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Autor Thema: Splügenpass  (Gelesen 13255 mal)

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Offline vanderheide

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Splügenpass
« am: 25 Apr 08, 17:13 »
Hallo Mineralienfreunde
Letzten Sommer war ich auf dem Splügenpass (Schweiz/Italien).
Von der geologischen Karte her entnahm ich, dass auf der Ostseite des Passes ein Band Muschelkalk verlauft (ich nehme an Muschelkalk ist ein Oberbegriff für vieles Kalkiges), weiter sollte das östlich-gelegene Surettahorn aus Gneiss bestehen.
(Foto1 und 2) Wenige Schritte ostwärts (von der Passweg) fand ich einen Aufschluss. In der Felswand war ein weisses Band gelegt wie eine Schlange. Ich las in einem Bericht eines Geologen, dieses Band sei aus Marmor. Ich war leicht irritiert, denn als ich davon Steine in die Hand nahm, fühlte es sich an als Dolomit und keineswegs als Marmor. Ich kann davon noch Detailfotos, wenn die nötig sein sollten.
(Foto 3) Einige Schritte davon entfernt ein prächtiger Knollen, wie eingerolltes Material.
(Foto 4 bis 6) Beim Aufstieg auf dem Hang des Surettahorns, dann eine Wandlung des Gesteins.
Zuletzt konnte man meinen, hier sei ein Steinbruch. Aber es ist ein Steinbruch von Mutter Natur.
(Foto 7)Weiter nach oben viel dünnere Schichten, direkt aus dem Fels herausragend.
Genügen da die Hinweise: Marmor und Gneiss?
Die Bilder sagen einem viel mehr.
Liebe Grüsse
Hans

Offline vanderheide

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Re: Splügenpass
« Antwort #1 am: 25 Apr 08, 17:15 »
Hier folgen die weiteren Bilder

Offline vanderheide

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Re: Splügenpass
« Antwort #2 am: 25 Apr 08, 17:16 »
weitere Bilder

Offline caliastos

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Re: Splügenpass
« Antwort #3 am: 25 Apr 08, 18:13 »
also mal von anfang an. muschelkalk ist absolut KEIN oberbegriff für viel kalikiges. dafür gibt es den begriff kalkstein, oder, da man besser auch dolomit un co mit einschließt: karbonate

muschelkalk ist ein kalkstein, der sehr viele muschel und schalenreste enthält, quasi davon auch aufgebaut wird.

vom anfühlen her gesteine bezeichnen geht nur bedingt: marmor bezweichnet einen metamorphen kalkstein oder dolomit, bei denen eine kornvergröberung und reinigung begonnen hat. der steinmetzmarmor ist wieder was anderes, der meint nur alles was sich gut polieren läßt, also auch kalkstein und andere gesteine.

deine sogenannten knollen und die bilde vorher zeigen einen extrem stark verfalteten bereich, die anderen eine schieferung.
bei deinen dünneren schichten weiß ich nicht ob man von schicht sprechen darf. siehteher nach schieferung aus. etwas schlecht ist, daß die bilder zwar nen überblick geben, das gestein aber eher schlecht erkennen lassen.

marmor und gneis paßt an sich. beides sind metamorphite.

aber stellt das eher nen bericht da oder sind damit ein speziele fragen gebunden?

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Splügenpass
« Antwort #4 am: 25 Apr 08, 19:37 »
"... fühlte es sich an als Dolomit und keineswegs als Marmor"

Vielleicht ein Dolomitmarmor? ;-) 

Offline minuwe

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Re: Splügenpass
« Antwort #5 am: 25 Apr 08, 22:31 »
Ja, entweder dichter Kalk, dann Kalkmarmor, oder dichter Dolomit, dann Dolomitmarmor. vermutlich ist das das Marmorband umgebende Gestein sehr tonhaltig, so wurde nur die dünne Lage Kalk oder Dolomit stark verdichtet und erhärtet.

