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Autor Thema: Victoria Littfeld - Unbekannte Sekundärmineralien  (Gelesen 4999 mal)

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Offline zampano

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Hallo, vor allem Siegerland-Experten!

Habe ein paar Stufen von der Halde der Victoria getrimmt und dabei sind mir ein paar
Sachen ins Auge "gefallen", die ich nicht sicher zuordnen kann.
Daher die Frage an die Experten, vielleicht kann mir ja jemand bei der Bestimmung helfen.

Überhaupt gibt es ja irgendwie nur recht wenig über diesen, doch relativ interessanten, Fundort zu finden...

Das erste Bild ist von einer Stufe, die aussen hauptsächlich von verwitterten grünen und blauen
Krusten belegt wird. An einigen Stellen treten jedoch unklare, dunkelblaue Kristalle, die an Langit oder
auch Linarit erinnern, hervor.
An der Stelle, die ich fotografiert habe, sind jedoch hellblaue nadelige Kristalle zu sehen. Nicht zu sehen,
aber ganz in der Nähe, sind auch dunkelgrüne nadelige Kristalle.
Mein erster Verdacht ist Aurichalcit, dieser ist jedoch bisher noch nicht beschrieben von dort (was ja nix heißt...)

Die anderen Bilder sind von einer zweiten Stufe, die beim Trimmen u.a. tolle dunkel- bis tintenblaue Kristalle
hervorgebracht hat (alles natürlich seehr klein). Der erste Verdacht, Linarit, wird durch die Tatsache der sehr
auffälligen Farbe aber noch viel mehr durch die Kristallform bestätigt sich m.M. nach nicht.
Die Kristalle bilden vorwiegend hexagonal, dünne Plättchen. Für Linarit nicht gerade typisch.
Auch ist die Farbe viel intensiver dunkel, so ein richtiges tiefes Tintenblau.

Die auf der selben Stufe vorhandenen, türkisblauen Kügelchen haben auch eine recht intensive Farbe.
Den muscheligen Bruch kann man auf dem Foto vielleicht noch einigermaßen erkennen, hoffe ich.
Da die Kugeln nicht auf der Oberfläche, sondern in einer winzigen Druse, auftreten, bin ich von Chrysokoll
erst mal nicht ausgegangen.

Wer hat Ähnliches schon gefunden oder kann Hinweise geben?

Leider sind die Fotos nur auf die Schnelle entstanden, hoffe, man kann dennoch was sehen.

Vielen lieben Dank schon mal im Voraus und
Glück Auf!

Offline smoeller

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Re: Victoria Littfeld - Unbekannte Sekundärmineralien
« Antwort #1 am: 31 Oct 08, 14:43 »
Hallo,

1.eht sehr nach einer Cu-(Pb)-Sulfat-Paragenese aus. Das erste scheint Glasglanz zu haben. Daher eher kein Aurichalcit, Devillin oder Serpierit. Diese haben eher Seiden- oder Perlmuttglanz. Könnte Langit oder Posnjakit sein, die Unterscheidung dieser beiden Minerale (und des ähnlichen Wroewolfeits) ist optisch kaum möglich. Das blaue könnte dann tatsächlich Linarit sein, das grüne auf dem Stüfchen dann Brochantit. Habe mal derartige Stücke in Schapbach (Schwarzwald) gefunden, die alle drei Minerale zusammen trugen.

2./3. Linarit höchstwahrscheinlich.

4. Chrysokoll oder ein amorphes Cu-Mineral. Farblich käme auch Rosasit infrage, ist aber eher unwahrscheinlich, da kein radialstrahliger Bau der Kugeln erkennbar ist.

Glück Auf!
Smoeller

Offline zampano

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Re: Victoria Littfeld - Unbekannte Sekundärmineralien
« Antwort #2 am: 01 Nov 08, 10:44 »
Danke dir erst mal, Smoeller!

Bei 1 bin ich bei dir.

Was den Linarit angeht, bin ich mir da nicht sicher.
Sechseckige, dünne Täfelchen?
Ich zumindest habe von dieser Ausbildungsform des Linarits noch nicht gehört.
Das heißt zwar nichts, weil der ja auch in vielen Formen vorkommt, aber bisher sind
mir "Ausreißer" halt nicht zu Ohren gekommen.
Werde ich wohl analysieren lassen müssen....

Die ganze Cu-/Pb-Haldenneubildungs-Paragenese ist inzwischen an vielen Fundorten
diesen Typs vorhanden und "vorhersehbar".
Auch der Aragonit, der in der Victoria als auch z.B. in Ramsbeck auf den Schiefern
(und in schönen Pikropharmakolith-ähnlichen Kugeln) zu finden ist.
Das hatte ich vor Jahren auf solchen Halden (also Cu-Pb-Typ) noch nicht beobachtet
oder es war mir nur nicht aufgefallen.

Auch Schapbach ist so ein Kandidat, da wird es auch die ganze Bandbreite der
Cu-Pb Haldenbildungen wohl geben. War schon lange nicht mehr da (ich hatte lange
Zeit in Stuttgart gewohnt...) aber ist wohl wahrscheinlich.

