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Autor Thema: Kristallwachstum und platonische Körper  (Gelesen 17279 mal)

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Offline Krizu

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #15 am: 04 Jan 12, 09:20 »
Beim Calcit gibt es als Vicinalfläche sogar dreistellige Indizes, also sowas wie 372.128.-500.72 oder so, den genauen Wert habe ich mir nicht gemerkt. Allerdings werden diese Flächen allsamt als selten bzw. unsicher aufgeführt.


Vinizialflächne haben einen anderen Wachstumsmechanismus durch die Schraubenversetzung. Daher würde ich die jetzt nicht anführen und habe die zu Beginn ausgeschlossen - siehe auch weiter unten

Zitat
Wo schon grade das "Legosteinprinzip" (oder die Hauy-Darstellung) von Kristallen angesprochen wurde habe ich mir im Zuge der Betrachtung der Calcitzeichnungen im Goldschmidt die Frage gestellt, ob besonders an den Kristallgrenzen, also letztlich den Flächen, wirklich immer vollständige Elementarzellen vorliegen. Ok, bei einfachen Verbindungen oder Elementen mit kleiner Z-Zahl sicher, aber wie schaut es bei Elementarzellen mit großen Formeleinheiten und/oder Z-Zahlen aus ? Wird eine Elementarzelle immer vollständig aufgebaut oder kann es sowas wie reliktische Elementarzellen geben ? Im Studium hab ich davon nichts gehört bzw. wurde immer nur das "Legosteinprinzip" verfolgt.

An dem Thema hänge ich auch gerade :-) Nein, die Einheitszellen sind nicht immer vollstängig, siehe O-Lücken im Rutil auf den {110} oder Al27 NMR mit 5fach-Koordination in Al2O3.

Im Prinzip werden keine Elementarzellen angelegt, sondern Baugruppen. Auf einer DGKK-Tagung in den neunzigern gab es einen Vortrag, imho über CdTe oder einen vergleichbaren Halbleiter, bei dem die notwendige Unterkühlung in Abhängigkeit von der Überhitzung der Eigenschmelze unterucht wurde. Siehe da, strk überhitzte Schmelzen (20K) brauchten eine größere Unterkühlung für die gleiche Wachtumsrate. Die Interpretation war ein Aufbrechen von Clustern.

Das Wachstum scheint auf wenige wachstumsaktive Zentren an der Oberfläche beschränkt zu sein. Sonst könnten nicht so viele Substanzen in so geringen Konzentrationen Wachstumsgifte sein. Die Mengen reichen nciht für annähernde Monolagen (z.B. ppb Chlorid in einigen Oxid-Schmelzen).

Zitat
Abgesehen davon kam diese Frage auch erst heute Nachmittag in mir auf. Grade in Bezug mit hoch indizierten Flächen ist diese Frage sicherlich nicht ganz uninteressant. Die Atome bzw. Moleküle werden sicherlich nicht "wissen", das sie zu der einen oder anderen Elementarzelle gehören. Sie folgen nur den Gesetzmäßigkeiten der Thermodynamik und der Physik und ordnen sich energetisch günstig an. Sowas wie Elementarzelle ist letztlich nur ein Hilfskonstrukt, damit wir das Phänomen leichter erfassen und verarbeiten können, aber nichts Reales - oder ?
Oder definiert man die Elementarzelle als abstraktes Konstrukt, welches Aufgrund der Translationsfähigkeit beliebig auf die entsprechenden Atom/Molekülgruppen projeziert werden kann und somit nie und gleichzeitig immer (wie es nunmal bei abstrakten Definitionen so ist) vollständig mit dem Kristallkörper abschließt ? Das wäre auf jeden Fall plausibel. Allerdings muss man dann auch das Legosteinmodell entsprechend verstehen bzw. abstrakt sehen. Ok, genug davon. Wie schon gesagt, mit kam heute Nachmittag erstmalig dieser Gedanke...

