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aus dem Buntsandstein
caliastos:
nur als zusatz. ein dünnschliff gibt einem sandstein nicht unbedingt einen namen. es gibt durchaus sandsteine, die gleich aussehen, aber andere namen haben (regionalität). manche namen haben nichts mit dem erscheinungsbild zu tun, sondern sind relikte. dann noch unterschiedliche namen für den gleichen sandstein.
also auch da aufpassen.
Druide:
Hallo caliastos,
*lach ja ich passe auf.
Der "Dünnschliff" drückt all das Wissen aus das ich nicht habe:-)
Gruß Marie
triassammler:
Hallo Maria und caliastos ;D
Ui, jetzt gehts langsam ans Eingemachte! Deswegen schnell was zum Schilfsandstein: Streng genommen ist "Schilfsandstein" eine Faziesbezeichnung (Fazies = Ausprägungsart einer Schicht ggf. inkl. zugehörigem typischem Fossilinhalt). Wie man eine Fazies benennt, ist freigestellt. Normalerweise benutzt man sachlich-aussagekräftige Bezeichnungen, im Oberjura spricht man z. B. von der "Korallenfazies" bzw. "Riffschuttfazies" versus "Beckenfazies". Alle drei haben gleichzeitig räumlich nebeneinander existiert. Korallenfazies bezeichnet Kalksteine der Korallenriffkörper, Riffschuttfazies ist von Stürmen zerschlagener Schutt der Korallenriffe, der sich etwas abseits abgelagert hat, und Beckenfazies schließlich sind eher fossilarme, feine, geschichtete Kalksteine, die sich in Senken zwischen den Riffen abgelagert haben. Im Grunde gehört alles zu einer erdgeschichtlichen Stufe (Kimmeridgium), da gleichzeitig nebeneinander existierend, aber wenn man in Fazies unterteilt kann man besser auf die unterschiedlichen Entstehungsweisen eingehen.
Es gibt auch historische Faziesbegriffe, die etwas phantasievoller oder auch platter sind, wie eben "Schilfsandstein". Der bezeichnet einen definierten Komplex aquatisch sedimentierter (aufgepasst, caliastos, ich sage nun mit Absicht nicht "fluviatil", denn man streitet sich ja nach wie vor um marine Einflüsse bei der Schilfsandsteinsedimentation) Sandsteine des Mittleren Keupers, die den Steinbrechern schon vor 200 Jahren wegen ihrer Schachtelhalmfossilien (als "Schilf" fehlinterpretiert) aufgefallen sind. Obwohl es schachtelhalmführende Horizonte auch in anderen Keuperformationen oder auch im Buntsandstein gibt (und die Schachtelhalme auch im Schilfsandstein örtlich völlig fehlen können), ist der Begriff historisch bedingt für diesen Sandsteinkomplex des Mittelkeupers festgelegt. Andersherum gibt es rote und grüne Sandsteine nicht nur im Buntsandstein, trotzdem wird nur der Buntsandstein als Buntsandstein bezeichnet. Um die Sache noch komplizierter zu machen: Es gibt sandsteinfreien Schilfsandstein, die sog. "Stillwasserfazies des Schilfsandsteins" - das sind Ton- und Schluffsteine, die außerhalb der sandtransportierenden Hauptströmungen abgelagert wurden.
Also, Maria: Schilfsandstein und Buntsandstein haben nichts miteinander zu tun. "Buntsandstein" ist eine in Deutschland gebräuchliche Formationsbezeichnung für die Untere Trias, egal ob diese lokal sandig, tonig oder sogar kalkig entwickelt ist. "Schilfsandstein" bezeichnet einen Sandsteinkomplex im Mittleren Keuper, egal ob dieser Schachtelhalmreste führt oder nicht.
Als ich das mit dem Bildungsraum des Buntsandsteins kurz erklärt habe, habe ich "überwiegend terrestrisch" gebildet gesagt. Natürlich hat caliastos Recht, dass es zwischendurch zu Meeresvorstößen kam. Im Oberen Buntsandstein nahe der Grenze zum Muschelkalk finden sich sogar in der Hohenlohe Seelilienstielglieder, die ganz klar auf Meeresbedeckung hinweisen.
Das Germanische Becken war damals sehr flach - kleine Meeresspiegelschwankungen haben schnell zum kilometerweiten Vordringen bzw. Zurückziehen des Meeres geführt (-> Wellenrippel). Von daher ist der Buntsandstein auch in der Entstehungsweise seiner einzelnen Schichtglieder recht "bunt" zusammengewürfelt. Trotzdem überwiegt die Bildung auf dem Festland. Zumal Wellenrippel auch in Seen entstehen können und noch kein 100%-iger Beweis für marinen Einfluss sind. Das ist immer fallweise auch an Hand anderer Kriterien zu entscheiden. Ich habe da einige sehr hübsche Wellenrippelplatten aus dem Mittelkeuper, die nachweislich in festländischen Salzseen gebildet wurden...
Auch die Fachwelt diskutiert nach wie vor, wie denn nun diese oder jene Schicht des Buntsandsteins genau entstanden sein könnte - oft sind die Indizien nicht so eindeutig, wie es auf den ersten Blick scheint.