Schöne Bilder, die Falten kannst du hier http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Falten mal hochladen.

Glück Auf
Uwe


Offline vanderheide

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Re: Splügenpass
« Antwort #6 am: 26 Apr 08, 09:48 »
Herzlichen Dank für die Hinweise!!!
Ich will meine Fragen etwas prezisieren und bebildern:

(1Splügenpass beim Aufschluss) Erscheinung.
Die Formung ist rundlich, fliessend,bewegt.

Offline vanderheide

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Re: Splügenpass
« Antwort #7 am: 26 Apr 08, 09:49 »
(2 Splügenpass Aufstieg Surettahorn)
Erscheinung
Die Formung ist kristallin, sie hat plane,
ebene Bruchflächen.
Sie ragen schräg aus dem Hang heraus.

Offline vanderheide

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Re: Splügenpass
« Antwort #8 am: 26 Apr 08, 09:50 »
(3 und 4 Splügenpass Aufstieg Surettahorn)
Die herausgebrochenen Gesteinsmassen
haben Quaderformen.
Der Stein selber hat eine eigenwillige Richtung,diese ist nicht in
Übereinstimmung mit den Bruchflächen.

Offline vanderheide

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Re: Splügenpass
« Antwort #9 am: 26 Apr 08, 09:51 »
(5 Splügenpass Aufstieg Surettahorn)

Richtungsstuktur und Bruchflächen sind
in völliger Übereinstimmung.



Was ist jetzt charakteristisch für Gneiss?

Ist Gneiss ein Sammelbegriff? Kann ich an der Struktur verschiedene
Kategorien des Gneisses ablesen?

Offline vanderheide

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Re: Splügenpass
« Antwort #10 am: 26 Apr 08, 09:53 »
Weshalb ich annehmen musste, dass ich es hier mit Muschelkalk zu tun habe:
Hier die Karte: "Geologische Karte der Schweiz" 1972

In der Legende findet sich keine andere Übereinstimmung als diese.
Eine fehlerhafte Eintragung oder für Laien missleitend und nicht durchschaubar.

mit den besten Grüssen
Hans

Offline trommeln

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Re: Splügenpass
« Antwort #11 am: 26 Apr 08, 12:39 »
Hallo Hans
du warst beim berühmten Splügen.Marmor!
Das ist eine Dolomitschicht (eigentlich sind es 2 paralele Schichten) mit weissem, teils auch rosa-bläulichem Marmorstein. Der wurde lange professionell abgebaut. Die Brücke unterhalb am Splügenpass ist noch aus dem Marmor!
Diese Dolomitschicht zieht sich durch die ganzen Alpen und endet bei den Dolomiten. Die Qualität ist unterschiedlich, von Zuckerdolomit bis zu "Marmor"


« Letzte Änderung: 26 Apr 08, 12:42 von trommeln »

Offline caliastos

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Re: Splügenpass
« Antwort #12 am: 26 Apr 08, 13:30 »
also:

 1 splügenpass: ist ein verfalteter und deformierter bereich mit boundinage. manchmal ist es einfach nur erstaunlich wie stark gesteine deformierbar sind.

2,3,4 splügenpass: nein, bruchflächen sind was ganz anderes. so wie es aussieht hast du schieferung und orthogonales kluftsystem. also trennflächen.

5 splügenpass: "Richtungsstuktur und Bruchflächen" richtungsstruktur gibt es nicht. was du meinst erkenne ich jetzt leider nicht, aber schieferung und trennflächenorientierung können sich schon innerhalb eines gesteines ändern, sobald sich die spannungen ändern. doch hier würde ich meinen hat sich bis auf die lage und orientierung an sich nichts verändert.