Die Elementarzellen sind Menschen gemacht, insbesondere mit den hohen Z-Werten. Es gibt immer eine Einheitszelle mit Z=1, siehe Wigner-Seitz-Konststuktion. Die sich anlagernde Baugruppe sieht eine Fläche, adsorbiert und desorbiert oder findet einen energtisch günstigen Platz.

Zitat
@Frank: Die Zeit ist der entscheidene Punkt und auch der Knackpunkt, weshalb viele Probleme mit z.B. der Evolutionstheorie haben: Menschen können solch lange Zeiträume nicht mehr erfassen und folglich habe sie Probleme mit den zufälligen Gegebenheiten. Auf der anderen Seite wächst der eine oder andere Kristall sicher auch im Laufe von Jahrhunderten, Jahrtausenden oder gar noch länger.
Klar - aber schau dir mal die Probleme an einen DNA-Kristall zu züchten :-) Da ist das Molekül schneller gebaut. Stichwort Bindungsenergien und Kristallisations"energie".

Mfg

Frank

Offline Hg

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #16 am: 04 Jan 12, 11:39 »
Hallo,
auf Wunsch hin wurde das Thema geteilt. Viel Spaß bei der weiteren (hochinteressanten!) Diskussion.
Grüße,
Andreas

Offline berthold

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #17 am: 04 Jan 12, 13:44 »
Hallo,

Zitat
Wird eine Elementarzelle immer vollständig aufgebaut ?

nein. Die Elementarzelle ist ein Modell für den periodischen inneren Aufbau, auf der Oberfläche gelten in der Nanowelt andere, recht komplexe Gesetze. Wie die Oberfläche tatsächlich aussieht untersucht man heute mittels Rasterkraftmikroskopie. Allerdings steckt unser Wissen - gerade was natürlich gewachsene Kristalloberflächen betrifft - noch sehr in den Kinderschuhen. Es spielen nämlich viele Faktoren (Temperatur, Chemie der Umgebungs-Milieus, ...) derart herein, dass sich die Atome an der Oberfläche typischerweise reorganisieren, also anders (symmetrisch) anordnen. In die Oberfläche können und werden auch fremde Atome (z.B. Sauerstoff aus der Luft) an- und eingelagert. Ein [111] gespaltener Fluorit wird beispielsweise nur im UHV und unterhalb einer gewissen Temperatur die in seinem Inneren zu findende regelmäßige Anordnung der F-Atome zeigen.   

Zitat
Was beim Pyrit als höchste Indizes trachtbestimmend vorkommt hab ich noch nicht nachgeschaut, ich denke aber mal, solche drastischen Werte wird es dort nicht geben.
richtig, obwohl durchaus zwei und (fragliche) dreistellige Indizes auftauchen - die sind beim Pyrit nie alleinig / trachtbestimmend. Übrigens stehe ich der Bestimmung/Messung von sehr hohen Indizes in der alten Literatur sehr skeptisch gegenüber. Für dreistellige Indizes würde ich gerne mal eine Fehlerrechnung sehen  >:D

Wenn schon keine regulären Pentagondodekaeder-Kristalle möglich sind (auch nicht mit sehr hohen Indizes), freuen wir uns über fast perfekte kubische Pentagondodekaeder.
Spanien/La Rioja/La Rioja, Provinz/Arnedo, Comarca/Muro de Aguas, Municipio/Ambasaguas (Ambas Aguas)
Kristallwachstum und platonische Körper

 
Gruß
Berthold

Offline smoeller

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #18 am: 04 Jan 12, 14:55 »
Hallo,

Letztlich reden wir hier über verschiedene Dinge:

1. Die Kristallographie im Sinne einer mathematischen (geometrischen) Beschreibung (Punkt- und Raumgruppen, Symmetrien, Körper, Flächen usw.). Hier wird von einer dreidimensional periodischen Anordnung starrer Grundbausteine (Kugeln oder Punkte z.B.) ausgegangen.  Auf die wendet man die Gesetzmäßigkeiten an und erhält ein Punkt- bzw. Raumgitter, das den vorgegebenen Gesetzmäßigkeiten folgt. In der Natur, im Realkristall gibt es jedoch Baufehler und andere Störungen dieser Prinzipien.

