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Autor Thema: Ist das ein Bohnerzjaspis?  (Gelesen 13324 mal)

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Offline Donat

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Ist das ein Bohnerzjaspis?
« am: 23 Mar 10, 23:51 »
Hallo,
Dieses Stück hier, könnte das ein Bohnerzjaspis sein?
Gefunden in Arcen (NL)

Vielen Dank schon mal im Vorraus
Donat
Niederlande/Limburg, Provinz/Arcen
Ist das ein Bohnerzjaspis?


Offline Mark77

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #1 am: 24 Mar 10, 06:26 »
Hallo Donat,

du meinst ein Bohnerzjaspis/hornstein aus der Gegend von Auggen und Schliengen/Liel ?
Nee, dafür ist Arcen zu weit weg. Schon auf der Höhe von Karlsruhe finden sich nur noch Knollen im Bereich von 1 bis 2 cm und minderer Qualität. Auch die typisch feinkörnige Ausprägung fehlt hier.

Scheint mir aber nichts desto trotz ein durch Eisen gefärbter Feuerstein zu sein. ;)

Schöne Grüße,
Markus

Offline Schlacke

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #2 am: 24 Mar 10, 11:24 »
Hi,

Bohnerzjaspis ist an das Vorhandensein von Eisen gebunden. Braune Farbe = Anteile von Eisenhydroxid, rot = Anteile von Eisenoxid. Abb. ist ein typischer Bohnerzjaspis. Bekannteste Vorkommen sind in der Gegend von Schliel, Auggen (Ba-Wü)

Den in Kleinkems vorkommenden Jaspis-Bildungen fehlt der Eisenanteil, daher sind sie weiß/grau.

Der holl. Fundort müsste also im Bereich von eisenhaltigen Tonen liegen.

Über die Auggener Bohnerzjaspisbildungen gibt es auf www.gks-muellheim.de/attachments/023_bohnerzjaspis.pdf
interessante Hinweise
Kulturgeschichtlich empfelhenswert ist folgender Aufsatz: Kaiser, M.: Der Markgräfler Jaspis - Einblicke zur (unterschätzten) Kul- turgeschichte eines Feuersteins. in: Der Anschnitt, Beiheft 16: Mensch und Bergbau, Bochum/Bergbaumuseum: 2003, S. 215 - 225.

Glückauf !

Schlacke
« Letzte Änderung: 24 Mar 10, 11:35 von Schlacke »

Offline Mark77

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #3 am: 24 Mar 10, 11:42 »
Abb. ist ein typischer Bohnerzjaspis.

Entschuldige, aber das von Donat gezeigt Stück ist kein typischer Bohnerz"jaspis" sondern ein anderes Stück Feuerstein mit Eisenoxiden/-hydroxiden.
Das Grundmaterial aus Kleinkems ist ein sehr homogener feinkörniger Jurahornstein.
Das Material aus Auggen oder Schliengen/Liel ist demnach pigmentierter Jurahornstein (Bolus-Tone). Der Vergleich der Bilder zeigt, dass es sich nicht um das selbe Material handeln kann. In der Literaturangabe "Pasda, C. Das Magalénien in der Freiburger Bucht. Materialheft zur Archäologie Heft 25. Stuttgart 1994." findet sich auch der Hinweis auf das Material in Kiesgruben entlang des Rheines. Der Begriff Jaspis im Zusammenhang mit diesem Material ist hier eine Wortschöpfung auf Grund der historischen Nutzung der Steine als Halbedelsteine in der Schmuckherstellung.
Die Konkretionen vom Markgräfler Land sind einzigartig auf Grund der lokalen Geologie (Fazies des Rauracien).

Trotzdem ein recht schönes Stück, dessen rötliche Färbung wirklich auch an das Material aus dem Kreis Müllheim erinnert. :D

Schöne Grüße,
Markus
« Letzte Änderung: 24 Mar 10, 12:16 von Mark77 »

Offline trommeln

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #4 am: 24 Mar 10, 14:10 »
Ja, auch ich würde das Stück nicht im Gebiet des Bohnerzjaspis ansiedeln. Ich meine aber, ab Köln sowas am Rhein gesehen zu haben (habe Material aus einer Kiesgrube bekommen)

Offline Mark77

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #5 am: 24 Mar 10, 14:13 »
Ja, kann ich mir auch gut vorstellen.. Bohnerz- oder eisenhaltige Tone gibbet es ja bestimmt "überall".
allerdings finde ich das stück auch - wie schon geschrieben - sehr interessant und schön. Eine Bereicherung für den Atlas, m.E. ;)

Grüßle, Markus

Offline Donat

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #6 am: 24 Mar 10, 17:14 »
Hallo,
Erst mal Danke,
aber so richtig weiß ich noch immer nicht was es genau ist.

Feuerstein glaube ich nicht. Habe darum nochmal ein Foto von der Rückseite gemacht, mit ein paar Detailaufnahmen.
Und noch ein Foto von Zwei weiteren der Art. Den linken habe ich nass gemacht. Da kann man bei genaueren Hinsehen in den oberen Bereich eine leichte Bänderung sehen.- Kein Achat.

