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Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation

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oliverOliver:
Unterpannones Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation

1. Grundlegendes (Verbreitung und Datierung der Sedimente, Fundsituation)
Die Hollabrunn-Mistelbach-Formation ist vor allem für ihre Säugetierfauna (mit teils spektakulären Funden) bekannt. Aber auch fossile Pflanzenreste dieser Formation sind in vielen öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten.
Grundlegendes habe ich zwar schon unter einem anderen Thema kurz zusammengefasst: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg230545.html#msg230545
Trotzdem hier nochmals die wesentlichen „basics“ für das Thema.

Die niederösterreichische „Hollabrunn-Mistelbach-Formation“ (HMF) besteht aus fluviatilen Schottern und Sanden der sogenannten „Urdonau“ bzw. Paläo-Donau. Mit einem Alter von ca. 11 – 7 Mio. Jahren gehören diese Sedimente ins obere Miozän, genauer ins untere Pannonium.
Die „Urdonau“ verlief, von Südwesten (aus dem Raum Krems) kommend, über die südlichen Ausläufer des Manhartsbergzuges und dann in einer maximal 15 km breiten Zone nach Nordosten quer durch das Weinviertel, und mündete bei Mistelbach in den „Pannon-See“. Es werden dabei zwei Sedimentationsmillieus unterschieden: ein „Gravel-bed-river-System“ im Westen, und ein „Braid-Delta-System“ im Osten. Als allgemeines Ablagerungsmodell wird ein „Braided-river-System“ mit Übergängen zu einem „Wandering-river-System“ angenommen (Nehyba und Roetzel 2004).
Südwestlich von Krems könnten die vermutlich ebenfalls pannonen limnisch-fluviatilen Laimbach-Trandorf-Sedimente zu diesem Urdonau-Talverlauf gehören (Fuchs und Roetzel 1990; Steininger und Roetzel 1999, 87; Nehyba und Roetzel 2004, 192 f.). Auch die oberösterreichischen Hausruckschotter und Kobernaußerwald-Schotter sind (anscheinend) Reste des gleichen Flusssystems wie die Schotter der HMF (Nehyba und Roetzel 2004, 192; Roetzel u. a. 1999, 44.).
Fossile Hölzer aus diesen HMF-Schottern sind seit langem bekannt, aber leider ziemlich selten. Sie stammen innerhalb dieses Schotterkörpers überwiegend aus Rinnenfüllungen, genauer aus den Rinnenbodensedimenten (Nehyba und Roetzel 2004, 205).
Die schönsten Kieselholzfunde der HMF stammen aus Schottergruben, doch sind von diesen die meisten heute aufgelassen. In den verbliebenen wird in großem Stil abgebaut und das Betreten ist meist verboten. Die „guten Zeiten“, in denen in vielen kleinen Gruben wenig intensiv (und somit „sammlerfreundlich“) abgebaut wurde, sind also vorbei. Heute sind Funde eher auf Feldern möglich, wobei natürlich die Chancen für größere und nicht durch die landwirtschaftliche Tätigkeit beschädigte Stücke ziemlich gering sind.
Ich selbst habe bisher aus der HMF nur miese oder in der Zuordnung unsichere Hölzer (siehe den obigen link). Daher hier - unten - zwei Fotos von einem prachtvollen Stück mit Astabgang, das im Krahuletzmuseum in Eggenburg ( http://www.krahuletzmuseum.at/ ) ausgestellt ist (Fotos und Veröffentlichung mit Genehmigung der Museumsdirektion).
Schöne Stücke liegen auch in der Sammlung von Herbert Preisl:
http://members.aon.at/herbert-preisl/page_1_1.html   
(die meisten Hölzer auf dieser Seite aber aus anderen Formationen).
   edit (16.2.2013): die Fotos auf dieser website werden öfters ausgetauscht - derzeit leider keine Hölzer zu sehen !
   edit 20.4.2013: wieder Hölzer auf der homepage, aber nicht mehr unter "aktuell", sondern unter "Info".

Grundlegende Literatur (wird in folgenden Beiträgen abgekürzt zitiert):
• Fuchs und Roetzel 1990: G. Fuchs und R. Roetzel, Geologische Karte der Republik Österreich 1 : 50.000, Erläuterungen zu Blatt 36 Ottenschlag. Geol. BA, Wien 1990.
• Nehyba und Roetzel 2004: The Hollabrunn-Mistelbach Formation (Upper Miocene, Pannonian) in the Alpine-Carpathian Foredeep and the Vienna Basin in Lower Austria – An example of a Coarse-grained Fluvial System. Jb. Geol. B.-A. 144/2, 2004, 191 ff.
• Steininger und Roetzel 1999: F. F. Steininger und R. Roetzel, Jüngeres Tertiär. In: F. F. Steininger (Hrsg.), Erdgeschichte des Waldviertels, SchrR. Waldviertler Heimatbund 38, Horn-Waidhofen/Thaya 19992, 79 ff.
• Roetzel u. a. 1999: R. Roetzel, O. Mandic und F. F. Steininger, Lithostratigraphie und Chronostratigraphie der tertiären Sedimente im westlichen Weinviertel und angrenzenden Waldviertel. In: R. Roetzel (Hrsg.), Arbeitstagung geol. BA Retz 1999, Wien 1999, 40 ff.

oliverOliver:
wie gesagt, ich selbst hab (noch) keine guten, gesichert aus der HMF stammenden Hölzer.
also, werte Kieselholz-Community:
ran an die Kameras, und Fotos hier einstellen !

oliverOliver:
Das schönste (und gesicherte) HMF-Holz aus der Sammlung von Herbert Preisl hab ich schon im Thema "bescheidene Hölzer ...." (AW # 45: http://www.mineralienatlas.de/forum/index.php/topic,7054.msg230726.html#msg230726 ) vorgestellt -
weil es aber so ein prachtvolles "Ausnahmestück" ist, hier noch einmal ein anderes Foto. Es stammt aus der Umgebung von Mistelbach, und wurde von Peter C. Huber vorläufig (ohne Garantie) mal als "Eiche" angesprochen.

oliverOliver:
so zwischendurch:
Sandgrubenimpressionen aus der HMF, Teil 1.
Grube in der Umgebung von Hollabrunn.

Niederösterreich: miozänes Kieselholz aus der Hollabrunn-Mistelbach-Formation

oliverOliver:
Schottergrubenimpressionen aus der HMF, Teil 2.
Aufgelassene Grube im Schmidatal.

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