2. Kristallchemie: Im Wesentlichen wird der Aufbau eines Kristalls von der Art seiner Bausteine beeinflusst. Das können im einfachsten Fall (echte Metalle, z.B. Silber oder Kupfer) tatsächlich annähernd Kugeln sein, die ein dreidimensional periodisches Gitter besetzen. Das können aber halt auch einfache Paare von Kationen und Anionen (z.B. Halit) sein, oder aber ganze Ionenkomplexe, wie in den Silikaten mit ihren verknüpften oder isolierten SiO44--Baugruppen, bis hin zu annähernden "Polymeren" wie den Zeolithen oder Feldspäten mit ihrem Alumosilikat-Gerüst.
Zwei wichtige Begriffe sind Radius und Bindung. Der Radius ist im Wesentlichen von der Art der Bindung und der Wertigkeit abhängig. Auch die unterschiedliche Anziehung durch Nachbarn beeinflusst die Form und den Abstand von Atomen. Die Art der Bindung (Metallbindung, Ionen-, Atom- oder Van-der-Waals-Bindung) beeinflusst die Art und Stärke der Anziehungskräfte im Kristall und damit auch den Radius, den ein Baustein einnimmt. In der Regel liegen in der Natur Mischbindungen vor, es überwiegt z.B. Ionenbindung, tw. liegt aber auch Atombindung vor. Reine Metallbindung ist noch am Häufigsten, gefolgt von Ionenbindung, z.B. im Halit.

Nehmen wir den Atomradius, so wird auch das Beispiel mit dem PbS und ZnS offenbar. Man kann sich das in erster Näherung wie Fußbälle vorstellen, die die großen Anionen darstellen, dazwischen dann verschiedene kleinere Bälle für die Kationen. Sind die Kationen sehr klein (z.B. Zn2+, so passen sie leicht in die Lücken, etwa Golfbälle zwischen den Fußbällen. Sind die Bälle größer, so stoßen sie irgendwann an die großen Bälle. Werden sie noch größer, z.B. Pb2+, so reicht der Platz nicht mehr aus und die Bälle müssen andere Lücken suchen.

In ZnS ist ein Zink-Kation tetraedrisch von 4 Sulfid-Anionen umgeben (Stichwort Diamant-Strukturtyp), im PbS ist ein Blei-Kation oktaedrisch von 6 Sulfid-Anionen umgeben (Halit-Strukturtyp).

Stichworte wären: Dichteste Kugelpackung, Tetraeder-/Oktaederlücken, Packungsdichte.

3. Kristallphysik: Beschreibt Feld- bzw. Tensoreigenschaften von Kristallen, z.B. Magnetismus, Piezoelektrizität oder Lichtbrechung.

Wenn wir rein über die Basics aus der Grundvorlesung reden, also Punkt- und Raumgruppen, Flächen, Indizes, Achsen, Winkel usw., interessieren uns 2. und 3. erstmal überhaupt nicht. Wir denken uns einfach starre Kugeln oder Punkte mit starren Verbindungslinien (so wie eines dieser Magnetspiele für Koinder mit Kugeln und Stäben), oder abstrahieren die Punkte auch gleich noch weg und sprechen gleich von Ebenen und Flächen, Achsen und Vektoren.

Wir schauen uns eine ideale Kugel oder einen Punkt an , auf den wir mathematische Operationen (was anderes sind ja Symmetrieelemente nicht, man kann sie als Vektoren oder Matrizen darstellen) anwenden.

