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Achate Marokkos - wem gehören die eigentlich?

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DonMineral:

Hallo Achat Freunde,

Midelt und die ganze Region wird seit den Franzosen und danach immer wieder von anderen ausgebeutet. Alle machen Geschäfte auf Kosten der Menschen hier, aber die Gewinne fließen in andere Länder. Das ist alles ungeheuerlich und nicht mehr zu akzeptieren. Ich lebe hier seit 7 Jahren und sehe die Dinge eben anders.
Die Nomaden sammeln die  Achat und wissen dann nicht weiter. Wenn man eine ganze Tonne kauft sind die Knollen sehr günstig.  Im Handel kostet dann bei den Händlern eine geschnittene und polierte Hälfte 20€ oder mehr. Das steht alles in keinem Verhältnis und man muss sich fragen, ... wem gehören die Achate hier in Marokko eigentlich?.

Man könnte das alles günstiger aufziehen,  und an die Sammler anbieten, wenn man hier schneiden und schleifen würde, die überflüssigen Transporte von schlechtem Material, was man erst nach dem Schneiden erkennt, kann man so vermeidenden.
Die Schweizer schleifen im Land, die Deutschen auch, die Brasilianer und Argentinier auch, überall bleibt ein grosser Teil der Gewinne im Land und verschafft den Menschen im Land denen die Bodenschätze gehören auch Arbeitsplätze und Einkommen in der Verarbeitung des Produktes bis es fertig ist  ..warum nicht auch in Marokko ?

Das ist alles kein seriöses Geschäftsgebahren mit den Marokkanern.
In meinem Bestreben nach einem Fair Trade im Mineralienhandel mit Marokko und den Menschen hier, bin ich bestrebt hier eine Mineralien und Achatschleiferei aufzubauen.
Ich suche nette Menschen die ähnlich denken und mir dabei helfen ...

Wenn ich dann hier erfolgreich schleife brauche ich natürlich auch Vertriebswege und werde an die Sammler verkaufen und da brauche ich natürlich noch Hilfe bis das mal läuft.

Ich wende mich daher an die Sammler die selbst schleifen und die deutschen Achat Spezialisten,  mir bei dem Aufbau einer Achatscheleiferei in Midelt zu helfen mit Tat und Wissen und Kontakten zur Seite zu stehen.
Es muss doch möglich sein das in einem oder 2 Jahren auf die Reihe zu bekommen und fachgerecht zu können oder Leute hier einzuarbeiten die das mit den entsprechenden Maschienen schaffen.. Sie bearbeiten ja auch den Gips und in Erfoud die Fossilien und machen Waschbecken und Schalen daraus, .
Sie bearbeiten die anderen Mineralien zu Eiern und Kugeln hier, sie können das also.

In Midelt liegen 4 Tonnen Achate aus herum, weiteres Material bei den Nomaden in Sidiy Ayat, wenn man ihnen beibringt die Knollen achtsam zu behandeln werden sie das auch tun und man bekommt gute Qualität.

Ich will nicht den Samariter spielen und sagen dass ich nichts verdienen will, falls mich wieder jemand angreifen sollte, ich muss hier auch leben und meine Projekte über Wasser haltem, aber ich habe in meinen Jahren schon einigen Menschen eine Arbeit und Existenz ermöglichen können und es macht Freude zu sehen wie es ihnen etwas besser geht.., aber ich möchte einen gross Teil der  Gewinne dann hier in die Farmprojekte stecken  und auch für die Kinder der  Nomaden Arbeitsplätze schaffen in der Verarbeitung der Bodenschätze, das macht doch SINN.
Denn ich bin der Meinung die Achate gehören den Nomaden hier, und die sollen einen größeren Anteil daran haben, das ist gerecht und kommt auch den Sammlern zugute.
Im Okt-November will ich dann selbst nach Deutschland fahren auf Messen um  auch die Achate an die sammler direkt zu verkaufen.
Icxh will auch hier Exkursionen für Sammler veranstalten und das selbst sammeln anbieten..

Also, wenn  jemand  eine Möglichkeit sieht  mir zu helfen und zur Seite zu stehen würde ich mich sehr freuen und wir sollten das mal hier ausgiebig diskutieren..
Vielleicht kann man eine Interessengruppe bilden mit ein paar Freunden--Achate schleifen in Marokko.. da könnte man dann auch Kurse abhalten für andere deutsche Sammler die selbst schleifen wollen oder die keine Maschienen haben die könnten dann hier mit den Berbern schleifen..

