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Autor Thema: Foitit-Schörl aus den Erongobergen  (Gelesen 6981 mal)

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Offline Aurora borealis

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Foitit-Schörl aus den Erongobergen
« am: 24 Feb 10, 08:33 »
Hallo liebe Mineralienfreunde

ich habe gelesen,das sich herausgestellt
hat,das es sich bei  Schwarze Turmaline vom Erongo eigentlich um
natriumarme und etwas Manganhaltige Foitite handelt.

Auch Strukturanalysen welche am Naturhystorischen Museum Wien untersucht wurden,zeigen eine Mischung
beider Turmalinarten,wobei der Foitit in Masse überwiegt.

Nun bitte nicht erschrecken!
Vielen tausende Sammlungen die als Schörl beschriftet wurden sind genau genommen
nicht korrekt.
Genau genommen müßten die Schörl Turmaline als Foitit-Schörl Mischkristalle in der Sammlung aufgeführt sein.

Was haltet Ihr davon? ;)

Gruß
Udo
« Letzte Änderung: 26 Mar 17, 13:42 von oliverOliver »

Offline Uwe Kolitsch

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Antw:Foitit-Schörl aus den Erongobergen
« Antwort #1 am: 24 Feb 10, 10:16 »
"...das es sich bei  Schwarze Turmaline vom Erongo eigentlich um natriumarme und etwas Manganhaltige Foitite handelt."

"Auch Strukturanalysen welche am Naturhystorischen Museum Wien untersucht wurden,zeigen eine Mischung beider Turmalinarten,wobei der Foitit in Masse überwiegt."

Das ist nicht ganz richtig bzw. falsch. Foitit wurde zwar in rgendeiner Zeitschrift aus dem Erongo beschrieben bzw. vermutet (Kurznotiz in Lapis? Mineral. Rec.? wer kennt das Zitat? - in MDAT-COLL_TITEL ist zumindest nichts zu finden, auf die Chemical Abstracts-Literaturdatenbank habe ich gerade keinen Zugriff), aber m.W. nie durch quantitative chemische Analysen oder Strukturanalysen bestätigt.
Vermutete Foitite, die ich zur Analyse bekommen habe, haben sich durch Verfeinerung der Kristallstruktur alle als das Fluor-Analogon von Schörl erwiesen (insbesondere sind alle unmittelbar mit Fluorit verwachsenen schwarzen/dunklen Turmaline sehr nahe an der Endgliedzusammensetzung des Fluor-Analogons; Publikation in Vorbereitung).

Die Endergebnisse der IMA-Nomenklaturkommission zur Turmalingruppe sind m.W. eingereicht bzw. im Druck; dann wird das Fluor-Analogon vermutlich auch einen offiziellen Namen bekommen.

Uwe Kolitsch, Kurator am Naturhistorischen Museum
(Die Einkristall-Messungen führe ich übrigens am Institut für Mineralogie und Kristallographie der Uni Wien durch - hier am Museum haben wir leider kein Einkristalldiffraktometer.)

Offline Aurora borealis

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Antw:Foitit-Schörl aus den Erongobergen
« Antwort #2 am: 24 Feb 10, 10:31 »
Hallo
Leider ist es mir entfallen,wo bzw.in welcher Fachzeitschrift ich diesen Artikel gelesen habe.

Aber die "Quintessenz" wäre wohl klar,man sollte nicht alles sofort für bare Münze nehmen.

Vielen Dank für diese informative Antwort von forderster Front.

MFG
Udo

Offline berthold

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Antw:Foitit-Schörl aus den Erongobergen
« Antwort #3 am: 24 Feb 10, 14:32 »
Hallo,

als Quelle vermute ich den Aufsatz von Steffen Jahn und Rainer Bode in der Mineralien-Welt 6/2003.  Wobei das da ja NICHT so drinnen steht dass von Erongo alles Foitit wäre. 

Die bei mindat.org als Quelle  genannte Seite (www.prodg.cc/johnston/erongo.htm) existiert seit einigen Jahren (2005 ?) leider nicht mehr.

Zitat
Aber die "Quintessenz" wäre wohl klar,man sollte nicht alles sofort für bare Münze nehm.
Volle Zustimmung, "bare Münze" im wahrsten Sinne des Wortes  :-[. Mein Eindruck ist - gerade in Anbetracht der vielen "Foitit"-Angebote in ebay - dass vielfach der Wunsch der Vater des Gedankens war/ist..

Leider ist die Analytik in der Turmalingruppe wirklich nicht einfach und der Sammler ist den Angaben seines Händlers faktisch hilflos ausgeliefert.

Gruß
Berthold
« Letzte Änderung: 24 Feb 10, 15:57 von berthold »

Offline Aurora borealis

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Antw:Foitit-Schörl aus den Erongobergen
« Antwort #4 am: 24 Feb 10, 15:16 »
Hallo
Da hast du Recht.
Leider bin ich einer von den Buhmännern der teils Foitit/Schörl anbietet,aber ich sehe es als meine Pflicht,sofort zur Tat zu schreiten
und dieses umgehend zu ändern.
Ich habe mich da "blind"auf einen wohl sehr fragwürdigen Artikel verlassen.