Was sich durch alle möglichen Polaritäten, Verzerrungen, Radienverhältnisse, Tensorfelder etc. in der Realität nicht ändern kann, ist jedoch das der Symmetrie zugrundeliegende Prinzip der lückenlosen Füllung eines Raumes, d.h. im Prinziop der Verminderung der Energie. Man kann nun einmal mit 5- oder 7- zähligen Symmetrieelementen keinen Raum lückenlos füllen. Regelmäßige große Maschen würden eine hohe Energie an den Grenzflächen zur Folge haben, was Ungleichgewicht bedeutet. Ein solcher Kristall wäre bestrebt, in kleinere Einheiten mit niedrigerer Energie zu zerfallen. Es gibt ja Beispiele aus der Natur (Kapsidstrukturen von Viren, Seelilien etc.), aber auch dort gehorchen die kleineren Bausteine letztlich den Gesetzen der Kristallographie. Der Umriss der Calcitkristalle der Seelilienstiele mag zwar fünfzählige Symmetrie aufweisen, aber das trifft nicht auf die Calcit-Elementarzellen im Inneren zu.

Grenzflächen (was anderes sind Oberflächen ja nicht) sind wieder was ganz anderes. Erst in den letzten Jahren ist die Grenzfläche in den Blickpunkt der Physik und Chemie geraten, wo mit ortsauflösenten Methoden wie dem AFM die Oberfläche in atomarer Auflösung angeschaut werden kann. Hier kommen exotische Spezies vor, die mit dem Aufbau des darunterliegenden Kristalls wenig zu tun haben. Für den Mineralogen ist die Oberfläche eines Kristalls nicht so wichtig, ihm geht es ja eher um die Eigenschaften des gesamten Kristalls. Für Chemiker, die z.B. an Katalysatoren oder Oxidationsvorgängen arbeiten, oder an leitenden Oberflächen, ist die Grenzfläche von größter Bedeutung.

Es kann durchaus den Fall geben, dass z.B. beim Pyrit scheinbar 5-zählige Symmetrie auftritt. Das liegt dann aber daran, dass zwei unterschiedkiche Flächen in gleicher Form und Größe vorliegen (Ausgleichsform). Statt einer 5-Symmetrie liegt dann z.B. eine 2,3-Symmetrie vor, und Symmetrieelemente 2 und 3 sind ja erlaubt.

Glück Auf!
Smoeller

Offline cmd.powell

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #19 am: 05 Jan 12, 03:11 »
Hi

So, heute hab ich nochmal kurz über den Pyrit geblättert (eine vollständige Analyse der Kristallzeichnungen würde wahrscheinlich Tage in Anspruch nehmen) und wie vermutet gibt es dort keine hohen Indizes trachtbestimmend, allerdings hab ich in den Listen auch dreistellige Indizes gefunden - nur leider nicht die passende Zeichnung. Gleiches gilt auch für die extremen Indizes beim Calcit, ich gehe aber mal davon aus, das die Flächen entsprechend mickrig sind...

Zitat
Was beim Pyrit als höchste Indizes trachtbestimmend vorkommt hab ich noch nicht nachgeschaut, ich denke aber mal, solche drastischen Werte wird es dort nicht geben.
richtig, obwohl durchaus zwei und (fragliche) dreistellige Indizes auftauchen - die sind beim Pyrit nie alleinig / trachtbestimmend. Übrigens stehe ich der Bestimmung/Messung von sehr hohen Indizes in der alten Literatur sehr skeptisch gegenüber. Für dreistellige Indizes würde ich gerne mal eine Fehlerrechnung sehen  >:D

Nicht umsonst werden im Goldschmidt solche Flächen als selten bzw. unsicher angegeben. Leider hatte ich selber noch keine Gelegenheit mit einem Reflexionsgoniometer zu arbeiten, gelehrt wurde an dem Gerät auch nicht mehr. Eigentlich sind sie nur noch als Anschauungsstücke in den Vitrinen vorhanden. Daher kann ich nich abschätzen, in wieweit solche Messungen fehlerbehaftet sind oder nicht. Ich kann mir nur vorstellen, das die Ergebnisse mit zunehmendem Indizes unsicherer werden.

