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Korund und Quarz zusammen im Gneiss oder Quarzit?
aca:
Hallo,
ich habe da mal eine schwierigere Frage, glaube ich.
Oder vielleicht auch nicht, ich weiss jedenfalls nicht weiter,
für Andere ist das vielleicht ganz leicht. ;)
Ich habe hier einen als "Granulit" bezeichneten Korund-"Gneiss" aus Indien,
auf dessen "Beipackzettel" steht:
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Rubin in Granulit
Mineralbestand Grundmasse: Feldspat, Quarz, Biotit
Mineralbestand "Augen": Kalium-Feldspat, Korund (Rubin)
Metamorphosealter: grenvillisch, 1162 Ma (Peak-Conditions)
900 Ma (Abkühlung)
East Ghats Granulite Belt
Bezirk Mysore, Karnataka, Indien
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Biotit ist eine Menge drin, Granulitfazies passt dann ja eigentlich eher nicht,
daher nenne ich das Teil auch nur "Gneiss".
Die Rubine finden sich idiomorph ausgebildet hauptsächlich
innerhalb der K-Feldspäte, aber auch kleinere Körner in der umgebenden Matrix.
Wenn Biotit drin ist, dann auch Wasser (als -OH), und dann dürften
Korund und Quartz sich nicht allzulange nebeneinander gehalten haben.
Ich kann überhaupt nicht selbst prüfen, ob Quarz in der Grundmasse steckt,
dem Ansehen nach schon, könnte aber auch Cordierit sein.
Wie funktioniert das?
Ich hätte gedacht, da darf kein Quarz mehr drin sein, wurde ja lange
genug "gebacken"
Weiss jemand etwas mehr zu dem Gestein?
In dem Zusammenhang noch eine andere Frage, noch etwas theoretischer:
Nach meinem bisherigen Verständnis (s.o.) sind in magmatischen Gesteinen und Orthogneisen
Korund und Quarz immer inkompatibel und werden sich gegenseitig "auffressen",
wenn genügend Zeit zum Erreichen eines chemischen Gleichgewichts besteht,
d.h. das Gestein gereift ist.
Andererseits gibt es wohl (metasomatisch überprägte) Quarzite mit Korundanteil
oder anderen Mineralien mit hohem Aluminiumanteil.
Liegt das daran, dass in den Quarziten die Alkalimetalle fehlen,
um aus SiO2 und Al2O3 dann Silikate wie z.B. Feldspate zu bilden?
Wieso formt sich dann nicht aller Korund mit Quarz in Kyanit/Andalusit/Silimanit um?
Kann natürlich an der zu niedrigen Temperatur liegen, aber wie kommt
dann der Korund in den Quarzit?
Ich werde noch ein Foto zur ersten Frage nachschieben.
Gruss
Amir
smoeller:
Hallo,
Biotit ist in der Granulitfazies sehr lange stabil. Muskovit allerdings nicht, der wandelt sich bei ca. 700 °C in Kalifeldspat und Alumosilikat um. Allerdings muss dazu auch Muskovit + Quarz vorliegen.
Werde mal nachfragen an der Uni. Kenne da jemanden, der gerade Indien bearbeitet. Habe auch schon Korund aus der Gegend gesehen, der war von Sillimanit umschlossen. Solltest also bei deinem Stück auch mal die Säume näher betrachten, ist vielleicht Sillimanit. Ein dünner Saum kann schon ausreichen, um reaktionsträge Mineralphasen (Silikate oder Oxide) voneinander zu trennen.
Glück Auf!
Smoeller
berthold:
Hallo Amir,
ja, so kenne ich das auch. Hier in der Oberpfalz haben wir ein Korund-Vorkommen (Pointholz bei Plößberg) das in seiner Entstehung (Gneis kontaktmetamorph mit Granit) Ähnlichkeiten aufweisen dürfte. Da kommt kein Quarz (mehr) drinnen vor. Wohl aber (viel) Sillimanit, Granat, Biotit, Cordierit, Plagioklas, Herzynit, (wenig) Muskovit.
Gruß
Berthold
Collector:
Hallo aca
ohne das von Dir beschriebene Gestein gesehen zu haben, vermute ich, dass es sich hier um Khondalit handelt. Khondalit ist ein metasedimentäres Gestein der Granulitfazies.
Der Name Khondalit geht auf Walker (1902) zurück, welcher damit die in den südlichen und östlichen indischen Bundesstaaten Indiens vorhandenen Gesteins-Suiten von Quarz-Granat-Sillimanit-Graphit-Granulitgneisen, zusammen mit Granatgneisen, Quarzofeldspathoidgneisen und Quarziten benannte.
Wasserfreie Feldspäte machen ca. 20% des Khondalit-Mineralbestands aus. Typisch sind wasserfreie Mafite (Hypersthen und Granat); in vielen Khondaliten kommen auch Graphit, Granat, und Biotit, jedoch kein Muskovit vor. Der Kalifeldspat ist meist perthitisch mit hohem Anteil der Albitphase. Cordierit und Korund sind +/- Bestandteile.
Charnockite und Leptinite treten oft in Nachbarschaft zu den Khondaliten auf.
Khondalite sind typische Gesteinssuiten des indischen Archaikums (Kerala, tw. Karnataka, Tamil Nadu, Andhra Pradesh und Orissa; desgl. Sri Lanka); desweiteren in Vietnam, China, Antarktika und im grenvillischen Terran der Adirondacks Mountains in New York. (Das
Der Kerala-Karnataka Khondaili-Gürtel besteht aus Granat-Biotit-Orthopyroxen-Gneisen; Khondaliten und aus Cordierit-Gneisen. Die prä-metamorphen Protolithe dieser Gesteine waren wahrscheinlich Quarzite, Arkosen und Grauwacken, ggf. mit eingebetteten felsischen vulkanischen Einheiten.
Vielleicht nicht uninteressant: In den Bison Hills der Eastern Ghats, nahe der Godavari-Schlucht, existieren Korund-Syenite, welche die Khondalite intrudierten. Nephelin-Korund-Zirkon-Syenit-Intrusiva in Khondaliten gibt es auch im Gebiet Paloncha (Khammamet, Eastern Ghats).
Gruß
collector
smoeller:
Hallo,
Es gibt Gesteine, in denen Korund + Quarz zusammen vorkommen, so aus Namibia. Aber diese sind selten und deuten auf ein Ungleichgewicht hin. Unter Gleichgewichtsbedingungen läuft die Reaktion Korund + Quarz zu Alumosilikat vollständig ab, wenn die Reaktion jedoch gehemmt ist, kann es durchaus Quarz + Korund oder Quarz + Sillimanit + Korund geben. Man müsste allerdings einen Dünnschliff haben, um das untersuchen zu können.
Glück Auf!
Smoeller
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