gneis ist kein sammelbegriff, sonder der name für ein metamorphes gestein. man unterscheidet nur ortho- von paragneisen, also ob der gneis aus einem granit oder einem sediment hervorging.
man sieht im gneis an sich immer einer einordnung der minerale als folge der schieferung. verschiedene kategorien gibt es nicht in dem sinn. man unterscheidet nur zwischen ortho- und den paragneisen. anhand des gefüges und des erscheinungsbildes gibt es noch weitere unterteilungen wie augengneis. wenn man nur biotit hat dann biotitgneis oder biotitreicher augengneis usw. das sind nur verschiedene gneisvarietäten.
kategorie wäre metamorphit.

http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Gneis

muschelkalk ist ein gestein mit muschelschalen, sonst nichts. http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Muschelkalk
man unterscheidet zudem die germanische und alpidische trias.
bezeichnet muschelkalk, wie in deinem kartenbeispiel, nun eine epoche, so heißt das nicht, daß muschelkalk ansteht, sondern, daß die ablagerung etwa gleichzeitig zum namensgeber der epoche erfolgte. d.h. man hat bei der strategraphie einfach den namen eines gesteines für eine epoche vergeben. macht man heute nicht mehr, da viele dann so wie du jetzt darauf hereinfallen. das muß man wissen, oder man langt voll daneben. du siehst aber allein schon an deiner legende, daß es kein gestein sein kann. deine legende zeigt oben den begriff "rhät". das ist ebenfalls nur der name für eine bestimmte, zeitliche epoche und kein gestein.
also vorsicht. deine karte gibt dir nur das ungefähre alter deiner gesteine an, sagt dir aber nicht welche gestein du hast.

Offline vanderheide

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Re: Splügenpass
« Antwort #13 am: 26 Apr 08, 18:13 »
Vielen Dank Caliastos. Deine Hinweise helfen mir wiederum ein Stück weiter. Jetzt kann ich die Karte wenigsten mit einem anderen Verständnis lesen. Auch werde ich mich noch um die exakten Begriffe "Bruch", "Schieferung", "Kluftsystem" und "Trennflächen" kümmern müssen. Ich dachte mir: es ist hier auch von "Aktion" und "Reaktion" die Rede. Druck wird ausgeübt und irgendwann gibt das Material nach. Wo es nach gibt, wird etwas von seiner eigenen Beschaffenheit sichtbar. Auf dem letzten Bild schien mir das alles im Einklang, bei den Vorhergehenden in Widerspruch.
Kalk, Dolomit, Marmor ... anhand einzelner Funde habe ich mir Vorstellungen gebildet, die "kleben" dann an einem Bild. Ich habe mittlerweile Abbildungen von Dolomit in den Tönen braun, grau, weiss und gelb gefunden. Marmor kenne ich von Marmorsteinbrüchen her und habe auch grössere Stücke davon bearbeitet (Hammer und Meissel). Beispiele sind gut, aber auch verfänglich und in wieweit man mit der Verkettung von Bestimmungen gehen darf. Ein Granat-Glimmer-Schiefer hat einfach drei Gesteinsarten in sich. Aber ein Marmor-Dolomit oder Dolomit-Marmor ... liegt das nicht zu dicht bei einander? Ist das chemisch noch zu unterscheiden?
Ich komme da später auf zurück und stelle konkrete Fotos vom Gestein dazu.
Jacqueline auch liebe Grüsse und Dank für Deinen Hinweis!
Hans

Offline smoeller

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Re: Splügenpass
« Antwort #14 am: 26 Apr 08, 18:45 »
Hallo,

Marmor ist einfach ein Gesteinsname, der im engeren Sinne halt metamorphe Kalksteine umfasst. Die wiederum bestehen aus den Mineralen Calcit und Dolomit. Man kann den Unterschied mit verdünnter Salzsäure (10%) feststellen. Calcit braust auf, sobald man einen Tropfen drauf gibt. Dolomit in kompakter Form (Stein ohne Pulver, eventuell erst waschen und trocknen) zeigt keine Reaktion. Kratzt man jedoch ein wenig Pulver mit einer Nadel ab, so braust dieses auch.

Glück Auf!
Smoeller

 

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