https://www.mineral-bosse.dehttp://www.phillisverlag.de/Kalender-Shop/Mineralienkalender/https://www.lithomania.de

Autor Thema: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz  (Gelesen 12669 mal)

0 Mitglieder und 1 Gast betrachten dieses Thema.

Offline Jörg

  • *****
  • Beiträge: 669
  • Machmal kommen sie auch von oben
    • Homepage
Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« am: 29 Nov 11, 20:56 »
Hallo zusammen,

mich beschäftigt folgende Frage, auf die Ihr bestimmt eine Antwort parat habt:
Die Entstehungsbedingungen von echtem Rauchquarz, soweit mir bekannt, unterliegen generell einem Milieu mit ionisierender Strahlung. Lässt sich dieses 1:1 auch auf Geschiebe anwenden? D.h., wenn die Quarze in Geschieben rauch-grau sind, ist das ebenfalls immer ein sicherer Hinweis darauf, dass die Bildung in einem ionisierenden Umfeld stattfand?
Da viele Magmatite eine höhere Strahlung besitzen, erscheint es doch logisch, dass sehr viele Quarze in diesen Gesteinen grau gefärbt sind.
Oder habe ich hier einen Denkfehler?  ???

Viele Grüsse und Glück Auf!
Jörg

Offline Jochen1Knochen

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.137
  • In meinem Brunnen ist ein Quarzgang
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #1 am: 29 Nov 11, 21:11 »
Hallo!
Ich denke mal,daß sich das in den Gesteinen so nicht verwerten läßt.Im Gestein ist der Quarz nicht sauber und enthält neben Gasen und Flüssigkeiten auch Mikroeinschlüsse anderer fester Mineralien.
Gruß Jens

Offline Breker

  • inaktiver User
  • ***
  • Beiträge: 95
  • Fakeprofil
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #2 am: 29 Nov 11, 21:58 »
Hallo Jens,

Im Gestein ist der Quarz nicht sauber und enthält neben Gasen und Flüssigkeiten auch Mikroeinschlüsse anderer fester Mineralien.

und das ist in einem hydrotermalen Gang oder einem Pegmatit anders?  8)

Offline Hammerfaust

  • ***
  • Beiträge: 122
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #3 am: 30 Nov 11, 08:39 »
Hi Jörg,

soweit ich weiß, muß der Quarz, zusätzlich zur Strahlung die er abbekommt, im Kristallsystem noch einen Baufehler haben um die rauchige Farbe zu bekommen.
Z.B habe ich gelesen, dass in Afrika? Rauchquarze vorkommen die mangels Strahlung klar wie Bergkristall sind.
Ich habe leider noch keinen derben Rauchquarz gesehen, aber vorstellen könnte ich es mir schon, dass er im Geschiebe vorkommt. Oder einzelne Kristalle die sich aus einer Kluft lösen.
Aber wie Jochen schon schreibt, tippe ich eher darauf, dass der Quarz den Du findest verunreinigt ist.

Schöne Grüße Hammerfaust

Offline Axinit

  • *****
  • Beiträge: 971
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #4 am: 30 Nov 11, 09:56 »
Servus,

Rauchquarz (inkl. Morion) entsteht i. A. durch Einwirkung natürlicher radioaktiver Strahlung auf Aluminium-haltigen Quarz. Dies fuehrt zur Bildung von Farbzentren  (Defektelektronenzentren). Farbloser Quarz kann auch durch geeignete Bestrahlung in Rauchquarz umgewandelt werden.

Erhitzen auf Temperaturen ueber 180 Grad C zerstoert die Farbzentren, der Quarz "verblasst".

Wer es noch genauer wissen will, bekommt von KRIZU gerne einen Crash-Kurs in Festkoerperphysik  ;D.

ABER: nicht jeder dunkel gefaerbte Quarz ist ein Rauchquarz. Es gibt z.B. dunkle bzw. schwarze Quarze, deren Faerbung durch Bitumeneinschluesse verursacht wird.

GA

Harald
« Letzte Änderung: 30 Nov 11, 11:07 von Axinit »

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #5 am: 30 Nov 11, 10:10 »
Nee - lass mal.
Quarze sind bei Aca besser aufgehoben ;-)

MfG

Frank

Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #6 am: 30 Nov 11, 12:21 »
Hallo,

Zitat
Z.B habe ich gelesen, dass in Afrika? Rauchquarze vorkommen die mangels Strahlung klar wie Bergkristall sind.

jetzt wird es lustig  :D

"Klar wie Bergkristall" IST Bergkristall. Wenn dem die "mangelnde Strahlung" beigebracht wird tritt eine Verfärbung ein (ist dann immer noch ein bestrahlter Bergkristall und eben kein Rauchquarz). Geschäftstüchtige Leute machen im großen Stil solche Fälschungen, viele auf ebay angebotenen "Rauchquarze" sind leider bestrahlte Bergkristalle. 

Gruß
Berthold

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #7 am: 30 Nov 11, 13:10 »
Hallo,

das Gegenteil von klar ist trübe, von weiss ist schwarz.

Gelber Apfelsaft kann klar oder trüber sein :-) Rauchquarz kann selbstverständlich klar und gefärbt sein...

