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Sandentstehung

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Helmi:
Hallo,
Im Umfeld der Fundstelle Kühlungsborn/Ostseeküste (10 km) vor Steilufern und an Strandstellen in bzw.unter denen sich eine Tonschicht befindet, die bei starker Brandung stellenweise abgetragen wird,ist violetter bis schwarzer Sand zu finden. Habe herausgefunden, daß dieser Sand aus der Tonschicht stammt (Sandlinsen o.ä.). Der Sand ist stark magnetithaltig (10 - 35%-ig) und besteht aus glasklaren verschiedenfarbigen Körnern. Viele Körner sind kristallin miteinander verschmolzen. Einzelne Körner weisen Eindruckstellen von anderen Körnern bzw. Spuren von Absplitterungen auf. Die Korngröße beträgt 0,2 - 0,5 mm. Mit der herkömmlichen Erklärung der Entstehung von Sand (Erosion und anschließendem Abrollen) ist das für mich nicht erklärbar. Gibt es noch andere Formen der Entstehung von Sand?
Gruß Helmi

smoeller:
Hallo,

Es handelt sich um Strandseifen. Das sind lokale Anreicherungen von Mineralen höherer Dichte (> 3,2 g/cm3) (Schwermineralen). Diese Minerale waren Bestandteil des normalen Sandes, verhalten sich aber infolge der hohen Dichte anders als Quarzkörner. Sie werden durch die Strömungen halt anders bewegt.

Glück Auf!
Smoeller

Helmi:
Hallo,
ich dachte da eher an thermische Ursachen wie das Erstarren einer Schmelze oder an extrem starken Druck bei dem das Ausgangsmaterial durch Reibungshitze schmilzt und anschließend rekristallisiert. Die Körner sind mir für Erosion und Abrollen zu rein.
Anbei ein Bild von der Fundstelle.

berthold:
Hallo,


--- Zitat ---Die Körner sind mir für Erosion und Abrollen zu rein
--- Ende Zitat ---

nein, die reinsten und besten Mineralkörner (Edelsteine) kommen in Seifen vor.  ;)

Gruß
Berthold

triassammler:
Hallo Helmi!


--- Zitat ---ich dachte da eher an thermische Ursachen wie das Erstarren einer Schmelze oder an extrem starken Druck bei dem das Ausgangsmaterial durch Reibungshitze schmilzt und anschließend rekristallisiert.
--- Ende Zitat ---
In Kühlungsborn aber ganz bestimmt nicht...

Speziell bei Sanden der Ost- (und auch Nordsee) spielt die glaziale Herkunft eine Rolle. Der Sand entstand/entsteht hier nur in verschwindend geringer Menge durch Erosion von Festgesteinen im Küstenbereich; der weit überwiegende Teil stammt aus quartären Moränen und Sandern und wurde aus Skandinavien und vom Grund der heutigen Ostsee antransportiert. Der glaziale Transport wiederum stellt nur den letzten Zerkleinerungsprozess dar... Ausgangsmaterialien der Geschiebe waren zu einem bedeutenden Teil bereits reife paläozoische bis frühmesozoische  Sandsteine der ehemaligen sedimentären Decke Skandinaviens. Und diese wiederum gehen nicht selten auf die Erosion altpaläozoischer und proterozoischer Sandsteine und Konglomerate zurück.
Viele der Komponenten des Ostseesandes haben also bereits mehrere Phasen von Erosion, Zerkleinerung und Frachtsonderung hinter sich. Darüber hinaus weisen die meisten Schwerminerale eine geringere Härte als Quarz auf, was ihre Zerkleinerung in Relation zum Quarz begünstigt.

Die von Dir geschilderten "Eindruckstellen anderer Körner" (Drucklösungserscheinungen) sind ebenfalls gut erklärbar, wenn man davon ausgeht, dass die Körner vor der endgültigen Erosion in einem Sandsteinpaket zusammengepresst waren.


--- Zitat ---Viele Körner sind kristallin miteinander verschmolzen
--- Ende Zitat ---
Dafür könnte man Sammelrekristallisation während der Diagenese verantwortlich machen.

Es ist eine verbreitete Fehlannahme, dass der Sand der Ostsee in Gänze oder zumindest überwiegend direkt auf das "Abkratzen" von kristallinem skandinavischem Grundgebirge durch die eiszeitlichen Gletscher zurückgeht. Tatsächlich wurde das skandinavische Grundgebirge, relativ betrachtet, dadurch kaum in Mitleidenschaft gezogen, aber großflächig mächtige - und viel weniger widerständige - Sedimentdecken abgehobelt.
Es gibt Schätzungen, nach denen während des Quartärs durchschnittlich bis zu 200 m Sedimente, aber nur 10 bis max. 20 m Kristallin abgetragen wurden. Das proterozoische und paläozoische Grundgebirge war nämlich bereits vor dem Quartär so stark eingerumpft, dass nicht mehr viel da war, an dem die Gletscher hätten ansetzen können.

Gruß,
Triassammler

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