Hallo
Herrscht Deiner Ansicht nach unter Biologen eine größere Vorsicht vor? So habe ich Deine Andeutungen jedenfalls aufgefaßt.
Das ist zumindest mein ganz persönlicher Eindruck. Der unterschiedliche Umgang könnte daran liegen, daß Sammler radioaktive Materialien
als Bestandteil einer natürlichen Umgebung betrachten, während die Bio-Fraktion den Umgang mit Radioaktivität eher als potentielle Gefahr ansehen,
der mit strengen Kontroll- und Sicherheitsvorkehrungen begegnet werden muss.
Inkorporation/Inhalation/Strahlenexposition muss um jeden Preis vermieden werden.
Diese Maßnahmen hinterlassen ihre Spuren - auch bei mir.
So muss jeder, der mit freien Isotopen arbeiten will, beim Betreten und Verlassen durch eine Schleuse mit Handflächenzähler.
Bevor es los geht, wird der Arbeitsbereich
gründlich gemessen, um Kontamination durch den Vorgänger auszuschließen.
Spätenstens jetzt hat man verinnerlicht, daß man in einem Sicherheitsbereich arbeitet.
Während des Arbeitens wird peinlich darauf geachtet, welches Papiertuch, welcher Puffer kontaminiert und damit als Sondermüll gesammelt werden muss.
Die Isotope sind im Gegensatz zu Mineralien in wässriger Lösung. Ein unbedachter Spritzer auf dem Tisch oder Boden, und schon kann man mit Handschuhen oder Schuhen im Handumdrehen einen ganzen Raum kontaminieren. Im günstigsten Fall entdeckt man das bei der Endkontrolle selbst. Dann ist man länger mit Dekontamination beschäftigt.
Entdeckt es erst der Nachfolger, hat man ein Problem....
Man ist beim Arbeiten durch eine Plexiglasplatte abgeschirmt, die Proben - übrigens fast alles Betastrahler mit HWZ von nur Monaten - sind abgeschirmt.
Alles gekennzeichnet. Der Abklingraum bleiverkleidet. Am Kittel hängt ein Filmdosimeter. Handschuhe sind Pflicht.
Um all die vielen Sicherheitsbestimmungen nicht zu vergessen, bekommt jeder einmal im Jahr die gesetzlich vorgeschriebene Strahlenschutzbelehrung über
Strahlenarten, Messungen, Bremsstrahlung, Probenverwahrung,Entsorgung etc., eine sehr beliebte Veranstaltung...
Ich hatte meinen Kollegen mal wegen der Fluoreszenz einige Uranglimmer mitgebracht. Als sie erfuhren, was es ist, sind fast alle unwillkürlich
ein paar Schritte zurückgegangen, den UV-Effekt fanden sie dann aber doch gut !
Es ist sicher verständlich, daß ich einen Teil dieser hier nur kurz umrissenen Arbeitsbedingungen mit nach Hause nehme und
beim Umgang und Lagerung von radioaktiven Mineralien nicht alles über Bord werfen kann.
Nun sind im Hobby-Keller nicht so viel Leute zugange, daß ein solcher Aufwand wie oben gerechtfertigt wäre.
Auf der anderen Seite haben die kleinen Krümelchen und Stäube auf dem Tisch oder Boden eine höhere HWZ.
Kleine Unachtsamkeiten im handling entdeckt man leichter, wenn man Bedingungen wie oben schon kennt.
Da es verschiedene Arten von Zählkammern gibt und ich nicht weiss, was für ein Strahlengemisch vorliegt und wie sensitiv das Gerät ist,
vertraue ich auch nicht mehr blind jeder Anzeige.
Natürlich fällt mir dann beim Museumsbesuch auf, daß bei radioaktiven Mineralien Kennzeichnung und Abschirmung fehlen.
Auch werden häufig Reichweiten von Strahlungsarten unabhängig von ihrer Energie in cm angegeben. Stimmt so nicht.
Wer benutzt schon Handschuhe oder Papierunterlagen? Jousie-Dosen als maximaler Schutz?
Sammler oder andere Berufsgruppen scheinen geringere Sicherheitsstandards zu haben.
Durch das crossover von Hobby und Job musste ich zwangsläufig über die Widersprüche stolpern.
Ich möchte das hier auch nicht werten, aber wenigstens mal kurz beschreiben, um die Frage zu beantworten.
Zum Schluß noch ein Schnappschuss von so einem Arbeitsplatz.
Gruß
Norbert