Was das Kristallwachstum betrifft bzw. die unvollständigen Elementarzellen, so war mir schon vor unserer kleinen Diskussion hier bekannt, das sich offene Bindungen absättigen bzw. an der Oberfläche chemische Reaktionen ablaufen, sobald sie mit Luftsauerstoff oder Wasser in Kontakt kommen. Meine Frage ging diesbezüglich auch eher auf den Zeitpunkt des Kristallwachstums. Zu diesem Zeitpunkt muß der Kristall in einem Medium gewesen sein, welches ein permanentes Anlagern von Bausteinen zu ermöglichen. Natürlich wird es schwer sein, diese Oberflächen zu untersuchen, da ja jede Veränderung der Umgebungsbedingungen sofort die Oberfläche beeinflussen wird.

@Frank: Die DNA ist natürlich ein ziemlich drastisches Beispiel für Kristallwachstum. Ist es überhaupt schon gelungen, DNA-Kristalle zu "ziehen" ? Und letztlich würde ich mich fragen, ob das überhaupt geht bzw. sinnvoll ist, da man den Kristall aus identischen DNA-Strängen aufbauen muß. Ich würde jetzt annehmen, das die nicht allzu lang sein dürfen, da sonst schon alleine die statistischen Streuungen, die bei der Multiplizierung der Stränge entstehen, einen streng regelmäßigen Aufbau verhindern.

Offline Krizu

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #20 am: 05 Jan 12, 09:10 »
Hallo,

wenn die Flächen klein oder gestuft sind, oder 300,300,301 sind gehe ich meist von 111 aus ;-)
Kleine Flächen sind nicht trachtbestimmend, oder ggf über Auflösung entstanden. Wir spielen nicht das Spiel welches ist die irrationalste Zahl (Wurzel aus 5 -1)/2 ;-)

Zur Flächenbelegung beim Wachstum:
Verschiedene Spezies lagern sich mit verschiedenen Adsorptionskonstanten an. Nehmen wir Wasser und Isoprop: Wasser liegt bevorzugt an vielen Oberflächen, steigerst du den Isoprop-Gehalt der Umgebung wird ein Teil des Wassers von der Oberfläche verdrängt und in der Luft nachweisbar.

Wie funktioniert ein Kristallwachstum?
1.) Eine Baugruppe lagert sich an de Oberfläche an
2.) Sie "wandert" an der Oberfläche
3.) a. Sie desorbiert
3.) b. Sie findet eine fest Bindung.

Das Wechselspiel von Verweilzeit/Desorption/Adsorption bestimmt das Wachstum. Überwiegt die Desorbtion löst sich der Kristall auf, ist die Zeit bis zum Treffen der Bindung extrem kurz, kann ein atomar rauhes Wachstum auftreten, da die Baugruppe quasi festfriert. Somit kann die Oberfläche ruhig belegt sein, wenn die Adsorpion und Oberflächendiffusion möglich ist. Schlimm wir es eher, wenn die Analgerung gestört ist.

In der Uni gab es eine Charge Nb2O5 zur Herstellung von I-V-Perowskiten, in der ppB an Chlorid war- rien ne vas plus. Die Interpretation: Das Chlorid legt sich fest an die Flächenstufe, Radius passt zu O2- aber nicht die Wertigkeit.

Zur DNA:
Die Struktur wurde per Laue und Co geklärt ;-) http://de.wikipedia.org/wiki/DNA#Entdeckungsgeschichte

MfG

Frank


Offline cmd.powell

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #21 am: 10 Jan 12, 03:30 »
Hi Frank

Also eine "fast-111" wirst Du im Goldschmidt nicht finden - so schlau waren die damals auch schon zu erkennen, das es sich bei dem Ergebniss um einen Messfehler handeln wird.

Zum Thema wandern von Baugruppen an der Kristalloberfläche: Hast Du da irgendwelche Literatur, die das tiefergreifend erklärt bzw. wo das untersucht wurde ? Immerhin würde solch ein Wandern die Bildung von z.B. Akanthitnadeln auf ged. Silber erklären, etwas, was bei mir persönlich immernoch mit einem Fragezeichen behaftet ist.