Bis bald in der Hoffnung auf eine nette positive und gutgemeinte Ratschläge.

euer Don Ronaldo in Midelt

schleifer:
Hall Don Ronaldo
Das klingt alles sehr schön. Das ganze hat allerdings wieder einen Nachteil für die Schleifereien die sich in Deutschland befinden und von ihrer Arbeit auch leben müssen. Sicherlich wirst du keinen Professionellen finden, der bereit ist die in langen Jahren erlernten Kenntnisse so ohne weiteres auf die Schnelle weiterzugeben.
Des weiteren bezüglich Einkauf und Verkauf. Einkauf 500kg, davon zu deutsch 60% Schrott, weil alles mit in die Lieferung fliegt.
Liegt mein Einkauf schon mehr als doppelt so hoch. Schneiden, schleifen, polieren, Strom, Schleifscheibenabnutzung, Schleifmittel, Polierscheiben, Poliermittel (Spitzenpoliermittel liegt bei 150.- € kg).+ Arbeitszeit ergibt den Endpreis ohne Verdienst. Bleibt also im Endeffkt bei 3.- € /kg/Achat und 20.- € Verkaufspreis für den Schleifer selbst so gut wie nichts hängen. Normale Handwerkskalkulation. Ich weis nicht ob man in Marokko noch billiger produzieren kann, ohne den Leuten einen Hungerlohn zahlen zu müssen. Meine bisherigen Lieferanten aus Marokko waren immer sehr zufrieden mit den abgewickelten Geschäften. Fair Trade !
Gruß Robert

Ralf:
Irgendwie kommt mir das alles sehr bekannt vor.

Kann es sein, dass Du entweder vor einiger Zeit hier unter einem anderen Account schon mal sowas angerissen, oder mich direkt kontaktiert hast ?

Damals wie heute scheint mir da sehr viel Wunschdenken und heiße Luft hinter zu stecken.

Aber egal, ich will mir nochmal die Mühe machen und versuchen es Dir zu erklären.
Robert hat ja schon ein paar Eckpunkte angerissen.

Wenn ich in der Vergangenheit Rohmaterial aus Marokko gekauft habe, so hatte das nicht selten max. 20 & vielversprechende Qualität. Will heißen, weitgehend unbeschädigte Knollen, die einen Sägeversuch rechtfertigen. Davon waren wieder max. 10 % schleifwürdig. Das bedeutet in diesem Fall, dass man eine gesägte und geschliffene Hälfte mit Gewinn verkaufen kann. Der Rest ist rissig, mit großem Quarzzentrum oder schlicht weg unattraktiv.
Ich weiß nicht wievielen Marokkanischen Händlern ich unverletzte Mandeln unter die Nase gehalten habe um ihnen zu erklären wie gutes Material aussehen muss. Vergeblich.
Weiter. Wenn Rohmaterial kommt, dann stammt es meist aus Asni, Tizi´n Tischka oder Zaer Zaiane ( Schreibfehler bitte ich zu entschuldigen ). Damit kann ich Dich totschmeißen. Der MArkt ist mit diesem Material derart gesättigt, dass nur noch außergewöhnliche und absolute Top-Spitzenstücke mit Gewinn zu verkaufen sind. Davon aber kommen von diesen Fundstellen auf 100 Kg grade mal 1.
In den USA stand ich vor zwei Jahren vor tonnen von Achaten aus Asni. Auch da wirst Du das Zeugs nicht los.
Was bitte willst Du in Marokko schleifen lassen ? Und wem willst Du das verkaufen ?

Ähnlich wie es Dir schon bei den Mineralien gesagt wurde, liegt hier der Knackpunkt ganz woanders.

Schwing die Hufe und entdecke neue Fundstellen. Das ist es, was der Markt will. Von Jaspisen in Schmuckqualität oder versteinertem Holz mal ganz zu schweigen.

Anstatt also zu versuchen ausgelutschtes in Marokko nachzumachen, lass Die mal was Neues einfallen.
Du hockst doch förmlich drauf.

Und nochwas zu den Ratschlägen, wie man eine Schleiferei aufbaut.

Mal ganz Klartext geredet.

