Gesteine / Rocks / Rocas > Deutschland / Germany
Bestimmung Kalkstein
traubensaft:
So genau wollte ich es gar nicht wissen ::). Leider ist die Erklärung für mich eher unverständlich.
Naja also meine Steine stammen alle aus dem selben Aufschluss im Steinbruch Vohenbronn bei Schelklingen (google earth koordinaten: 48°21'25.58"N 9°46'6.52"E). Den ersten Stein habe ich dort in einer der Oberen Schichten gefunden. Die anderen beiden kommen aus Schichten die drunter liegen. In dem ersten sind eben sehr viele Fossilien (bestimmt habe ich die nicht) aber deshalb habe ich auf Massenkalk getippt. Ich muss das ganze jetzt nicht in Untereinheiten ein ordnen.
Vielleicht könnt ihr ja aus dem Fundort und dem Gestein schlüsse ziehen.
Weiter habe ich noch eine Frage zu einem anderen Steinbruch bei Steinweiler Nattheim (Heidenheim) (die Beschreibung der LUBW lautet):
Die nährere Umgebung von Nattheim ist überwiegend von den gebankten Kalken des Weißjura ζ (zeta = griech. z) geologisch geprägt. Bei dem Jura-Gestein aus den Steinweiler Steinbrüchen handelt es sich um eine ganz besondere Variante. Hier sind die abgelagerten Weißjura-Kalke reich an marinen Kieselschwamm-Skeletten (Spongin), die teilweise sowohl in ihrer ursprünglichen Zusammensetzung teilweise aber auch in umgewandelter Form (Calcit) anstehen. Die als Zwischenkalke bezeichneten Einlagerungen verleihen dem Steinweiler Gestein ein besonderes Aussehen sowie besondere strukturelle Eigenschaften.
"Eine ganz besondere Variante", leider konnte ich nicht feststellen aus was die bestehen soll. Die LUBW konnte mir dazu keine Auskunft geben. Ich füge mal noch die Koordinaten an für Google Earth 48°44'11.26"N 10°16'0.79"E. Was sehr schön zu sehen ist, ist das das Gestein unten dickbandig und nach oben hin immer dünbandiger wird. Wäre schön, wenn jemand den Steinbruch kennt, das er mir das erklären kann.
triassammler:
Hallo Benjamin,
das Steinbruchrevier in Steinweiler erschließt überwiegend Zementmergel (hier als lithofazieller Begriff), die wegen ihrer plattigen Absonderung auffallen; im Ort Steinweiler selbst sind/waren Schuppen und Ställe zu sehen (ich war seit 5 Jahren nicht mehr dort), deren Dächer mit dem Material gedeckt wurden - dieser eher lausige Ersatz für Dachschindeln aus Moselschiefer war wohl der Armut der Albbevölkerung im vorletzten Jahrhundert geschuldet und entspricht der Verwendung von Solnhofener Plattenkalk für den gleichen Zweck im Altmühltalgebiet.
Da das Gelände NSG ist und das Betreten des großen Steinbruchs nicht erlaubt ist, kenne ich das Anstehende sozusagen nur vom Reinschauen. In der Tat sind im unteren Bereich massigere Bänke zu sehen, die nach oben hin in die dünnplattigen Zementmergel übergehen.
Ich denke, auf was die zitierte Beschreibung hinaus will ist, dass dass erwähnte Gestein durch die eingelagerten Schwammfetzen eine optisch abwechslungsreiche Struktur aufweist und die kieseligen und calcitischen Reste für eine besondere Zähigkeit des Gesteins sorgen, im Gegensatz zu dem üblichen Bröselgefüge, das Schwammkalke sonst aufweisen. Angeschliffen dürfte das in etwa so aussehen wie "Treuchtlinger Marmor" (ebenfalls stark verschwammte Kalke von der Frankenalb).
Etwas "ganz besonderes" ist das natürlich sicherlich nur für Geologen ;D
Gruß,
Rainer
Geomaxx:
Hi Benjamin
tschuldigung für den harten Tobak...
Du meinst Steinbruch Vohenbronnen der Heidelberger Zement, gell?
Dann ist die Sache vergleichsweise einfach, ich melde mich im Laufe des Abends nochmal mit weiteren, kurz-und-knappen Erläuterungen. Versprochen.
Glück Auf!
GEOMAXX
Geomaxx:
Hi
im Steinbruch Hohenbronnen stehen im westlichen Bereich des Steinbruches, unschwer im Gelände zu erkennen, die Massenkalke der Oberen Massenkalk-Formation mit typischen Riffbildnern, zum Teil schöne Riffdetritus-Kalke, fossilreich (Steinbruchteil "Wiedehalde". Die Massenkalke verzahnen sich mit Ablagerungen der Zementmergel-Formation, die im Aufschluß als im frischen Anbruch bläulichgraue, im verwitterten Zustand gelbbraune Kalkmergel (durch Oxidation von im Sediment fein verteilten Eisenverbindungen). Die Zementmergel, in denen Ammoniten mit spärlicher Begleitfauna aus dem Kimmeridgium (vgl. mein posting) zu finden sind, bilden die Basis für die Rohstoffgewinnung im Steinbruchbetrieb. Zum Hangenden hin (im Steinbruch oben) bilden den Abschluß wohlgeschichtete Kalke der Hangenden Bankkalkk-Formation, in denen schon Leitformen aus dem Tithon zu finden sind.
Im Steinbruch Vohenbronnen sind aber auch die Sedimente der Tertiären Unteren Süßwassermolasse und der Brackwassermolasse aufgeschlossen, und zwar im östlichen Teil des "Hühnerberges".
Dein erstes Kalksteinhandstück dürfte aus dem Bereich der Oberen Massenkalk-Formation stammen.
Das zweite Handstück ist dem Augenschein nach der Zementmergel-Formation zuzuordnen. Das dritte Handstück ist derzeit lediglich als gleichkörniger Kalkstein zu klassifizieren und nur dann exakt altersmäßig einzustufen, wenn man die Höhenlage und die räumliche Beziehung zu den mächtigen Zementmergeln kennt. Denn, wie im vorangegangenen posting erläutert, gibt es innerhalb der Zementmergel-Formation bereits zwischengeschaltete Kalkbänke, die jedoch nicht an allen Stellen des früheren Ablagerungsraumes zur Ausbildung kamen (je nachdem wie die Ablagerungsbedingungen und die Tendenz zur Kalkausfällung oder zur Ablagerung von Trübestoffen im Meeresgebiet waren).
Zum Steinbruchgebiet Steinweiler kann ich Dir auch weiterhelfen, ichmuss nur alte Unterlagen einer Tagungs-exkursion rauskramen.Das kann erfahrungsgemäß dauern...
Hoffe, diesmal kannst Du was mit meinen Erklärungen anfangen
Glück Auf!
GEOMAXX
traubensaft:
Vielen Dank für die Erklärung.
Diesmal war es sehr gut verständlich. Das ist gut dann kann ich die Steine schon aureichend zuordnen denke ich. Ich habe ehrlich gesagt die ganzen Schichten in den Aufschlüssen nicht so genau angeschaut (also daraufhin wo die Unterschiede sind). Da muss ich mal genauer darauf achten. Vielen Dank für die vielen Infos
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