MfG

Frank

Offline Jörg

  • *****
  • Beiträge: 669
  • Machmal kommen sie auch von oben
    • Homepage
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #8 am: 30 Nov 11, 13:51 »
Hallo zusammen,

wollte mich an dieser Stelle schon mal für die Antworten bedanken. Ich ziehe als Resume, dass es theoretisch zwar schon möglich wäre, aber doch eine Vielzahl von anderen Faktoren bei Magmatiten mit einfließen kann.

Glück Auf!
Jörg

Offline berthold

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.708
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #9 am: 30 Nov 11, 14:23 »
Hallo Frank,

absolut richtig, nur wenn "mangels Strahlung klar wie Bergkristall" gesagt wird gehe ich stillschweigend davon aus, dass mit "klar" hier doch "ungefärbt" gemeint ist. Denn normalerweise wird die Strahlung färben, nicht trüben.

Zum Geschiebe-Rauchquarz: Das könnte man natürlich untersuchen. Echter Rauchquarz verblasst bei Temperaturen, die im heimischen Backofen machbar sind.

Denkbar ist, dass die Färbung mehrere Ursachen hat, möglicherweise auch Rauchqaurz-Farbzentren. Würde diese Vermutung zutreffen, sollte der Temperatur-Entfärbeversuch "nur" zu einem helleren Grau führen. 

Gruß
Berthold

Offline Krizu

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 3.123
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #10 am: 30 Nov 11, 14:51 »
absolut richtig, nur wenn "mangels Strahlung klar wie Bergkristall" gesagt wird gehe ich stillschweigend davon aus, dass mit "klar" hier doch "ungefärbt" gemeint ist.

Tja, meistens ist es klar, aber oftmals wird es durcheinander gewürfelt.

MfG

Frank

Offline Hammerfaust

  • ***
  • Beiträge: 122
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #11 am: 30 Nov 11, 17:40 »
Klar, dass klar klar ist.
Sorry wenn ich das hier falsch ausdrücke. Ich hatte es so verstanden, dass nicht jeder Quarz ein Rauchquarz werden kann, da er Aluminium im Kristallgitter eingebaut haben muß. Nun kommen dort in Afrika die beschriebenen Kristalle vor, nur das sie mangels Strahlung nicht Rauchig geworden sind aber rein Theoretisch ein Rauchquarz sind/hätten werden können.

Würde mich interessieren was bei dem Ofentest herauskommt.

Schöne Grüße Hammerfaust

Offline Steinmetz

  • ***
  • Beiträge: 180
  • Ein...Stein muss sein !
    • vogtlandkristall
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #12 am: 30 Nov 11, 19:07 »
Hallo Hammerfaust

nun mach es mal nicht noch komplizierter als es schon ist!
Auch wenn die chemischen Grundlagen in der Quarzstruktur stimmen haben wir noch lange keinen Rauchquarz vorliegen. Erst durch die natürliche radioaktive Bestrahlung bilden sich im Kristall die Farbzentren.
Als weiterführende Literatur empfehle ich Dir das Buch von R. Rykart  ,,Quarz-Monographie´´. Hier findest Du ab Seite 151 eine Erklärung zum Thema ;).

Besten Gruß vom Steinmetz.

Offline Jochen1Knochen

  • inaktiver User
  • ******
  • Beiträge: 2.137
  • In meinem Brunnen ist ein Quarzgang
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #13 am: 30 Nov 11, 20:13 »
Hallo Jens,

Im Gestein ist der Quarz nicht sauber und enthält neben Gasen und Flüssigkeiten auch Mikroeinschlüsse anderer fester Mineralien.

und das ist in einem hydrotermalen Gang oder einem Pegmatit anders?  8)

Hallo!
Ja!Das ist anders!
Das bewirkt schon der Effekt des Hochquarzes zum Tiefquarz.
Die Pegmatitbildungen und Hydrothermalen Gangquarze sind Tiefquarze(Bildung ab 573Grad abwärts),während sich das Gestein selber durch das Magma bildete.
Gruß Jens

Offline Jörg

  • *****
  • Beiträge: 669
  • Machmal kommen sie auch von oben
    • Homepage
Re: Entstehungsbedingungen von Rauchquarz
« Antwort #14 am: 30 Nov 11, 20:29 »
Hallo,

Zitat
Zum Geschiebe-Rauchquarz: Das könnte man natürlich untersuchen. Echter Rauchquarz verblasst bei Temperaturen, die im heimischen Backofen machbar sind.
Zitat
Erhitzen auf Temperaturen ueber 180 Grad C zerstoert die Farbzentren, der Quarz "verblasst".
Zitat
Würde mich interessieren was bei dem Ofentest herauskommt.

Hat sich zwar meine Frau gewundert, dass ich den Ofen angeschmissen habe, und sich dann auf Weihnachtsplätzchen gefreut ... bis sie den Porphyr darin gesehen hat   :-[
Werde dann morgen welche backen  ::)

Hier das Ergebnis: Die rauchigen Quarze sind in der Tat deutlich heller geworden. War ne gute Idee!

Glück Auf!
Jörg