Mineralien / Minerals / Minerales > Systematik und Klassifikation / Systematics and Classification

Biotit

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uwe:
Ich habe gerade gelesen, daß Biotit nicht mehr als eigenständiges Mineral anerkannt wird. Stimmt das und wie nennt man dieses dunkle Glimmermineral nun ?

Uwe

cmd.powell:
Hi Uwe

So 100% schlau bin ich aus der Umbenennung auch noch nicht geworden. Offenbar steht Biotit nun für die Gruppe der dunklen Glimmer, ähnlich wie Turmalin für eine ganze Mineralgruppe steht. Die Gruppe teilt sich auf in allerlei Einzelminerale wie Annit, Phlogopit und Siderophyllit. Welches Mineral man jetzt anstelle von Biotit in seine Sammlungsdatenbank hacken muss, kann man also nicht pauschal sagen. Ich habe - meine ich - erstmal Annit genommen bzw. größtenteils weiterhin Biotit stehen gelassen. Irgendwo hört es für den "normalen" Sammler auf, das alles noch genau zu verstehen und auseinander zu klabüsern. Ich könnte jetzt zwar alle meine "Biotite" in der Uni Hannover analysieren, allerdings hab ich ehrlich gesagt auch was Besseres zu tun...

Grüße

Markus

P.S.: Das Biotit diskreditiert wurde, ist allerdings auch schon wieder gute zehn Jahre her. Inzwischen wurden noch ganz andere klassische Minerale diskreditiert, z.B. Pyrochlor - das nervt total, Systematik macht immer weniger spass...

uwe:
Hallo Markus,

mit Deinen Bemerkungen zum "Verkomplizierungseifer" der IMA hast Du mir voll aus dem Herzen gesprochen. Natürlich werde auch ich kein Etikett, auf welchem Biotit steht ändern. Ich wollte halt nur mal wissen, was es mit Biotit auf sich hat. Nun gibt es auch an Stelle von Pyrochlor x-dazu gehörende Minerale, welche ein normale Sammler kaum auseinander halten kann.

Wissenschaftlich ist das alles interessant und wohl auch berechtigt. Für einen Mineraliensammler, welcher aus Spaß an der Freud' sammelt, sollte aber an einer Stelle der Aufteilung Schluß sein.

Uwe

cmd.powell:
Hi Uwe

Ich bin mir gar nicht mal so sicher, ob man hier wirklich von "Verkomplizierungseifer" reden kann. Sicherlich ist es für den Mineraliensammler komplizierter, anstelle eines relativ allgemeinen Minerals wie z.B. Biotit nun plötzlich drei, vier, fünf oder gar noch mehr verschiede Minerale zu haben. Für die eigentliche Systematik, wo es um Strukturen und Zusammensetzungen geht, ist es oft eine Vereinfacherung, da nun anstelle einer ziemlich variablen Größe, die immer nur in weiten Parametern erfasst werden kann, einige klar definierte Strukturen treten. Klar, uns Sammlern nutzt das nix, da wir keine Möglichkeit haben, eben jene Strukturen und Zusammensetzungen zu erfassen. Aber Mineralogie bleibt ja eine Wissenschaft und das ist auch gut so.
Als Sammler geht man letztlich so viele Kompromisse ein, da kommt es auf einen oder zwei mehr auch nicht mehr an. Letztlich ist das Bestimmen von Mineralien für uns Sammler bei allem was über Quarz und Calcit hinaus geht eh nur Glückssache: Wir trauen dem Verkäufer oder der Literatur, ohne es wirklich verifizieren zu können. Ok, es gibt genug Minerale, die man wahrlich mit einfachsten Mitteln genau bestimmen kann, aber wenn ich mal so in meine Systematiksammlung schaue - au weia. Und dabei gebe ich mir noch sehr viel Mühe, möglichst alles über Bilder etc. zu bestimmen (also was ich so gekauft und getauscht habe). Bei Eigenfunden hab ich noch keine besonders große Systematikbandbreite erreicht und kann da noch konsequent sein, was Analysen anbetrifft. Nur auch mit der besten Ausrüstung kommt man irgendwann an Grenzen. Immerhin konnte ich beweisen, das es auf Helgoland keinen Coelestin, sondern nur Baryt gibt - so einfach und banal, und trotzdem haben es etliche Sammler über Jahrzehnte einfach so hingenommen ! Also, Mineraliensammeln heist letztlich auch, die Ungewissheit in Kauf zu nehmen. Ich freue mich dann, wenn es hübsch ausschaut, auch wenn ich nicht weiß, was es ist. Ich hab noch einiges an Zeugs liegen, jedoch immer nur ein oder zwei mikrige Kristalle - da werde ich nie rausbekommen, was es ist. Ich werde es trotzdem überleben  ;)

Grüße

Markus

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