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Pflanzenfunde in der Oberen Süßwassermolasse des Alpenvorlandes
Bullifan:
Hallo
heute ein kleiner Bericht aus der Molasse des Alpenvorlandes. Im Gebiet östlich von Augsburg gibt es eine größere Anzahl
von Sandgruben. Diese Sande überdecken die Ablagerungen der Oberen Süßwassermolasse als jüngstes Glied der
Molasseablagerungen. Beim Sandabbau werden diese Ablagerungen freigelegt und wenn man Glück hat, erfährt man
rechtzeitig davon. Und wenn man noch mehr Glück hat bekommt man die Erlaubnis sich dort austoben zu dürfen.
Obere Süßwassermolasse Tertiär, Miozän, Ottnang bis Pannon 18 bis 8 Mio
Zur Zeit der Oberen Süßwassermolasse muß man sich die jetzige Voralpenlandschaft als artenreiche Sumpfwälder mit einer
Unzahl an Wasserläufen aller Größen, Sümpfen, Mooren und Altwasser vorstellen. Die Flora hat sich zu heute schwer
unterschieden. Hier wuchsen Sumpfzypressen und Wasserfichten und jede Menge laubabwerfende Bäume. Hier lebten
Krokodile, Zwerghirsche, Mastodonten und Dinotherien. Das Klima war warm gemäßigt.
In den trockeneren Bereichen wuchsen immergrüne Lobeerwälder. Vergleichbar mit der heutigen Vegetation im Mittelmeerraum
oder Teneriffa.
Und deshalb ist es spannend hier zu suchen, denn man weiß nie, was zum Vorschein kommt. Vom Fund des Schädels eines
Urelefanten bis zum Pflanzenhäksel ist alles möglich. Wenigstens theoretisch.
Praktisch sind die meisten Funde pflanzlicher Natur. Häufig sind auch noch Schnecken und Muscheln. Alles andere reines Glück.
Die fundträchtigen Schichten zeigen sich als grauer oder blaugrauer Mergel. Verschiedentlich aber auch als fester
Süßwasserkalk. In diesem Falle sind beide Vorkommen vertreten. Über die Ablagerungsbedingungen möchte ich hier nichts
sagen, da ich davon nichts verstehe. Außer, daß es sich hier wahrscheinlich um einen brackischen Ablagerungsraum handelte,
da die Schichten sehr lehmig sind.
Bild 1: Zeigt den Aufschluß linksseitig. Ganz links außen herrscht der blanke Lehm vor. In der Mitte dagegen eine Wand aus relativ
festen Kalksteinen.
Bild 2: Aufschluß rechtsseitig. Je weiter man nach rechts kommt, desto mergeliger wird der Untergrund. Hier konnte ich in etwa
halber Höhe eine etwa 20cm dicke Bank mit inkohltem Pflanzenhäksel finden.
Bild 3: Aus dieser "Häkselschicht" stammen diese Grasreste. Wie man sieht, sind sie hauchdünn. Nur die schnelle Anwendung von
verdünnten Ponal verhinderte das Zerfallen.
Bild 4: Auch hier ein Grasrest. Die inkohlten Pflanzen zerfallen nach dem Trocknen sehr schnell zu Staub.
Bild 5: Auf brackischen Ursprung deutet das hohe Vorkommen von Wassernüssen hin. Diese Wassernüsse konnte ich sowohl in
den festeren Kalken als auch in den Mergelschichten finden.
Bild 6:Ebenfalls aus den Kalksteinen
Bild 7: In den mergeligen Partien, in diesem Fall Aufschluß rechtsseitig halbe Höhe, lagen die Wassernüsse als Kohlehäutchen vor.
Hier hilft ebenfalls schnell mit Ponalwasser übergießen.
Bild 8; Der einzige "tierische Fund". Die zerdrückte obere Hälfte einer Schnecke.
Leider werden die Sandgruben nach Nutzungsende wieder verfüllt. Aber ich hoffe, daß dies in diesem Fall noch wenigstens bis zum
nächsten Jahr dauert. Ich konnte leider nur dreimal suchen. Beim ersten Mal nix zum Verfestigen dabei, alle Funde zerfallen. Beim
zweiten Mal Ponalwasser dabei, aber nix gescheites gefunden. Erst beim dritten Besuch konnte ich die obigen, zugegebenermaßen
dürftigen Funde machen. Aber es ist noch nicht aller Tage Abend. In einer benachbarten Grube wurde schon mal der Schädel
eines Urelefanten gefunden. Muscheln sind häufiger, zerfallen aber bei einem scharfen Blick.
Meine Quellen: Erläuterungen zur Geologischen Karte von Bayern, Bayerisches Landesamt München
Bau und Werden der Allgäuer Landschaft, Herbert Scholz
Und nun Viel Spaß
Grüße von Reiner dem Bullifan
Bullifan:
Bild 3 und 4 und 5
Bullifan:
Bild 6,7 und 8
Geomaxx:
Hi Reiner
wie immer, Deinen Bericht mit Vergnügen gelesen, in der Gegend ist ja wirklich einiges geboten, wenngleich sich die Aufschlußverhältnisse rasend schnell ändern.
Die Wassernuss-Fruktifikationen sind wohl der Art Trapa heeri zuzuordnen, die seitlichen Fortsätze der Frucht stehen dabei eher waagrecht bis nur leicht nach oben geneigt ab, bei anderen Trapa-Arten, wie z.B. Trapa strausii sind die Arme steil aufwärts gerichtet. Zur Unterscheidung kannst auch das Verhältnis von Fruchthöhe zu Fruchtbreite hernehmen. Bei T. heeri schwankt das Verhältnis zwischen 0,9 und 1,7, bei T. strausii ist das Verhältnis 1,9, nie kleiner. Andere Trapa-Arten kommen meines Erachtens nicht in Frage (T. minuta, T. moravica; dazu T. natans erst im ausgehenden Pliozän).
die von Dir beschriebenen "Gräser" sind entweder Cyperaceen (Sauergräser wie z.B. Gattung Carex) oder aber auch zusammengeschwemmte Blattreste, es gibt da einige lanzettförmige Kandidaten unter den Salix-Arten (Weiden) wie z.B. Salix varians oder S. lavateri, S. angusta. Zudem gibt es schmalblättrige Daphnogene-Arten (D. lanceolata).
Weiterhin viele schöne Funde ...und natürlich Fundberichte!
Glück Auf!
GEOMAXX
Bullifan:
Hallo Max
erstmal Danke an den treuesten Leser meiner Berichte. Ich weiß, Du bist ein Tertiärfreak. Bei Interesse, die Fundstelle kann ich Dir
übermitteln. Ich habe jetzt in den Verkaufslisten von Leitfossil.de eine Abbildung von einer Wassernuß gefunden.
Unter der Bezeichnung Hemitrapa heissigii GREGOR
Gefunden 1982 von Dr. Gregor in Pfaffenzell. Diese Fundstelle bzw. diese Schicht gibts ja leider nicht mehr.
Ist das jetzt was anderes oder bloß eine andere Bezeichnung. Sieht jedenfalls für mich gleich aus.
Grüße aus Fürstenfeldbruck von Reiner dem Bullifan
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