Hallo,
Museum: Ankauf durch ein Museu ist heutzutage schwierig. Viele Museen haben kaum noch Geld (heute muss sich ja alles entweder selbst tragen und damit wirtschaftlich rechnen oder mit geringen staatlichen Geldern auskommen), da wird gerade bei den mineralogischen Abteilungen gekürzt. Leider sind historische Sammlungen oder aber Dinos interessanter als irgendwelche Vitrinen mit Sammlungsstücken (es sei denn, man hat natürlich sehr interessante Fossilien oder sehr gute, bunte und glitzernde große Stücke). Der Schauwert einer Stufe mit seltenen Erzmineralien ist nicht so hoch, da kann das Stück noch so selten sein. Wenn ein Museum, dann am ehesten mal bei einer Universität (die großen Sammlungen in D sind Freiberg in Sachsen und Clausthal-Zellerfeld im Harz). Da bekommst du nicht viel dafür, aber dort wird die Sammlung am ehesten genutzt, sei es zu Forschungszwecken oder für die Ausbildung der Studenten, sei es als Ausstellungs- oder zumindest Belegstücke, ein Teil kann auch zur Beschaffung neuer, seltener Minerale über den Tauschweg gebraucht werden. Es ist Illusion, dass eine Sammlung von irgendeinem Institut/Museum ganz übernommen wird (es sei denn, der Sammler ist weltberühmt oder es sind alles absolute Topstücke). Dann gibt es auch regionale Museen, z.B. das Mineralienmuseum in Oberwolfach im Schwarzwald, die suchen auch immer wieder Stücke im Ankauf. Dazu müsste man aber die Sammlung in regionale Lots aufteilen (siehe drittnächster Abschnitt). Es sollte sich für ein Museum um gute, zumindest aber ordentliche Belegqualität handeln. An hundert Derberzstücken hat niemand Interesse, höchstens für Lehrzwecke an Universitäten (dann aber nur geschenkt oder zumindest fast geschenkt).
Händler: Die schlechteste Idee, zumindest, wenn man nicht erfahren im Verkauf von Mineralien ist. Händler kaufen zwar manchmal ganze Sammlungen, doch zumeist weit unter dem Wert, den man mit Einzelverkäufen bei Sammlern erzielen könnte. Händler suchen meist Sammlungen im mittleren bis oberen Bereich, reine Hobbysammlungen ohne herausragende Exponate fallen meist aus dem Raster heraus. Grundsätzlich zahlen angloamerikanische Händler bei guten und besten Stücken mit die höchsten Preise.
Sammler: Auch hier am Besten aufteilen (siehe nächster Abschnitt). Sammler zahlen je nach Interessengebiet und Seltenheit, Attraktivität und Einkommen manchmal die besten Preise, aber nie die Katze im Sack (zumindest nicht fortgeschrittene Sammler). Europäische Stücke, wenn gut ausgebildet und reich besetzt sowie attraktiv, erzielen in den USA die höchsten Preise, Belegstücke verkaufen sich dagegen in der Region, von wo das Stück stammt (zumindest in Mitteleuropa) besser (hier sitzen die Lokal- und Regionalsammler), allerdings für wenig Geld.
Aufteilung: Am sinnvollsten bei einem Verkauf ist die Aufteilung in Lots oder Pakete. Dabei kann man sich eine Einteilung nach Ländern vorstellen (z.B. D, A, CH, Rumänien, GUS etc.), dann evtl. bei vielen Stücken (z.B. aus D) noch nach Fundgebieten (Bundesländer oder Gebirge). Oder man stellt thematische Sammlungen (Zwillinge, Calcite, Zeolithe etc.) zusammen, auch Mischformen (Calcit Deutschland, Fluorit USA o.ä.) ist denkbar. Damit sprichst du gezielt Personen an, die Fachleute auf einem Gebiet sind, sie zahlen häufig mehr als diejenigen, die alles suchen.
Sehr gute/herausragende Stücke besser einzeln anbieten!
Wo anbieten? Am Besten direkt Kontakt mit den Kustoden der Institute aufnehmen, dabei entweder (bei Kontakt per Mail) einige sehr gute/interessante (objektiv, nicht für den Verkäufer) Stücke erwähnen, noch keine Fotos und Preise beifügen. Im Internet Ausschau nach Seiten von Händlern halten, gegebenenfalls an geeigneten Stellen nach Adressen fragen, auch hier und bei mindat.org die Sponsorenlinks anschauen.Wenn der potentielle Käufer Interesse bekundet, eine Reihe von Fotos (wirklich gut, nichts verschwommenes oder extrem kleines) per Mail zusenden. Am sinnvollsten ist natürlich ein persönliches Treffen. Aber in jedem Fall zuvor per Telefon/Mail vereinbaren, auch der zuvorkommenste Kustode oder Händler kann ablehnend werden, wenn man seine Zeit unnötig in Anspruch nimmt. Wenn möglich, die Stücke vorher schätzen (jeder erfahrene Sammler oder Händler kann zumindest Anhaltspunkte geben, aber keine Gutachten!), dies nur als Verhandlungsbasis nutzen, nicht auf dem Preis bestehen. Nicht die Einkaufspreise zusammenrechnen! Das ist meist mehr als der Wert, den du bekommst (es sei denn, es sind sehr gute Stücke erloschener und gefragter Fundorte (z. B. 5 cm Azurit unbeschädigt von Tsumeb/Namibia)). Da sind dann auch Preissteigerungen drin, ansonsten kannst du froh sein, wenn du zumindest einen Teil des Kaufpreises wieder rausholst.
Auktionsplattformen im Internet (eBay!) sind meist keine gute Idee. Hohe Gebüren, Risiken, evtl. sogar erforderliche Anmeldung als gewerblicher Verkäufer, da bleibt dann unterm Strich meist nicht viel. Zudem: Wer wirklich Gebote haben will, muss meist zu 1 Euro Startpreis anbieten, oft bleibt der Betrag selbst bei guten Stücken im unteren Bereich (1-20 Euro). Wirklich hohe Gebote erzielen nur gesuchte (und unbeschädigte) Raritäten.
Die Zeiten, in denen Sammler, Institute und Museen riesige Sammlungen weltweiter Fundstellen anlegten, dürften vorbei sein. Der Trend geht hin zu Spezialisierung und regionalem Schwerpunkt. Grund: Platz, Geld, Zeit.
Glück Auf!
Smoeller