Glaubst Du allen ernstes, ich oder ein anderer gewerblicher Schleifer hätte jahrelang herumexperimentiert, tausende Euro in Maschinen und Material investiert, hunderte Versuche gestartet, das richtige Kühlmittel oder Poliermittel zu finden, um dieses Wissen mal eben nach Marokko zu verschenken. Und dann damit zu leben, dass dort günstiger produziert wird als hier ????

Da geb ich Dir den Rat, es so zu machen wie die Schleifer hier in Deutschland. Grundwissen aneignen und dann ausprobieren und durch Versuch und Irrtum professionell werden.
Das Grundwissen kannst Du Dir hier im Forum zusammenlesen, da gibt es genügend Themen aus denen Du lernen kannst, wie man einen Achat in zwei Hälften sägt und halbwegs gut schleift und poliert. Das musst Du dann nur so verfeinern, dass sich eine gewerbliche Verarbeitung rentiert.

Wenn Du irgendwann mal gutes neues Material ( Achat, Jaspis oder Holz ) gefunden hast, wirst Du ganz sicher keine Absatzprobleme haben. Und wenn doch, schreib mich an.

Sorry für die klaren Worte.

Ralf:
Ich hab mich übrigens richtig erinnert Don Ronaldo, ähh Don Mineral

http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php?action=profile;u=11672

triassammler:
Hallo!

Grundsätzlich begrüße ich Ansätze, nicht nur die Ausbeutung von Bodenschätzen den Einwohnern eines Landes zu überlassen, sondern auch deren Veredelung bzw. Weiterverarbeitung. Die mir bisher bekannten Beispiele im Mineralien- und Fossiliensektor lassen dabei aber fast durchweg im Ergebnis zu wünschen übrig: Triebfeder ist immer, mit einem Minimum an Aufwand ein Maximum an Gewinn zu erzielen bzw. die Kosten der Verarbeitung (und damit die Sorgfalt) so niedrig zu halten, dass große Mengen mit möglichst konkurrenzfähigen Preisen produziert werden. Das bedeutet: Meistens kaputtpolierte Ammoniten und unsachgemäß geschliffene Hölzer aus Madagaskar, zu Tode gedremelte und "verschönerte" Fossilien aus China und eben die allseits berüchtigten Fossilfälschungen aus Marokko.
Sofern diese Arbeiten sachgemäß im Herkunftsland ausgeführt werden würden, wären die Preise selbst bei Direktexport ähnlich hoch, als würde das Rohmaterial erst z. B. Deutschland aufwändig bearbeitet. Maschinen, Verbrauchsmaterial etc. von hohem technischem Standard, der zu auch bei uns akzeptablen Ergebnissen führt, kosten global etwa gleich viel. Der einzige Faktor, der zu Einsparungen führen kann, ist der Arbeitslohn. Aber genau das soll beim Ziel Entwicklungshilfe ja nicht der Fall sein!

Wenn ich Ralfs Rechnung richtig verstehe, sind max. 2% der Achate marktfähig, der Rest ist naturbedingt Ausschuss? Und diese 2% kosten dann 20,- €?
Dann ist Dein Grundgedanke, DonMineral, lediglich eine Methode, ein Problem zu verlagern: Nämlich das des Ausschusses. Statt 98% nicht brauchbares Material unverarbeitet zu - stückzahlmäßig betrachtet - Niedrigstpreisen zu exportieren, regst Du an, durch die Verarbeitung vor Ort diesen Ausschuss gleich im Land zu lassen und nur die brauchbaren 2% der Fundmenge zu exportieren. Die Kosten für den Ausschuss (die Einheimischen wollen ja für ihr gesamtes Sammelgut bezahlt werden, und auch der spätere Ausschuss will ja auch erst mal aufgesägt werden!) musst Du aber auf diese 2% umlegen. Für sich genommen erzielst Du damit zwar für jeden tatsächlich exportierten Achat einen deutlich höheren Einzelpreis, aber die Exportmenge an sich sinkt gewaltig. Unterm Strich bleibt alles beim Alten.
Das ist zugegeben recht grob über den Daumen gepeilt (und berücksichtigt keine Fracht- und Zwischenhändlerkosten), erteilt aber der Vorstellung, dass sich mit  Deiner Idee plötzlich die von Sammlern ausgegebenen Beträge vom deutschen Markt direkt nach Marokko umleiten und dort in voller Höhe und vor allem vor Ort für die Verbesserung der Lebensumstände einsetzen lassen, eine klare Absage. Nach Bezahlung von Maschinen, Ersatzteilen und Verbrauchsmaterial (dieses Geld geht wiederum überwiegend an nicht-marokkanische Hersteller) bleibt höchstens ein geringer Lohn für die Einheimischen. Großartige Projekte lassen sich damit sicher nicht realisieren.


