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Mikroskopfotografie mit Kompaktkamera (Canon Powershot A620)
Klinoklas:
Hallo,
aufgrund mehrerer PM Nachfragen schreibe ich hier mal etwas über meine neue Canon Powershot A620. Die meisten Informationen beruhen speziell auf meine bisherigen Erfahrungen mit diesem Kameramodell.
Damit ich wieder Micromounts ablichten kann, sollte eine bezahlbare (low budget) Lösung her. Nach ein wenig Recherche im Internet war für mich klar, dass es eine Powershot werden sollte. Über Ebay konnte ich noch recht günstig ein gebrauchtes Exemplar mit 7 Megapixeln erwerben. Das Gerät ist in sehr gutem Zustand, und vom Vorbesitzer wohl auch sehr pfleglich behandelt worden.
Einige (nicht alle!) Modelle lassen sich via PC steuern und das ist bei der Fotografie von Micromounts wirklich Luxus. Es ist sehr schade, dass Canon dieses Feature der Fernsteuerung nur sporadisch in seinen Kameras zur Verfügung gestellt hat. Bei den neuen Modellen fehlt diese Möglichkeit anscheinend ganz, so auch beim neuen Flaggschiff der G11, während fast alle Vorgänger diese Funktion unterstützten. :-(
Modelle bei denen die Computersteuerung funktionieren sollte: (Ohne Gewähr)
G- Serie:
G1, G2, G3, G5, G6, G7, G9, G10
S- Serie:
S30, S40, S45, S50, S60, S70, S80, S1 IS, S2 IS, S3 IS, S5 IS, SX100 IS, SX110 IS
A- Serie
A30, A40, A60, A70, A75, A80, A85, A95, A300, A310, A400, A510, A520, A620, A640
Pro- Serie:
Pro90IS, Pro1
Digital Ixus:
SD100 (Digital IXUS II), SD110 (Digital IXUS IIs), S230 (Digital IXUS 330), S400 (Digital IXUS 400), S410 (Digital IXUS 430), S500 (Digital IXUS 500)
Mittels dieser Funktion gibt es u.a. auch ein (kleines) Liveviewbild auf dem Computermonitor. So läßt sich der passende Bildausschnitt und die Schärfe viel besser beurteilen, als es am kleineren und schlechter auflösenden Monitor der Kamera möglich wäre. Das Vorschaubild hat technisch bedingt nur eine Größe von 322 x 242 Pixel. Eine hochauflösende Probeaufnahme ist aber jederzeit per Mausklick möglich.
Es ist wichtig, dass man die Werte für Blende und Verschlusszeit manuell einstellen kann. Hier kann ich leider keine Tipps geben, da die Werte je nach Motiv variieren. Für den Anfang kann man es aber auch mal der Programmautomatik überlassen, die liegt überraschend oft richtig. Die Scharfstellung ist ebenfalls manuell einstellbar und die EV Kompensation hilft dabei über bzw. unterbelichtete Fotos zu vermeiden. (EV -2 / +2)
Da der Durchmesser des Mikroskopokulares recht klein ist, ist es wichtig, dass das Kameraobjektiv ebenfalls klein ist. Dies ist bei vielen Kompaktkameras ja gegeben. Das Innere des Mikroskoptubus hat man bei dieser Methode trotzdem immer mit auf dem Bild. Dadurch sind im Grunde alle Bilder rund. Durch Zoomen würde der Kreis zwar gänzlich verschwinden, allerdings konnte ich so auch nur unscharfe Bilder erzeugen. Daher versuche ich das zu fotografierende Objekt ohne Zoom immer so mittig wie möglich vom Tubus zu halten. Anschließend nach dem Stacking in CombineZM wird dann aus dem fertigen runden Bild ein rechteckiger Bereich ausgeschnitten. (Siehe Grafik am Ende des Beitrags)
Nun etwas zum Aufbau:
Da kaum jemand wirklich eine ruhige Hand hat, die Belichtungszeiten zu lang sind, und auch im Hinblick auf Mehrebenenaufnahmen ist ein Adapter auf alle Fälle zu empfehlen. Kostet ca. 25 €
http://www.amazon.de/TS-Optics-Digiklemme-universeller-Digitalkameraadapter/dp/B0039ZALMA/ref=sr_1_11?ie=UTF8&qid=1286708511&sr=8-11
Mittels dieser Digitalkamerahalterung wird die Kamera über das Stativgewinde befestigt, und genau mittig vor dem Augenokular des Mikroskops positioniert. Aber ACHTUNG erst das Objektiv ausfahren lassen und erst ganz zum Schluss die Kamera vorsichtig so nah wie möglich vor das Okular schieben. Danach den Zoom nicht mehr betätigen, andernfalls wird es zu Beschädigung von Kamera / Objektiv und eventuell sogar Mikroskopokular kommen.
