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Autor Thema: Erfahrungswerte mit Dithionit?  (Gelesen 18954 mal)

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Offline Hg

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Erfahrungswerte mit Dithionit?
« am: 27 Jun 08, 13:29 »
Hallo,
seit einiger Zeit experimentiere ich mit Dithionit-Lösung zum Renigen von Mineralien. Die Rezeptur hatte montanpark vor einiger Zeit hier geschrieben.
http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,4800.msg65069.html#msg65069

Mir fehlen aber einige Erfahrungswerte:

Wie lange hält sich die Lösung?
Wie lange muss man die Stufen nachher wässern?
Gibt es Mineralien, die Dithionit nicht vertragen?

Es gibt ja einige Leute, die regelmäßig mit Dithionit ihre Stufen reinigen. Wäre schön, wenn mir jemand weiterhelfen könnte.
Gruß,
Andreas

Offline zippy

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #1 am: 27 Jun 08, 14:40 »
 Hallo Andreas,

bisher habe ich meine Stufen mit dem Rezept von Duthaler/Weiß
Zitat
Das Rezept nach Duthaler/Weiß "Mineralien reinigen und aufbewaren": Pro Liter 2g Na-dithionit, 7,5g oder weniger EDTA, 1,7g Na-Hydrogencarbonat. (Jochem)
gereinigt. Das hat bisher ausgereicht, auch für mehrere Stufen und hat ca. 24 Stunden gehalten.  Die Stufen habe ich nur kurz gewässert und das wars. Veränderungen sind nicht aufgetreten (Zeitraum 1 Jahr).

Gruß

Zippy

Offline Blackminer

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #2 am: 27 Jun 08, 19:29 »
Hi!
Ich nehme pures Na- Dithionit.
Vorher das Stück gut wässern!
Genügend Na- Dithionit mit heißem Wasser mischen und das Stück einlegen. (Heißes Wasser aus dem Hahn reicht.)
Das stinkt zwar wie Sau (Durchzug!!!!) Nach 24h brauchst du die Stufe nur noch abzubürsten (unter fließend Wasser). Sollte noch was von den Krusten übrig sein, einfach wiederholen!
Hinterher gut wässern! 2 Tage+am Besten mit destilliertem Wasser. So vermeidest du Verfärbungen.

Glück auf!

Raik

Offline Hg

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #3 am: 29 Jun 08, 13:31 »
@Zippy
Die Mischung habe ich auch schon gelesen; kommt mir nur etwas dünn vor. Erschreckend finde ich, dass die Lösung nur sehr kurz brauchbar ist.
@Blackminer
Zitat
Das stinkt zwar wie Sau (Durchzug!!!!)
Dafür habe ich einen Abzug  ;D
Reines Dithionit finde ich ein wenig zu heikel. Wird die Lösung zu sauer (warum auch immer), wird das ganze richtig ekelhaft  :P. Daher wird mit Hydrgencarbonat gepuffert.

Gibt es noch weitere Erfahrungen? (besonders bezüglich welche Mineralien dürfen da nicht rein?)
Gruß,
Andreas

Offline Steini LDK

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #4 am: 29 Jun 08, 19:02 »
Mal eine Frage!

Wie entsorgt ihr das Dithionit eigentlich ?
Muß man das zur Sammelstelle bringen
oder kann man das einfach in den Abfluß schütten?

Offline Hg

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #5 am: 29 Jun 08, 19:54 »
Zitat
oder kann man das einfach in den Abfluß schütten?

nein; Chemikalien haben grundsätzlich nichts im Abwasser verloren.
Gruß,
Andreas

Offline Wegwerfit

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #6 am: 29 Jun 08, 21:59 »
Sekundärmineralien vertragen Dithionit nicht. Z.B. Malachit,Azurit,Bismutit usw.
Darum wird Dithinit oft zum entfernen von Sideritkrusten verwedet.
Sonst anfällige Mineralien wie z.B. Calcit sind aber kein Problem.

