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Gold und Flussspat

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berthold:
Hallo,

im Rahmen einer historischen Arbeit ist die Frage aufgetreten ob

a) Flussspat-Zuschlag beim schmelzen von Gold den Schmelzpunkt senkt
b) wenn ja, ob man das ggf. in Goldschmiede-Werkstätten macht/gemacht hat
c) wenn ja, ob es denkbar/belegt ist, dass man das schon um 1500 gemacht hätte.

Vielen Dank für jeden Hinweis.

Gruß
Berthold

Krizu:
Hallo,

http://www.seilnacht.com/Lexikon/09Fluor.htm
kennst du mit Sicherheit. Da da der gute alte Agricola erwähnt ist mit 1529 erscheint das Standard damals gewesen zu sein.
Die Frage ist, ob CaF2 bei Gold Sinn macht, oder bei den Erzen. Wenn der Goldklumpen da ist, brauchst du doch kaum Flussmittel (ausser bei niedrigen Goldgehalten)?!

Es senkt den Schmelzpunkt der Schlacken, aber vom Gold?!
Das System SiO2 und CaF2 hat ein Eutektikum von ca 1230°C bis 1240°C.
Und Quarz scheint die Hauptgangart von Gold zu sein, oder?
Diese Temperaturen sind im Rennofen meines Wissens fast normal.

Frank

berthold:
Hallo Frank,

vielen Dank für die Infos. Es dreht sich um einen Bericht über eine Goldschmiede um 1500 (also nicht um die Goldgewinnung).

Ich denke aber, dass bei der Goldgewinnung selbst kein Flussspat eingesetz wurde. Wozu auch. Üblicherweise wurde gewaschen (oder gepacht und gewaschen). Dann kam Quecksilber zum Einsatz (schon von den Römern wurde das gemacht). Also Quarz über die Schmelze abtrennen dürfte kaum notwendig gewesen sein.

Mit ist bekannt dass man auch heute in den Goldschmieden Mittel einsetzt die den Schmelzpunkt von Gold senken. Nur, ob das auch mit Fluorit geht - und ob das gemacht wurde  - das ist die Frage.

Gruß
Berthold

minuwe:
Hallo,

Zitat aus Synopsis der Mineralogie und Geognosie 1875:
--- Zitat ---Technische Verwendung: Der Fußspath wird hauptsächlich als ein das Schmelzen von Silber-, Kupfer- und Eisenerzen befördender Zuschlag  (also als Schmelzmittel), ferner als Zusatz zu Lasuren und Emaillen, z. B. des Porcellans und der Thongeschirre, endlich zur Darstellung der - für die Ätzung des Glases so wichtigen - Flußsäure benutzt...
--- Ende Zitat ---

Von Gold wird hier komischerweise nicht gesprochen. Auch in der weiteren Literatur nur Hinweise auf Flussmittel bei der Metallschmelung, Schlackeschmelze, in Gießereien.
Kann mir aber vorstellen, dass es besonders bei Metallen mit hohem Schmelzpunkt wie Gold Sinn macht, da filigrane Güsse dann wegen verzögerter Erstarrung besser gelingen.  ???

Uwe

Gerdchen:
Hallo,

Schmelzmittel werden in der Goldschmiede eigentlich nur beim Legieren oder beim Schmelzen von Legierungen eingesetzt. Für reines Gold und Silber ist ein Schmelzmittel nicht notwendig. Außnahme: schmelzen von Staubgold. Hier wird Salpeter und Borax beigemischt, da bei einem "trockenen" Schmelzen eventuell gasgefüllte Hohlräumchen entstehen könnten und das Schmelzergebnis dann brüchig werden würde.

Beim Schmelzen von Legierungen werden verschiedene Schmelzmittel eingesetzt. Zum einen reduzierende - zum anderen oxidierende Schmelzmittel (je nach Einsatzart). In der Regel handelt es sich um Salze. Allerdings wird heute kein Fluorit als Schmelzmittel eingesetzt.

Auch in den Berichten von Cellini und Presbyter (beides Goldschmiede des Mittelalters) habe ich keinen Hinweis auf Fluorit gefunden. In der Regel wurde Borax verwendet.

Auch be früheren Kulturen kann ich keinen Hinweis auf Fluorit als Schmelzmittel für Gold finden.

Beim Gießen von filigranen Stücken macht es ebenfall keinen Sinn da auch hier Legierungen eingesetzt werden und hierfür gibt es ander Schmelzmittel. Um ein Ausfließen der Form zu gewährleisten wird die Gießtemperatur erhöht (die Zähigkeit des Materials wird so verändert).

Gruß
Gerdchen

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