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Autor Thema: Biegsamkeit von Antimonit  (Gelesen 6314 mal)

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Offline guefz

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Biegsamkeit von Antimonit
« am: 13 Sep 09, 17:46 »
Hallo,

wie biegsam ist eigentlich Antimonit? Ab welcher Stärke der Kristalle ist eher mit Bruch als mit Verbiegung zu rechnen? Inwieweit könnte dieses Merkmal bei der Abgrenzung zu Bournonit dienlich sein?

Günter

Offline smoeller

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Antw:Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #1 am: 13 Sep 09, 20:28 »
Hallo,

Antimonit ist gut biegsam, allerdings aber auch spaltbar. Nadelige xx aus dem Schwarzwald sind häufig bei der Öffnung der Drusen regelrecht verbogen ("kink bending"). Dazu kommt bei dickeren xx eine ausgeprägte Spaltbarkeit in Längsrichtung. Eine Streifung senkrecht zur Längserstreckung ist oft bei sehr dicken xx auf Spaltflächen erkennbar.

Bournonit hat einen muscheligen Bruch, eher gedrungene Formen (keine Nadeln) und einen lackartigen Metallglanz.

Glück Auf!
Smoeller

Offline guefz

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Antw:Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #2 am: 13 Sep 09, 21:10 »
Hallo,

konkret geht es um ein Stück aus der Grube Apollo. Die Kristalle sehen deutlich anders aus als die üblichen Bournonite von dort (keine Zahnstangen-Muster). Sie scheinen aus vielen parallel verwachsenen Individuen zu bestehen (keine einheitliche Endfläche, starke Riefung auf der Längsseite). Also im kleinen eher nadelig, in der Summe eher kurz und dick mit ausgefranstem Ende. Käme da auch noch Meneghenit in Frage?

Das Foto ist auf die Schnelle leider nicht so gut geworden...

Günter

Offline guefz

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Antw:Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #3 am: 13 Sep 09, 22:02 »
Nochmal ein Detailfoto...

Günter

Offline smoeller

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Antw:Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #4 am: 13 Sep 09, 22:19 »
Hallo,

Bournonit. Die Bruchflächen zeigen den typischen firnißartigen Glanz, den Bournonit oder Polybasit-Tac (ist es ganz sicher nicht), aufweisen. Antimonit zeigt den nicht.

Glück Auf!
Smoeller

Offline guefz

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Antw:Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #5 am: 13 Sep 09, 22:27 »
Hallo,

scheidet Meneghenit aus dem gleichen Grund aus?

Günter

Offline Erik

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Antw:Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #6 am: 14 Sep 09, 00:02 »
konkret geht es um ein Stück aus der Grube Apollo. Die Kristalle sehen deutlich anders aus als die üblichen Bournonite von dort (keine Zahnstangen-Muster).
Solche Kristalle kommen dort vor allem im Randbereich der Erzgänge vor. Ich habe sie als Bournonit bestimmt, da ein paar wenige Kristalle doch die typische Rädelerz-Formen zeigen. Nur nicht so ausgeprägt, bzw. weniger auffallend.

Ich frage mich nur, warum die Bournonite aus dem Salbandbereich so merkwürdig ausgebildet sind.  Können das Auflösungsstrukturen sein?

Gruß, Erik

Offline guefz

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Antw:Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #7 am: 14 Sep 09, 10:25 »
Hallo,

ich habe jetzt mal ein wenig in dieser Arbeit geblättert:

Zitat
Wagner, T., and Cook, N.J. (1997): Mineral reactions in sulphide systems as indicators of evolving fluid geochemistry; a case study from the Apollo Mine, Siegerland, FRG. Mineralogical Magazine 61, 573-590

Dort sind zwei Reaktionen beschrieben, mit denen während der hydrothermalen Aktivität Bournonit entstanden ist. Einmal aus Chalkopyrit über die Zwischenstufe Tetraedrit und zum anderen aus Galenit über die Zwischenstufe Meneghenit. Wenn man jetzt mal davon ausgeht, dass beide heute beobachteten Kristall-Ausbildungen Bournonit sind, wäre es dann möglich, dass diese Unterschiede auf die unterschiedlichen hydrothermalen Reaktionen zurückzuführen sind? Eventuell nicht vollständige Umwandlung im Randbereich?

bis denn

Günter

Offline Haspelknecht

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Antw:Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #8 am: 15 Sep 09, 08:19 »
Hallo!
Nach Wagner (1999) bildet Meneghinit subparallel verwachsene prismatisch gestreckte Kristalle, die er in Schliffen an der Randzone von älterem Galenit festgestellt hat. Man könnte sich den Meneghinit also als eingewachsene, etwas dickere Nadelkristalle vorstellen. Natürlich ist es denkbar, dass diese Kristalle auch frei ausgebildet in Hohlräumen vorkommen. Eine Bestimmung dieses Mineral allein mit dem Auge dürfte nicht möglich sein. Die (häufigeren) Minerale Antimonit und Boulangerit sind zu ähnlich.
Ich halte die abgebildeten Kristalle eindeutig für Bournonit. Wenn man dennoch skeptisch ist, dann muss man sie analysieren lassen.
Viele Grüße und Glück-Auf!
Markus

Offline Erik

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Antw:Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #9 am: 08 Feb 10, 15:32 »
...und wie ist das mit diesem Stück? Bournonit? Oder doch nicht? Ich bin mir manchmal echt unsicher, da sich diese Kristalle völlig von den "normalen" Bournoniten von diesem Fundort unterscheiden.
Wenn Bournonit, wie kommt es zu dieser merkwürdigen Ausbildung? Der x ist nicht kaputt, auch wenn es so aussieht...

Gruß, Erik

Deutschland/Rheinland-Pfalz/Neuwied, Kreis/Puderbach/Raubach/Grube Apollo
Biegsamkeit von Antimonit



Offline Erzsucher

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Re: Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #10 am: 24 Jan 14, 20:46 »
Hallo,

ich würde diese Thema gern noch mal aufnehmen.

Anfang der 90er habe ich in der Apollo untertage einige wenige -stufen mit schwarzen nadeligen XX gefunden, die teilweise zu subparrallelen Aggregaten bis 4 mm verwachsen sind. Boulangerit als typischer grauschwarzer Filz und gebogenen XX kommt als Begleiter vor. Die Matrix ist der typische Siderit. Die XX unterscheiden sich sehr deutlich von dem ebenfalls, aber nicht in direkter Nähe vorkommenden Bournonit (der in der Tat neben den typischen Rädelerzformen auch ein paar recht ungewöhnliche Formen zeigt).
Nach Sichtung aller zugänglichen Fotos im Atlas und bei Mindat scheint Meneghinit die mit Abstand wahrscheinlichste Möglichkeit zu sein.

Wie seht Ihr das?

Gruß
Erzsucher

Das X-Aggregat auf den Fotos hat eine Länge von ca. 4 mm

Offline Erzsucher

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Re: Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #11 am: 24 Jan 14, 20:49 »
Und hier noch ein flach auf-/eingewachsenes X-Aggregat. Die Bildhöhe beträgt ca. 10 mm.

Gruß
Erzsucher

Offline smoeller

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Re: Biegsamkeit von Antimonit
« Antwort #12 am: 25 Jan 14, 08:59 »
Hallo,

Meneghinit ist sicher nur per Analyse bestimmbar. Es gibt zu viele ähnliche Minerale.

Glück Auf!
Sebastian

 

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