Gruss,
Wegwerfit
« Letzte Änderung: 30 Jun 08, 20:37 von Wegwerfit »

Offline Axinit

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #7 am: 01 Jul 08, 09:28 »
Servus Hg,

die von Montanpark angegebene Zusammensetzung einer gepufferten Na-Dithionit-Lsg entspricht den Mengenverhaeltnissen, die ich seit Jahren verwende (ist auch als "Wallersche Loesung = Waller solution" bekannt).

Weitere Angaben findest Du in nachstehendem link:

http://homepage.mac.com/rasprague/PegShop/extras/waller/waller1.html

Viel Spass beim Ausprobieren

Harald

Offline Hg

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #8 am: 01 Jul 08, 10:50 »
Hallo Axinit,
wie lange hält bei Dir denn die Lösung, bzw. wie lange verwendest Du die?

@Wegwerfit
danke; das bringt mich schonmal weiter

Gruß,
Andreas

Offline Axinit

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #9 am: 01 Jul 08, 11:40 »
Servus Hg,

die Loesung ist nur fuer einmaligen Gebrauch geeignet. Es ist allerdings moeglich, die (stabile) Pufferloesung  (Hydrogencarbonat/Citrat -Puffer) in groesseren Mengen anzusetzen und  dann  fuer jeweils einen Reinigungvorgang die noetige Menge an Dithionit zuzufuegen.

Die Dithionit-Lsg. hat eine nuetzliche Lebensdauer von 12 bis max. 24 h, was in den allermeisten Faellen ausreichen sollte, um duenne "Limonit"-belaege zu entfernen (Siderit, sofern nicht stark oxidiert, wird uebrigens nicht angegriffen).

Geeignet ist das Verfahren fuer alle Minerale, die sich nicht leicht reduzieren lassen (im Fall von eisen- und manganhaltigen Belaegen ist dies allerdings ausdruecklich erwuenscht). Ich habe schon mit gutem Erfolg Pyromorphit und viele (oberflaechlich korrodierte) Sulfide gereinigt, allerdings muss man in diesen Faellen staendig kontrollieren, ob sich die Loesung verfaerbt ... sonst kann es boese Ueberraschungen geben.

GA

Harald

Offline Schluchti

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #10 am: 01 Jul 08, 12:43 »
 Nur eine Frage am Rande. Sind diese Reaktionen mit Gasentwicklung verbunden? Habe solche bisher noch nicht beobachten können, weil die Reaktion ja recht langsam abläuft. Meine Überlegung ist, ob man nicht in einem halbwegs dicht schließenden Gefäß (z.B. einer PE-Frischhaltedose mit Deckel) diesen reizenden Gestank etwas eindämmen kann. Habe den Deckel bisher nur locker aufgelegt, aber mich noch nicht getraut den ganz zuzumachen.   

Offline Hg

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #11 am: 01 Jul 08, 13:26 »
nein; die Reaktionen selbst sind nicht mit Gasentwicklung verbunden. Es läuft in der Lösung eine Reduktion von Fe(III) zu Fe(II) ab, wobei das Hydrogencarbonat puffern soll und das Citrat das Fe(II) komplexieren soll. Das SO2 wird dabei zum Sulfat oxidiert.
Aber:
Das Dithionit zersetzt sich in Wasser zu SO2 (gasförmig) und Schwefliger Säure H2SO3, die mit der Zeit zu SO2 (gasförmig) und Wasser zerfällt. Der ekelhafte Geruch kommt also vom SO2.
Wenn Du das ganze verschließt, kann Dir früher oder später irgendwas entgegenfliegen  :P
Gruß,
Andreas

Offline zippy

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #12 am: 01 Jul 08, 14:49 »

Hallo Andreas,
mit dem Rezept für die "schwache "Lösung ist kaum eine Geruchsentwicklung zu merken.
Es ist ja auch die Frage was du damit entfernen möchtest. Für leichte Limonitüberzüge hat es bisher immer gereicht. Warum mehr Chemie nehmen als nötig?

