https://www.mineraliengrosshandel.comhttps://www.mineralbox.bizhttps://fossilsworldwide.de/

Autor Thema: Typlokalität von Vivianit  (Gelesen 2420 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline stollentroll

  • ***
  • Beiträge: 344
    • Die Homepage vom Stollentroll - Mineralogie, Bergbau, Prähistorie
Typlokalität von Vivianit
« am: 09 Feb 08, 10:44 »
Es geht um die Typlokalität von Vivianit. Im allgemeinen wird Wheal Kind bzw. St. Agnes, Cornwall angegeben.
Der Name Vivianit stammt von Werner 1817, er gibt als Fundort allerdings nur "Cornwall" an, keine exakte Lokalität. Als Entdecker des Minerals wird jedoch z.T. Cronstedt 1758 geführt (Blackburn & Dennen, Encyclopedia of Mineral Names; auch Mindat hat als älteste Referenz Cronstedt).

Cronstedt kennt allerdings keinen Fundort in Cornwall, er schreibt: "Calx martialis phlogisto juncta, et alcali praecipitata. Blaue Eisenerde. Natürliches Berlinerblau. Mürbes oder staubartiges. Auf den Ebenen in Schonen, im Torfe. Eckardsberge in Sachsen. Die Nordländer in Norwegen." (Übersetzung von Brünnich, 1770)

Wallerius schreibt dann 1778:
"Caeruleum Berolinense Naturale. [...]
Germ. Natürliches Berlinerblau. Blauer Eisenocker.
Est terra martis colore faere caeruleo, pulverulenta, a ferro soluto, praecipitato ab alkali cum material inflammabili combinato, ejusdem indolis cum caeruleo Berolinensi artificali. Reperitur in Uplandia argillae adfixa; in Finlandia & Scania bumo adhaerens. Weissenfels in Saxonia."


Interessant sind die Fundortangaben Eckardsberge und Weissenfels in Sachsen.
Weißenfels liegt heute in Sachsen-Anhalt.
In Sachsen gibt es ein Eckardsberg bei Zittau, in Sachsen-Anhalt ein Eckardsberga, nicht allzu weit von Weißenfels.
Allerdings kenne ich von keinem dieser Fundorte Vivianit. Hat jemand schon einmal etwas davon gehört oder sonst eine Idee dazu ?

Glück Auf

Offline Lavrion

  • *
  • Beiträge: 14
Re: Typlokalität von Vivianit
« Antwort #1 am: 09 Feb 08, 11:33 »
Klockmann 3.Auflage 1903 kennt nur die Fundorte St.Aignes, Tavistock bei Devonshire, Kohlenbrandschlacken von Coventry
Magnetkies führender Gneis von Bodenmais und Amberg und die üblichen verdächtigen.

Rösler Auflage 4 - 1988 schreibt: Benannt von Werner 1817 nach dem englischen Mineralogen J.H.Vivian der das Mineral entdeckte!
Tagebau Schmirchau bei Ronneburg Thüringen,
Klieken in Thüringen, im Alaunschiefer von Thüringen!

Osann die Mineralien Badens schreibt 1927

Boll südwestlich von Messkirch, Lehmschicht mit erdigem Vivianit, Walk bei Oberwolfach, Schenkenzell, Ladenburg, glimmerschiefer-ähnlicher Gneis von Steinach an der Kinzig, in jungen Alluvionen der Donau bei Möhringen und Weinheim an der Bergstrasse
Beschreibungen sind leider nicht genauer!

Ich hoffe ich konnte etwas helfen

Gruß Thomas

Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Typlokalität von Vivianit
« Antwort #2 am: 09 Feb 08, 22:26 »
Hallo,

da zitiere ich "Beiträge zur chemischen Kenntnis der Mineralkörper" von Martin Heinrich Klaproth 1807 (Seite 120):

"Daß die Blau-Eisenerde aus phosphosaurem Eisen bestehe, und daher die ältere Benennung: natürliches Berlinerblau, ihr nicht angemessen sei, solches habe ich bereits im Jahre 1784 angezeigt. Unter den verschiedenen Abänderungen derselben zeichnet sich diejenige als die reinste aus, welche bei Eckartsberg, unweit Weißenfels in Sachsen, in dem dasigen Kalksteinflöze des Sachsenberges, in größeren oder kleiner Nieren, jedoch ehemals häufiger. als jetzt, vorkömmt."

Damit dürfte alles klar sein - oder ?

Gruß
Berthold

Offline stollentroll

  • ***
  • Beiträge: 344
    • Die Homepage vom Stollentroll - Mineralogie, Bergbau, Prähistorie
Re: Typlokalität von Vivianit
« Antwort #3 am: 10 Feb 08, 01:15 »
Super !
Soetwas habe ich gesucht. Hast Du den Artikel komplett ?

Glück Auf,
Thomas


Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Typlokalität von Vivianit
« Antwort #4 am: 10 Feb 08, 09:51 »
Hallo Thomas,

Den Artikel kannst Du hier finden: http://www.google.de/books?id=OQ4KAAAAIAAJ&pg=PA120&dq=berlinerblau+klaproth

Übrigens: Werner erhielt die ersten Kristalle durch Vivian aus Cornwall und hat nach ihm dies Mineral, benannt, das bis dahin nur erdig als Blau-Eisenerde bekannt war. (nach "Das Mineralreich von Reinhard Brauns", 1907, S. 421)

Gruß
Berthold

Offline stollentroll

  • ***
  • Beiträge: 344
    • Die Homepage vom Stollentroll - Mineralogie, Bergbau, Prähistorie
Re: Typlokalität von Vivianit
« Antwort #5 am: 10 Feb 08, 10:34 »
Hallo Berthold,
besten Dank !
Ich hatte nach Eckardsberg (-a, -e) bei google books gesucht, bin dabei aber nicht auf den Artikel gestoßen.

Bemerkenswert finde ich ja, dass die Fundstelle (die ja immerhin eine der Typlokalitäten darstellt) offenbar völlig in Vergessenheit geraten ist und in der modernen Literatur überhaupt nicht mehr auftaucht.

Werner 1817 habe ich als Kopie. Interessanterweise stellt Werner hier den Vivianit (ohne chemische Untersuchungen) zum "Talk-Geschlecht", also zu den Magnesiumsilikaten, und Breithaupt hält ihn hier in einer Anmerkung für eng verwandt mit Kyanit.

Glück Auf
Thomas