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Namensfindung bei neuem Geschiebe gesucht

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berthold:
Hallo,


--- Zitat ---Ich tue mich schwer, alle Pegmatite in einen Topf zu werfen.
--- Ende Zitat ---

Macht man ja auch nicht. Pegmatite werden üblicherweise nach ihrer chemischen Zusammensetzung, nach besonderem Mineralinhalt und ihrer Entstehungsumgebung unterteilt. Es gibt Organisationen (z.B. die PIG)  und Konferenzen (z.B. die PEG) wo sich Wissenschaftler mit dem Thema Pegmatit sehr detailiert befassen. Schau Dir einfach mal das Dokument zur PEG2011 (http://www.minsocam.org/MSA/Special/Pig/PIG_articles/PEG2011_Contributions.pdf) an, da siehst Du wie vielfältig und tiefgängig die Forschung auf diesem Sektor ist.


--- Zitat ---oder geschmolzene Gesteine die nicht wieder auskristallisiert sind
--- Ende Zitat ---

...das wären dann Gläser, keinesfalls Pegmatite (wie kommst Du da auf Pegmatite?)

Gerade die Riesenkörnigkeit von Pegmatiten erlaubt es wohl nur in den seltensten Fällen einem kleinen Bruchstück wie dem gezeigten eine genauere Klassifizierung abzugewinnen. Ich bin keineswegs sicher dass es sich bei Deinem Stück tatsächlich um ein Pegmatitbruchstück handelt, das ist zwar wahrscheinlich aber keineswegs sicher.

Eine eigene Bezeichnung für diesen Stein halte ich für absolut überflüssig. 

Gruß
Berthold

Jörg:
Hallo Bertholt,

vielen Dank für den Link. Ich hab die Seiten mal grob überflogen; wirklich eine Menge an interessanten Details zu lokalen Vorkommen, die sich wie Du schon sagtest, fast ausschließlich auf den Chemismus und die Genese beziehen. Was ich mit meiner Auslassung meinte, ist der Mangel an allgemeinverbindlicher Nomenklatur, die es auch dem Laien ermöglicht, eine Klassifizierung vorzunehmen. Jeder Sammler möchte, glaube ich, einen Namen für seine Stücke haben. Dabei denke ich an Begriffe, die in erster Linie auf das morphologische Erscheinungsbild aufbauen. Vielleicht drücke ich mich ja auch etwas umständlich aus, aber wenn ich 10 Granite im Regal stehen habe, möchte ich diese nicht alle mit "Granit", ohne Zusatz bezeichnen. Und um Granite bestimmen zu können, brauche ich als Laie meist keine komplizierten Hilfsmittel zur Bestimmung. Das ist es, was ich bei den Pegmatiten vermisse, eine Einstufung nach sichtbaren Kriterien, wie bei den Graniten und Gneisen.


--- Zitat ---oder geschmolzene Gesteine die nicht wieder auskristallisiert sind
--- Ende Zitat ---
Hab mich def. blöd ausgedrückt!  Meinte damit so etwas, wie auf dem Foto vom 12. Juni, weiter oben.


--- Zitat ---Ich bin keineswegs sicher dass es sich bei Deinem Stück tatsächlich um ein Pegmatitbruchstück handelt...
--- Ende Zitat ---
Was hättest Du für eine Idee?

Glück Auf!   Jörg

berthold:
Hallo Jörg,

die Benenung von Gesteinen -rein nach dem Aussehen- haben/hatten wir schon (Handelsnamen in der Natursteinindustrie). Da werden sogar Granite als Marmore bezeichnet, von lustigen Phantasienamen mal ganz abgesehen. Manchmal ist sogar das gleiche Gestein vom gleichen Fundort mit einer handvoll Namen belegt. EIn heilloses Durcheinander. Wenn Du mal ins Deutsche Natursteinarchiv kommst: da sind ca. 6000 polierte Steintafeln mit der (manchmal kuriosen) Handelsbezeichnung und der wissenschaftlich richtigen Bezeichnung versehen.

Für eine weitere Nomenklatur sehe ich weder Notwendigkeit noch Nutzen.


--- Zitat ---Und um Granite bestimmen zu können, brauche ich als Laie meist keine komplizierten Hilfsmittel zur Bestimmung.
--- Ende Zitat ---

Ich schon  :-[ Selbst bei der übergeordneten Einteilung in I-, S,- A-, und M-Typ Granit setzt es doch schon aus.


--- Zitat ---Was hättest Du für eine Idee?
--- Ende Zitat ---

was spricht z.B. gegen Gangquarz ?

Gruß
Berthold

Jörg:
Hallo Bertholt,

vielen Dank für Deine ausführlichen Antworten.


--- Zitat ---Selbst bei der übergeordneten Einteilung in I-, S,- A-, und M-Typ Granit setzt es doch schon aus.


--- Ende Zitat ---
Klar, bei mir doch auch. Ich bestimme z. B. Granite anhand des Gefüges und den Gefügebestandteilen. Ist manchmal so charakteristisch, dass es auf diesem Wege hinhaut. Dann habe ich zumindest schon mal einen Namen, den ich ihm umhängen kann. Ob das Ursprungsgestein denn magmatitischer oder sedimentärer Herkunft ist, ergibt sich für mich dann nachfolgend aus der Literatur, und ich kann das Gestein dann entweder so bestätigen oder verwerfen. Das genaue Auseinandersetzten mit dem Gestein erfolgt erst im 2. Schritt (erst bestimmen, dann damit beschäftigen. Andersrum geht nicht, da das fundierte Hintergrundwissen des Berufs fehlt). Mehr geht bei mir als Laie nicht und ich muss sagen, das reicht mir dann auch so. Hmm... vielleicht hängt der Wunsch nach Namen ja auch damit zusammen, dass interessierte Laien (mich hinzu gezählt), als erster Schritt zu einem wissenschaftlichen Bezug, den Funden Namen geben möchte.

Danke für Deine offenen Antworten und viele Grüsse.

Glück Auf!   Jörg

Jörg:
Hallo zusammen,

ich möchte kurz zum Stand der Dinge berichten, für die, die es interessiert.
Mittlerweile hat sich über den Umweg von Hannover die Uni-Hamburg mit dem Gestein beschäftigt:

Bei dem Fund ist der Quarz ein spätes Kristallisat der fluiden Phase, und war nicht den thermodynamischen Regeln der Auskristallisation von Magmen unterworfen,die normalerweise so hohe Quarzgehalte in Graniten verhindern. Das Gestein wurde nicht als Pegmatit bestätigt, u.a. da die Feldspäte nicht idiomorph genug verteilt, und die Quarze dagegen gleichmäßig verteilt sind.
Nach den internationalen Regeln der IUGS wurde es den Quarzreichen Graniten zugeordnet. Als Name wurde auf Anraten ein Formationsmane gewählt, unter welchem das Gestein jetzt offiziell geführt wird:
"Løkken-Granit".

Glück Auf!   Jörg

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