Hallo Peter,
bei großen marokkanischen "Kunsterzeugnissen" ist die Matrix oft echt, allerdings werden die Fossilien dann darin eingesetzt, um eine höhere = gefälligere Fossildichte vorzutäuschen; durch das Schleifen und allgemein die "künstlerische Verfremdung" ist auf den ersten Blick wenig bis nichts von diesen zugegebenermaßen gut gemachten Einsetzungen zu sehen (Klebenähte, Farbunterschiede zwischen Matrix und Gestein direkt am Fossil, etc.).
Die marokkanischen Orthoceren kommen in einem knüppelharten schwarzgrauen bis graugelblichen
Kalkstein vor, der gewerbsmäßig zum Zweck der Natursteingewinnung abgebaut wird, die "Fossilienkunst" fällt als Nebenprodukt an. Von Tongestein kann keine Rede sein. Das ist auch der Grund, warum die Orthoceren stets geschliffen und nie als herausgelöste 3D-Fossilien in natürlichem Zustand erhältlich sind.
die Orthoceras waren zweifelsfrei echt
Fragt sich im Nachhinein und vor allem ohne Foto nur, wie viele der genannten 30 cm Länge tatsächlich auf das jeweilige Fossil entfallen und was davon einfach geschickt herausgearbeitete und durch das Polieren ans Fossils angepasste taube Matrix war... Man sieht das ja relativ häufig, bis zu meterlange herauspolierte Orthoceren, die aber nur zu 20 cm wirklich aus gekammertem Fossil bestehen und zum restlichen Teil einfach aus gewölbt herausgearbeitetem Gestein, das ggf. noch trickreich leicht in der Farbe verändert wurde.
Aus eigener Erfahrung in Sachen (kistenweisem) Fossilverlust gehe ich davon aus, dass sich die Versicherung nur für den Kaufpreis interessieren wird. Ich nehme mal an, dass nicht mal der belegbar ist, weil der Verkäufer sicher keine Rechnung oder auch nur einen Kassenzettel ausgestellt hat? Einen darüber hinaus gehenden Zeitwert im Sinne eines Kunstgegenstandes oder sammlerischen Unikats müsstest Du durch einen Gutachter ermitteln und bestätigen lassen. Und der muss dafür natürlich das Originalstück vor sich haben. Versicherungen bekommen zu oft Forderungen von Autobesitzern, denen angeblich beim Unfall der Kranach im Kofferraum restlos verbrannt ist, um Schadensbehauptungen ohne Besitz- und Wertnachweis für voll zu nehmen. Das soll keinesfalls eine Unterstellung Dir gegenüber sein, sondern soll nur verdeutlichen, dass man ohne handfeste Beweise von einer Versicherung keinen handfesten Schadenersatz aufs Konto bekommt.
Dein Stück gehört wohl in die zwiespältige Kategorie "-2 bis x-tausend Euro" - will sagen, unter verschiedenen Aspekten kann man ganz verschiedene Werte angeben. Das geht vom amerikanischen Käufer ohne Fachwissen, der eine vierstellige Summe gerne hinlegt, um so ein "exotisches Unikat" im heimischen Wohnzimmer als Deko und "Kunstwerk" aufzustellen, bis zum Fossiliensammler mit wissenschaftlichem Anspruch, der zur Vorbedingung für die Übernahme des Stücks macht, dass man ihm dazu auch noch die 2 Euro gibt, die es ihn kosten wird, wenn er das Stück gleich anschließend auf einer Bauschuttdeponie abliefert, weil es für ihn keinerlei natürliche Aussage hat

Aber wie gesagt, ohne Foto keinerlei Aussage möglich, weder zum Gestein noch zum Wert.
Gruß,
Rainer