Fossilien / Fossils / Fósiles > Stachelhäuter / Echinodermata (Seeigel, Seelilien, Schlangensterne, …)

Unbekannte Fossile auf Kalksteinbrocken / Crinoidenstiele, Kreide

<< < (2/3) > >>

Conny3:
Hallo,

Das sind Chelocrinus carnalli Stielstücke aus dem Schaumkalk (Trias- unterer Muschelkalk) oder Encrinus lilliformis aus dem oberen Muschelkalk (Trochitenkalk). Die leicht violette Färbung der aus Kalzit bestehenden Seelilienteile ist dem Farbstoff "Fringelit" zuzuschreiben.

Ganz ähnliche Teile sind auf meiner Seite zu sehen.

Gruß Conny

triassammler:
Hallo!


--- Zitat ---Sind die kleinen Segmente `verquarzt´?
--- Ende Zitat ---
Wie Conny richtig bemerkt, sind sie calcitisiert, also in Calcit umgewandelt. Das geht bei Seelilien (und Stachelhäuterhartteilen allgemein) auf eine recht interessante Weise vonstatten: Die lebenden Tiere erzeugen ihre Segmente (bei Seelilien: Stiel-, Armglieder; bei Seeigeln: Gehäuseplatten; usw.) aus einem Calcit-Gitterwerk, das quasi pro Segment aus jeweils einem einzigen "Kristall" besteht, also aus einer kristallographisch orientierten Anwachsung von weiterem Kalk (im Gegensatz zu der ungeordneten Kalkanlagerung z. B. von Muschelschalen). Nach dem Tod des Tiers wirkt das Segment im Sediment bzw. Gestein als Keim für das Wachstum eines Calcit-Einkristalls, wobei die Löcher des Gitterwerks von dem wachsenden Kristall aufgefüllt werden (im Mikroskop aber noch sichtbar sind). Das Segment verliert dadurch seine Porosität und nimmt eine dichte, kristalline Struktur an.
Der Prozess ist nicht ganz einfach zu erklären, weil chemisch und physikalisch recht komplex.

Übrigens hat dieses Verfahren der Stachelhäuter, jedes Segment als Skelett eines Einkristalls zu erzeugen, auch einen Sinn: Jeder "Kristall" ist mit seinen kristallographischen Achsen gegenüber den Nachbarsegmenten leicht verschoben; damit wird verhindert, dass die Segmente zusammenwachsen - Stachelhäuter häuten sich nicht und sind darauf angewiesen, dass sie entlang der Trennfugen zwischen den Segmenten neuen Kalk anlagern können, um permanentes Wachstum zu gewährleisten.
Aus dem gleichen Grund tendieren Stachelhäuterfossilien auch dazu, entlang der Segmentgrenzen auseinanderzufallen, wenn sie nicht innig mit ihrer Gesteinsmatrix verbunden sind. Die Grenzen der Segmente werden nämlich auch bei der Sekundärkristallisation nach der Einbettung des toten Tiers eingehalten und die Segmente werden deswegen nicht fest miteinander verbunden - die unterschiedlich orientierten Einkristalle können nicht besonders stabil miteinander verwachsen.

Gruß,
Triassammler

triassammler:
Ach, noch was:
@Conny: Worauf gründest Du Deine Bestimmung? Ich sehe zuerst mal nur Crinoidenstielglieder, nicht mal die Endflächen mit dem charakteristischen Muster sind sichtbar. Es könnte auch Millericrinus aus dem Oberjura sein, oder eine paläozoische Crinoidenart... so ziemlich alles eben, was runde Stielglieder produziert.

Hat jemand eine Info, welchen Alters die Schichten an dem genannten Fundort sind?

Gruß,
Triassammler

Conny3:
Hallo,

nun ja nur aus der reinen Anschauung. Könnte natürlich auch ein anderes Zeitalter sein. Violette Stiele habe ich allerdings bisher nur aus dem Schaumkalk gesehen. Ich habe fast identisch ähliche Stücke aus dem Steinbruch bei Obermöllern. Ist hier im Forum schon beschrieben.

Gruß Conny

triassammler:
Hallo Conny,

die Fringeliterhaltung kommt in so ziemlich jeder kalkigen Crinoidenlagerstätte vor, die nicht von Formationswasser ausgewaschen wurde. Oft wird die Fringelitfärbung durch diagenetische anorganische Imprägnationen überprägt und ist dann nicht mehr erkennbar. Viel vom Fringelit geht aber auch verloren, wenn man zur Präparation KOH einsetzt, was den Farbstoff zerstört. Der Calcit der Stielglieder ist zu porös, um das KOH nicht eindringen zu lassen.

Seit ich Seelilien aus dem Muschelkalk nur noch durch Sandstrahlen präpariere, zeigt fast jede aus einigermaßen frischem Material geborgene Krone an den Armen Reihenmuster aus dunklen Punkten, die einen Teil des ursprünglichen Farbmusters der Tiere darstellen. Seelilien von den gleichen Fundstellen, die ich blöderweise zuvor mit KOH präpariert habe, zeigen diese Muster durchweg nicht mehr und sind im Gegensatz zu den gestrahlten deutlich bleicher. Diese Erhaltungsart ist also durchaus gängig und wird erst durch Verwitterung und unsachgemäße Präparation zerstört.

Für seine Seelilien mit Fringelit bekannt ist auch der Mittel-/Oberjurasteinbruch Liesberg im schweizerischen Solothurn. Ich habe von dort tieflila gefärbte, massive Wurzelstöcke, an denen damals im Aufschluss kein Mangel herrschte.
Andererseits sind die Crinoiden des süddeutschen Oberjuras durchweg weiß gebleicht. Dies hat vermutlich mit der hohen Porosität des Gesteins zu tun, die es Grund- und Formationswasser ermöglicht hat, einzudringen und den Farbstoff über längere Zeiträume auszuwaschen bzw. zu zersetzen.

Fringeliterhaltung ist also eher eine Frage der Lagerstätte und des Erhaltungszustands als der erdgeschichtlichen Altersstellung oder bestimmter Crinoidengattungen.

Gruß,
Triassammler

Navigation

[0] Themen-Index

[#] Nächste Seite

[*] Vorherige Sete

Zur normalen Ansicht wechseln