Mineralien / Minerals / Minerales > erledigte Bestimmungen / completed determinations
Rosenquarz ? / Quarz mit Eisen/Hämatit
oliverOliver:
hallo Heiko,
nein, ist keine Ansichtssache ;D
siehe z.B. im Lexikon:
"Rosenquarz ist eine durch Rutil- und/oder Dumortieriteinschlüsse rosa gefärbte und meist derbe Quarzvarietät."
Gerdchen:
Hallo,
die rosa Färbung bei Rosenquarz kommt durch Farbzentren und nicht durch Einschlüsse. Diese Diskusion hatten wir schon mal. Weshalb eine Farbgebung durch Rutil- oder Dumortieriteinschlüsse im Lexikon als Farbursache für Rosenquarz steht, weiß ich nicht. Kleine Einschlüsse können zwar durch Lichtstreuung auch eine Farbursache (Tyndall-Effekt) sein, winzige Rutileinschlüsse bei Quarz würden aber zu einer Blaufärbung (Blauquarz) führen.
Bei der Farbgebung von Quarzen liegt meist aber ein Gitterdefekt durch ionisierende Energie vor und ist an die Anwesenheit von Fremdionen gebunden. Bei Rosenquarz sind es Ti3+, Al oder P Zentren.
Amethyst wird durch Fe4+ oder Fe2+ Zentren gefärbt.
Gruß
Gerdchen
oliverOliver:
hallo Gerdchen,
danke für die Klarstellung.
Ich hatte das auch anders in Erinnerung, hab mich aber blindlings aufs Lexikon verlassen :-[
Collector:
Hallo Oliver, hallo Gerdchen
Es gibt sehr wohl rosa Quarz, dessen Färbung auf Einschlüssen beruht und es gibt Rosenquarz, dessen Färbung durch Farbzentren hervorgerufen wird.
Das bezieht sich sowohl auf die Definition des Rosenquarz als Mineral, aber auch auf die verdrehte Auskunft im Rosenquarz-Datenblatt.
Schuld am Durcheinander ist eine leider verdrehte Darstellung im Lexikon, besonders aber der weltweite über hundert Jahre alte Usus, alles als Rosenquarz zu bezeichnen, was irgendwie rosa aussieht. Die meisten der im Mineralienatlas und 70% aller bei mindat gezeigten Fotos zeigen keinen Rosenquarz, sondern "Rosa Quarz" und werden, dessenungeachtet, jedoch von den Sammlern als Rosenquarz benannt.
Bereits im Jahr 2001 erschien im Mineralogical Record ein Artikel des japanischen Wissenschaftlers Hori zur Nomenklatur von "pink" und "rose" quartz; wohl unbeachtet, da der Artikel einmal in englisch ist und andererseits kaum außerhalb des angloamerikanischen Sprachraums gelesen wurde.
Im übrigen können Deutsche, Spanier und Franzosen mit dem Begriff "pink" kaum etwas anfangen. Also bliebs bis heute bei uns beim altvertrauten Rosenquarz. (auch die Amis kämpfen mit rose quartz und pink quartz)
Tatsache ist jedoch, dass wir unterscheiden müssen
*in massiven (derben) "Rosa Quarz" (wie auf den meisten Fotos im Mineralienatlas-Lexikon) und
*in klaren "Rosenquarz", in meist gut ausgebildeten Kristallen.
Die Färbung bei "Rosa Quarz" und bei "Rosenquarz" beruht auf unterschiedlichen Bildungsprozessen:
*Rosa Quarz, durchscheinend und massiv, meist gangförmig gebildet: Färbung durch mikroskopisch kleine faserige Einschlüsse eines rosafarbenen Borosilikates, verwandt mit Dumortierit (Applin & Hicks, 1987; Goreva et al, 2001; MA et al, 2002, Nadin, 2007). Die Einschlüsse sind wahrscheinlich das Resultat der Auflösung eines ursprünglich homogenen Materials.
*Die Färbung von Rosenquarz in meist gut ausgebildeten Kristallen, meist aus Pegmatiten und tw. assoziiert mit Rauchquarz wird durch strahlungsinduzierte Al, Ti und P-Zentren (welcher Si im Gitter ersetzt) hervorgerufen (Maschmeyer und Lehmann, 1983).
*Literatur zur Farbgebung in Rosaquarz und Rosenquarz
*Applin, K.R., Hicks, B.D. (1987) Fibers of dumortierite in quartz. American Mineralogist: 72: 170-172.
*Goreva, J.S., Ma, C., Rossman, G.R. (2001) Fibrous nanoinclusions in massive rose quartz: The origin of rose coloration. American Mineralogist: 86: 466-471.
*Hori, H. (2001) Nomenclature of Quartz Color Variation: Pink and Rose. Mineralogical Record: 32(1).
*Kibar, R., Garcia-Guinea, J., Cetin, A., Selvi, S., Karal, T., Can, N. (2007) Luminescent, optical and color properties of natural rose quartz. Radiation Measurements: 42: 1610-1617.
*Lehmann, G., Bambauer, H.U. (1973) Quarzkristalle und ihre Farben. Angewandte Chemie: 86: 281-290.
*Ma, C., Goreva, J.S., Rossman, G.R. (2002) Fibrous nanoinclusions in massive rose quartz: HRTEM and AEM investigations. American Mineralogist: 87: 269–276.
*Maschmeyer, D., Lehmann, G. (1983) A trapped-hole center causing rose coloration of natural quartz. Zeitschrift für Kristallographie: 163: 181-186.
*Nadin, E. (2007): The secret lives of minerals. Engineering & Science: 1: 10-20.
*Rykart, R. (1995) Quarz-Monographie - Die Eigenheiten von Bergkristall, Rauchquarz, Amethyst, Chalcedon, Achat, Opal und anderen Varietäten. Ott Verlag, Thun.
*Wright, P.M., Weil, J.A., Buch, T., Anderson, J.H. (1963) Titanium colour centres in rose quartz. Nature: 197: 246-248.
Auch wenn die Grundfakten vorhanden sind, steht Leider im Lexikon genau das Gegenteil zu den Farbursachen, ich werde es ändern. Tatsache ist, dass das Dumortierit-ähnliche Mineral in Rosa Quarz seit längerem bewiesen wurde (siehe Literaturverzeichnis).
Im übrigen ist es wohlbekannt, dass Quarz auch Rutileinschlüsse haben kann, welche jedoch nicht zur Färbung beitragen, sondern für den Asterismus verantwortlich sind.
Hoffe, Ihr könnt mit dieser Kurzfassung etwas anfangen
Gruß
collector
robodoc:
Hallo Gemeinde,
habe ich was missverstanden oder kann es sein, dass hier eine Verwechslung stattgefunden hat?
Rudolf Rykart weist in seiner "Quarz-Monografie" auf den Seiten 163 ff. darauf hin, dass Rosa Quarz in wohlausgebildeten Kristallen, die hydrothermale Bildungen sind und lichtempfindliche Farbzentren besitzen, vorkommt und es sich bei Rosenquarz um rosafarbige, trübe, massig ausgebildete Quarze ohne erkennbare Kristallflächen handelt.
Ähnliches schreibt Amir Akhavan auf seiner übrigens in meinen Augen erstklassigen und absolut lesenswerten "The Quartz Page".
freundliche Grüße
Robert
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