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Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln

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Collector:

P.S. Eine ganz herrliche Landschaft übrigens, speziell bei Sonnenauf- und Untergang, so richtig was zum Meditieren über Gott, das Leben und die Welt.

Hi Thomas

also meditieren unter so ner Kugel ?
Ich habe auf der Ameib  immer ein ganz komisches Gefühl, unter so einem Monster zu stehen - es könnte ja jede Minute umfallen oder sich ein Krustenfragment von mehreren Tonnen lösen.   Ich finde die Kugeln viel schöner, wenn man 50 m davon entfernt ist. ;D

Gruß
Peter

Stefan:
Unter:
http://www.mineralienatlas.de/lexikon/index.php/Thailand/S%C3%BCdthailand/Phangnga,%20Provinz/Andamanensee/Similan-Inseln

gibts noch ein paar dieser Beispiele ...
Geologische Rätsel 2 : Das Rätsel der Granitkugeln

aca:
Hallo,

... lieber doch noch etwas Senf dazu.

Der Grund für die Kugelbildung ist eigentlich ganz einfach.
In situ-Verwitterung wurde ja schon gesagt. Aber solche Kugeln würde es in unserem feuchten Klima nie geben, auch wenn man einen Zaun um einen Pluton macht und 1 Millionen Jahre wartet.

Und umgekehrt: Wollsackverwitterung gibt es in Namibia nicht (weigstens nicht in der Wüste).
Denn die hat mit der tiefgründigen Vergrusung (chemische Verwitterung) von Granit entlang der natürlichen Klüftung zu tun, wie sehr schön im Lexikon erklärt.

Das erste Foto (Nordost-Erongo) zeigt sehr schön: Die Kugeln liegen auf massivem, nicht auf zerklüftetem Granit. Bei Wollsackverwitterung sähe der Berg anders aus, komplett zerklüftet (siehe Lexikon).
Die Verwitterung findet also vorwiegend oberflächlich statt.

Die Kugeln bilden sich, weil die Teile des Felsens, die im Schatten liegen, länger feucht bleiben als die von der Sonne beschienene Oberseite der Felsen. Wie "bei uns" setzt die chemische Verwitterung entlang vorhandener Klüfte ein. Wenn die Kluft dann geweitet ist, erodiert bevorzugt der beschattete Fels (Oberseite der Spalte). So wird der Fels langsam rundherum von unten freigelegt.

Der gleiche Mechanismus ist für die gelegentlichen Höhlenbildungen im Granit verantwortlich: das zweite Foto zeigt die Phillips Cave, Farm Ameib.
Sobald irgendwo eine Stufe im Fels ist, in der sich Feuchtigkeit sammelt, frisst sich die Erosion in den Felsen ein.

Die isolierten Felsen stehen oft auf einem Sockel, weil sich 1. bei Regen im Bereich unmittelbar um den Felsen mehr Feuchtigkeit sammelt (nämlich zusätzlich das, was vom Felsen runtertropft) und 2. der Bereich beschattet ist (=mehr Verwitterung). Deshalb wird der Bereich um einen Felsen "abgesenkt".


Gruss
Amir

Collector:

--- Zitat von: aca am 18 Oct 09, 23:59 ---Aber solche Kugeln würde es in unserem feuchten Klima nie geben, auch wenn man einen Zaun um einen Pluton macht und 1 Millionen Jahre wartet.

Und umgekehrt: Wollsackverwitterung gibt es in Namibia nicht (weigstens nicht in der Wüste).
Denn die hat mit der tiefgründigen Vergrusung (chemische Verwitterung) von Granit entlang der natürlichen Klüftung zu tun, wie sehr schön im Lexikon erklärt.


--- Ende Zitat ---

Hallo aca

recht spät die Antwort, hängt damit zusammen, dass ich erst jetzt zur neuen Bearbeitung des Themas Verwitterung komme; die alte Lexikon-Version hat ausgedient.

Danke für Deine übermittelten Gedanken, aber das siehst Du einiges (nicht alles) nicht so ganz richtig.
Grundsätzlich, ob Bull's Party, Wackelsteine, Blockverwitterung etc. - diese runden Blöcke sind allesamt Resultat von sogenannten Wollsackverwitterungen; dafür gibts im Englischen kein passendes Synonym, meist werden die Brocken dann einfach als Boulders = Blöcke bezeichnet.
Insofern wäre es passender, im Deutschen dann Blockverwitterung anstelle Wollsackverwitterung zu sagen, wobei wir dem Thema näherkommen.

Ein zweites Problem, auch der Grund, warum die bestehende Lexikonseite "Verwitterung" von mir ersetzt wird, ist der sehr lockere und meist unzutreffende Umgang mit den Begriffen Verwitterung und Erosion, besonders bei Fachgeologen (sowohl deutsche als auch international), die den Unterschied eigentlich kennen sollten.
Wollsackverwitterung ist eine in-situ chemische Verwitterung und  keine Erosion, auch keine Denudation. Und wollsackverwitterte Granitfelsen erodieren nicht, sondern werden am ursprünglich kantigen Block von den Klüften her nach innen zersetzt, wobei sich konzentrische Schalen (Rinden) bilden und letztendlich gerundete wollsackähnliche Formen enstehen. Diese sind nicht immer so spektakulär wie die großen Kugeln, auch die schönen Felsenmeer im Odenwald und im Böhmerwald bestehen aus  Wollsäcken.

Dass es in feuchtem Klima keine Kugeln gibt, stimmt nicht. Die schönsten und größten, viel schöner als auf der Ameib, liegen im tropisch-schwülen Indien, sowohl 10 m am Strand vor dem indischen Ozean sowie im klebrig-feuchten Landesinneren. Und sehr schöne sind auch allgemein bekannt von den Seychellen, Burma, Thailand und den Philippinen. Natürlich gibts auch Kugeln und runde Blöcke an vielen feuchten Orten in Europa, besonders an der Atlantikküste von Cornwall, England und Irland.

Dass es in Naimbia in der Wüste keine Wollsackverwitterung gibt, ist ebenfalls unrichtig. Schau Dir mal Bilder von der Giant' s Party bei Keetmanshop an - die tollsten Wollsäcke in der südlichen Namib-Wüste. Auch die fantastischen Granitkugeln und riesigen runden Blöcke der beiden Spitzkoppe-Inselberge, mitten in der Wüste, sind nichts anderes als Wollsackverwitterungen.

Gruß
collector

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