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Autor Thema: pyritähnlich eingewachsen mit Strahlungshöfen  (Gelesen 5381 mal)

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Offline isbjoern

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Hallo Clara-Experten,

bei der Durchsicht meiner alten "Unbestimmten" von der Clara ist sind mir wieder Stüfchen in die Hände gefallen, die folgendes Bild zeigen:

eingewachsene bräunliche würfelähnliche xx die prinzipiell stark an schlecht ausgebildete Pyrit xx erinnern, allerdings mit sehr deutlich ausgebildeten Strahlungshöfen (violetter Fluorit), die Kristalle sollten demnach radioaktiv sein.

Habe erst einmal kein Foto zur Hand, allerdings reicht in diesem Fall evtl. die Beschreibung (wenn jemand so etwas schon mal gesehen hat sollte die Beschreibung reichen).

Um was könnte es sich handeln -- Pyrit scheint mir eher unwahrscheinlich?

Vielen Dank?

Offline berthold

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Re: pyritähnlich eingewachsen mit Strahlungshöfen
« Antwort #1 am: 10 Apr 11, 22:44 »
Hallo,

so etwas (ähnliches ?) kenne ich aus dem Wölsendorfer Flussspatrevier. Hier sind (waren) es Pyrit-Oktaeder, die (epitaktisch) auf dem Fluorit aufgewachsen waren. Am Rand zeigt sich der Fluorit violett verfärbt. An manchen Stellen verraten nur farbliche Veränderungen auf der Fluorit-Oberfläche dass hier ursprünglich ein Pyritkristall aufgewachsen war. Diese violette Verfärbung könnte entweder radioaktiv bedingt sein, etwa wenn der Pyrit einen gewissen Urananteil aufweist. Allerdings ist es auch möglich dass das Fluoritgitter durch die Epitaxie gestört mehr Fehlstellen aufweist, welche als F-Zentren diese Färbung bewirken. Zweiteres halte ich für wahrscheinlicher.

Gruß
Berthold

Offline Uwe Kolitsch

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Re: pyritähnlich eingewachsen mit Strahlungshöfen
« Antwort #2 am: 10 Apr 11, 23:29 »
Vielleicht ist es nur ein dünner Überzug auf dem Pyrit, der U- oder Th-haltig ist. SEE-Carbonate wie Bastnäsite und Synchisit (die leicht strahlen) kristalllisieren oft im Anschluß an die Kristallisation der Sulfide.

Offline loismin

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Re: pyritähnlich eingewachsen mit Strahlungshöfen
« Antwort #3 am: 11 Apr 11, 06:50 »
Hallo.

Ich glaube da eher an Pyrit !
Solche vermeintlichen Strahlungshöfe gibt es auch oft  um eisenhaltige Mineralien , da bei der Umwandelung der Limonit die Umgebung des Kristalls rot einfärbt !


Loismin

Offline berthold

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Re: pyritähnlich eingewachsen mit Strahlungshöfen
« Antwort #4 am: 11 Apr 11, 08:23 »
Hallo,

richtig Alois, Limonit könnte rot einfärben. Nur ist es hier -zumindest bei meinem Stück- nicht rot sondern violett. Es ist genau die violette Fluoritfarbe die wir auch von Stellen kennen wo radioaktive Mineralien begleiten. Ich denke die Erkärung von Uwe trifft den Nagel auf den Kopf. Wenn der Pyrit insgesamt radioaktiv wäre würde ich eine mehr oder weniger gleichmäßige Färbung auf der gesamten Anwachsfläche erwarten. So ein Rahmen kann aber entstehen wenn die äußere Schicht (also Endphase der Kristallisation oder Überzug mit einem anderen Mineral) strahlt.

Gruß
Berthold

Offline isbjoern

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Re: pyritähnlich eingewachsen mit Strahlungshöfen
« Antwort #5 am: 11 Apr 11, 09:35 »
Danke schon einmal für die Antworten!

Das Beispiel von Berthold ist ja schon mal recht interessant! Meine Stücke sehen etwas anders aus, hier sind die vermeintlichen Pyritkristalle einzeln in massivem Fluorit eingewachsen, die Strahlungshöfe sind noch deutlicher ausgebildet als bei der gezeigten Epitaxie (und ganz eindeutig violett).

Die Möglichkeit eines radioaktiven Überzuges ist sicherlich gegeben. Sieht man allerdings nicht, d .h. die Schicht müßte sehr dünn sein. Dann wundert mich wieder, wie ausgeprägt der "Hof" ist.

(Habe das Stück jetzt nicht vor Augen, aber ich schätze mal daß die Kristalle ca. 0.5 mm groß sind und der Strahlungshof ca. 0.2 mm).

Ich werde mal versuchen, ein Foto zu machen.

-- Björn

Offline berthold

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Re: pyritähnlich eingewachsen mit Strahlungshöfen
« Antwort #6 am: 11 Apr 11, 12:11 »
Hallo,

Zitat
Strahlungshof ca. 0.2 mm

ja, das kommt bei meinem Wölsendorfer Stück auch hin. Bei eingewachsenen Pyriten sehe ich auch solche Höfe, allerdings sind die nicht so einfach zu fotografieren. Eine sehr dünne Schicht mit einem radioaktiven Mineral reicht meiner Meinung nach sicher aus, da der Fluorit ggf. recht sensitiv reagiert und die Natur viel Zeit hatte.

Nebenbei: Ist eigentlich Fluorit-Pyrit-Epitaxie von der Grube Clara bekannt? Es würde mich wundern, wenn die hier nicht zu finden wäre.

Gruß
Berthold

Offline Uwe Kolitsch

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Re: pyritähnlich eingewachsen mit Strahlungshöfen
« Antwort #7 am: 11 Apr 11, 13:29 »
"... Fluorit-Pyrit-Epitaxie von der Grube Clara bekannt?" Mir nicht bekannt, aber Pyrit tendiert eher zu Fluorit-freien Paragenesen.

Ich habe eine Epitaxie von Bariopharmakosiderit (sehr kleine Würfelchen) auf Fluorit.

Offline berthold

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Re: pyritähnlich eingewachsen mit Strahlungshöfen
« Antwort #8 am: 11 Apr 11, 16:54 »
Hallo,

jetzt habe ich mal etwas nachgeforscht: Pyrit-Oberflächen haben tatsächlich die Eigenschaft als Sammler für Uran aus wässirger Lösung zu wirken *). Das gilt für frischen Pyrit und -etwas schwächer- sogar noch für angewitterten Pyrit. Da es für die Grube Clara (wie auch für Wölsendorf) durchaus wahrscheinlich ist, dass geringe Urangehalte in den Lösungen zirkulierten ist die oberflächliche Uran(mineral)anreicherung auf Pyrit eine mögliche, ja zu erwartende Folge.

Wir beobachten die Strahlungshöfe im Fluorit um die (ursprüngliche freie) Pyrit-Oberfläche (deswegen ist in meinem Foto ein violetter Rahmen, nicht eine violette Fläche zu sehen, auf der Anwachsfläche konnte der Pyrit ja nicht sammeln).   

Gruß
Berthold

*) T.B. Scott, O. Riba Tort, G.C. Allen, Aqueous uptake of uranium onto pyrite surfaces; reactivity of fresh versus weathered material, Geochimica et Cosmochimica Acta, Volume 71, Issue 21, 1 November 2007, Pages 5044-5053

 

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