Naja, und die Tracht eines makroskopischen Kristalls wird letztlich immer durch die am langsamsten wachsenden Flächen bestimmt. Das man die Wachstumsgeschwindigkeit einzelner Flächen beeinflussen kann, wollte ich schon immer mal mit Alaun ausprobieren, bin aber irgendwie noch nicht dazu gekommen.

Offline Krizu

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #22 am: 10 Jan 12, 07:05 »
Hi,

ich habe einen Kollegen, der sich da tagelang mit beschäftigt hat. Aber ich schau gleich mal in den Wilke, was der hergibt.

Zum Alaun: Was wolltest du zugeben?

MfG

Frank


Offline Krizu

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #23 am: 11 Jan 12, 09:08 »
Hallo,

kurzes Ergebnis beim Kaffee: Kollege meint - da glaube ich ihm - das Silberatome an der Silberoberfläche hoch mobil sind. Ein MEchanismus könnte somit das "Hochschieben" der Nadel von der Basis aus sein.

MfG

Frank

Offline berthold

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #24 am: 11 Jan 12, 11:21 »
Hallo,

Zitat
Silberatome an der Silberoberfläche hoch mobil sind

das glaube ich auch. Auf jeder Oberfläche spielt sich mit Sicherheit was ab, da ist nicht nur einfach der Kristall zu Ende. Auch Fehlstellen sind ja oft mobil und manche zieht es an die Oberfläche. Gerade bei Silber kommen nicht zu vernachlässigende fotochemische Oberflächen-Diffusionseffekte dazu.

Und noch ein Gedanke: Wo Metalle, Schwefel, Oberfläche und Zeit im unsterilen System sind könnte man auch ein Auge auf mikrobilologische Vorgänge werfen. Wenn aus Markasit-Pyrit kleine Gips-Kriställchen wachsen wird oft Thiobacillus ferrooxidans einen Anteil daran haben. Ich habe allerdings keine Ahnung ob Ähnliches  für Akanthitnadeln auf Silber zutrifft.

Gruß
Berthold

Offline smoeller

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #25 am: 11 Jan 12, 21:29 »
Hallo,

Bei Silber denke ich eher an den fotochemischen Effekt. Silber und Kupfer sind auf Bakterien wirksamer als viele Antibiotika.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Krizu

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #26 am: 11 Jan 12, 21:48 »
aber kaum im Ultrahochvakuum einer Oberflächensonde ;-)

MfG

Fank

Offline berthold

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #27 am: 11 Jan 12, 22:10 »
Hallo,

Zitat
Silber und Kupfer sind auf Bakterien wirksamer als viele Antibiotika.

ja, aber nicht immer  ;). Es gibt z.B. ein Bakterium (Pseudomonas stutzeri AG259) das nicht nur recht resistent gegen Silberl(-ösungen) ist sondern sogar Silber in Form von winzigen Ag-Kristallen in seinen Zellen anreichert. Aber, wie gesagt, nur ein Denkansatz.

Und ja, fotochemische Prozesse sehe ich auch in erster Linie, aber man sollte fragen wo der Schwefel herkommt.

@Frank: Wachsen denn die Akanthitnadeln im UHV?

Gruß
Berthold

Offline smoeller

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #28 am: 11 Jan 12, 23:16 »
Hallo,

Für das Silber gäbe es zwei Quellen:

1. Sulfidschwefel aus begleitenden Sulfiden, z.B. Galenit

2. Schwefel aus org. Schwefelverbindungen und/oder Schwefeloxiden in der Luft

Fakt ist, dass in vielen Fällen Akanthitausblühungen besonders gut auf Silber wachsen, dass sekundär aus Sulfiden (Galenit, Fahlerz) hervorging, zumindest im Schwarzwald konnte ich das beobachten. Hingegen bleibt Silber von Wittichen, das allein ohne begleitende Sulfide in Baryt auftritt, oft jahrelang von Ausblühungen verschont, wenn es überhaupt ausblüht.

Wenn neben Sulfiden wie Galenit und Fahlerz auch Pyrit/Markasit vorläge (was zumindest im Falle mancher südschwarzwälder Erzgänge sehr wahrscheinlich ist, da diese dort größere Massen bilden, wäre auch die bakterielle Zersetzung dieser Eisensulfide als Quelle für S möglich.

