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Autor Thema: Ultramafit (Geschiebe)  (Gelesen 5194 mal)

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Offline Sprotte

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Ultramafit (Geschiebe)
« am: 27 Jun 12, 22:51 »
Guten Abend

Vor kurzem habe ich im Kreis Nordwestmecklenburg ein interessantes kleines Geschiebe (4,5 cm x 4 cm x 3 cm) gefunden, in dem ein, selbst von der Gesteinsart schwierig zu bestimmendes ultramafisches Gestein (ca. 90% des Geschiebes) an ein granitoides Gestein (ca. 10% des Geschiebes mit u.a. Feldspat und Quarz) grenzt und mit diesem am Kontakt eine Mischphase bildet. Das ultramafische Gestein besteht aus viel Magnetit (darum ist es auch ausgesprochen magnetisch), serpentiniertem Olivin (d.h. Serpentin-Minerale; zumindest ein Teil des Magnetits könnte ebenfalls daher stammen), kleinkörnigem, teils erkennbar isomorphem rotem Granat (max. 0.5 mm), viel ca. 1 mm großem farblosem oder allenfalls schwach getöntem, durchsichtigem bis durchscheinendem Phlogopit (eingeregelt) und anteilsmäßig unbedeutenderen weiteren Bestandteilen (u.a. Rutil?, jedoch kein Kalkspat). Die Dichte des gesamten Geschiebes beträgt 3,24 g/cm3 (archimedisches Prinzip), woraus sich mit der typischen Dichte von Granit (2,7 g/cm3) ein Dichtewert für den ultramafischen Anteil von etwa 3,3 g/cm3 ergibt. Das Gestein scheint gewisse Ähnlichkeiten mit ultramafischen lamprophyrischen Gesteinen (inkl. Kimberlit und Lamproit ) als auch entfernt mit Alnöit (dessen Zuordnung nicht ganz klar ist) zu haben.

Viele Grüße
Sprotte
« Letzte Änderung: 28 Jun 12, 12:15 von Sprotte »

Offline Sprotte

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #1 am: 28 Jun 12, 12:20 »
Hallo,

noch als Ergänzung: Die +/- eingeregelten Phlogopit-Kristalle leuchten beim Kippen des Gesteins um wenige Grad nacheinander hell auf.

Viele Grüße
Sprotte

Offline felsenmammut

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #2 am: 28 Jun 12, 12:35 »
Glück Auf!

anhand der Beschreibung könnte man darauf spekulieren, dass das Gestein in Richtung Gabbro zu ordnen wäre. Gabbros treten auch als gangförmige Bildungen in anderen (z.B. granitoiden) Gesteinen auf. Mischphasen sind nicht unüblich im unmittelbaren Kontaktbereich. Die meist eher Si-armen Gabbros reagieren dabei z.B. mit dem Si-reichen Nebengestein. Da die Gabbros magmatischen Ursprungs sind, bringen sie die nötige Energie mit. Je nach Größe der Intrusion und mitgeführten Energie sind die Kontaktzonen zum Nebengestein mehr oder weniger ausgebildet. Eine Erzführung ist bei Gabbrogesteinen durchaus möglich, da diese Gesteine auch bei verschiedenen Lagerstätten (Eisen, Kupfer, Nickel, Chrom, Platin,...) mit eine Rolle spielen.

Mit freundlichen Grüßen

Das Felsenmammut

Offline Sprotte

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #3 am: 28 Jun 12, 15:42 »
Hallo Felsenmammut,

ich stimme dir vollkommen zu, dass es sich um einen Subvulkanit handelt und dass es - bedingt durch die hohen Temperaturen des Magmas - zum Anschmelzen des umgebenden Gesteins und zu Mischvorgängen kam. Ich denke jedoch nicht, dass es sich um einen Gabbro handelt, da dieser mindestens 10% helle Minerale enthalten muss. Der Anteil, der nicht Phlogopit, Magnetit, Serpentin-Mineralen und Granat zugeordnet werden kann, beträgt jedoch nur ca. 5%. Ich würde bei meiner Einschätzung bleiben, dass es sich um einen Ultramafit handelt.

Viele Grüße
Sprotte (Ralf)

Offline smoeller

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #4 am: 28 Jun 12, 20:02 »
Hallo,

Es kann durchaus ein Ultramafitit sein. Hatte im März einen Dünnschliff von einem Bekannten zur Begutachtung erhalten. Das war ein Geschiebe aus Brandenburg. Zunächst konnte man es für einen Amphibolit halten, aber die mikroskopische Untersuchung ergab Hornblende mit Chlorit. Es war auch ein Ultramafitit, da keine Feldspäte oder gar Quarz vorhanden sind.

Von der Beschreibung würde Kimberlit oder Granatperidotit passen (letzterer kann durchaus auch Phlogopit führen).

Seltsam ist allerdings der hohe Magnetitgehalt. Von daher denke ich eher an ein Kumulatgestein, das von der Krustenbasis oder vom Boden einer Magmenkammer stammt. Da können dann Frühausscheidungen wie Magnetit, Chromit, Pyrrhotin, Pentlandit angerechert sein. Diese Kumulate können ungewöhnliche Zusammensetzungen haben, z.T. auf kleinstem Raum völlig andere Mineralverhältnisse (Einschlüsse in einem tischgroßen Brocken Phonolith vom Kaiserstuhl variierten von Amphibolreich über apatitreich, hauynreich bis zu Aegirin-Augit-reich).


