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Negativausguss oder doch Holz?

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triassammler:

--- Zitat von: Druide am 20 May 09, 23:06 ---Ob die Steibrucharbeiter wissen was sie da "verschreddern"?

--- Ende Zitat ---

Wahrscheinlich nicht. Sie haben auch nicht die Zeit, sich jeden einzelnen Brocken genau anzusehen, der da auf dem Sprenghaufen liegt. In Steinbrüchen, wo etwas wertvollere Stücke gefunden werden, wissen die Arbeiter i. d. R. über diese Bescheid und achten auch darauf. Ihr Interesse daran ist aber eher... monetärer Natur. So ein nicht verkieseltes Stück versteinerten Holzes gibt in der Hinsicht nichts her.

Gruß,
Triassammler

Druide:
Hallo,

es beschäftigt mich noch eine Frage.

Wie auf Seite 1 zu sehen ist
Bild Krieger_017.jpg 
das "Holz" hat eine beachtliche Länge
Bild Krieger 003.jpg und Seite 2 Bild Krieger_074.jpg
ist zu sehen das der Kern aus Sandstein besteht.
Die letzten Bilder
Krieger holz_26a-24c
erkennbar das Quarz noch bis in die letzte Ritze der "Rinde" zu finden ist.
Ich kann  mir einfach noch nicht vorstellen wie das Holz gegen den Sand ausgetauscht wurde.

Ist es möglich mir das mit wenigen Worten zu erklären?

Danke für mögliche Antworten

Gruß Maria

caliastos:
eigentlich ganz einfach. schon mal vergammelndes holz gesehen oder holz im wasser?

du hast ne biomasse die abgestorben ist. sagen wir einen hohlen holzstamm, der ins wasser fällt, sich vollsaugt und absinkt. das wasser spült den sand nach und nach in das holzinnere hinein. das holz mag derweil weiter vor sich hingammeln, quillt etwas auf, wird weich und biegsam. nachher wird's wieder zusammengepresst. und schon ist alles in voller sand.

Druide:
Hallo caliastos,

danke für deine Antwort.

bei einem hohlen Baumstamm kann ich mir das ja vorstellen.......

Na ja vielleicht war es ja mal ein Schachtelhalm....der war doch hohl oder nicht?
Gruß Maria

triassammler:
Hallo Maria!


--- Zitat von: Druide am 20 Jun 09, 20:03 ---Na ja vielleicht war es ja mal ein Schachtelhalm....der war doch hohl oder nicht?

--- Ende Zitat ---

Das Problem der Erhaltungszustände von Schachtelhalmen füllt eigene Bücher... Kurz gesagt besteht eine Schachtelhalmachse aus verschiedenen Schichten mit unterschiedlichen Gewebestrukturen; diese sind einerseits unterschiedlich stark anfällig für Verwesung und andererseits unterschiedlich strukturiert. Je nachdem, welche Zersetzungs- und Versteinerungsprozesse ein Schachtelhalmrest durchlaufen hat, kann er ganz unterschiedliche Oberflächenstrukturen aufweisen. Darauf hat man sogar unterschiedliche Arten und Gattungen gegründet (sog. Parataxa). Es gibt nur selten Funde, bei denen alle möglichen Erhaltungsarten gleichzeitig an einem Stück vorkommen, so dass man die Parataxa auf eine einzige echte Pflanzenart zurückführen und die Parataxa für ungültig erklären kann.
Häufig sind bei Schachtelhalmen in der Tat sog. Markhohlraumsteinkerne, weil das weiche Mark am schnellsten vergeht und der entstehende Hohlraum mit Sediment aufgefüllt wird. Diesem Steinkern kann später bei der Kompaktion aber noch das Negativ des Abdrucks der Außenseite der Achse aufgeprägt werden, womit es komplizierter wird. Ebenfalls recht häufig kommt es auch vor, dass der Schachtelhalmrest komplett vergeht und nur ein Hohlraum bzw. dessen Sedimentausguss mit dem Abdruck der Außenseite übrig bleibt.

Generell kann man aber sagen, dass sich Schachtelhalm- von Baumresten (in diesem Fall immer auf den Stamm bzw. die Achse bezogen, Beblätterung und Fruktifikationen lassen wir mal aussen vor) immer deutlich durch die Gewebeart unterscheiden. Fossile Schachtelhalme weisen im verwitterten Zustand keine faserartig anmutende Struktur auf. Auch asymmetrische Astabgänge oder das Fehlen von Nodien ist immer ein Hinweis, dass es sich nicht um einen Schachtelhalm handelt.

Bei dem Versuch, einen fossilen Stamm- bzw. Achsenrest zu interpretieren und einer bestimmten Pflanzengruppe zuzuordnen, sollte man, wie caliastos treffend bemerkt, auch eigene Beobachtungen im Wald machen und biologische Faktoren (Gewebearten, Wuchsform) von taphonomischen (selektive Zerstörung oder Erhaltung bestimmter Gewebetypen, zeit-, klima-, orts- oder diagenesebedingte Erhaltungszustände) voneinander trennen.
Rezent ist zu beobachten, dass tote Stämme bevorzugt von innen heraus verfaulen. Im Innern herrscht eine gleichbleibende Feuchtigkeit und (durch die biologischen Zersetzungsprozesse) Temperatur, während diese beiden Faktoren im äußeren Bereich des Stamms schwanken. Ergo läuft die Zersetzung unter optimalen Bedingungen besonders schnell im Innern ab. So kommen hohle Stämme zustande. Einerseits kann dies die Fossilisierung begünstigen (beschädigte Zellwände erlauben z. B. eine schnellere und umfassendere Verkieselung oder anderweitige Ersetzungsprozesse), andererseits auch verhindern (indem eben alles spurlos vergeht). So gibt es den Fall, dass von einem bspw. 30 cm durchmessenden Stamm nur ein bleistiftdünner mineralisierter Stab (der Kern) übrig bleibt, oder andersherum, wie bei Deinem Fund, nur das Äußere noch vorhanden ist.

Gruß,
Triassammler

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