Gruß
Zippy


Offline cmd.powell

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #13 am: 01 Jul 08, 16:03 »
Zitat
oder kann man das einfach in den Abfluß schütten?

nein; Chemikalien haben grundsätzlich nichts im Abwasser verloren.
Gruß,
Andreas

Sicherlich nicht Falsch, aber wenn Du wenig Menge oder nur sehr schwache (also wenig konzentrierte) Lösungen hast, kannst Du die schon in den Abguß geben - ist überhaupt kein Problem. Besonders die Dithionitlösung ist nach dem Gebrauch praktisch völlig zersetzt und somit umwelttechnisch unbedenklich. Wer es mit der "artgerechten Endsorgung" von Chemikalien genau wissen möchte: Es gibt für jeden Stoff fest definierte Maximalmengen/-Konzentrationen, die in das Abwasser gelangen dürfen. Solange diese nicht überschritten werden, kann man alles in die Kanalisation geben. Bei einigen Chemikalien (z.B. Quecksilber und andere "harte" Sachen), sind diese Grenzwerte natürlich extrem klein und man muß sie Sammeln, aber sowas wie Dithionit, Salzsäure oder andere, eher harmlose Chemikalien, kann man, im Zweifelsfall verdünnt, bedenkenlos entsorgen. Die "kritischen" Chemikalien kann man nach dem neuen Chemikaliengesetz als Privatperson sowieso nicht mehr käuflich erwerben.

Ich habe übrigen ebenfalls schonmal mit Dithionit gereinigt und mich dabei an die Gebrauchanweisung aus "Mineralien reinigen und aufbewahren" von Duthaler und Weiß (hat glaube ich schonmal wer hier erwähnt) gehalten. Das hat wunderbar funktioniert, die Lösung war allerdings nach rund sechs Stunden verbraucht. Bei den geringen Konzentrationen war die Geruchsbelästigung - das Zeug riecht wirklich abartig - auch erträglich. Ich kann nur empfehlen, sich an die dortige Beschreibung zu halten.
Achso, mein persönliches Mittel gegen leicht gasende Reinigungmittel: Eine passende Plastikwanne mit glattem Rand, also nix geschwungendes oder so. Auf diese Plastikwanne kommt dann eine ebenso passende Glasscheibe, die das Gefäß komplett abdeckt. Wenn man nun die Verbindungsnaht Glasplatte/Plastikwanne vorsichtig mit Wasser anfeuchtet, schließt die so entstehende Wasserblase das Gefäß vollständig ab. Solange der Druck im innern dem von draußen entspricht, kommt nicht viel raus. Sobald es drinnen anfängt zu gasen, blubbert es nur am Rand und nichts kann explodieren, allerdings fängt es dann auch wieder an zu riechen. Bei Dithionit hat sich das Verfahren aber ganz gut bewährt.

Offline Hg

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Re: Erfahrungswerte mit Dithionit?
« Antwort #14 am: 01 Jul 08, 16:49 »
sicher, die verbrauchte Dithionit-Lösung oder die Salzsäure ist nicht das Problem. Eher die damit gelösten Schwermetalle. Quecksilber oder Arsen ist mit Sicherheit der "worst case", aber auch die anderen Schwermetalle muss man nicht unbedingt in die Kläranlage geben und damit die Umwelt unnötig belasten.

@zippy
klar ist richtig den Einsatz von Chemikalien möglichst gering zu halten. Beim Renigen von großen Stufen, die richtig mit Oxiden belegt waren, hatte ich dann doch die dickere Lösung vorgezogen. Wegen dem Gestank habe ich glücklicherweise keine Probleme (eigenes Labor mit gut ziehendem Abzug).
Gruß,
Andreas

 

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