Glücklicherweise habe ich vieleicht seitdem 3-4 Stücke verkauft und diese Kunden werde ich benachrichtigen
und um Absolution bitten :(
Gruß
Udo

Offline berthold

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Antw:Foitit-Schörl aus den Erongobergen
« Antwort #5 am: 24 Feb 10, 15:26 »
Hallo,

ups, sorry, ich wollte Dir nicht auf die Zehen treten.

Auf jeden Fall finde ich es sehr löblich wenn Du da einen Anfang machst und auf die Problematik hinweist.

Gruß
Berthold

Offline Aurora borealis

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Antw:Foitit-Schörl aus den Erongobergen
« Antwort #6 am: 24 Feb 10, 15:28 »
Kein Problem,ich kann die Wahrheit vertragen.

Bis dann muß etwas tun.

Udo

PS
 Nette Sammlung hast du da 8)

Offline Uwe Kolitsch

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Antw:Foitit-Schörl aus den Erongobergen
« Antwort #7 am: 24 Feb 10, 15:42 »
Hallo Berthold,
danke für das Zitat. Ich habe es mir gerade mal durchgelesen.

Jahn, St. & Bode, R. (2003): Mineralogische Neuigkeiten vom Erongo in Namibia (III). Mineralien-Welt 14 (6), 58-64.

S. 63: "Später sollen zumindest die hemimorphen Turmaline mit positivem und negativem ("ausgefransten") als der alkalidefizitäre "Foitit" identifiziert worden sein; entsprechende Veröffentlichungen fehlen bis heute."
[Anmerkung: Ja, hier fehlt ganz offensichtlich im Originaltext ein Wort nach 'negativem'.]

Auf S. 64 wird Pirajno, F. & Schlögl, H. U. (1987): The alteration-mineralization of the Krantzberg tungsten deposit, South West Africa/Namibia. South Afr. J. Geol. 90, 499-508.   
sinngemäß zitiert: Turmalinnester im Erongogranit haben Na2O-Gehalte von lediglich 1,6 bzw. 0,67 % Na2O. Nach dem Mineralien-Welt-Artikel bezeichnen Pirajno & Schlögl (1987) diese Turmaline als Schörl. Ob der F-Gehalt dieser Proben bestimmt wurde und wie genau die Werte mit welchen Methoden gemessen wurden, müßte man in der Originalliteratur nachlesen.

Auf S. 64 werden von G. Blaß durchgeführte standardlose EDS-Analysen an nicht angeschliffenen Proben erwähnt, die Na2O-Gehalte von "0,8 bis 1,7 Gew.%" ergaben.
Weitere Berechnungen von Jahn & Bode (2003) unter einigen Annahmen (die besser überhaupt nicht hätten zugrunde gelegt werden dürfen, da eine Herumrechnerei mit solchen standardlosen EDS-Analysen ziemlich sinnlos ist; außerdem ist der Fluor-Gehalt nicht bestimmbar) könnten "Na2O-Gehalte von 0,7% bis 1,4%" ergeben, was auf "Na0.25 bis Na0.53" pro Formeleinheit hinweisen könnte, also ein potentielles Vorhandensein von Foitit (Na<0.50).

S. 64 "Weiterhin erwiesen sich die Erongo-Turmaline als Fluor-frei und als sehr stark eisenhaltig, wohingegen der Aluminiumgehalt erstaunlich gering ist."
Sehr fragwürdiger Kommentar, da standardlose EDS-Analysen geringe Mengen von Fluor überhaupt nicht oder nur sehr ungenau messen können.

S. 64 "Die Z-Position dürfte neben Al fast zur Hälfte, zumindest aber zu einem großen Teil von Fe3+ besetzt sein."
Sehr fragwürdiger Kommentar, da auf der Z-Position selbst bei den Fe-reichsten Turmalinen aus solchen Pegmatiten der Fe-Gehalt nie mehr als ca. 5-10% erreichen kann (eine Povondrait-Komponente gibt es in solchem Material nicht).

In jedem Fall kann man sich dem Fazit von Jahn & Bode (2003) am Ende ihres Artikels anschließen, nämlich dass genaue Analysen und weitere Untersuchungen von Turmalinexperten an den Erongoturmalinen nötig sind.


Habe Beschwerden bez. der für Erongo hochgeladenen (wenigen) Foitit-Photos bei Mindat ausgeschickt und den Foitit aus dem Erongo mit einem Fragezeichen versehen.

Offline Uwe Kolitsch

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Antw:Foitit-Schörl aus den Erongobergen
« Antwort #8 am: 24 Feb 10, 15:56 »
Nachtrag:
www.prodg.cc/johnston/erongo.htm
war wahrscheinlich eine Website von:

Christopher L. Johnston
P.O. Box 354
Omaruru, Namibia
(Adresse laut Google)

meines Wissens ein Sammler und/oder Händler.

 

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