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Autor Thema: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?  (Gelesen 3301 mal)

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Offline quarzum

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Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« am: 31 Oct 08, 09:24 »
Hallo!
Besitze eine kleine Mineralstufe aus einem Wettersteindolomit, bei dem auf einem Calzitrasen ein stark
verzerrten Fahlerzkristall sitzt. Im Umgebungsbereich des Fahlerz zeigen sich längsgeriefte Locken bzw. tropfenartige
Krusten eines vermutlich Cu-hältigen Minerals, das +/- eine zyklische Streifung aufweist. Im Wurzelbereich
sind die Locken dunkelblau, gegen die Spitze hin geht die Farbe in ein türkisgrün über.
Die Locke weist eine Querstreifung auf, die sowohl harte, als auf weiche Übergänge aufweist.

Meine Frage wäre nun folgende:
Ist eine Zyklische Streifung dieser Locke über eine Variation des gelösten CO2 im Fluid
bei der Entstehung von  Azurit / Malachit  denkbar. Kann es sich um Azurit / Malachit handeln.

Da das Stück ein Einzelstück und sehr klein ist, können keine chemischen & physikalischen Analysen
durchgeführt werden.

Falls irgenwer eine Idee zu diesem Stück hat, wärs super
« Letzte Änderung: 31 Oct 08, 13:29 von quarzum »

Offline giantcrystal

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Re: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« Antwort #1 am: 31 Oct 08, 11:09 »
Hallo aus Mittelfranken

Meines Erachtens handelt es sich um eine Teilpesudomorphose von Malachit (?) nach Azurit (?), wobei die Pseudomorphisierung entlang der Kristallfasern, bzw. der "Jahresringe" fortschreitet. Gar nicht so selten und bei Azurit in den verschiedensten Ausbildungen recht häufig zu sehen

Eine rhytmische Kristallisation würde ja einen dauernden Wechsel in der Chemie der Ausgangslösung voraussetzen, was zwar grundsätzlich möglich ist, aber doch schwerer vorstellbar als obiger Erklarungsansatz ist. Ich halte es da mit Ockhams Rasiermesser  ::)

Glück Auf

Thomas

Offline quarzum

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Re: Re: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« Antwort #2 am: 31 Oct 08, 12:14 »
Danke für die schelle antwort.
Die Pseudomorphose entlang der Kristallfasern (starke P. an den Kristallkanten, keine bis schwache im dazwischenliegend Tal) kann ich mir gut vorstellen.

Wie das mit den "Jahresringen" normal auf die Längsachse der Locken funktioneren soll, versteh ich ehrlich gesagt nicht ganz. Gibts dazu Literatur?

Vielleicht hätte jemand einen Fundstellentip, wo deratige Pseudomorphosen häufig vorkommen, da ich noch kein Vergleichsmaterial gefunden habe.

Danke auf jeden fall einmal und grüsse nach Mittelfranken
christian

Online Geomaxx

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Re: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« Antwort #3 am: 31 Oct 08, 15:06 »
Hi Christian,
die wohl berühmteste Fundstelle für Pseudomorphosen von Malachit nach Azurit ist die Tsumeb Mine, Namibia, guckstdu im Lexikon
mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Namibia/Oshikoto%20%28Otjikoto%29%20Region/Tsumeb/Tsumeb%20Mine
Dort kommen alle erdenklichen Grade von Pseudomorphosierung vor, vor allem in exzellenten Schaustufen.
Glück Auf!
GEOMAXX

