offline smoeller

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #10 am: 14 Mar 08, 13:27 »
Hallo,

Die Funde sind von dem Bergrücken, der nördlich der Orte Ellmendingen und Dietlingen verläuft.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Heinz

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #11 am: 14 Mar 08, 21:12 »
Hallo,

ich habe Kontakt zum dortigen Mineralienverein und die sagen,
das man so gut wie keine mehr findet, :'(
in Nie- Öschelbronn kann man evtl. noch welche finden.

Gruß
Heinz

Offline triassammler

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #12 am: 19 Mar 08, 15:45 »
In der Pforzheimer Gegend ist es m. E. nicht so prickelnd mit den Fossilien im Muschelkalk - hat aber wohl mehr mit den aufgeschlossenen Schichten zu tun als mit genereller Fossilarmut. Für die meisten Organismen bot der Muschelkalk nicht gerade gute Erhaltungsbedingungen. Man muss schon viel Material durchschauen, um mal was vernünftiges zu finden. Knochen und Zähne sind in der Tat nicht gerade selten, aber es gehört ein gutes Auge dazu, was dunkelgraues in dem hellgrauen Stein zu sehen 8) Bestimmte Fossilien findet man vor allem oder nur in bestimmten Schichtabschnitten bzw. Faziesbereichen - es hilft wenn man sich gut in die Materie einarbeitet.

Offline Conny3

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #13 am: 19 Mar 08, 18:49 »
Hallo,

eben erst gelesen, es geht ja hier auch um die Stinkquarze :)

Hatte da mal was vor "grauer Vorzeit" im Atlas geschrieben.

http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,89.msg228.html#msg228

Aktuelle Fundmöglichkeiten sind mir nicht bekannt. Nahe Öschelbronn war aber immer was möglich, wenn umgeackert. Wollte diesen Sommer (leider ungünstig !) aber dort wieder mal kurz vorbeischauen. Da könnte man die betreffenden Felder mit den Quarzen wenigstens zeigen.

Gruß Conny

Offline triassammler

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Re: Ein paar Fragen zu einem Fund...
« Antwort #14 am: 19 Mar 08, 23:01 »
@Conny3: Hab mich schon in Spanien mit authigenen Quarzen aus der Trias beschäftigt; dass es sowas auch bei uns gibt war mir bis zu diesem Thread gänzlich neu. Ich hätte auch Interesse dran, diese Fundstelle bei Pforzheim mal kennenzulernen und einige Belegstücke zu sammeln. "75 Stück", wie Du in dem alten Atlas-Beitrag schreibst, müssen es gar nicht sein. Wäre nett, wenn ich mal mitkommen dürfte, wenn Du dort wieder sammeln gehst.

 

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