Im Lieferumfang meiner Kamera enthalten waren u.a. ein USB Kabel und jede Menge Software. Die Canon Software Zoom Browser EX muss installiert und vermutlich in einigen Fällen über das Internet via kostenlosem Update auf den neusten Stand gebracht werden. Mittels des weißen Kabels wird die Kamera mit dem USB Anschluss des Computers verbunden.
Braucht man nicht, kann man haben:
Weil ich die Kamera ausschließlich am Mikroskop benutze, und ich kein Freund vom ewigen Batterien kaufen / laden bin, habe ich mir für diesen speziellen Einsatzbereich ein Netzteil gekauft. So geht mir während der Arbeit am Mikroskop nie der Saft aus und ich brauche nicht ständig die Batterieanzeige im Auge behalten.
Solche Netzteile gibt es für sehr viele Kompaktkameras.
Meines hat die Typbezeichnung: CANON ACK - 600 (Für die Powershot A620!)
Fernsteuerung über den PC:
1. Wichtig zumindest bei meinem Modell:
Die Digitalkamera muss damit es funktioniert auf "Bilder abspielen" stehen und nicht wie man annehmen würde auf "Aufnahme". Hierzu den Schalter oben auf der Kamerarückseite nach links umschalten.
2. Jetzt darauf achten, die Kamera weit genug weg vom Okular des Mikroskops zu haben, da das Objektiv im ausgefahrenen Zustand recht weit aus der Kamera herauskommt. Hierbei könnte es beschädigt werden.
3. Die Anwendung Zoom Browser EX starten und die Kamera einschalten.
4. Oben links im Programm den Reiter "Erfassen & Kameraeinstellungen" anklicken.
Es öffnet sich ein Fenster mit dem Namen "CameraWindow". Hier den letzten Reiter "Fernaufnahme" wählen
und auf "Fernaufnahme starten" klicken.
5. Speicherort auswählen, an dem die gemachten Bilder gespeichert werden sollen. Nun öffnet sich der "RemoteCaptureTask". In diesem Fenster können alle wichtigen Kameraparameter eingestellt werden. ISO, Weißabgleich, Blende, Verschlusszeit, AV Kompensation u.a.
6. Um ein Foto zu machen, einfach auf den Button "Auslösen" klicken. Das Bild wird auf der Festplatte gespeichert, und im aktuellen Fenster groß angezeigt, so läßt sich jede einzelne Aufnahme überwachen.
Einstellungen welche bei mir zu recht brauchbaren Ergebnissen geführt haben:
AF - Messfeld:manuelle Auswahl - MitteMakro:AusAF-Hilfslicht:AusAF-Betrieb:gesperrtBlitz:AusWeißabgleich:KunstlichtMessmodus:MehrfeldISO:50Makro:AusFotoeffekt:kräftigAE Modus:Manuell
Zum Schluss möchte ich darauf hinweisen, dass es sicherlich keine Highendlösung ist. Wer mehr möchte, muss auch mehr bezahlen. Meine Bilder unterliegen momentan noch ziemlich starker Qualitätsunterschiede. Daher versuche ich noch bessere Einstellungen zu finden und viel viel zu üben.
Embarak:
Hallo,
@René ! Vielen Dank für die ausführliche Beschreibung.Die Digi-Klemme kannte ich noch nicht.
Noch ein paar Fragen:
Wird die Okular-Linse bei dem Aufbau entfernt,sodaß die Kamera direkt in den Tubus schaut oder bleibt sie drin?
Habe bei Mikroskopen mit zusätzlichem Anschlußtubus für Digitalkameras dort keine Linse entdeckt.
Aus längst vergangenen Mikroskop-Kursen kann ich mich dunkel erinnern,daß das Bild in der virtuellen Unendlichkeit ist.
Das erklärt wohl,warum der Makro-Modus hier nicht funktioniert.In welchem cm/m-Bereich liegt die Scharfstellung der Kamera?
Einige Kameras haben die Möglichkeit der Fokusabstufung.( 3 Aufnahmen mit unterschiedlicher Brennweite )
Sofern der Fokus nicht in ∞ liegt,könnte man damit auch noch für einfache DMF-Fotografie experimentieren.
Aber wahrscheinlich hast Du bei dem Tuperssuatsiait-Foto mehrere Aufnahmen über die Feinstellung des Mikroskos gemacht und gestackt.
Wieviel Aufnahmen waren das bei diesem Beispiel?
Du erwähnst zur Belichtungskorrektur die EV-Kompensation,d.h. Einstellung für ein Bild ändern.