Gruß
Donat

Offline Mark77

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #7 am: 24 Mar 10, 18:56 »
Hallo Donat,

wenn das Ausgangsmaterial auch schon gebändert war, ist das Endmaterial das natürlich auch (siehe der Bohnerzhornstein/jaspis von Müllheim). Bei dem unteren Bild der Stein rechts, das sieht mir nach Breccienbildung aus - Breccienjaspis?

Fragen über Fragen werfen nur noch mehr Fragen auf.
Grüßle, Markus

Offline smoeller

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #8 am: 24 Mar 10, 19:47 »
Hallo,

Definitiv kein Bohnerzjaspis. Die erkennbare Brekzienbildung ist schon ausreichend, den Bohnerzjaspis auszuschließen.

Bohnerzjaspis ist kein eingefärbter Flint, sondern entstand während der eozänen Verkarstung des Doggerkalks in feuchwarmem Klima. Dabei wurde Bohnerzlehm (Bolus) mit Limonitkonkretionen als Residualgestein gebildet, die Kieselsäuregehalte der Kalke wurden als Jaspis wiederausgefällt.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Mark77

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #9 am: 24 Mar 10, 20:33 »
Hallo Smoeller,

woher nimmst du diese Informationen? Laut den "Erläuterungen zu Blatt 8211 Kandern" sind die Bolustone (Bohnerztone, ct, Obereozän, Tertiär) durch die Verwitterung der Kalke aus dem Rauracien und Sequan (Malm) entstanden, was auch durch die Einlagerung der "Jaspis"knollen aus dem Rauracien belegt.
Die Sache mit dem Auflöes der Kieselsäure und wieder ablagern habe ich bisher nur bei Schmidlin gelesen.

 ??? Markus

Offline trommeln

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #10 am: 24 Mar 10, 22:33 »
Ich habe mit Schmidlin ausführlich über das Thema gesprochen. Meiner Meinung hat er recht.

Donat - ich habe mal die getrommelten Steine etwas gesichtet, aber auf eine Knolle deiner Art bin ich bis jetzt noch nicht gestossen. Ich geh jetzt noch in den Keller und wasch mal was aus...

edit: nix wirklich passendes gefunden... gleiche Farben ja, aber keine Brekzie
« Letzte Änderung: 24 Mar 10, 22:55 von trommeln »

Offline Donat

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #11 am: 24 Mar 10, 22:53 »
Hallo smoeller,

was könnte es denn Deiner Meinung nach sein? Oder was könnte ich unter dem Foto schreiben, da ich es gerne ins Lexikon stellen würde?

Gruß
Donat


Offline smoeller

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #12 am: 24 Mar 10, 23:23 »
Hallo,

@Mark77: Es ist durchaus möglich, dass es auch Malmkalke als Ausgangsmaterial gibt, aber in der Regel ist der Dogger das (zumindest heute) höchste anstehende Schichtglied im Bereich der Vorberge und im Kaiserstuhl (laut geolog. Karte sind dort nur noch lokal Reste von Malm). Ein Teil der Residualbildungen könnte tatsächlich aus dem Malmkalk hervorgegangen sein.

Ein Steinbruch bei Niedereggenen (ca. 2 km NE Liel) ist im Hauptrogenstein (Dogger) angelegt gewesen. Die Stücke von dort wie auch alle Lesesteine in Liel sind typische Oolithe.

Etwas dazu steht auch bei Metz (1980): Geologische Landeskunde des Hotzenwaldes, da aber mehr zum Bereich Klettgau (bei Schaffhausen).

@Donat: gefärbter Flint oder Jaspisbrekzie vielleicht? Letztlich mache ich mir da nie viele Gedanken, bei mir landet alles unter Quarz in der Sammlung.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Mark77

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Antw:Ist das ein Bohnerzjaspis?
« Antwort #13 am: 25 Mar 10, 07:27 »
Guten Morgen allerseits! :)

Dass der Dogger das heute am höchsten anstehende Schichtglied ist liegt aber m.W. grade daran, dass der Rest so gut wie aufgelöst wurde und sich mit seinen nicht zu lösenden Bestandteilen in den Bolustonen wiederfindet. Hab mich jetzt schon sehr lange mit diesen Sachen beschäftigt, denke das man das so schreiben/sagen kann.

Das mit den "typischen Oolithen" verstehe ich nicht ganz. Weder bei Betrachtung noch laut dem Text im Beiheft sind die Konkretionen von Auggen, Schliengen/Liel oolithischer Art. ???

Metz ist ein gutes Buch und schade, dass es sowas nicht öfter auch für andere Regionen gibt.. aber die geostratigraphische Ordnung des Oberrheingrabens westlich des Scharzwaldes kann in vielen Punkten (und grade in dieser Diskussion hier) nicht mit der des östlichen Schawarzwaldes (SW)/Schwarzwaldrandes verglichen werden. Sowohl im Jura (hier im Oxford) als auch in manch anderen Stufen kommt es zu einer anderen Faziesentwicklung westl. des SW. Hier haben wir die sog. Raurazische Fazies (eher angelehnt an den Schweizer Raum), aus dem die Hornsteinknollen stammen, die sich eingefärbt in den Bolustonen wieder finden. Sehr viele der Stücke sind schon makroskopisch eindeutig zuzuordnen. Natürlich finden sich auch andere Steine wie Achate o.ä. wieder, der Rhein ist ja nicht unweit weg. ;)

Grüßle, Markus

 

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