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Autor Thema: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?  (Gelesen 24932 mal)

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Offline Hugo

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Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
« Antwort #15 am: 04 Sep 11, 13:30 »
Moin!

Einen Streit wollte ich nicht heraufbeschwören, und ich sehe hier auch gar kein so großes Streitpotential. Jeder kann meinetwegen anders mit radioaktiven Stoffen umgehen als ich, und wenn jemand meint, Pechblende als Schmuck tragen zu müssen, bitteschön. (Beispiel: http://www.ebay.de/sch/i.html?_from=R40&_trksid=m570.l2736&_nkw=freakingcat+uraninite Ist das wirklich Uraninit? Angeblich "weak radioactive"...) [Falls der Link nicht funktioniert: bei Ebay "Freakingcat" und Uraninite" eingeben]
Andersherum ist es mir auch egal, wenn jemand meine Vorsichtsmaßnahmen für übertrieben hält. Ich gehe so mit radioaktiven Mineralien um, wie ich es für richtig halte, und das kann auch jeder andere tun. Divergierende Ansichten finde ich bei diesem Thema wenig überraschend, und ein Austausch von Meinungen muß nicht auf einen Streit hinauslaufen.

Norbert, Du hast mehrfach die unterschiedliche Handhabung von Biologen und Geowissenschaftlern angesprochen. Um Dich richtig zu verstehen, wollte ich nachfragen, inwiefern sich der Umgang in den beiden Disziplinen unterscheidet. Herrscht Deiner Ansicht nach unter Biologen eine größere Vorsicht vor? So habe ich Deine Andeutungen jedenfalls aufgefaßt.

Interessant fand ich auch den Hinweis von Commander Powell, daß an der Uni Hannover Pechblendestufen entsorgt wurden. Dem kann ich hinzufügen, daß das nicht nur in Hannover so gehandhabt wurde. Der Strahlenschutzbeauftragte der Bremer Uni berichtete mir, daß auch aus der hiesigen geowissenschaftlichen Sammlung sämtliche Pechblendestufen entfernt wurden. Geärgert habe ich mich darüber allerdings nicht, ich hätte die Brocken nicht haben wollen - ohne zu wissen, um welche Mengen es hier ging.

Gruß,
Markus

Offline Embarak

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Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
« Antwort #16 am: 05 Sep 11, 23:59 »
Hallo
Herrscht Deiner Ansicht nach unter Biologen eine größere Vorsicht vor? So habe ich Deine Andeutungen jedenfalls aufgefaßt.
Das ist zumindest mein ganz persönlicher Eindruck. Der unterschiedliche Umgang könnte daran liegen, daß Sammler radioaktive Materialien
als Bestandteil einer natürlichen Umgebung betrachten, während die Bio-Fraktion den Umgang mit Radioaktivität eher als potentielle Gefahr ansehen,
der mit strengen Kontroll- und Sicherheitsvorkehrungen begegnet werden muss.
Inkorporation/Inhalation/Strahlenexposition muss um jeden Preis vermieden werden.
Diese Maßnahmen hinterlassen ihre Spuren - auch bei mir.
So muss jeder, der mit freien Isotopen arbeiten will, beim Betreten und Verlassen durch eine Schleuse mit Handflächenzähler.
Bevor es los geht, wird der Arbeitsbereich gründlich gemessen, um Kontamination durch den Vorgänger auszuschließen.
Spätenstens jetzt hat man verinnerlicht, daß man in einem Sicherheitsbereich arbeitet.  ;)

Während des Arbeitens wird peinlich darauf geachtet, welches Papiertuch, welcher Puffer kontaminiert und damit als Sondermüll gesammelt werden muss.
Die Isotope sind im Gegensatz zu Mineralien in wässriger Lösung. Ein unbedachter Spritzer auf dem Tisch oder Boden, und schon kann man mit Handschuhen oder Schuhen im Handumdrehen einen ganzen Raum kontaminieren. Im günstigsten Fall entdeckt man das bei der Endkontrolle selbst. Dann ist man länger mit Dekontamination beschäftigt.
Entdeckt es erst der Nachfolger, hat man ein Problem....
Man ist beim Arbeiten durch eine Plexiglasplatte abgeschirmt, die Proben - übrigens fast alles Betastrahler mit HWZ von nur Monaten - sind abgeschirmt.
Alles gekennzeichnet. Der Abklingraum bleiverkleidet. Am Kittel hängt ein Filmdosimeter. Handschuhe sind Pflicht.
Um all die vielen Sicherheitsbestimmungen nicht zu vergessen, bekommt jeder einmal im Jahr die gesetzlich vorgeschriebene Strahlenschutzbelehrung über
Strahlenarten, Messungen, Bremsstrahlung, Probenverwahrung,Entsorgung etc., eine sehr beliebte Veranstaltung...  8)

Ich hatte meinen Kollegen mal wegen der Fluoreszenz einige Uranglimmer mitgebracht. Als sie erfuhren, was es ist, sind fast alle unwillkürlich
ein paar Schritte zurückgegangen, den UV-Effekt fanden sie dann aber doch gut !

Es ist sicher verständlich, daß ich einen Teil dieser hier nur kurz umrissenen Arbeitsbedingungen mit nach Hause nehme und
beim Umgang und Lagerung von radioaktiven Mineralien nicht alles über Bord werfen kann.

Nun sind im Hobby-Keller nicht so viel Leute zugange, daß ein solcher Aufwand wie oben gerechtfertigt wäre.
Auf der anderen Seite haben die kleinen Krümelchen und Stäube auf dem Tisch oder Boden eine höhere HWZ.
Kleine Unachtsamkeiten im handling entdeckt man leichter, wenn man Bedingungen wie oben schon kennt.
Da es verschiedene Arten von Zählkammern gibt und ich nicht weiss, was für ein Strahlengemisch vorliegt und wie sensitiv das Gerät ist,
vertraue ich auch nicht mehr blind jeder Anzeige.

Natürlich fällt mir dann beim Museumsbesuch auf, daß bei radioaktiven Mineralien Kennzeichnung und Abschirmung fehlen.
Auch werden häufig Reichweiten von Strahlungsarten unabhängig von ihrer Energie in cm angegeben. Stimmt so nicht.
Wer benutzt schon Handschuhe oder Papierunterlagen? Jousie-Dosen als maximaler Schutz?
Sammler oder andere Berufsgruppen scheinen geringere Sicherheitsstandards zu haben.

Durch das crossover von Hobby und Job  musste ich zwangsläufig über die Widersprüche stolpern.
Ich möchte das hier auch nicht werten, aber wenigstens mal kurz beschreiben, um die Frage zu beantworten.
Zum Schluß noch ein Schnappschuss von so einem Arbeitsplatz.

Gruß
Norbert






Offline Josef 84,55

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Re: Abschirmung von Pechblende - Bremsstrahlung?
« Antwort #17 am: 06 Sep 11, 14:21 »
"Wer benutzt schon Handschuhe oder Papierunterlagen? "
Ich tue das, wenn ich mit "heißem" Material wie Pechblende mit Sekundärmineralien arbeite. Ich lege einfach eine nasse Zeitung unter's Mikroskop und beim pressen kommt auch Zeitung um das Stück.
Gelagert werden die Stücke wenn es geht gedost im Heizungskeller (kein Aufenthaltsraum und gut belüftet) ohne besondere Schirmung.

Grüße Josef