--- Zitat ---Vielleicht kann man eine Interessengruppe bilden mit ein paar Freunden--Achate schleifen in Marokko.. da könnte man dann auch Kurse abhalten für andere deutsche Sammler die selbst schleifen wollen oder die keine Maschienen haben die könnten dann hier mit den Berbern schleifen..
--- Ende Zitat ---

Wer seine heimischen Funde schleifen will (habe ich das richtig verstanden?), reist sicherlich nicht damit nach Marokko, weil dort günstige Schleifkurse angeboten werden. Allein die Frachtkosten...  ::)

Dann kann ich mir nicht vorstellen, dass es viele Achatfreunde gibt, die die Reisekosten auf sich nehmen, plus die Kosten für Unterkunft und Verpflegung, um die 2% verwertbarer Achate zu suchen und dann auch noch vor Ort zu schleifen - der Preis für ein Einzelstück wird damit ja... absurd! Das machen höchstens eingefleischte Liebhaber, die einmal im Leben ihr eigenes Stück am Ursprungsort sammeln wollen. Und wie viele davon gibt es? Lässt sich darauf ein tragfähiges Geotourismusgewerbe gründen?  ???

Ähnliche Konzepte gibt es bereits für Studien- und Sammelreisen. Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie ausgesprochen teuer und nur für bestimmtes Klientel bezahlbar sind. Dies ist aber weniger das Klientel, das mit Eseln und einem Kanister in die Wüste zum Selbersuchen reiten will. Hier wollen Jeeps, einigermaßen komfortable Unterkünfte, standardgemäße Verpflegung und ein Rahmenprogramm geboten sein! Und die Zeitdauer der Reise... Wie lange dauert es, wenigstens einen guten Achat zu finden? Wenn man als Einzelperson Wochen mit der Suche verbringen muss, um nur ein gutes Stück zu finden, ist das sicherlich nicht attraktiv. Bei Sammelreisen werden gezielt nur Fundorte angefahren, die gute Funde in kurzer Zeit garantieren. Alles andere ist nicht realistisch, wer hat schon die Zeit dazu?

Kann Geotourismus als solcher überhaupt als Grundlage für den wirtschaftlichen Aufschwung einer Region dienen? Meiner Ansicht nach nein - dafür ist das Marktsegment viel zu unbedeutend.

Wie Ralf so treffend bemerkt: Neuartige Funde aus Marokko sind gefragt, für die der Markt bereit ist, tiefer in die Tasche zu greifen. Dann lassen sich solche Funde schon ab Herkunftsland zu höheren Preisen verkaufen.
Ich persönlich warte noch immer darauf, auf Börsen mal die erwiesenermaßen in Marokko zu findenden Trias-Ammoniten zu sehen (keine Spur davon bisher). Und bitte nicht geschliffen oder vermackt oder brachial aus der Matrix gebrochen. Da würde bei mir der Geldbeutel aufgehen - für ein unpräpariertes Stück sogar noch großzügiger!

Um die Frage des Threads zu beantworten:

--- Zitat ---Achate Marokkos - wem gehören die eigentlich?
--- Ende Zitat ---
Den Marokkanern. Und es ist ihre Sache, zu welchen Preisen sie sie verkaufen. Danach haben sie keinerlei Recht mehr, sich darüber zu beschweren, was im Rest der Welt mit diesen Achaten gemacht wird und zu welchen Preisen sie dort gehandelt werden. Wenn höhere Preise im Herkunftsland erzielt werden sollen, muss man ab Quelle teurer verkaufen. Wenn dadurch die Nachfrage und damit die Umsätze sinken, zeigt das, dass man kein gefragtes bzw. konkurrenzfähiges Produkt liefert, marktwirtschaftlich gesprochen. Und darum scheint es ja hier zu gehen.

Gruß,
Triassammler

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