Glück Auf
Smoeller

Offline Jörg

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #5 am: 28 Jun 12, 20:16 »
Hallo Ralf,

ein Ultramafit könnte ganz gut passen. Es gibt neben dem leicht grünlichen Alnöit auch eine recht dunkle Variante.
Auch die sonstigen, beschriebenen Gemengeanteile passen.
Würde das Gestein auch der Richtung E Sundsvall (Insel Alnön und Umgebung) zuordnen wollen.
Die sonstigen schwedischen Gesteine weichen doch deutlich von Deinem Fund ab.
Als einziger Unsicherheitsfaktor bleibt noch das Fengebiet (wie bei meinem Fund).

Beste Grüsse und Glück Auf!
Jörg

Offline Sprotte

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #6 am: 09 Jul 12, 20:02 »
Hallo Smoeller,

an die Option eines Kumulatgesteins hatte ich noch nicht gedacht - vielen Dank für den Hinweis. Kann dadurch auch der doch recht hohe Granatgehalt erklärt werden?

Viele Grüße
Ralf (Sprotte)
« Letzte Änderung: 10 Jul 12, 15:24 von Sprotte »

Offline Sprotte

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #7 am: 18 Okt 12, 18:53 »
Hallo Jörg,

Harry von Eckermann beschreibt in seiner Monografie [1] zum Alnö-Komplex in einem der Kapitel (Seite 56 – 64) hauptsächlich Jacupirangite und Pyroxenite, erwähnt jedoch eher nebenbei ebenfalls Peridotite, von denen er auch zwei Aufnahmen von Dünnschnitten vorlegt. Diese Peridotite bestehen aus "Titanomagnetit ..., überwiegend serpentiniertem Olivin und strohgelbem Biotit" (Phlogopit?). Zum Granatgehalt werden zwar keine Angaben gemacht, jedoch enthalten die assoziierten Jacupirangite und Pyroxenite oftmals Melanit. Obwohl Melanit bekanntlich dunkelrot bis schwarz gefärbt ist, ist aufgrund der doch teils sehr kleinen Granat-Kristalle in dem Geschiebe Melanit nicht von vorn herein auszuschließen.

Viele Grüße
Sprotte

[1] Harry von Eckermann: The Alkaline District of Alnö Island. Sveriges geologiska undersokning, Avhandlingar och uppsatser, Serie Ca, No. 36, Stockholm 1948.

Offline smoeller

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #8 am: 18 Okt 12, 19:37 »
Hallo,

Melanit möchte ich bei den abgebildeten Granaten ausschließen. Ich habe hunderte verschiedener Proben aus dem Kaiserstuhl gesammelt und darin Granate beobachtet. Die typischen Melanite, die im Gestein eingeschlossen vorkommen, sind schwarzbraun bis schwarz gefärbt, auch in kleinsten Körnern. Etwa so wie Titanaugite. Hellere, tw. durchaus gelbraune Kristalle treten nur auf jüngeren Kluftflächen auf, nur ein einziges Mal konnte ich bisher tatsächlich röotlichbraune Kristalle auf einer solchen Kluftfläche finden. Diese helleren Kristalle sind eindeutig nicht mehr dem Melanit (oder sogar Schorlomit) zuzurechnen, sondern allenfalls schwach Ti-haltige Andradite.

Die hier abgebildeten Granate würde ich anhand der Farbe (auch wenn das nur ein bedingter Anhaltspunkt ist), als Pyrop identifizieren, ein Mineral, das durchaus auch aus Kumulatgesteinen bekannt ist. So gibt es Granat-Pyroxenite, habe mal welche am Rubinberg in Sachsen gefunden, da war die Farbe der Granate schon sehr ähnlich.

Glück Auf!
Smoeller

Offline Sprotte

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #9 am: 19 Okt 12, 09:57 »
Hallo Smoeller,

ich war mir persönlich auch recht unsicher wegen des Melanits; daher auch die recht vorsichtige Formulierung. In der Tat könnte es sich wohl um Pyrop handeln. Allerdings war ich von der möglicherweise in dieser Absolutheit falschen Annahme geleitet, dass Granatführung (d.h. Pyrop) in Peridotiten auf deren Erdmantelherkunft hinweist (wozu aber im vorliegenden Fall der hohe Magnetit-Gehalt nicht passen würde). Es wird sich dann doch sicher um ein Kumulatgestein handeln (magnetitreicher Glimmer-Granatperidotit) [1], dessen Herkunft leider unklar bleiben muss (wie bei den allermeisten Geschieben).

Viele Grüße
Sprotte

[1] Als Indiz für ein Kumulatgestein kann auch die Ausrichtung der Glimmerkristalle parallel zum Nebengestein gelten (ich hatte anfangs einen Subvulkanit prädestiniert mit Ausrichtung der Glimmerkristalle infolge des Magmafließens). Bei der langsamen (schwerkraftgetriebenen) Sedimentation plättchenförmiger Kristalle (und anderer Objekte) orientieren sich diese plus/minus senkrecht zur Richtung der Sedimentation.

Offline Sprotte

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #10 am: 26 Jun 20, 16:11 »
Hallo alle zusammen,

das Thema ist zwar uralt - nun gibt es aber die Lösung für dieses Geschiebe: Es handelt sich um Eulysit, einem Metasediment aus Schweden (siehe z.B. hier: https://fundus.uni-hamburg.de/de/collection_records/28979).

Viele Grüße
Sprotte

Offline karlov

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Re: Ultramafit (Geschiebe)
« Antwort #11 am: 27 Jun 20, 23:19 »
Hoppla, so ein Glückstreffer! Bei solch einem zunächst eher unauffälligem Gestein. Da steht Granulit, inwiefern ist denn mit granulitfaziellen Gesteinen in Mittelschweden zu rechnen? Entstanden diese unter vergleichbaren Bedingungen wie die Granulite aus SW-Schweden (die meines Wissens nach und platt gesagt durch eine Kontinent-Kontinent-Kollision entstanden)?

Grüße,
karlov

 

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