Neues von der Königsklasse.
26.10.09
Anwil | Fossilien aus «Ammeler» Boden weckten Versteinerungsbegeisterung
Goldene Kartoffeln von Ammel
Staunen: Die Anwiler konnten kaum glauben, dass diese Fossilien aus «ihren eigenen Gärten» stammen.
Mit einem Vortrag haben die Geologen Beat Imhof und Peter Bitterli eine Fossilienausstellung eröffnet, die ihre Tore bereits wieder geschlossen hat. Doch die Faszination Versteinerung war – und ist – gross für die Relikte aus dem eigenen Garten.
hub. Als Beat Imhof und Manuel Tschauder an Peter Stauffers Tür klingelten, hielt Letzterer die beiden für Hausierer. Zum Glück öffnete er ihnen trotzdem. Sie zeigten ihm ihre Versteinerungen und Stauffer dachte: schön. Als sie ihm aber sagten, die Fossilien stammten aus Anwil, sei er aus dem Staunen nicht mehr herausgekommen – und machte sich als Mitglied der Ammeler Kulturkommission sofort daran, das Thema aufzunehmen.
Weltweit bei den Besten
Anderen erging es ähnlich. Beat Imhof, Geologe und Entdecker des ersten vollständig gefundenen Dino saurier-Skeletts in Frick, seien beinah die Augen aus dem Kopf gefallen, als er die gut erhaltenen Ammeler Versteinerungen von Ammoniten, Schnecken und Muscheln sah, sagte er. Nicht nur wegen ihrer hervorragenden Konservierung, sondern auch wegen der seltenen rot-orangen Farbe. Diese Kombination, die zu einer unglaublichen Qualität führe, gehöre somit weltweit zu den Top-Funden, Anwil zu den Top-Fundorten also, schwelgt Imhof. «Das macht die Ammoniten quasi zur goldenen Kartoffel von Ammel», schmunzelt er.
Diese goldenen Kartoffeln stammen von der Ächtelmatt, die ein Acker ist, eine Matte, auffallend einzig durch die rote Farbe ihres Bodens. Umgegraben hat sie der stille Arbeiter hinter Initiant Imhof, Manuel Tschauder. In mühevoller Kleinarbeit durchwühlte er die tonige Erde, die früher Meer war, suchte, fand und präparierte schliesslich mit Druckluft und ätzenden Substanzen eine Vielzahl 150 Millionen Jahre alter Macrocephaliten, also Ammoniten, die eine Art Tintenfisch im Schneckenhäuschen waren. Auf engstem Raum, Gehäuse an Gehäuse quasi finden sich so zu Stein gewordene Muschel- und Ammoniten-Schalen.
Museum Anwil?
Nach dem Vortrag, der zahlreiche Ammeler ins alte Schulhaus lockte, und nach der dreitägigen Ausstellung der Fossilien, plant Imhof in Zusammenarbeit mit Bitterli, Tschauder und Thomas Schüpbach, schweizweit bekannter Mineralien-Fotograf, einen weiteren Coup. Imhof schwebt die Idee vor, ein Buch zu realisieren. «Ein wirklich schönes Buch, eines wie ein Kunstband – mit wenig Wissenschaft». Die zentralen Aspekte seien für ihn die Schönheit und die Eleganz der Versteinerungen. «1500 Exemplare wären im Nu vergriffen», ist Imhof überzeugt, «denn so ein Buch gibt es noch nicht».
Und Bitterli stellte abschliessend die Frage, die wohl nicht nur ihm auf der Zunge brannte: Wird es dereinst ein Museum Anwil geben? Ein kleines nur. Eines, das die heimischen Fossilienfunde für die Interessierten zugänglich macht.
http://www.volksstimme.ch/News.125+M5ea98b1ab48.0.html