Hallo allerseits,
nachstehend noch einige Informationen (und Literaturangaben) zu den Kristallstrukturen von Realgar/Pararealgar sowie der lichtinduzierten Umwandlung Realgar --> Pararealgar.
Meine persoenlichen Erfahrungen:
Realgar aus Matra (Korsika) wandelt sich trotz Aufbewahrung im Dunkeln um (Zeitspanne ca 10 - 15 Jahre).
Realgar, wie er als Neubildung auf brennenden Halden des Steinkohlebergbaus z.B. in St. Etienne, Frankreich, gefunden wird, ist ueber Jahre stabil, auch wenn er im diffusem Tageslicht aufbewahrt wird.
GA
Axinit
Realgar (aus Roempp's Chemielexikon)
Fachgebiet Chemie, Unterthema Mineralogie, Geochemie
(Rauschrot). As4S4 (auch: AsS), monoklines Mineral, eine der folgenden 4 kristallisierten Modifikationen [1] von As4S4: Realgar = α-As4S4 (Tieftemperaturmodifikation), β-As4S4 (Hochtemperaturmodifikation, oberhalb circa 250°C stabil), As4S4(II) und Pararealgar [2]. Kristallklasse 2/m-C2h, Struktur mit diskreten As4S4-Käfigmolekülen, die durch Van-der-Waals-Bindungen zusammengehalten werden, siehe Literatur [1,3]; Struktur von Pararealgar zeigt eine gegenüber Realgar andere Anordnung der Arsen- und Schwefel-Atome innerhalb der Käfigmoleküle, siehe Literatur [4]. Nach der Formel sind (in Gewichtsprozent) 70,03% Arsen und 29,97% Schwefel enthalten.
Prismatische, längsgestreifte, durchscheinende, blendeartig diamantglänzende Kristalle; derb und grob- bis feinkörnig, als Krusten; H. 1,5–2, D. 3,5–3,6. Farbe rot bis orangerot, mit feiner werdender Korngröße, z.B. beim Verreiben, nach gelborange tendierend. Strich orangegelb; an Licht wandelt sich Realgar in erdigen orangegelben bis gelben Pararealgar [2,5] (nicht, wie oft angegeben, in Auripigment!) um; Aufbewahrung daher am besten in dunklen geschlossenen Behältern. Zur Kinetik der Oxidation von Realgar und der damit verbundenen Gefahr der Gewässerverschmutzung durch Arsen (hohe Gefahr z.B. in den USA) siehe Literatur [6]; zur Untersuchung von Realgar mit Raman-Spektroskopie siehe Literatur [7].
Vorkommen:
Auf Erzgängen niedriger Bildungstemperaturen, z.B. in Allchar/Mazedonien (Bildungstemperatur zwischen circa 145 und 170°C, siehe Literatur [8]), Carlin (hier zusammen mit Gold!) und Getchell/Nevada/USA, Menkule/Jakutien/Sibirien. Gute Kristalle kommen unter anderem von Allchar, aus dem Dolomit von Lengenbach im Binntal/Schweiz und aus den Provinzen Hunan und Xiangsi/China. Als vulkanisches Sublimationsprodukt, z.B. Solfatara bei Pozzuoli/Vesuv.
Geschichte:
Realgar wurde von der Antike bis zur Renaissance trotz seiner Giftigkeit als rotes, die Lücke zwischen Auripigment und Zinnober im Farbkreis füllendes Pigment verwendet; es findet sich z.B. in altägyptischen Wandmalereien (z.T. zersetzt). Seit 1980 wurde auch Pararealgar in Gemälden entdeckt, z.B. in Tintorettos Gonzaga-Cyclus.
Zur Verwendung siehe Arsensulfide.
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Übersetzungen:
E realgar
F réalgar
I realgar
S rejalgar, arsénico rojo
CAS-RN:
12044-30-3
Zoll:
2530 90
Gefahrenklasse:
6.1, II
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Literatur:
[1] Bonazzi, P.; Menchetti, S.; Pratesi, G.; Muniz-Miranda, M.; Sbrana, G., Am. Mineral., (1996) 81, 874.
[2] Roberts, A. C.; Ansell, H. G.; Bonardi, M., Can. Mineral., (1980) 18, 525.
[3] Mullen, D. J. E.; Nowacki, W., Z. Kristallogr., (1972) 136, 48.
[4] Bonazzi, P.; Menchetti, S.; Pratesi, G., Am. Mineral., (1995) 80, 400.
[5] Douglas, D. L.; Shing, C.; Wang, G., Am. Mineral., (1992) 77, 1266.
[6] Lengke, M. F.; Tempel, R. N., Geochim. Cosmochim. Acta, (2003) 67, 859.
[7] Frost, R. L.; Martens, W. N.; Kloprogge, J. T., Neues Jahrb. Mineral., Monatsh., (2002) Nr. 10, 469.
[8] Beran, A.; Götzinger, M. A.; Rieck, B., Neues Jahrb. Mineral., Abh., (1994) 167, 345.
Anthony, J. W.; Bideaux, R. A.; Bladh, K. W.; Nichols, M. C., Handbook of Mineralogy.Volume I: Elements, Sulfides, Sulfosalts, Mineral Data Publishing: Tucson, Arizona, (1990); S. 436
Graeser, S., Lapis, (1981) 6, Nr. 12, 6 ("Steckbrief" Realgar)
Ramdohr-Strunz, S. 482
Schröcke-Weiner, S. 305