Glück Auf!
Smoeller

Offline cmd.powell

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Re: Kristallwachstum und platonische Körper
« Antwort #29 am: 12 Jan 12, 02:32 »
Hi

Oha, das ist ja einiges geschrieben worde. Ok, in meinem konkreten Fall geht es um ged. Silber, welches in Form kleine Bleche im Cuprit zusammen mit ged. Kupfer von Helgoland vorkommt. Ich hab inzwischen zwei wahrlich beeindruckende Fälle, wo sich auf den Silberblechen wunderschöne nadelige Akanthite gebildet haben. Über die Herkunft des Schwefels stelle ich keine Frage: Die Brocken lagen in der Brandungszone am Felssockel von Helgoland wo reichlich Grünzeugs und entsprechendes Getier vorkommt. Ich gehe mal davon aus, das Bakterien tief in die poröse Matrix eingedrungen sind und beim Vergammeln reichlich Schwefel freisetzen. Primäre Sulfide gibt es dort nur sehr selten, daher gehe ich von biogenen Schwefel aus. Ich kann aber nichts über den Zeitraum des Wachstums sagen: Die betroffenen Stücke hatte ich gereinigt und danach gedost. Irgendwann - vielleicht ein oder eineinhalb Jahre später wollte ich von seltsamen schwarzen Körnern in dem einen Stück Proben für das REM nehmen und da war schon ein wahrer Akanthitrasen auf der Stufe. Seit dem hat sich nichts mehr merklich verändert. Die schwarzen Körner haben sich übrigens als Kohlenstoff herausgestellt - k.A., wie der in eine Cupritkonkretion kommt, könnte was mit der Bildung der Konkretionen zu tun haben.
Auf jeden Fall war die Stufe für den größten Teil der Lagerung bis zum Antreffen der Akanthite in nahezu absoluter Dunkelheit (in einem geschlossenen Schrank in einem nur durch Kunstlicht beleuchteten Keller). Ich halte daher photochemische Effekte für wenig wahrscheinlich, bestenfalls eine Aktivierung durch Licht oder sowas.
Ob da noch irgendein Bakterium an meinen Silberblechen nagt, kann ich natürlich nicht sagen - mag sein. Ich habe aber eher die Vermutung, das es sich um eine relativ einfache chemische Reaktion handelt. Silber und Schwefel bzw. Schwefelwasserstoff reagieren in Anwesenheit von Sauerstoff schon bei Raumtemperatur. Wichtig für ein Wachstum von makroskopischen Kristallen wäre dabei letztlich eine gewisse Mobilität der Silberatome und die scheint ja, wie ihr bestätigt habt, gegeben zu sein. Was mir letztendlich Beschäftigt ist die Tatsache, das ich auf meinen Stufen wirklich schöne, lanzenförmige Kristalle habe, oben dicker als an der Basis. Ich kann mir irgendwie schwer vorstellen, das die Kristalle aus dem Silber "rausgedrückt" wurden. Hinzu käm dann ja noch, das der Schwefel ja permanent über die Silberobefläche, die ja nun schon von dem herauswachsenden Akanthit bedeckt ist, wandern muss. Auf der anderen Seite müssten umgekehrt die Silberatome aus dem Silberblech herauswandern, an der Akanthitnadel "hochkrabbeln" und dort irgendwo mit dem Schwefel reagieren. Beide Modelle haben ihre "attraktive" Seiten und ihre "Macken". Frage ist letztlich: Was ist mobiler - Silber oder Schwefel ?

Achso, zum Alaun: Mit Borax soll man die übliche Oktaederform der Kristalle in Würfelform "verwandeln" können. Was ich irgendwo mal gefunden hatte und was mir derzeit noch durch den Kopf wandert ist 10% Borax in der Alaunlösung um (100) als vorherschende Form zu erhalten. Ich hab es aber noch nicht ausprobiert - naja, was man sich so alles im Leben vornimmt...

 

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