Danke nochmal und Glück Auf!


Offline Uwe Kolitsch

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Re: Victoria Littfeld - Unbekannte Sekundärmineralien
« Antwort #3 am: 01 Nov 08, 16:41 »
1: Wroewolfeit oder Langit
2: Langit(?)
3: ? Amorph?

Offline thothie

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Re: Victoria Littfeld - Unbekannte Sekundärmineralien
« Antwort #4 am: 01 Nov 08, 16:51 »
Hallo Don,

für Mineralienbestimmung etwas deplaziert hier, finde ich.

Rein optisch fällt mir hierzu folgendes ein:

1. Langit
2. u. 3. Caledonit
4. Rosasit

Schöne Grüße

Thomas

Offline Haspelknecht

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Re: Victoria Littfeld - Unbekannte Sekundärmineralien
« Antwort #5 am: 02 Nov 08, 13:44 »
Hallo!

Das erste sieht mir ganz stark nach Posnjakit aus, habe einige ähnliche Kristalle gefunden, die als solcher analysiert sind. Bild 2 und 3 zeigen meiner Meinung nach Langit-Kristalle. Allerdings ist die Unterscheidung zwischen Langit, Posnjakit und Wroewolfeit visuell fast nicht möglich. Nummer 4 scheint Malachit zu sein, wie er auf der Victoria als Sekundärprodukt des Fahlerzes häufig ist. Könnte natürlich auch Zink enthalten und dann evtl. Rosasit sein. Langit, Posnjakit und Malachit sind auf der Victoria recht typische Sekundärminerale, wo Fahlerz verwittert.

Gruß Markus

Offline zampano

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Re: Victoria Littfeld - Unbekannte Sekundärmineralien
« Antwort #6 am: 04 Nov 08, 12:24 »
Vielen Dank an alle "Rater".
Und sorry, dass ich diesen Beitrag hier reingesetzt habe, var ein Versehen.

Seltsam ist allerdings, dass weder Langit, noch Posnjakit, geschweige denn Wroewolfeit
in der Mineralienliste der Victoria auftauchen!?

Jemand Lust, dass interessenate dunkelblaue zu analysieren?
Habe auch das Gegenstück dazu...
;-)

Gruß,
Don

Offline Haspelknecht

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Re: Victoria Littfeld - Unbekannte Sekundärmineralien
« Antwort #7 am: 04 Nov 08, 14:37 »
Dass weder Langit noch Posnjakit oder der meines Wissens im Siegerland noch nicht bekannte Wroewolfeit in der Mineralienliste der Grube Victoria stehen, liegt vermutlich daran, dass sich noch niemand die Mühe gemacht hat, diesen außergewöhnlichen Fundort genaustens aufzuarbeiten. Man findet viel in der alten Literatur, als man aber auf diese Kleinigkeiten noch nicht geachtet hat (zumal die Kupfersulfate wohl überwiegend Haldenneubildungen sein dürften). In der neueren Literatur werden immer wieder die bekannten Top-Minerale Anglesit, Cerussit, Millerit, Siegenit oder Kupferkies erwähnt, aber viele Neufunde bleiben im Verborgenen. Das größte Problem ist, dass an diesem Fundort, der in den letzten Jahrzehnten mehrere fundreiche Aufschlüsse hatte, eine sehr große Anzahl von Sammlern gesucht haben. Bei dem Einen findet man Carrollit-Kristalle, der Nächste hat Wismut- oder Antimonminerale gefunden, andere haben Super-Silber-Stufen oder Mimetesit (den die meisten noch für Pyromorphit halten)... das ist kaum unter einen Hut zu bekommen, obwohl das sicher ein schönes Thema für einen Bericht in einer Fachzeitschrift wäre...
Jeder, der dort irgendetwas gefunden hat, und sich (möglichst) sicher ist, worum es sich handelt, sollte die betreffenden Minerale hier im Mineralienatlas in die entsprechende Liste einpflegen. Nur so kann man einen Überblick bekommen. Ich habe dies dann schon mal getan und die Liste um meinen (bescheidenen) Kenntnisstand erweitert.

Offline Haspelknecht

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Re: Victoria Littfeld - Unbekannte Sekundärmineralien
« Antwort #8 am: 04 Nov 08, 14:49 »
Und dann ist mir gerade noch aufgefallen, dass die Grube Victoria in Littfeld zweimal im Mineralienatlas aufgeführt ist:
1. Nordrhein-Westfalen / Siegerland / Littfeld / Grube Victoria
2. Nordrhein-Westfalen / Siegerland / Kreuztal-Littfeld / Grube Viktoria

Beide Male sind unterschiedliche Mineralien aufgeführt, wobei ich viele von der letzteren Liste von dort noch nie gesehen habe (was nicht heißt, dass sie dort nicht vorkommen). Beide Listen müsste man mal korrelieren und eine davon löschen (wobei ich nicht weiß, wie sowas geht).

 

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[erledigte Bestimmungen / completed determinations] Re: Koslenz ??? / FO nicht zuordenbar von Bruno80090 07 Feb 26, 18:29