Hallo,
Chalcedon / Flint - schwierig.
Der Begriff "Chalcedon" wird in zweierlei Sinn gebraucht.
Einmal beschreibt er alle "kryptokristallinen" Quarzaggregate, und da wäre Flint
eingeschlossen, genauso wie Jaspis.
Oder er beschreibt ein kryptokristallines Quarzaggregat mit einigermassen
geordneter Feinstruktur, in dem die mikroskopisch kleinen Quarzkristalle
geregelt zusammengewachsen sind, und zwar entweder seitlich übereinander
gestapelt (Chalcedon) oder seltener der Länge nach verwachsen ("Quarzin")
Typisches Beispiel wäre ein Achat.
In einem Polarisationsmikroskop sieht ein Dünnschliff eher "zickzack-gestreift faserig" aus.
Deshalb wird Chalcedon manchmal "faserig" genannt, aber richtige Fasern gibt es da nicht.
Manche Flinte enthalten Drusen mit winzigen Quarzkristallen. Unter ihnen
sitzt meist eine dünne Chalcedonschicht, die im Bruch etwas anders
aussieht als der Flint, es gibt also schon gewisse Unterschiede.
In einem Flint sind die kleinen Kristalle halbwegs chaotisch
zusammengewachsen, im Polarisationsmikroskop sieht er körnig aus.
Gemeinhin wird ein Flint als Chalcedon bezeichnet, weil man damit den
Unterschied zu makrokristallinen Quarzen betonen will.
Chalcedone, Flinte, Cherts, Achate und Jaspise sind übrigens als Stücke alles keine
Minerale, sondern eher "Gesteine", weil sie ein inhomogenes Gemenge darstellen,
wenn auch ein chemisch bemerkenswert reines.
Früher hat man öfter kryptokristalline und mikrokristalline Quarzvarietäten
unterschieden, zu den letzteren gehören Jaspis und Flint.
Das sieht man in letzter Zeit nicht mehr so oft.
Ob eine Zweiteilung in kryptokristalline und makrokristalline Quarze
ausreicht, kann man anzweifeln, es gibt zumindest äusserlich "Übergangsformen"
wie Quarz-Sinter mit porzellanartig rauher Struktur.
Chalcedone - wenigstens alle, die ein paar Jahre auf dem Buckel haben -
enthalten übrigens keinen Opal, sondern oft Moganit.
Der Opal war eine Erklärung für einige vom "normalen" Quarz abweichende
physikalischen Eigenschaften des Chalcedons, aber man hat ihn meines Wissens
experimentell nie
im Chalcedon nachweisen können.
Oder weiss jemand eine Literatur dazu?
Mir ist da aber auch noch vieles unklar, die Benennung der diversen krypto-/mikrokristallinen
Quarze erscheint manchmal etwas willkürlich.
Leider werden die verschiedenen Typen gelegentlich auch
nach ihrer Herkunft/Entstehung unterschieden, was alles nur noch schlimmer macht.
Bei Mineralen würde man das nie so machen, trotz mancher ideologischer Erblasten
("natürlich & irdisch" etc, aber ein Quarz vom Mars ist auch ein Quarz und kein Marz).
Ich werde mir ein paar Dünnschliffe von diversen "Chalcedonen" anfertigen lassen,
u.a. Flint und Jaspis, weil ich selbst ein Gefühl dafür bekommen will,
wie gross die Unterschiede tatsächlich sind, und ob alles so ideal ist, wie dargestellt.
Zwei ganz gute Review-Artikel, wenn auch schon etwas älter, sind
Heribert Graetsch
Structural Characteristics of Opaline and Microcrystalline Silica Minerals
P.J.Heaney, C.T.Prewitt, G.V. Gibbs, Editors
Reviews in Mineralogy, Vol 29, 1994, Mineralogical Society of America
L.Paul Knauth
Petrogenesis of Chert
P.J.Heaney, C.T.Prewitt, G.V. Gibbs, Editors
Reviews in Mineralogy, Vol 29, 1994, Mineralogical Society of America
Nur wenn man's wirklich wissen will

Gruss
Amir