Bergbau und Verhüttung / Mining and Smelting / Minería y Fundición > Zeugen des Bergbaus / evidence of mining

Bergbau auf Karbid ??? - Wer kann helfen

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Collector:
Hallo

In meiner näheren Umgebung im Pyrenäen-Vorland gibt es Überreste einer "Karbid-Mine". Nun, das hört sich auf jeden Fall komisch an, denn Karbid ist - soweit ich es gelernt habe - kein natürliches Gestein, auch kein Gemisch und schon gar kein Mineral.

Was könnte das gewesen sein ?
Da gibts am Eingang zum frei zugänglichen Steinbruch eine kleine Info-tafel (siehe Anhang, in katalanisch), darauf steht:

*Das Karbid (El Carbur)
*Die Steine welche Licht machen
*Gehweg zum Karbidsteinbruch
*Dieser Bergeinschnitt ist ein alter Tagebau, in welchem Karbid abgebaut wurde, welches(r) als natürliche Lichtquelle benutzt wurde.
*Der Abbau endete zu Beginn des 20. Jh., als man mit (zunehmender ) Elektriziät das Interese an Karbid verlor.
*Ende 1940 wollte man die Arbeiten in der Mine wieder aufnehmen, doch aufgrund der niedrigen Rentabilität wurde der Abbau definitiv aufgegeben.

Ich füge ein zweites Bild mit einer freistehenden Wand bei.  Das sind plattig geschichtete Kalke, dazwischen schwarze, fast kohlenartige  Imprägnationen.
Um was könnte es sich hier gehandelt haben ?

Danke und besten Gruß
Peter Seroka aka collector

Axinit:
Servus,

das ist ja interessant !

Die Bildung von Calciumcarbid (gemeinhin als "Karbid" bezeichnet) aus Kalk & Kohle erfordert Temperaturen um die 2000 Grad Celsius. Karbid ist unter Umgebungsbedingungen nicht stabil, da es durch Wasser lebhaft unter Bildung von gasfoermigem Acetylen und Calciumhydroxid zersetzt wird.

Koennte es sich bei "El Carbur" vielleicht um das Ausgangsmaterial (bituminoeser Kalk o. ae.) fuer eine Art von "Steinoel" oder "Schieferoel" handeln, wie es auch heute noch von der Fa. Ichthyol AG abgebaut wird ?

Derartige bitumenhaltige Produkte sind natuerlich brennbar ...

GA

Harald

triassammler:
Hallo Peter,

das Aufschlussfoto zeigt eine Abfolge von Kalk- und Sandsteinen und geringmächtigen Kohleflözen, wie sie für die karbonischen paralischen Steinkohlenvorkommen Nordspaniens recht typisch ist. Kann es sein, dass der Abbau damals dort auf Kalkstein und Kohle zur Karbidherstellung umging? Und die Tafel lediglich eine allzu freie bzw. halbwissende Darstellung dieser Begebenheiten gibt?

Gruß,
Rainer

Collector:
Hallo Rainer

danke. Ja, das mag sein, jedoch liegen die "paralischen" (sedimentär in Meersnähe entstanden) spanischen Steinkohlevorkommen allesamt in Küstennähe des Kantabrischen Meeres in Asturias. Das Foto von mir zeigt jedoch Kalksteine in den Ost-Pyrenäen - etwa 1.000 km von den Steinkohlevorkommen entfernt. Hier gibt es keine Steinkohle.

Ich konnte auch nach bisher drei Besuchen in diesem Vorkommens kein Fitzelchen Kohle festellen. Es gibt eine schwarze Substanz, welche im Kalk disseminiert oder leicht schlierig ist.   Meine Vermutung geht eher in Richtung Kohlekalk, bituminöse Kalke oder Bitumen, wenngleich ich auch davon bisher kein Gramm finden konnte. Aber vielleicht sehe ich auch den Wald vor lauter Bäumen nicht.  Oder es  sind einfach alle Reste des ehemaligen Bergbaus verschwunden.

Aber wo Du schon mitdenkst: Weißt Du, ob sich die Kohlekalkfazies bis nach Nordostspanien erstreckt hat ?  Und, wenn dem so ist, könnte man Kohlekalke zur Herstellung von Calciumcarbid verwenden ?

Gruß für heute Nacht
Peter

Doc Diether:
Hallo Peter,
also: chemisch und geologisch kanns den Karbid nicht so in der Natur geben. Wäre ein neues Mineral oder Gestein! Schätze, daß es sich um Halbwissen handelt. Auch den Kohlekalk könnte ich mir zur Herstellung von Karbid schlecht vorstellen; aber vielleicht wars das Ausgangsmaterial und man hat noch Kohle zugesetzt und dann im Lichtbogen den Karbid erzeugt.
Geht aber nur in der Nähe von viel "Elektrizität", also Kraftwerksnähe.
Gruß
Diether

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