Einige Kameras haben die Möglichkeit der Belichtungsreihen-Automatik AEB (auto exposure bracketing),d.h. eine 3-(selten 5 oder 7) Aufnahmen-Serie mit Abstufungen von ± 0,3 bis 2 Blendenstufen.
Das erhöht zum einen die "Trefferrate" für die richtige Belichtung,gibt aber auch die Möglichkeit,die Bilder zu HDR-Fotos zusammen
zu rechnen,um starke Kontrastunterschiede auszugleichen.
Noch besser,wenn die Kamera auch noch RAW-Formate aufnehmen kann.
Wenigstens das kann die G11; dafür bleibt mir die pc-Steuerung versagt. :(
Habe mal in ein CHDK-Forum geschaut,ob man das nachrüsten kann.Das Nachrüsten von AEB und RAW und anderen Funktionen ist für einige Canon-Kameras machbar (Liste),scheint aber alles andere als einfach zu sein...
Zur Not experimentiere ich erstmal ohne pc-Steuerung und muss dann viele Einstellungen ausprobieren.
Gruß
Norbert
Klinoklas:
Hallo Norbert,
uff, alle Fragen kann ich dir garnicht beantworten.
Also das Okular bleibt auf alle Fälle drin, sonst fehlt dir die Vergrößerung. Das Kameraobjektiv wird direkt an das Augenokular des Mikroskops gesetzt. Das Stativ positioniert, stabilisiert die Kamera und hilft dabei verwacklungsfreie Bilder zu machen.
Leider kann die G11 nicht über den PC gesteuert werden, aber sie hat bestimmt einen Anschluss für einen Fernauslöser. Damit wären verwacklungsfreie Aufnahmen auf jeden Fall auch möglich.
Der Makromodus der Kamera funktioniert sogar, ich habe ihn dennoch im Moment abgeschaltet, das muss ich mir nochmal genauer ansehen.
Grundsätzlich mache ich um mehr Tiefenschärfe zu bekommen mehrere Aufnahmen, welche Anschließend mit CombineZM zu einem Bild zusammengerechnet werden.
Leider weiß ich nicht mehr genau aus wievielen Aufnahmen das Foto entstanden ist aber ich meine es waren so ca. 10 - 15. Ich mache das nach Gefühl, es hängt auch ein wenig vom Grad der Vergrößerung ab. Umso stärker die Vergrößerung ist desto mehr Aufnahmen muss ich machen. Die Schärfe habe ich tatsächlich über den Feintrieb des Mikroskops eingestellt. Deshalb steht der Autofokus auch auf aus. Der würde sich nämlich immer einen neuen Punkt suchen auf den er scharf stellt und dann wird nichts mehr aus der Mehrebenenaufnahme.
Die Einstellung der EV Kompensation kannst du für beliebig viele Bilder behalten. Auto Bracketing benutze ich manchmal für große Mineralien aber nie für das Mikroskop.
Hier versuche ich bereits vorher die Szene richtig auszuleuchten, und dann setze ich lieber auf etwas mehr Tiefenschärfe.
Gruß
René
Embarak:
Hallo,@René
--- Zitat von: Klinoklas am 10 Oct 10, 23:13 ---... sie hat bestimmt einen Anschluss für einen Fernauslöser. Damit wären verwacklungsfreie Aufnahmen auf jeden Fall auch möglich.
--- Ende Zitat ---
Das mache ich immer mit 2 sec Selbstauslöser.
Die G11 geht übrigens nur bis ISO 80.Sollte aber reichen.
--- Zitat von: Klinoklas am 10 Oct 10, 23:13 ---Auto Bracketing benutze ich manchmal für große Mineralien aber nie für das Mikroskop.
--- Ende Zitat ---
Ich experimentiere ganz gerne damit.Es wäre bei Problemfällen einen Versuch wert,da die Kamera auf der Digi-Klemme
fixiert ist wie auf einem Stativ.
Gruß
Norbert
Klinoklas:
Hallo Norbert,
früher habe ich auch die Selbstauslösefunktion der Kamera verwendet.
Dabei kam es bei mir aber auch immer wieder zu Verwacklern, da die Funktion immer wieder neu gestartet werden mußte.
Mit dem Fernauslöser hatte ich dann den Vorteil, die Kamera erst garnicht mehr berühren zu müssen.
Wenn man 10 und mehr Bilder für Combine macht dann ist es besser nicht zu verwackeln.
Du hast vielleicht bei der G11 den Vorteil, dass du die Intervalle in denen die Kamera automatisch ein Bild machen soll selber definieren kannst.
Sagen wir z.B. alle 5 sek. ein Bild und du brauchst nur die Schärfe über den Feintrieb des Mikroskops zu regulieren.
Gruß
René
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