Was Verallgemeinerungen angeht: Manche Sache, die wir hier diskutieren, musste ich mir in jahrelangem Literaturstudium und in zahllosen Aufschlüssen selbst erst erarbeiten - es wird dann echt knapp, wenn man versucht, das auf eine halbe DIN A4-Seite zu komprimieren.
Betreffs Dünnschliffe: Die benutzt man nicht, um dem Stein eine Schichtbezeichnung zu geben. Aus Dünnschliffen ermittelt man qualitative und quantitative Merkmale wie Korngröße und -rundung sowie den Bestand an autochthonen (nicht nachträglich entstandenen ) Mineralen (sagt etwas über die Weite des Transportwegs sowie die Transportart der Körner und ggf. das Liefergebiet aus). Aus der Art des Zements (Kittmittel, das die Körner zusammenhält) und dem Vorkommen von sekundär entstandenen Mineralbildungen kann man Rückschlüsse darauf ziehen, was seit der Ablagerung des Gesteins alles passiert ist. Am Ende der Untersuchung heißt der Stein dann z. B. "feinkörniger, feldspatreicher Sandstein mit tonigem Bindemittel". Einen Namen und ein Alter in Deinem Sinne hat er damit immer noch nicht, denn Sandsteine dieses Typs wirst du überall auf der Welt und aus allen Erdzeitaltern finden. Erst das Wissen darum, an welchem Ort und aus welcher Schicht du die Probe entnommen hast, gibt dem Stein einen Namen. Und diese Namen sind eben festgelegt und in den geologischen Karten eingetragen.
Klüfte und Risse sind auch ziemlich unerheblich für das korrekte Identifizieren einer Schicht, denn die hängen von regionalen Faktoren hab. Als Beispiel: In ganz Süddeutschland herrscht ein auffälliges, annähernd rechtwinkliges Kluftmuster in Gesteinen vor (zumindest in solchen, die Brüche zulassen, also weniger in Tonen und Tonsteinen). Die eine Klüftungsrichtung verläuft parallel zum Rheingraben, die andere parallel zum Alpennordrand. Es gibt noch weitere regionale Kluftmuster, aber bleiben wir mal bei diesem, das man in ganz Süddeutschland beobachten kann: Die Ost-West-verlaufende Klüftung zeichnet die Stauchung der Erdkruste durch die Alpenauffaltung nach, die Nord-Süd-verlaufende Klüftung gibt die Störung der Erdkruste durch die Rheingrabenausdehnung wider. Die Klüfte sind also Folge (über)regionaler Ereignisse, die sich u. U. erst extrem lange nach der Entstehung der betroffenen Gesteinsserie (im Fall des Buntsandsteins liegen bspw. mehr als 200 Millionen Jahre zwischen Ablagerung und der Entstehung der Alpen/Rheingraben-Klüftung (vor ca. 30 Ma) und in einem völlig anderen Kontext ereignet haben.
So sind die Oberjurakalke der Schwäbischen Alb genauso von dieser Klüftung betroffen wie der Odenwälder Buntsandstein oder der Stuttgarter Muschelkalk: Schichten als gleichzeitig gebildet zu betrachten, nur weil sie das gleiche Kluftsystem aufweisen, läuft völlig in die Leere.
Vielleicht nimmst Du bei der ganzen Diskussion ja eins mit: Die Erde ist ein dynamischer Planet mit einer sich ständig über räumliche und zeitliche Distanzen verändernden Gestalt, von der Biosphäre bis hinunter zu den tiefsten Gesteinsschichten. Diese Veränderungen werden von den unterschiedlichsten Prozessen herbeigeführt, wobei sich diese rückkoppeln und gegenseitig modifizieren, addieren oder aufheben können: Die Natur ist ein chaotisches System, in dem es für einen beobachteten Zustand oft mehr als eine Ursache geben kann. Von daher sind viele "Erklärungen" nur mehr oder weniger gut begründete Theorien mit einer gewissen Wahrscheinlichkeit des Richtigseins. Davon lebt die Wissenschaft ja: Jede Antwort wirft neue Fragen auf, und damit rückt scheinbar paradoxerweise auch mit jeder Antwort die "Letzte Wahrheit" ein Stück ferner.
In diesem Sinne: Frohes Weiterforschen! Es lohnt sich! :D
Triassammler
Isarkiesel:
Hallo Maria,
ich weiß nicht, ob ich Dir diesen Literaturtipp schonmal gegeben habe (wenn ja, das Folgende einfach überlesen):
R. Vinx, Gesteinsbestimmung im Gelände, Elsevier 2005 (inzwischen in 2. Auflage erschienen), ist zwar nicht ganz einfach zu lesen, aber ich glaube, es könnte Dir in vielen Fragen weiterhelfen. Vielleicht kannst Du es zunächst über eine Bibliothek ausleihen.
Druide:
Hallo Triassammler,
Zitat:
schnell was zum Schilfsandstein
Deine schnellen Worte, klasse, jetzt verstehe ich einiges besser. Macht schon wieder Mut weiter zu forschen. Ehlich gesagt hatte ich mich etwas erschlagen gefühlt ;)
@ Trommeln
die Bibliothek in der nächsten Stadt habe ich schon durchwühlt. Buntsandstein ist dort ein Stiefkind.
Im Regal reihen sich langsam neben Kräuterbücher auch die Steinbücher. Ich sehe schon die Reihe sie muß länger weren :)
Vielen Dank für alle Antworten
Maria
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