Servus,
FT-MIR (4000 - 400 1/cm) ist eine sehr vielseitig anwendbare Analysen-Methode mit sehr hohem Informationsgehalt und daher hervorragend geeignet um:
(1) das Vorhandensein bzw. Fehlen bestimmter funktioneller IR-aktiver Gruppen in einer Mineralprobe schnell und eindeutig zu erfassen (ohne Vergleichsspektren).
z.B. OH, Si-O, Sulfat, Phosphat, Carbonat, Borat, Arsenat, Carbonat etc.
So lassen sich oft sek. Cu-Minerale unterscheiden bzw. ausschliessen: Brochantit < --- > Malachit.
(2) ein Mineral (kein Gemisch) direkt durch Spektrenvergleich zu identifizieren (mit Vergleichsspektrum und einiger Erfahrung).
aber:
IR-Strahlung regt nur bestimmte (IR-aktive) Molekuelschwingungen an - generell und etwas vereinfacht gesagt sind IR-aktive Schwingungen im Raman-Spektrum nicht oder nur sehr schwach beobachtbar und umgekehrt - daher sind Raman- und IR-Spektroskopie komplementaere Methoden.
Einen Anatas oder Brookit per IR eindeutig identifizieren zu wollen, ist beispielsweise nicht moeglich, dafuer benutzt man besser Raman.
Viele Erzminerale (bzw. allgemein Minerale mit "Metallglanz) sind fuer Transmissionsmessungen (ATR, KBr-Pressling) wenig geeignet.
(3) Probenvorbereitung:
Ein Golden Gate ATR ist natuerlich wunderbar, da es die Probenvorbereitung sehr vereinfacht (Zerkleinern im Moerser oder einer Achatmuehle). Fuer (1) hervorragend geeignet. Ich bin mir allerdings nicht sicher, inwieweit ATR-Vergleichspektren fuer Minerale verfuegbar sind.
Fuer wirklich aussagekraeftige FT-MIR-Spektren ziehe ich persoenlich allerdings KBr-Presslinge vor - nur diese erlauben durch praezise Einwaagen vergleichbare Messergebnisse mit vergleichbaren Intensitaeten. Der Nachteil ist die relativ zeitaufwendige Probenvorbereitung.
Zusammenfassend wuerde ich sagen, Du hast Zugriff auf eine Methode, die bei der Mineral-Identikation sehr hilfreich sein kann, aber auch hier gilt: ohne Fleiss - kein Preis

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Probier' mal und lass' hoeren - bin gespannt auf Deine Erfahrungen !
GA
Harald
P.S.:
@ smoeller: Probenkonzentrationen von 5 mg Probe in 95 mg KBr erscheinen mir extrem hoch. Als Faustregel gilt etwa 1 - 1.5 mg/120 mg KBr fuer einen Pressling mit 13 mm Durchmesser. Sollte die Transmission dann immer noch sehr niedrig sein, kann man die Proben-Konzentration noch herabsetzen. Reflektions-Messungen machen nur bei Proben mit leicht anregbaren Elektronen ("Metallglanz") Sinn.