Offline cmd.powell

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Re: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« Antwort #4 am: 01 Nov 08, 02:58 »
Ist es nicht auch möglich, das es sich bei dem Mineral um ein Sulfat handelt !? Ich habe von Grube Glücksrad einige Pseudomorphosen eines mir noch unbekannten Minerals (grün) nach Langit/Posnijakit. Vielleicht wandelt sich unter bestimmten Bedingungen ja auch ein Kupfersulfat in ein Kupfercarbonat um. Hast Du an einem winzigen Löckchen mal die Löslichkeit untersucht. Möglicherweise sind die Locken sogar mal Chalkanthit gewesen, die sich in Malachit oder ein anderes Sulfat umgewandelt haben. Azurit als Ausgangsmaterial halte ich für unwahrscheinlich, dafür scheint mir das blau zu hell zu sein. Das kann natürlich auf dem Foto verfälscht wiedergegeben sein.
Möglich wäre vielleicht auch sowas wie Chalkonatronit, den kenne ich z.B. von Glücksrad in diesen rythmisch-gesteiften Kristallen - allerdings nicht in Locken. Wenn sie auf Fahlerz sitzen, könnte es sich auch um ein Arsenat handeln. Ohne Analyse sind die möglichen Minerale doch sehr zahlreich und eine karbonatische Matrix erzwingt nicht unbedingt karbonatische Minerale.

Offline quarzum

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Re: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« Antwort #5 am: 01 Nov 08, 09:06 »
Zur Farbe: Die Farben auf dem Foto sind um einiges intensiver (satter), wie in echt.
Die Fotoaparatur und die Renderingsoftware geben die Farben satter wider, als sie sind.
Anbei nocheinmal ein Foto, das die Farbe +/- richtig widergibt.

@cmd.powell: An ein Arsenat glaub ich ehrlich gesagt nicht, da mir keine Arsenate aus der Fundzone bekannt sind.
An ein Sulfat hab ich selbst schon gedacht da im Nahbereich u. a. Baryt gefunden wurden. Die Vermutung, es sei ein
Carbonat geht darauf zurück, das ich Malachit und Azurit von dieser Fundestelle kenne, jedoch immer mit strenger Phasentrennung.
An der Entstehung könnten aggressive Fluids mitgewirkt haben, da in der unmitellbaren Umgebung des Fundes mehrfach
Fluorit (Baryt) gefunden wurde.

@GEOMAXX: Danke für den Hinweis, ich habe die Seite bereits durchgeschaut, aber leider kein Bildmaterial gefunden, das sich zum
Vergleichen eignet.

Einwurf in die Expertenrunde:
Nachdem ich mich mit cmd.powell´s Feedback auseinandergesetzt habe, bin ich bei
weiteren Recherchen auf folgendes gestossen, das ich nun unkommentiert einwerfen möchte, da ich dieses Mineral
vorher noch nie in Echt zu Gesicht bekommen habe:

Cyanotrichit (http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/MineralData?mineral=Cyanotrichit):

Offline smoeller

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Re: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« Antwort #6 am: 01 Nov 08, 11:31 »
Hallo,

Für mich ist das hier eindeutig Azurit und Malachit. Solche Bildungen sind in Tirol im Revier Schwaz-Brixlegg recht verbreitet. Übergänge Azurit-Malachit sind nicht selten, wobei Malachit die stabilere Phase bei Normalbedingungen (1 bar, 25°C) ist. Es gibt Gemälde (z.B. Tizian) bei denen das Azuritpigment des Himmels sich nach einiger Zeit in Malachit umgewandelt hat.

Glück Auf!
Smoeller

Offline quarzum

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Re: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« Antwort #7 am: 01 Nov 08, 12:18 »
@smoeller.
Du hast nicht zufällig ein Bild einer derartigen Pseudomorphose aus dem Schwazer Revier bei der Hand?
Hast Du (bist ja sozusagen vom Fach) eine Idee, wie der Pseudomorphosevorgang funktioniert,
der zur Bildung derartiger  "Jahresringe" (1. Bild) führt.
Hab mich schon ein bisserl eingelesen (Menschel und Usdowski, Koritnig), habs aber für
mich noch nicht zufriedenstellend beantworten können.

Offline Uwe Kolitsch

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Re: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« Antwort #8 am: 01 Nov 08, 16:43 »
Stimme mit meinen Vorrednern überein: Malachit/Azurit.

Offline quarzum

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Re: Rytmische Kristallisation Cu-Carbonat?
« Antwort #9 am: 01 Nov 08, 16:44 »
@uwe: Warum?

 

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